Hallo Freunde

Hier findet ihr hunderte Gute Nacht Geschichten, die ich für euch zum Vorlesen oder selber schmökern geschrieben habe. Egal, ob ihr etwas mit Prinzessinnen, Kindern, Tieren, Cowboys, Weltraumabenteuern oder anderen spannenden Geschichten sucht, hier werdet ihr bestimmt etwas Passendes finden.

Solltest du einmal keine passende Geschichte zu einem Thema deiner Wahl gefunden haben, dann entschuldige ich mich jetzt schon dafür. Um dir so schnell wie möglich deine Wunschgeschichte nachzuliefern, melde dich einfach bei mir. Ich schreibe nämlich auch „auf Bestellung“. Alles Weitere dazu findest du hier.

In dieser Sammlung befinden sich derzeit:
592 Geschichten, 6 Podcasts, 29 Hörgeschichten
und es kommen regelmäßig Neue hinzu. Sie sind alle im Inhaltsverzeichnis nach Kategorien sortiert, damit du schneller findest, was du gerade suchst.
Und nun viel Spaß beim Lesen.

Der Marco


Aktuelle Geschichte: 592. Emma und die Außerirdischen

Letztes Update: Sonntag, 20. August 2017

Passende Geschichten zum Sommer findest du HIER!

592. Emma und die Außerirdischen

Emma und die Außerirdischen

Am Nachmittag kam die kleine Emma aus der Kindertagesstätte. Nachdem sie Mama und Papa begrüßt hatte, lief sie, wie an jedem Tag, in ihr Kinderzimmer, sammelte ihre Puppen zusammen und spielte mit ihnen.
»Du immer mit deinen langweiligen Puppen.«, sagte ihr großer Bruder Christian, der schon fünfzehn Jahre alt war. »Es gibt doch viel coolere Sachen, mit denen man spielen kann.
Nach einer Stunde kam Emma mit einer Hand voll Puppen ins Wohnzimmer. Dort saß Christian gerade vor dem Fernseher und sah sich etwas an.
»Kannst du das nicht leiser machen?«, fragte Emma. »Meine Puppen und ich wollen jetzt eine Teeparty machen.«
»Teeparty?«, fragte ihr Bruder ungläubig. »Warum spielst du das denn nicht in deinem Zimmer? Hast du da nicht genug Platz?«
Emma schüttelte den Kopf. »Mama hat mir doch verboten, etwas zu Essen oder zu Trinken mit in mein Zimmer zu nehmen, weil ich da schon so oft etwas verschüttet habe.«
Dann ging sie in die Küche und holte sich eine große Tasse Früchtetee, die Mama gerade gekocht hatte.
Emma platzierte ihre Puppen auf den Sesseln und Sofas. Jede von ihnen bekam eine leere Tasse. Dazu noch einen kleinen Teller.
»Es ist angerichtet, meine Damen. Ich hoffe, dass es euch schmeckt.«
Sie war mitten in ihrem Spiel, als sie von einem lauten Schrei gestört wurde.
»Mensch, Christian. Mach das doch mal leiser. Siehst du denn nicht, dass sich die Damen hier ganz dolle erschrocken haben?«
Emma schnappte sich die Fernbedienung und wollte einfach abschalten. Doch dann sah sie auf den Bildschirm.
»Was guckst du da eigentlich. Warum sehen die Menschen da so komisch aus?«
Christian verdrehte die Augen. »Die sehen nicht komisch aus, das sind Aliens – Außerirdische. Die kommen von einem anderen Planeten. Die sehen halt ganz anders aus, damit man sie von den Menschen unterscheiden kann. Sie greifen gerade die Erde an und wollen sie erobern. Und wenn dann jemand erschossen wird, dann wird auch schon mal geschrieen.«
»Aha.«, antwortete Emma nur. »Zu laut ist es trotzdem. Dein komischer Alienfilm ist doof.«
Dann packte sie ihre Puppen und ging mit ihnen nun doch zurück in ihr Zimmer.
Eine ganze Weile später kam Mama ins Wohnzimmer. Noch immer sah sich Christian Filme mit Außerirdischen an.
»Jetzt ist aber langsam genug.«, sagte Mama. Meine Serie fängt gleich an. Jetzt wird umgeschaltet.«
Sie sah sich um.
»Wo ist eigentlich Emma? Sie sollte ihre Teeparty hier im Wohnzimmer machen.«
Christian zuckte nur mit den Schultern und hoffte, noch ein paar Minuten vor dem Fernseher bleiben zu können.
»Los, steh auf und hilf mir suchen.«
Er seufzte, schaltete ab und stand auf. Lange suchen musste er nicht. Er fand seine kleine Schwester in ihrem Zimmer, aus dem er ihre Stimme hörte. Christian öffnete die Tür und sah hinein. Was er dahinter entdeckte, überraschte ihn. Emma hatte alle ihre Puppen im Gesicht bunt angemalt und manchen die Haare abgeschnitten.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte er überrascht. »Was hast du denn mit deinen Puppen angestellt. Da darf doch sonst niemand was mit machen.«
Emma drehte sich um und grinste.
»Das sind keine Puppen. Das sind Aliens. Und sie wollen nicht die Erde erobern. Sie sind nett und wollen mit mir eine Teeparty feiern. Ist das nicht cool? Aliens sind voll in Ordnung.«
Christian verdrehte die Augen und verließ Emmas Zimmer.
»Alles in Ordnung.«, rief er Mama zu. »Hab die Kurze gefunden.«
Emma spielte währenddessen weiter mit ihren Aliens.
»Eines Tages möchte ich mich mal mit echten Außerirdischen treffen und eine Tasse Tee mit ihnen trinken. Das wird bestimmt richtig cool.«

