Hallo Freunde

Hier findet ihr hunderte Gute Nacht Geschichten, die ich für euch zum Vorlesen oder selber schmökern geschrieben habe. Egal, ob ihr etwas mit Prinzessinnen, Kindern, Tieren, Cowboys, Weltraumabenteuern oder anderen spannenden Geschichten sucht, hier werdet ihr bestimmt etwas Passendes finden.

Solltest du einmal keine passende Geschichte zu einem Thema deiner Wahl gefunden haben, dann entschuldige ich mich jetzt schon dafür. Um dir so schnell wie möglich deine Wunschgeschichte nachzuliefern, melde dich einfach bei mir. Ich schreibe nämlich auch „auf Bestellung“. Alles Weitere dazu findest du hier.

In dieser Sammlung befinden sich derzeit:
599 Geschichten, 6 Podcasts, 29 Hörgeschichten
und es kommen regelmäßig Neue hinzu. Sie sind alle im Inhaltsverzeichnis nach Kategorien sortiert, damit du schneller findest, was du gerade suchst.
Und nun viel Spaß beim Lesen.

Der Marco


Aktuelle Geschichten:
597. Partydurst
598. Die Nacht der Mumie
599. Der sprechende Kürbis

Letztes Update: Montag, 23. Oktober 2017

Passende Geschichten zum Herbst findest du HIER!

Halloweengeschichten zum Schmunzeln und Gruseln sind HIER zu finden.

599. Der sprechende Kürbis

Der sprechende Kürbis

Tim hatte sich dieses Jahr einen ganz besonderen Streich für Halloween ausgedacht. Bisher war er jedes Mal auf Mama herein gefallen. Jetzt wollte er ihr endlich zeigen, dass er was von ihr gelernt hatte.
Am Mittag nach der Schule hatte sie gemeinsam beim Bauern um die Ecke zwei große Kürbisse gekauft. Und nun saßen Tim und Mama schon seit ein paar Stunden in der Kühe, höhlten diese aus und schnitzen ihnen gruselige Gesichter. Am Abend sollten sie dann, durch eine Kerze beleuchtet, vor der Haustür stehen und die Leute erschrecken, die die Straße entlang gingen.
„Das wird wie immer ein großer Spaß.“, freute sich Tim. Insgeheim freute er sich aber noch mehr darauf, Mama zu erschrecken.
Seit einem halben Jahr hatte er alles genau geplant. Es konnte gar nichts mehr schief gehen.
Als es dunkel wurde, stellten sie ihre Kürbisse nach draußen. Sie platzierten sie auf zwei Hockern, stellten die Kerzen hinein und entzündeten die kleinen Feuer. Schon konnte man die schrecklichen Gesichter die ganze Straße hinunter leuchten sehen.
Während Mama schon wieder im Haus verschwand, wartete Tim noch einen Moment auf der Eingangstreppe. Als er sich sicher war, dass ihn niemand sah, legte er sein Handy hinter seinen Kürbis. Dann ging er ebenfalls rein.
Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Ein paar Kinder waren gekommen, um Süßigkeiten zu sammeln. Mama öffnete und schon bekam sie den bekannten Satz zu hören: „Süßes, sonst gibt’s Saures!“
„Oh je. Was habe ich mich erschreckt.“, lachte Mama. „Eure Kostüme sehen wirklich gruselig aus.“
Dann verteilte sie ein paar Bonbons und verabschiedete die Gruppe kleiner Geister.
Sie wollte schon die Tür schließen, als sie eine Stimme hörte. Sie sah sich um, konnte aber niemanden entdecken.
„Hallo? Wer bist du? Und vor allem, wo?“
„Ich liege direkt vor dir. Ich bin der schaurige Kürbiskopf.“
Mama sah sich die zwei Kürbisse an.
„Buh!“, machte einer von ihnen. „Hast du Angst vor mir?“
Mama grinste.
„Nein. Ich habe keine Angst vor dir. Du bist nur ein Kürbis.“
Der Kürbis blieb ein paar Sekunden still, bevor er weiter sprach.
„Aber du hast dich bestimmt kurz erschreckt, richtig?“
Mama lachte.
„Nein, erschreckt habe ich mich auch nicht.“
Dann drehte sie sich zur Tür ging ins Haus und rief:
„Tim, du kannst dir dein Handy abholen. Dein Plan hat nicht funktioniert.“
Mit einem enttäuschten Gesicht kam Tim aus dem Wohnzimmer.
„Aber nächstes Jahr zeige ich es dir. Dann lege ich dich rein.“
Als Tim sein Handy einsteckte, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich.
„Und ich werde dir dabei helfen. Deiner Mutter werden wir es beim nächsten Halloween schon zeigen.“
Verwirrt sah Tim auf Mamas Kürbis. Hatte er tatsächlich zu ihm gesprochen?
„Du hast schon richtig gehört.“, bestätigte ihm der Kürbis.
„Ich kann sprechen.“
Tims Augen wurden riesig groß. Ein sprechender Kürbis? So etwas konnte es doch nicht geben. Ängstlich lief er ins Haus, schlug die Tür hinter sich zu und versteckte sich in seinem Zimmer.
Kurz darauf ging Mama noch einmal zur Außentreppe. Mit einem breiten Grinsen holte sie ebenfalls ihr Handy rein. Ihr Halloweenscherz hatte mal wieder funktioniert.
Und dann hörte auch sie eine unbekannte Stimme.
„Deinem Sohn haben wir es aber wieder gezeigt, was?“
Es war eindeutig der Kürbis, der zu ihr sprach. Mama begann zu suchen. Nirgendwo fand sie ein Handy, einen Lautsprecher oder etwas anderes, woraus die Stimme hätte kommen können.
„Da kannst du lange suchen.“, sagte der Kürbis. „Ich spreche wirklich mit dir.“
dann grinste er über sein ganzes, oranges Gesicht und zwinkerte Mama zu.