(c) 2016, Marco Wittler

591. Papa und der Regenmacher

Papa und der Regenmacher

Der Sommer war heiß. Zu heiß. Seit Wochen zeigte das Thermometer täglich mehr als dreißig Grad. Schon morgens begann man zu schwitzen, ohne sich zu bewegen.
Hannah hatte darauf keine Lust mehr. Sie wollte endlich Regen. Jetzt sofort. Wenigstens heute. Einmal nur. Danach durfte wieder die Sonne scheinen. Nur so heiß brauchte es nicht mehr werden.
Sie sah zum Himmel hinauf. Alles blau da oben. Keine einzige Wolke war zu sehen. Nicht einmal ganz weit hinten war eine zu entdecken. Es würde also wieder nicht regnen. Enttäuscht verzog sie den Mund und schmollte.
»Was ist denn los?«, fragte Papa neugierig.
»Mir ist so heiß. Ich will endlich Regen.«, antwortete Hannah.
»Hm.«, machte Papa und dachte nach. Er grübelte hin und her, bis er schließlich zu grinsen begann.
»Ich habe da eine Idee.«
Er ging in das kleine Gartenhaus, in dem sich seine Werkstatt befand. Dort suchte er sich ein langes Papprohr, eine große Schachtel mit Nägeln und ein paar alte Putzlappen.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Hannah wissen. »Damit bekomme ich auch keinen Regen.«
»Worum wollen wir wetten?«
Papa begann zu basteln. Nach und nach drückte er mit seinem Daumen die Nägel in die Röhre. Am Ende waren es bestimmt tausend Stück. Eines der offenen Enden verschloss er nun mit einem Lappen. Auf der anderen füllte er Reis, den Hannahs Bruder Tim inzwischen geholt hatte. Dann wurde auch diese Seite dicht gemacht.
»Was soll das sein?«, fragte Hannah.
»Das ist ein Regenmacher.«, antwortete Papa stolz. »Damit machen wir jetzt Regen.«
»Regen? Mit einem Papprohr? Das glaube ich dir nicht. Das kann nicht funktionieren.«
»Wollen wir wetten?«
Papa schob Hannah unter den großen Kirschbaum und setzte sie auf die Holzbank.
»Damit du nicht so nass wirst.«
Papa drehte den Regenmacher um. Der Reis prasselte nach unten. Es hörte sich tatsächlich wie Regen an. Nur Sekunden später begann es tatsächlich zu regnen. Hannah wurde pitschnass auf ihrer Bank.
»Hey!«, rief sie entsetzt und entdeckte Tim über sich auf einem Ast sitzend. Er hatte eine komplette Gießkanne über ihr ausgeleert.
» Toller Regenmacher. Wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so warm.«, lachte Hannah begeistert.

(c) 2017, Marco Wittler

590. Finns erstes Kommando

Finns erstes Kommando

Finn stand im Flur vor dem großen Kalender, den Mama an die Wand gehängt hatte. Lesen konnte er noch nicht, aber trotzdem wusste er ganz genau, was für den morgigen Tag eingetragen war: ‚Finns sechster Geburtstag‘.
»Mein sechster Geburtstag. Endlich.«
Der sechste Geburtstag. Das war etwas ganz Besonderes. Nicht so gewöhnlich, wie der Vierte oder Fünfte. Es war der Sechste. Schon bald würde er in die erste Klasse der Grundschule gehen dürfen. Dann würde er kein kleines Kindergartenkind mehr sein.
»Dann gehöre ich endlich zu den Großen.«
Er dachte nach.
»Dann werde ich auch keine Kinderspiele mehr machen. Ich bin ab Morgen ein großer Junge. Dann spiele ich auch nur noch Sachen, die die Großen gern machen.«
Was das sein sollte, wusste er selbst nicht. Aber er nahm sich vor, nie wieder im Sandkasten zu spielen.
Finn lief in sein Zimmer und sah sich um. »Aber was spielen große Jungs?«
Er sah nichts. Nur zu gern hätte er seine alten Spielzeuge aus den Regalen geräumt und Neue besorgt. Aber was bloß?
»Vielleicht fällt mir Morgen früh etwas ein. Denn jetzt bin ich ja noch klein.«
Er machte sich zum Schlafen fertig, ließ sich von Mama noch eine Gute Nacht Geschichte vorlesen und freute sich beim Einschlafen auf Morgen.

Am nächsten Morgen war Finn schon sehr früh wach. Als dann endlich der Wecker klingelte, sprang er sofort von seinem Bett in seine Klamotten und Schuhe.
»Ich bin wach! Ich bin wach!. Jetzt bin ich sechs. Ich bin ein großer Junge!«
Finn stellte sich vor den großen Spiegel im Flur, in dem sich Mama jeden Tag ihre schicken Kleider ansah.
»Ist ja seltsam.«, murmelte Finn enttäuscht. »Ich sehe gar nicht größer aus. Ist irgendwie alles wie gestern.«
Er zuckte mit dem Schultern. »Ich gehöre jetzt trotzdem zu den Großen.«
Als er später im Kindergarten war, überlegte er ziemlich lange, womit er sich die Zeit vertreiben sollte. Sein Freund Lukas lud ihn ein, gemeinsam eine Sandburg zu bauen.
»Sandburgen? Nicht mit mir.«, lehnte Finn ab. »Das ist was für Kleine. Als großer Junge macht man sowas nicht mehr.«
Lisa, ein Mädchen, mit dem er schon öfter gespielt hatte, kam mit einer anderen Idee auf ihn zu.
»Magst du mit mir Vater, Mutter, Kind spielen? Ich bin die Mama, du der Papa und meine Püppi ist unser Baby. Ist doch cool, oder?«
Finn verdrehte aber nur die Augen.
»Ich mache keine Kindergartenspiele mehr. Ich bin sechs Jahre als. Das ist nichts mehr für mich.«
So ging es den ganzen Tag weiter. Finn wollte nichts mit den anderen Kindern spielen. Er wusste auch nicht, was er als großer Junge spielen sollte. Niemand war da, um ihm einen Tipp zu geben. Leider gab es im Kindergarten keine anderen großen Jungs, denn Finn war der Älteste hier.
Unzufrieden verzog er sich in den Gruppenraum und setzte sich an einen der Tische. Er holte sich ein Blatt Papier, einen Buntstift und begann, etwas zu kritzeln.
»Was wird denn das?«, fragte Kindergartentante Fritzi.
»Ich schreibe.«, antwortete Finn genervt.
»Ich versuche jedenfalls zu schreiben. Ist gar nicht so einfach, wenn man die Buchstaben nicht kennt. Aber große Jungs müssen das können.«
Fritzi setzte sich lächelnd mit an den Tisch.
»Aber warum willst du unbedingt schreiben können? Das lernst du doch bald in der Schule.«
»Weil ich jetzt sechs Jahre alt bin. Ich bin ein großer Junge. Und große Jungs machen keine Kindergartenspiele mehr.«
»Hm.«, machte Fritzi.
»Ich glaube, ich habe da eine Idee. Als ich sechs wurde, wollte ich auch keine Kindergartenspiele mehr machen. Und meine Kindergartentante hat mir dann einen ganz tollen Tipp gegeben. Sie schlug mir ein ganz neues Spiel vor. Es heißt ‚Kindergarten.«
»Kindergarten?«, fragte Finn.
»Was soll das denn für ein komisches Spiel sein? Das hört sich aber gar nicht cool an.«
»Das ist es ja gerade. Es ist so cool, dass es die anderen gar nicht bemerken. Man tut so, als wäre man ein kleines Kindergartenkind. Aber weil man schon groß ist, kennt man bei allen Spielen die Regeln und ist meist besser als die anderen.«
Das leuchtete ein. Finn grinste und lief nach draußen.
»Danke, Fritzi. Ich gehe jetzt Kindergarten spielen.«

Am Abend kam Papa von der Arbeit. Finn zeigte ihm stolz seine vielen Geburtstagsgeschenke, die er am Nachmittag bekommen hatte. Danach erzählte er ihm von seinem großen Problem. Er hoffte darauf, dass Papa ihm zeigen konnte, was große Jungs gern spielen. Immerhin war Papa auch mal ein Junge.
»Hm.«, machte Papa. »Lass uns mal in dein Zimmer gehen. Wir schauen uns einfach um und finden was für dich.«
Während Papa sich alle Schränke und Regale ansah, blickte Finn gelangweilt aus dem Fenster und sah zum dunklen Himmel hinauf. Plötzlich hatte er einen Einfall.
»Jetzt weiß ich es.«, rief er. »Ich will Astronaut spielen und in den Weltraum fliegen. Das machen wirklich nur große Jungs.«
Wieder machte Papa »Hm. Ich kann aber nichts finden. Keine Spielzeugraumschiffe, keine Astronautenfiguren. Du hast auch keine Bücher über den Weltraum. Da wirst du noch etwas warten müssen.«
Finn schüttelte den Kopf.
»Keine Spielzeuge. Ich will richtig Astronaut spielen. Oder noch besser: Ich will ein Raumschiffkommandant sein. Dann kann ich auf meinem bequemen Kommandantensessel sitzen und meiner Mannschaft Befehle geben.«
Er dachte an eine Serie, die vor ein paar Tagen im Fernsehen lief. Darin war es auch so gewesen.
»Wir haben kein Raumschiff.«, entschuldigte sich Papa.
»Brauchen wir auch nicht.«
Finn verdrehte die Augen.
»Wir spielen doch nur. Können wir nicht aus unserem Auto ein Raumschiff machen? Mein Kindersitz ist der Kommandantensessel und du bist der Pilot. Gemeinsam fliegen wir dann von einem Planeten zum nächsten.
Papa schwieg und dachte wohl noch über diesen Vorschlag nach.
»Bitte, bitte, bitte.«, bettelte Finn.
»Na gut. Zieh dir deine Jacke an. Wir fliegen in ein paar Minuten ab.«

Kurze Zeit später saßen sie zu zweit im Auto.
»Maschinen starten.«, befahl Finn.
Papa drehte den Zündschlüssel um.
»Steuermann, bringen sie uns raus.«
Papa gab langsam Gas und fuhr den Wagen von der Garage auf die Straße.
»Wo soll es hingehen, Sir? Welche Richtung?«, fragte er nach hinten.
Finn dachte nach. Sollte es zum Mond gehen? Zur Sonne? Oder irgendwohin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war?
Schließlich erinnerte er sich an eines seiner Lieblingsbücher, das ihm Mama so oft vorgelesen hatte.
»Flieg einfach vorbei am zweiten Stern von rechtsund dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung.«
»Aye, Sir.«, antwortete Papa und fuhr los.
Finn setzte sich seinen Fahrradhelm auf, den er nun als Astronautenhelm benutze. Dabei grinste er von einem Ohr zum anderen.
»War gut, dass mir Mama immer wieder Peter Pan vorgelesen hat. Aber ab jetzt will ich nur noch Weltraumgeschichten vor dem Schlafen hören.«