(c) 2017, Marco Wittler

598. Die Nacht der Mumie

Die Nacht der Mumie

Es war Halloween, die Nacht der Untoten, Monster, Geister, Gespenster und allem anderen, was den Menschen im Normalfall Angst bereitet. In jedem Jahr war es auch die Nacht, in der die Mumie im Stadtmuseum für wenige Stunden wieder zum Leben erwachte.
Die Uhr schlug zwölf. Die Mumie öffnete von innen ihren Sarkophag und stand auf. Müde streckte sie ihre Glieder von sich und ließ die alten Knochen knacken. Dann begab sie sich auf einen Rundgang durch das Museum.
»So ein Spaziergang durch die einzelnen Säle tut gut. Da werden meine Muskeln endlich wieder mal warm. Wenn ich doch bloß mal wieder Joggen gehen könnte. Aber ich konnte seit viertausend Jahren nicht mehr richtig trainieren. Das schaffe ich nicht mehr.«
Die Mumie schlurfte langsam vorwärts, stöhnte hin und wieder wegen der schmerzenden Beine, die sie seit einem ganzen Jahr nicht mehr bewegt hatte und dachte schon jetzt darüber nach, was sie in den nächsten 52 Wochen in ihrem Sarkophag treiben konnte, um nicht zu viel Langeweile zu bekommen.
Irgendwann hörte sie vor sich ein Geräusch. Das hatte es in all den Jahren im Museum noch nie in der Halloween Nacht gegeben.
»Was ist denn das? Ist da etwa noch jemand im Museum?«, flüsterte sie sich selbst zu, bevor sie weiter ging.
Ein paar Räume und Gänge später sah sie tatsächlich einen Menschen. Eine Frau putzte mit einem Wischmop den Boden. Die Putzfrau war noch da.
»Warum sind sie so spät in der Nacht noch hier?«, wollte die Mumie wissen und fragte ganz ungeniert.
Die Putzfrau sah hoch und erschrak.
»Um Himmels Willen. Die Mumie lebt.«, schrie sie laut. Dann nahm sie ihre Beine und den Wischmop in die Hände und rannte auf schnellstem Wege aus dem Museum.
Die Mumie seufzte. Sie hatte nicht vorgehabt, die Putzfrau zu erschrecken. Sie ging noch ein paar Räume weiter. Ein weitere Putzfrau fand sie aber nicht. Stattdessen sah sie die Uhr in der Eingangshalle. Es war gerade einmal acht Uhr am Abend.
»Du meine Güte. Kein Wunder, dass noch jemand hier war. Es ist viel zu früh für mich. Jemand muss die Uhr in meiner Kammer verstellt haben. Aber wer putzt jetzt das Museum fertig und vor allem womit? Der Wischmop ist weg.«
Die Mumie grübelte kurz. Dann wickelte sie sich die alten Stoffbahnen vom Körper und wischte mit ihnen den Boden fertig. Es brauchte ganze zwei Stunden, bis sie fertig war. Am Ende waren die alten Stoffe schmutzig und nass.
»Die kann ich unmöglich noch einmal anziehen. Was sollen denn Morgen die Leute denken, wenn ich völlig schmutzig in meinem Sarkophag liege. Außerdem bekomme ich in in dem nassen Zeug eine Lungenentzündung. Damit ist nicht zu spaßen. Ich könnte mir den Tod holen.«
Was sollte sie nur machen? Doch dann hatte die alte Mumie die rettende Idee. Sie schlurfte zur nächsten Toilette und wickelte sich mit Klopapier von oben bis unten ein. Dann legte sie sich für die nächsten zwölf Monate zurück an ihren Platz und freute sich schon jetzt auf das nächste Halloweenfest in ihrem Museum.