(c) 2016, Marco Wittler

589. Nik und Nele und das Weltraummonster (Nik und Nele 12)

Nik und Nele und das Weltraummonster

Die Zwillinge Nik und Nele lagen in ihrem Etagenbett und sollten eigentlich schlafen. Zumindest hatte Mama darauf bestanden. Schlafen konnten die beiden aber trotzdem nicht. Zu groß war die Abenteuerlust. Sie wollten noch etwas unternehmen.
»Wohin fliegen wir heute Nacht?«, fragte Nik von der oberen Matratze.
»Ich schaue mal in mein Weltraumbuch.«, antwortete Nele von unten und begann sofort zu blättern.
Normalerweise wartete Nik geduldig darauf, dass seine Schwester etwas fand. Doch dieses Mal, hatte er selbst Lust, ein Flugziel zu suchen. Er kletterte aus dem Bett und ging zur Balkontür. Dort stand das Teleskop, mit dem die Kinder abends immer die Sterne am Himmel beobachteten.
Er richtete das Teleskop auf den Mond aus und warf einen Blick hindurch.
Verdutzt zog er sofort seinen Kopf zurück und sah verwirrt zu Nele. Dann schaute er noch einmal zum Mond hinauf.
»Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Wenn ich das richtig gesehen habe, wird der Mond von einem riesigen Weltraummonster angegriffen. Wir müssen sofort etwas unternehmen.«
Nele legte sofort ihr Buch zur Seite und sprang aus dem Bett.
»Kann doch gar nicht sein. Was soll das denn für ein Monster sein, das dem Mond gefährlich werden kann? Lass mich mal sehen.«
»Aber wenn ich es dir doch sage. Das Monster sieht unglaublich gefährlich aus uns ist sogar ein Stück größer als der Mond. Es wird ihn bestimmt fressen und dann die Erde angreifen.«
Nele schob Nik zur Seite und sah nun selbst durch das Teleskop in den Nachthimmel.
Sie begann zuerst zu grinsen, dann kicherte sie leise. Schließlich lachte sie fast so laut, dass Mama es hätte hören können.
»Du bist mir ja ein großer Angsthase. Du kannst eine Spinne nicht von einem Weltraummonster unterscheiden.«
Sie ging um das Teleskop herum und nahm eine kleine Spinne vom Objektiv auf. Das Tier war nur wenige Millimeter klein und krabbelte ängstlich auf Neles Hand hin und her.
»Die bringe ich mal lieber nach draußen, bevor sich dich noch auffrisst.«, neckte sie ihren Bruder.
»Ich glaube, wir bleiben heute Nacht zu Hause. Das Weltall ist eindeutig zu gefährlich für dich, Bruderherz.«
Sie öffnete die Balkontür, entließ die Spinne in die Freiheit und legte sich dann wieder ins Bett.

(c) 2017, Marco Wittler

588. Es soll wieder schneien

Es soll wieder schneien

Nick sah durch das Fenster nach draußen. Vor ein paar Minuten hatte es zu scheien begonnen. Dicke, fette Flocken fielen vom Himmel. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis die Erde unter einer weißen Schneedecke verschwunden war.
Nick jubelte. Dann lief er in den Hausflur, zog sich seine Winterschuhe, die dicke Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe an.
»Ich gehe raus in den Schnee!«, rief er laut durchs Haus, damit Mama und Papa ihn hören konnten. Nur Sekunden später stand er draußen auf dem Gehweg.
»Nanu.«, wunderte sich Nick und sah enttäuscht zum Himmel hinauf. »Wo ist denn der Schnee geblieben?«
Tatsächlich hatte es bereits wieder aufgehört zu schneien. Bis auf ein paar Flocken am Boden sah nichts nach einem ordentlichen Winter aus.
Nick ging wieder zurück ins Haus und warf seine Mütze quer durch den Flur.
»Das Wetter ist doof und blöd.«
Mama lachte. »Warum ist das Wetter doof und blöd?«
Nick verdrehte die Augen. »Weil das Wetter mich nicht leiden kann. Kaum bin ich draußen, schneit es schon nicht mehr. Das ist voll unfair.«
Er wollte sich gerade seine Winterklamotten ausziehen, als Papa aus dem Keller kam.
»Was hab ich da gehört? Der Winter kann dich nicht leiden? Das geht ja mal gar nicht. Ich glaube, ich muss mir da was einfallen lassen.«
Papa zog sich ebenfalls seine Wintersachen an und ging dann grinsend nach draußen in sein Gartenhäuschen. Er kramte ein paar Minuten lang in seinen vielen Geräten herum, bis er das Richtige fand. Zum Vorschein kam er dann mit einem großen Irgendwas.
»Was ist  denn das?«, wollte Nick wissen.
»Das ist mein Laubbläser. Damit puste ich normalerweise das Herbstlaub zu einem Haufen zusammen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man damit auch dem Winter auf die Sprünge helfen kann.«
Gemeinsam gingen sie wieder nach vorn auf den Gehweg. Papa schaltete den Laubbläser ein. Mit einem Ohren betäubenden Lärm pustete er ganz viel Luft aus dem großen Rohr und blies damit die gefallenen Schneeflocken wieder zurück in den Himmel, um erneut herab schneien zu können.
»Juhuu, es schneit wieder!«
Nick war begeistert und sprang immer wieder in den Schneeflocken herum.

(c) 2017, Marco Wittler

587. Schnee im Sauerland

Schnee im Sauerland

»… wird es auch in den nächsten Tagen zu kräftigen Schneefällen bei uns im Sauerland kommen.«, ertönte es aus dem Radio.
»Juhuu!«, jubelte Max. Dann kann ich endlich mit meinem neuen Schlitten fahren, das erste Mal in meinem Leben.«
Sofort flitzte er in den Keller und mühte sich ein paar Minuten später mit dem schweren Schlitten die Treppenstufen hinauf. Dann zog er sich seine dicken Stiefel, die warme Winterjacke, Mütze, Schal und Handschuhe an und zog den Schlitten hinter sich her nach draußen in den Garten.
Max setzte sich auf den Schlitten und gab Gas. Schon wollte er laut jubeln, aber er kam nur wenige Zentimeter weit.
»Nanu? Warum funktioniert das denn nicht? Im Fernsehen sieht das immer so einfach aus.«
Er schlug frustriert mit der Faust auf den Schlitten. Dann versuchte er es ein zweites Mal. Noch immer kam er nicht vom Fleck.
»Endlich ist mal genug Schnee gefallen und dann ist der Schlitten kaputt. Menno!«
Inzwischen war auch Papa nach draußen gekommen. Er grinste, als er sah, was dort vor sich ging.
»So wird das nicht gehen. Für deinen Schlitten brauchst du noch einen Hügel, den du hinunter fahren kannst.«
Max klopfte sich leicht mit der Hand vor die Stirn.
»Oh man, ich bin ja blöd. Daran hätte ich auch sofort denken können.«
Er sah sich um und musste feststellen, dass hier in der Stadt kein einziger Hügel zu sehen war. Die Berge waren alle ein paar Kilometer weit entfernt.
»Papa?«, fragte er mit einem bettelndem Blick. »Kannst du mir vielleicht helfen?«
Ein paar Minuten später fuhr Max dann doch mit dem Schlitten über den Schnee. Papa war so nett und zog ihn kreuz und quer durch den Garten.

(c) 2017, Marco Wittler

586. Wo sind die Ostereier?

Wo sind die Ostereier?

Es war Ostern. Max hatte die ganze Nacht kaum schlafen können, so aufgeregt war er. Und nun saß er mit Mama und Papa am Frühstückstisch und konnte es kaum erwarten, in den Garten zu laufen. Zum Glück spielte das Wetter mit. Die Sonne schien. Den Ostereiern sollte es also gut gehen. Sie würden nicht im strömenden Regen ertrinken.
»Wann darf ich denn endlich nach draußen?«, drängelte Max.
Mama verdrehte genervt die Augen. Diese Frage hatte sie ihrem Sohn mittlerweile schon fünf Mal beantwortet.
»Du wirst dich gedulden müssen, bis Oma und Opa da sind. Sie wollen mit in den Garten gehen.«
Max verzog den Mund und schmollte. So lange konnte er einfach nicht warten. Zu groß war die Gefahr, dass ihm jemand zuvor kam und alle versteckten Eier einsteckte.
Zum Glück kamen die Großeltern dann aber direkt nach dem Frühstück. Jetzt konnte es endlich losgehen. Max zog sich seine Schuhe an, öffnete die Tür zum Garten und lief mit seinem kleinen Korb nach draußen.
Er flitzte in die eine Ecke, von dort in die nächste Ecke. Er ging zu jedem Busch, sah hinter jedem Blatt nach und drehte jeden Stein einzeln um. Was er dabei fand war … Nichts.
Nirgendwo war auch nur ein einziges Ei zu finden. Auch der übliche Schokoladenhase befand sich nicht hier im Garten.
Verärgert lief Max zur Terrasse und warf seinen leeren Korb auf den Boden.
»Es war schon jemand vor mir hier und hat mir alle Einer geklaut.«
Er sah sich noch einmal um. Mit Blick auf den Zaun, den Papa um den ganzen Garten gebaut hatte, fiel ihm ein, dass es gar nicht so einfach war, von außen hier herein zu kommen.
»Oder der Osterhase war gar nicht hier.«, fügte er kleinlaut und traurig hinzu.
»Wie konnte mich der Osterhase nur vergessen? Er war doch jedes Jahr hier. Er wird doch bestimmt eine Liste mit allen Kindern haben, denen er Eier und Schokolade zu verstecken hat.«
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Verwirrt sah Mama den Rest der Familie an. Wer konnte das denn sein? Es waren alle Gäste bereits hier.
Sie ging zur Tür. Max folgte ihr neugierig. Dann öffneten sie gemeinsam die Tür. Als sie sahen, wer da vor ihnen stand, wären ihnen beinahe die Augen aus den Köpfen gefallen. Es war der Osterhase.
»Tut mir leid. Ich habe es nicht mehr rechtzeitig geschafft, etwas bei euch im Garten zu verstecken. Mir geht es grad nicht so gut.«
Entschuldigend zeigte er die beiden Krücken vor, auf die er sich stützte.
»Ich bin gestern hingefallen und habe mir ein Bein gebrochen.«
Max seufzte erleichtert. Der Osterhase hatte ihn doch nicht vergessen.
Der Osterhase griff hinter sich und holte ein gefülltes Osterkörbchen hervor.
»Das ist für dich lieber Max. Und jetzt muss ich weiter. Ich muss noch ganz viele Kinder besuchen.«
Max Augen begannen plötzlich zu leuchten.
»Moment mal. Ich werde dir helfen, wenn ich darf. Du zeigst mir die Häuser der anderen Kinder und ich werde für dich die Eier verstecken. Das wollte ich schon immer machen.«
»Und ich werde euch zwei mit meinem Auto durch die Stadt fahren.«, schlug Mama vor.
Der Osterhase lächelte verlegen und bedankte sich.
»Das ist wirklich oberklasse von euch. Mit Hilfe habe ich gar nicht gerechnet.«
Max und Mama packten die vielen bunten Eier in den Kofferraum des Autos. Dann fuhren sie zu dritt von einem Haus zum anderen und versteckten die Eier in allen Gärten und versüßten so das Osterfest der Kinder.