(c) 2017, Marco Wittler

597. Partydurst

Partydurst

Halloween. Endlich. Darauf hatte sich Fred schon das ganze Jahr gefreut. Endlich wieder mal eine Party mit schaurig, gruseligen Kostümen feiern. Wie in jedem Jahr hatte er Stunden vor dem Spiegel verbracht und sich von oben bis unten geschminkt und verkleidet. Am Ende hatte ihm ein Untoter, ein halb verwester Zombie angegrinst.
Kurz darauf war Fred angekommen. Die Party im Haus seines Kumpels Paul war schon in vollem Gange. Überall standen oder saßen Vampire, Mumien, Skelette, Monster, Menschen ohne Köpfe und mehr.
»Da bist du ja endlich.«, wurde er von Paul begrüßt. »Wir warten schon alle auf dich.«
Er schob Fred ins vor sich her ins Wohnzimmer.
»Leute schaut mal, Fred ist endlich da. Hat sich wieder mal mit seinem Kostüm extrem viel Mühe gegeben. Er sieht wie ein waschechter Zombie aus. Jetzt wartete ich nur noch darauf, dass ihm Arme oder Beine abfallen.«
Alle Gäste lachten. Fred stöhnte nur. Zombies sprachen schließlich nicht.
»Willst du was trinken?«, fragte ihn Paul.
Fred nickte und stöhnte erneut. Tatsächlich hatte er während der letzten Stunden keinen einzigen Tropfen getrunken. Er bekam einen großen Becher, den er sich sofort an die Lippen setzte. Er trank ihn in einem Zug aus. Der Durst wollte aber nicht verschwinden.
Fred füllte sich den Becher wieder auf und trank und trank und trank. Aber es geschah nichts. Der Durst blieb. So etwas hatte er noch nie erlebt. Irgendwas stimmte nicht mit ihm.
Während er Liter um Liter in sich hinein schüttete, wurden immer der anderen Gäste auf ihn aufmerksam. Langsam wurde es still im Wohnzimmer. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Jeder starrte ihn an.
»Stimmt was nicht?«, wunderte sich Fred.
Er folgte den Blicken seiner Freunde, die auf seine Füße sahen.
Fred erschrak. Er stand in einer großen Pfütze. Liter um Liter floss aus unzähligen Löchern seines verwesenden Körpers.
Paul fand als erster seine Worte wieder.
»Puh, man. Das ist echt abgefahren. Deine Kostüme waren jedes Jahr extrem krass. Aber dieses Mal hast du dich wirklich selbst übertroffen.«
Fred wurde rot im Gesicht und wusste gar nicht, was er sagen sollte. Er wusste nicht einmal, wie das Ganze überhaupt funktionierte. Er hoffte jetzt nur noch, dass der Abend schnell vorüber gehen würde und er zu Hause aus dem Kostüm schlüpfen und wieder richtig trinken konnte.

(c) 2017, Marco Wittler

596. Der Regenbogenfänger

Der Regenbogenfänger

Papa kam aus dem Keller. Die letzten Stunden hatte er dort unten in seiner Werkstatt verbracht. Laute Geräusche hatten seine Arbeit begleitet. Er hatte gesägt, gehämmert, geschliffen. Und nun hielt er ganz stolz sein Werk in Händen und präsentierte es dem Rest der Familie.
„Was ist denn das?“,wollte sein Sohn Paul wissen, der sich das Machwerk neugierig ansah.
„Das, mein Sohn, ist ein Regenbogenfänger. Na gut. Eigentlich nennt man so ein Ding Sonnenfänger, aber ich finde, dass Regenbogenfänger besser dazu passt.“
Paul lachte. „Was soll das sein? Ein Regenbogenfänger? Ich sehe nur die alten Treibholzstücke, die du im Urlaub gesammelt hast. Mit ein paar Bindfäden hast du Mamas alte Glassteine daran gebunden. Wie soll man denn damit einen Regenbogen einfangen können?“
Er sah aus dem Fenster. „Außerdem ist ein Regenbogen viel zu groß. Der geht doch von einem Ende des Horizonts zum Anderen. Wo soll man denn denn anschließend verstauen? Du erzählst mir doch schon wieder Märchen, die nicht stimmen. Du versuchst mich auf den Arm zu nehmen, aber dieses Mal falle ich nicht darauf rein.“
Papa grinste. „Dann warte mal ab, was ich dir gleich zeige. Lass uns mal ins Wohnzimmer gehen.“
Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer. Papa holte einen Hammer und einen Nagel aus einer tiefen Tasche seines Hosenbeins. Den Nagel schlug er in die Wand über dem Fenster. Daran hängte er dann den Regenbogenfänger auf.
„Regenbögen sind schön. Sie sind eine der schönsten Dinge, die es auf unserer Welt gibt. Nur leider gibt es nicht so viele von ihnen. Man kann sie nur sehen, wenn es gerade regnet und dabei die Sonne scheint. Das kommt aber nicht so oft vor. Und für die restliche Zeit, gibt es den Regenbogenfänger.“
Genau in diesem Moment rissen draußen am Himmel die Wolken auf. Sonnenstrahlen kamen durch das Fenster herein und trafen auf die vielen Glassteine des Regenbogenfängers. Und dann geschah das Unglaubliche. Überall, auf allen Wänden des Wohnzimmers erstrahlten kleine Regenbögen. Es waren so viele, dass Paul sie gar nicht zählen konnte.
„Das ist ja der totale Wahnsinn.“, flüsterte er ergriffen.
„Siehst du. Ich habe dir nicht zu viel versprochen.“, war Papa stolz.
Paul grinste über das ganze Gesicht, lief von einem kleinen Regenbogen zum nächsten und untersuchte sie ganz genau.
„Und wo sind jetzt die Goldtöpfe, die am Ende jedes Regenbogens stehen sollen? Bei so vielen Regenbögen müssten wir steinreich werden.“

(c) 2017, Marco Wittler

Adventskalender 2017 und andere Weihnachtsgeschichten

WeihnachtenAuch in diesem Jahr erwartet dich wieder an dieser Stelle mein großer Adventskalender mit täglich neuen Weihnachtsgeschichten bis zum 26. Dezember. ’26. Dezember‘ fragst du dich, weil der Schokoladenkalender von Oma nur 24 Türchen hat? Richtig. Denn ich setze dem noch zweimal was oben drauf. Weihnachten beginnt doch erst am Heiligabend. Danach kommen aber noch zwei Feiertage für die es auch zwei extra Geschichten geben wird.
Wenn dir das noch nicht genug ist, findest du eine lange Weihnachtsgeschichte (Nicki und Klaus) aus dem letzten Jahr in 26 Teilen unter meinem Adventskalender. Und darunter gibt es noch die Liste mit allen 81 Weihnachtsgeschichten aus den vergangenen Jahren.
Also sei jeden Tag wieder hier dabei. Es gibt viel zu lesen, vorlesen und zuhören.

01. Dezember:
02. Dezember:
03. Dezember:
04. Dezember:
05. Dezember:
06. Dezember:
07. Dezember:
08. Dezember:
09. Dezember:
10. Dezember:
11. Dezember:
12. Dezember:
13. Dezember:
14. Dezember:
15. Dezember:
16. Dezember:
17. Dezember:
18. Dezember:
19. Dezember:
20. Dezember:
21. Dezember:
22. Dezember:
23. Dezember:
24. Dezember:
25. Dezember:
26. Dezember:

Nicki und Klaus
eine Weihnachtliche Fortsetzungsgeschichte in 26 Teilen von Marco Wittler
Nicki glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann. Doch steht dieser auf einmal vor der Tür und nimmt Nicki mit auf eine unglaubliche Reise in die Weihnachtswelt.
Die Adventsgeschichte der besonderen Art findet du HIER!