(c) 2017, Marco Wittler

585. Nik und Nele auf dem kleinen Mond (Nik und Nele 11)

Nik und Nele stehen in ihrer elften Geschichte Pate für eine ganz neue Serie. Unter dem Titel „Mein kleiner Mond und ich“ erscheinen regelmäßig neue Geschichten über ein kleines Mädchen, dass mit seinem kleinen Mond in den Weiten des Alls unterwegs ist und sich von den Wundern des Universums begeistern lässt. Diese neue Serie hat eine eigene Seite, die du am Ende der folgenden Geschichte findest.

Nik und Nele auf dem kleinen Mond

Die Zwillinge Nik und Nele hatten sich bereits ihre Klamotten für die Nacht angezogen. Nele saß in ihrem Nachthemd auf der unteren Matratze des Etagenbettes, ihr Bruder Nik in seinem bunten Weltraumschlafanzug darüber. Jeder von ihnen hatte noch ein Buch in der Hand, die beide viele Bilder von Sonnen, Planeten, Monden und weit entfernten Galaxien zeigten.
»Schon cool, was es alles im Weltall gibt.«, schwärmte Nik von oben. »Da draußen gibt es ja noch so unglaublich viel zu entdecken. Ob die Menschheit jemals jedes Geheimnis des Universums lösen wird?«
Nele lachte.
»Ganz bestimmt nicht. Dafür ist das Universum auch viel zu groß. Mit den Teleskopen, die heute benutzt werden, kann man eh nicht alles sehen. Dafür müsste man schon mit einem schnellen Raumschiff überall hinfliegen können. Aber davon gibt es auf der Erde nicht so viele.«
Da musste Nik ihr zustimmen. Ihm fiel nur ein einziges Raumschiff ein, dass in der Lage war, weit entfernte Planeten zu erreichen. Doch das gehörte nicht den Wissenschaftlern der Erde.
Nele blätterte in ihrem Buch weiter.
»Wow. Schau mal auf Seite 32. Da steht was über eine Supernova. Schaut irre aus.«
Sie dachte nach und grinste.
»Wäre das nicht eine coole Sache, wenn wir uns das mal anschauen, wie eine alte Sonne explodiert und stirbt? Das hat bestimmt noch kein Mensch aus der Nähe gesehen.«
In diesem Moment kam Mama ins Kinderzimmer und sammelte die Bücher ein.
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.«, sagte sie. »Es wird langsam Zeit zu schlafen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen wieder eure Nasen in eure Bücher stecken.«
Mama deckte ihre Zwillinge zu, gab ihnen einen Gute Nacht Kuss und wünschte ihnen eine gute Nacht.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Wir werden uns eine Supernova anschauen. In meinem Buch habe ich von einer Sonne gelesen, die schon sehr alt ist und nicht mehr lange leben wird. Wenn wir Glück haben, explodiert sie heute Nacht. Dann werden wir die ersten Menschen sein, die so etwas gesehen haben.«
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Supernova.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