001) Die Weihnachtsschnecke
002) Große Aufregung im Stall
003) Überraschung am Weihnachtstag
004) Weihnachtsfeier in der Grundschule
005) Der echte Weihnachtsmann
006) Weihnachten fällt aus
007) Glühwürmchen
008) Ein kleines Geschenk
009) Ein Bär zu Weihnachten
010) Die verlorene Weihnachtskugel
011) Die unerwartete Weihnachtsüberraschung oder „Papa, Wer beschenkt den Weihnachtsmann?“
012) Die Weihnachtsmaus
013) Der Weihnachtsbummel
014) Weihnachten ist für alle da
015) Hunger
016) Ein ganz besonderes Geschenk
017) Der große Stern
018) Das richtige Geschenk
019) Der kleine Weihnachtself
020) Was ich mir zu Weihnachten wünsche
021) Weihnachten im Zug
022) Wenn sich Piraten fürchten
023) Ich werde ein Weihnachtsbaum
024) Die Weihnachtsengel
025) Ein Geschenk für einen besonderen Menschen
026) Das verlorene Geschenk
027) Weihnachten mit der Zahnfee
028) Die dicke Schneeflocke
029) Der Nikolaus ist krank
030) Der Weihnachtsstreik
031) Der Mann mit dem Sack
032) Ein Geschenk für den Weihnachtsmann
033) Der Mistelzweig
034) Mein Wunschzettel
035) Schlechte Sicht
036) Wo ist der Weihnachtsmann?
037) Der Weihnachtsregenbogen
038) Das Weihnachtsglöckchen
039) Die Weihnachtsfeier
040) Das kleine Licht
041) Das kleine Rentier
042) Zahnschmerzen
043) Angriff
044) Weihnachtsmann oder Christkind?
045) Hallo lieber Weihnachtsmann
046) Wenn der Weihnachtsmann zweimal klopft
047) Der große Nikolausstiefel
048) Weihnachtsfest im Tierheim
049) Weiße Weihnacht
050) Mamas neue Krippe
051) Der Weihnachtsdrache
052) Der einsame Mond
053) Die Weihnachtsbäckerei
054) Nikolaus, wer war in meinem Haus?
055) Eine Geschichte für Klaus
056) Die verlorenen Stiefel
057) Endlich ist es so weit!
058) Engelshaar
059) Der dicke Bauch
060) Der Schneesturm
061) Der weise Wal erklärt Weihnachten
062) Der Nikolaus kommt in unser Haus
063)  Das kleine Geschenk
064) Weihnachten im Krankenhaus
065) Lukas die kleine Weihnachtslok
066) Tommi und die Rentiere
067) Das schönste Geschenk
068) Der schnellste Schlitten der Welt
069) Weihnachten bei der Viererbande
070) Nik und Nele fliegen zum Weihnachtsstern
071) Das schönste Geschenk aller Zeiten
072) Den Weihnachtsmann gibt es nicht
073) Weihnachtsgewitter
074) Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns
075) Die Geschenke sind weg
076) Schneewittchen feiert Weihnachten
077) Eine schlaflose Nacht
078) Bald ist Weihnachten
079) Ein schönes, heißes Bad
080) Weihnachten im Leuchtturm
081) Einen Freund zu Weihnachten

 

 

595. Wasserbomben

Wasserbomben

»Puh, ist das heiß heute.«, stöhnte Lena, die sich nur noch ungern bewegte.
»Warum muss das im Sommer bloß immer so heiß werden? Das ist doch nicht normal.«
Sie sah auf das Thermometer auf der Fensterbank.
»WAS? Draußen sind es fast vierzig Grad und hier drinnen schon zweiunddreißig? Wie soll ich das denn überleben?«
Mama zwang sich zu einem verschwitzten Lächeln.
Tut mir Leid. Aber unsere Dachgeschoßwohnung nimmt zu viel Wärme auf. Die anderen Wohnungen hier im Haus liegen alle unter uns und werden lange nicht so warm. Hätten wir einen Balkon, könnten wir es uns darauf gemütlich machen. Da weht wenigstens noch ein wenig frische Luft.«
Lena verzog das Gesicht. Ihr gefiel das heiße Wetter nicht. »Wenn wir wenigstens einen Garten hätten. Dann könnten wir da ein Planschbecken aufstellen und den ganzen Tag da drin liegen. Das wäre so toll.«
»Oder in ein Freibad gehen. Aber wir haben leider keines in der Nähe.«
Mama dachte nach. Dann stand sie seufzend auf und ging in die Küche. Eine Weile kramte sie den Schränken. Dann kam sie mit einem Stapel Schwammtüchern, Gummibändern und einer Schere zurück.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Lena neugierig wissen.
»Will du jetzt bei der Hitze das Wohnzimmer wischen?«
»Nee.«, antwortete Mama. »Ich werde uns jetzt was Erfrischendes basteln.«
Mama zerschnitt die Schwammtücher in mehrere gleich große Stücke, legte sie übereinander und band ein Gummi darum.
»Schon fertig.«
»Was ist das denn?«
»Wasserbomben. Die legen wir in einen Eimer und können uns gegenseitig damit bewerfen. Das macht Spaß und erfrischt.«
Mama grinste frech.
»Geh du doch schon mal nach draußen auf den Gehweg. Ich werf dir dann die Wasserbomben zu und lasse ein paar Eimer Wasser an einem Seil nach unten. Du kannst dann alles annehmen.«
Lena ließ sich nicht zweimal bitten. Sie zog sich ihre Sandalen an und lief sofort nach unten.
Kaum war sie angekommen, öffnete sich auch schon das Fenster und Mamas Kopf kam zum Vorschein.
»Achtung! Ich werfe jetzt!«
Schon flogen die Wasserbomben. Allerdings waren sie bereits mit Wasser getränkt. Nach wenigen Sekunden war Lena pitschnass.
»Du hast mich veräppelt!«, rief Lena. »Aber wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so heiß.«
Und dann kam Mama doch noch nach unten und lieferte sich mit ihrer Tochter eine große Wasserschlacht.

(c) 2017, Marco Wittler

594. Das Fahrrad

Das Fahrrad

Hannah saß gespannt am Fenster. Jeden Augenblick sollten Mama und Papa wieder zu Hause sein. In wenigen Minuten konnte sie nach draußen laufen, um sie zu begrüßen. Und dann konnte sie endlich wieder ihr Fahrrad benutzen – das erste Mal nach dem Umzug in eine neue Stadt. Seitdem hatte es bei Oma in der Garage gestanden.
Ein leises Brummen war zu hören. Dann bog ein Auto um die Ecke. Sie waren wieder Zuhause.
Hannah hatte sich schon vor einer Stunde ihre Schuhe angezogen, den Fahrradhelm bereit gelegt und konnte sofort die Treppe nach unten stürmen. Sie verließ das Haus und lief ihren Eltern entgegen.
„Da seid ihr ja endlich. Und da ist mein Fahrrad. Juhuu! Ich hatte schon Angst, dass ich die ganzen Ferien nicht damit fahren kann.“
Papa öffnete die Klappe zum großen Kofferraum und holte das Fahrrad heraus.
„Darf ich sofort damit fahren? Bitte, bitte, bitte.“
Hannah durfte. Sie setzte sich den Helm auf und setzte sich auf ihren Sattel.
„Jetzt kann ich endlich die ganze Umgebung kennenlernen. Darauf habe ich mich so lange gefreut.“
Sie trat in die Pedale, fuhr los und verschwand hinter der nächsten Ecke.
„Die sehen wir wohl die nächsten paar Stunden nicht mehr wieder.“, sagte Papa, der daran dachte, wie gern Hannah immer mit ihrem Rad unterwegs war. Dann nahm er Mama an die Hand und ging mit ihr ins Haus.
„Wir trinken erstmal gemütlich eine Tasse Kaffee. Was hälst du davon?“
Davon hielt Mama natürlich sehr viel.