Das Etagenbett raste nach wenigen Sekunden an der internationalen Raumstation ISS vorbei, passierte den Mond und verließ unser Sonnensystem. Das Ziel war eine weit entfernte Sonne, die zu Beginn der Reise nur als kleiner, weißer Punkt im All zu erkennen war. Doch mit jeder Minute wurde dieser Punkt größer.
»Wir sind bald da.«, erklärte Nele. »Opa hat am Wochenende ein paar Stunden an unserer Technik geschraubt und den Antrieb verbessert. Unser Bett jetzt fast doppelt so schnell wie vorher.«
Nik war begeistert. Er konnte sich an den vorbei flitzenden Sternen einfach nicht satt sehen.
»Eigentlich schade. Mir macht der Flug so viel Spaß, wir könnten uns die Supernova auch an einem anderen Tag anschauen.«
Nele knuffte ihn in die Seite.
»Zu spät, wir sind schon fast angekommen. Außerdem wird die Supernova nicht auf uns warten.«
Das fliegende Bett bremste und wurde langsamer. Vor sich sahen die Kinder eine rote Sonne um die sich ein paar Planeten drehten.
»Sie wird schwächer.«, erklärte Nele. »Ihr Licht war mal heller und auf den Planeten muss es deutlich wärmer gewesen sein.«
Das bestätigte sich bei einem Blick auf die Planeten. Ihre Oberflächen waren mit Eis und Schnee bedeckt.
»Wenn es hier mal Leben gegeben hat, ist es schon vor langer Zeit erfroren.«
Langsam näherten sie sich der Sonne, um sie aus der Bähe betrachten zu können. dann fiel ihnen etwas auf. Die Zwillinge entdeckten einen kleinen, dunklen Punkt.
»Was fliegt denn da so nah an der Sonne vorbei?«, wunderte sich Nik. »Für einen Planeten ist es zu klein. Das sollten wir uns genauer anschauen.«
Nele steuerte das Bett auf das unbekannte Objekt zu. als sie nah genug waren, stellte sie fest, dass sich ein kleiner Mond hierher verirrt hatte. Und dieser Mond war nicht allein. Auf ihm saß ein kleines Mädchen.
»Das glaub ich nicht. Das ist ja völlig verrückt.«, entfuhr es Nik.
»Etwa so verrückt, wie ein fliegendes Bett im Weltraum?«, fragte Nele und grinste schelmig.
»Hallo, kleines Mädchen!«, rief zu zum Mond hinüber. »Was machst du hier so ganz allein?«
Das Mädchen drehte sich um. Sie schien ihre Besucher erst in diesem Moment zu entdecken.
»Allein? Ich vin doch nicht allein. Ich habe meinen kleinen Mond und gemeinsam leisten wir Oma Sonne Gesellschaft.«
»Oma Sonne?«
Nele wollte gar nicht glauben, was sie da hörte. Wie konnte denn eine Sonne eine Oma sein?
Doch dann drehte sich die Sonne plötzlich um sich selbst. Auf ihr kam ein freundlich lächelndes Gesicht zum Vorschein.
»Hallo, ihr zwei. Ich bin Oma Sonne. Was führt euch zu uns?«
Unsicher lächelten Nik und Nele zurück. Mit so einer Überraschung hatten sie nicht gerechnet.
»Wir wollten uns eigentlich eine Supernova aus der Nähe anschauen.«, begann Nele.
»Oma? Was ist eine Supernova?«
Die alte Sonne sah verzweifelt von dem kleinen Mädchen zu den Zwillingen hinüber.
»Wenn eine sehr große Sonne alt geworden ist, dann bläht sie sich auf. Sie wird so groß, dass sie dabei einige ihrer Planeten verschluckt und anschließend explodiert. Aus ihr wird eine riesige Gas- und Staubwolke. Aus dieser entsteht dann irgendwann eine neue, junge Sonne mit neuen Planeten. Alles beginnt dann wieder von vorn.«
Das Mädchen bekam große, entsetzte Augen.
»Du wirst explodieren, Oma Sonne?«
Oma Sonne lächelte. Hätte sie einen Kopf besessen, würde sie diesen schütteln.
»Nein. Darum musst du dich nicht sorgen. Ich bin dafür nicht groß genug. Ich werde einfach nur alt. Ich werde schrumpfen, mein Licht wird schwächer und kälter. Bis ich dann vergehe, wird noch viel Zeit vergehen.«
Die Sonne schloss die Augen und seufzte.
»Mein Licht wird aber schon bald nicht mehr ausreichen, um dich und deinen kleinen Mond zu wärmen. Du wirst schon bald nicht mehr bei mir leben können.«
Der Blick des kleinen Mädchens wurde traurig.
»Ist mir deswegen in letzter Zeit immer so kalt?«
»Ja.«
Oma Sonne schluckte schwer.
»Du wirst dir schon bald einen neuen Platz zum Leben suchen müssen.«
»Aber wohin soll ich gehen? Ich kenne nichts anderes, als dich und deine Planeten.«
Nele räusperte sich leise aber hörbar.
»Wir können dir dabei helfen.«
Sie holte unter ihrem Kopfkissen das große Weltraumbuch hervor.
»Das Universum ist voller Sonnen und Welten. Jede von ihnen ist einzigartig und etwas ganz Besonderes. Wenn du es annehmen magst, würde ich dir mein Buch schenken. Darin wirst du erfahren, wo sich welche Welt befindet und wie du dort hin kommst.«
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf.
»Ich kann aber hier nicht weg. Ich kann meinen kleinen Mond nicht allein lassen. Er ist mein bester Freund und hat schon viel mit mir zusammen erlebt.«
Auch der kleine Mond sah nun ganz traurig aus.
Nik grinste und zog das Bettlaken von Neles Matratze.
»Alles kein Problem. wir binden das Laken an deinem Mond fest. Dann könnt ihr es als Segel benutzen. Ihr fahrt dann mit den Sonnenwinden durch das weite Sternenmeer. Und wenn einmal eine Flaute herrscht, pustet dein Mond mit vollen Backen in das Segel. Du wirst schon sehen, dass das eine gute Idee ist.«
Das Mädchen schluckte. Noch einmal sah sie Oma Sonne an. Die Sonne lächelte herzlich warm.
»Du schaffst das schon, mein kleines, geliebtes Mädchen. Dein kleiner Mond wird schon auf dich aufpassen. Und ich werde in Gedanken und in deinem Herzen immer bei dir sein.«
Das kleine Mädchen nickte und lächelte zurück.
»Dann werde ich mich auf die Reise machen. Und ich werde dich dabei nie vergessen.«
Nik und Nele begannen nun, den kleinen Mond vorzubereiten. Sie knoteten das Bettlaken an ihm fest, erklärten ihm, wie ein Segel funktionierte und legten noch das Weltraumbuch bereit. Zum Schluss kletterte Nik auf sein Bett hoch, kramte unter der Decke herum und holte ein paar leere Trinkflaschen hervor.
»Die wirst du bestimmt gebrauchen können.«
Das kleine Mädchen sah die Flaschen verständnislos an.
»Das verstehe ich nicht. Was kann ich mit den Dingern anfangen?«
Nik lachte.
»Das ist mein Rezept gegen Heimweh. Du schreibst Oma Sonne einen Brief über deine Abenteuer und Erlebnisse. Den steckst du in eine der Flaschen und wirfst sie dann in das Sternenmeer. Die Strömung sie dann hierher. Oma Sonne wird deine Briefe lesen können und fühlt sich dann ganz nah bei dir.«
Die Augen des kleinen Mädchens begannen zu strahlen. Es hüpfte von ihrem Mond auf das Etagenbett und drückte die beiden Zwillinge an sich.
»Vielen Dank, Nik und Nele. Ihr habt mir sehr geholfen. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages wieder sehen werden.«
Dann verabschiedeten sie sich voneinander. Die beiden Geschwister flogen langsam mit ihrem Etagenbett nach Hause. Immer wieder blickten sie dabei zurück und sahen dem Abschied des kleinen Mädchens von Oma Sonne zu.
»Wir haben zwar keine Supernova gesehen, aber dafür war dieses unerwartete Treffen viel schöner.«, sagte Nele.
»Ich hoffe, dass das kleine Mädchen einen neuen Platz im Sternenmeer finden wird.«
Dem konnte Nik nur beipflichten.

(c) 2017, Marco Wittler

Mehr Geschichten  vom kleinen Mädchen und ihrem kleinen Mond findest du in meinem neuen Projekt:
„Mein kleiner Mond und ich“

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584. Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe (Nik und Nele 09)

Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe

Die Zwillinge Nik und Nele saßen im Garten und beobachteten den Himmel, der langsam dunkel wurde. Der Mond hing als dünne Sichel über ihnen und verbreitete nur wenig Licht. Dafür erschienen nun die ersten Sterne.
»Gleich ist es so weit.« war Nele aufgeregt und ließ ihre Augen ständig hin und her wandern. »Hoffentlich sehe ich eine.«
Nik nickte. Er konnte es auch kaum noch erwarten, zum ersten Mal in seinem Leben eine Sternschnuppe zu sehen.
»Ich hoffe, dass es nicht nur eine wird. Ich will viele Sternschnuppen, damit ich mir ganz viel wünschen kann.«
Nele verdrehte die Augen. »Sternschnuppen erfüllen aber keine Wünsche. Sie sind nur Staub und kleine Gesteinsbrocken, die beim Eintritt in unsere Atmosphäre verbrennen.«
»Ist mir egal.« antwortete ihr Bruder. »Ich finde es trotzdem cool und werde mir jedes Mal was wünschen.«
In diesem Moment erschien ein heller Lichtpunkt über ihnen, der mit hoher Geschwindigkeit einen langen Strich über den Himmel und zog und nach einer knappen Sekunde wieder verschwand.
»Wow.« staunte Nele. »Das war unglaublich schön. Vielleicht wünsche ich mir auch etwas.«
»Ich weiß auch schon was.« schlug Nik vor. »Ich würde gerne mal auf einer Sternschnuppe durch den Himmel reiten. Das wäre eine richtig coole Sache.«
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.« hörten sie plötzlich Mamas Stimme, die sich vom Haus näherte. »Es wird langsam Zeit ins Bett zu gehen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen Abend noch einmal schauen.« sagte Mama, während sie die Zwillinge ins Bett schickte.
Ein paar Minuten später lagen sie unter ihren Decken.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete Mama das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Du willst doch mal auf einer Sternschnuppe reiten. Also suchen wir uns eine und fragen, ob sie sich einen Sattel umschnallen lässt.
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Perseidenschwarm.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

»Die Perseiden sind eine Staubspur, die ein Komet hinterlassen hat.« erklärte Nele, nachdem sie in ihr Weltraumbuch geschaut hatte.
»Jedes Jahr durchkreuzt die Erde zur gleichen Zeit diese Bahn. Dabei dringen die Staubteilchen in unsere Atmosphäre ein, verbrennen und es beginnt im Himmel zu leuchten.«
»Echt spannend.« fand Nik. »Hoffentlich können wir die Sternschnuppen aus der Nähe sehen.«
Der Flug war schon nach wenigen Minuten beendet und das Ziel erreicht. Das fliegende Etagenbett war an Rand der Atmosphäre angekommen.
Hier oben war die Aussicht grandios. Die Erde lag in der Dunkelheit der Nacht und es waren nur noch die Lichter der Städte zu sehen.
»Da sind sie! Da kommen sie!« Nele zeigte mit dem Finger nach oben.
Tatsächlich kamen gerade die Sternschnuppen auf sie zu. Zuerst sahen sie wir dunkle Steine aus. Dann aber stürzten sich Eine nach der anderen auf die Erde und begannen hell zu glühen. Überall waren grelle Lichter, die die Augen blendeten.
»Ein unglaublicher Anblick.« war Nik begeistert. »Außer uns werden das nur wenige Astronauten zu Gesicht bekommen.
In diesem Moment entdeckten die Zwillinge eine sehr kleine Sternschnuppe, die immer und immer wieder versuchte, in die Atmosphäre einzudringen und ein strahlenden Lichtstreif ins den Himmel zu zaubern. Aber sie blieb dunkel.
»Sie ist zu klein.« sagte Nele. »Allein wird sie es nicht schaffen. Sie braucht unsere Hilfe.«
Nik kratzte sich am Hinterkopf und dachte angestrengt nach. »Ich glaube, ich habe da eine Idee. Dafür müssen wir aber noch einmal nach Hause.«
Das ließ sich seine Schwester kein zweites Mal sagen. Sie steuerte das Bett zur Erde und hielt es vor dem Balkon des Kinderzimmers an.
Nik kletterte ins Haus, schlich sich in den Keller und besorgte eine Kiste. Damit kam er nach ein paar Minuten zurück und sprang wieder auf die Matratze. Nele gab sofort Gas und flog in den Himmel hinauf.
Sie brauchten nicht lange, um die kleine Sternschnuppe zu finden. Noch versuchte sie verzweifelt, ein Lichtstreif in der Dunkelheit zu werden. Noch immer klappte es nicht.
»Warte!« rief Nele. »Wir werden die helfen.«
Die Sternschnuppe blieb tatsächlich stehen und wartete ungeduldig ab. Nik öffnete seine Kiste und holte eine Feuerwerksrakete daraus hervor, die er der Sternschnuppe auf den Rücken schnallte.
»Damit wirst du ganz bestimmt leuchten.« erklärte er und zündete die Rakete an.
Die kleine Sternschnuppe nahm Anlauf und raste in die Atmosphäre der Erde. Im gleichen Augenblick begann die Rakete zu brennen und erzeugte einen so helles Licht, dass man es kaum ansehen konnte. Von der Erde aus musste es überwältigend aussehen.
»Das wird die größte Sternschnuppe aller Zeiten gewesen sein.« war Nele zufrieden.
Dann flog sie das Etagenbett zurück nach Hause und landete es im Kinderzimmer.
Noch eine Weile sahen die Zwillinge von ihren Matratzen aus in den Himmel hinauf, entdeckten immer wieder Sternschnuppen und wünschten sich, so viel sie nur konnten, bis sie langsam einschliefen.

(c) 2015, Marco Wittler