Nach nur fünfzehn Minuten klingelte es an der Haustür Hannah war wieder da. Ihr Gesicht war krebsrot und völlig verschwitzt. Das Grinsen war einem Schmollmund gewichen.
„Was ist denn mit dir passiert?“, wollte Mama wissen. „Bist du gestürzt?“
Hannah schüttelte den Kopf.
„Radfahren ist doof. Ich will nie wieder auf einen Sattel steigen.“
„Aber du bist doch sonst immer gern mit deinem Rad nach draußen. Was ist denn jetzt anders?“
Mama verstand die Welt nicht mehr. In so kurzer Zeit konnte ihre Tochter doch nicht den Spaß an ihrem liebsten Hobby verloren haben.
„Was jetzt anders ist?“, heulte Hannah los und warf ihren Helm in die Ecke. „Hier sind überall Berge. In unserem alten Zuhause bei Oma an der Nordsee ist alles flach. Da kann man super mit dem Fahrrad fahren. Aber hier im Sauerland gibt es nur Berge. Alles ist so hoch und steil. Da komme ich mit meinem Fahrrad einfach nicht rauf. Das ist so extrem anstrengend. Das macht einfach keinen Spaß. Ich will nie wieder fahren.“
Nun kam auch Papa in den Flur. Vom Wohnzimmer aus hatte er alles gehört.
„Da kann man bestimmt etwas machen. Uns fällt bestimmt eine Lösung ein. Vielleicht hat ja einer von uns schon bald eine tolle Idee, um die Berge mit dem Rad hoch zu kommen.“
Hannah schniefte. „Wenn du meinst. Aber jetzt grad will ich mir nichts überlegen.“
Sie lief in ihr Zimmer, knallte die Tür hinter sich zu und warf sich auf ihr Bett.

Nachdem Hannah eine Weile geweint und geschluchzt hatte, schlief sie für ein paar Stunden ein. Sie begann zu träumen. Sie sah sich auf ihrem Fahrrad. Sie sah, wie sie einen Berg nach dem anderen überwand, alles ohne selbst zu trampeln, ohne sich anzustrengen. Ganz gemütlich fuhr sie durch das Sauerland und kam nicht einmal ins Schwitzen. Und die Lösung war ganz einfach. Hannah wachte auch und begann zu grinsen.
Sie stand auf und suchte in ihrem Schrank nach einem ganz bestimmten Gegenstand. Irgendwo musste da doch noch etwas sein. Schließlich fand sie ein altes Hamsterrad. Sie nahm es an sich und stürmte nach draußen in den Garten.
„Ich habe da eine super Idee. Ich muss nie wieder selber trampeln. Ich will jetzt doch wieder Radfahren.“
„Wie kommt denn das?“, wollte Mama wissen.
Hannah hielt stolz das Hamsterrad hoch.
„Das hier baut mir Papa an mein Fahrrad. Dann kaufen wir einen Hamster und setzen ihn rein. Wenn er dann läuft, fährt das Fahrrad los und bringt mich jeden Berg hinauf.“
Mama lachte. „Ach, Schätzchen. So ein kleiner Hamster ist viel zu schwach. Das schafft er doch gar nicht.“
„Wieso? Es hat doch bestimmt noch niemand ausprobiert.“
Trotzig machte Hannah einen Schmollmund. „Ich bin mir ganz sicher, dass das funktioniert. Oder hast du vielleicht eine bessere Idee?“
Mama nickte. „Dass du dir helfen lassen möchtest, ist ein toller Einfall gewesen. Aber es muss dir jemand helfen, der größer und kräftiger ist als ein Hamster.“
„Ein Löwe?“, fragte Hannah.
„Nein.“, lachte Mama erneut. „Aber wir können wir dabei helfen.“
Sie zeigte zur Einfahrt hinunter. Papa kam gerade wieder nach Hause und brachte ein ganz neues Fahrrad mit. Es war viel länger und hatte gleich drei Sitze.
„Das ist ein Fahrrad für drei Personen. Einer lenkt und drei trampeln. Damit wird das alles viel leichter und gemütlicher. Damit können wir dann immer gemeinsam die Berge rauf und runter fahren.“
„Juhuu!“, rief Hannah. Sie drückte Mama und Papa an sich.
„Ihr seid die Allerbesten.“

(c)  2017, Marco Wittler

593. So ein leckerer Kuchen

So ein leckerer Kuchen

Mama hatte Kuchen gebacken. Zu Papa Geburtstag hatte sie seinen Lieblingskuchen gebacken. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass Papa ständig in die Küche kam, um davon zu naschen. Immer wieder musste Mama ihn verscheuchen.
»Wo willst du eigentlich Kaffee trinken und Kuchen essen?«, fragte sie irgendwann. »Soll ich den Tisch im Wohnzimmer decken oder willst du mit uns allen im Garten sitzen?«
Papa schüttelte den Kopf. »Wie wäre es, wenn wir zum Felsenmeer fahren und es uns dort auf der Wiese gemütlich machen. Ich habe schon lange kein Picknick mehr gemacht.«
Und so bereitete Mama alles für den Nachmittag vor. Sie ging in den Keller, holte einen großen Korb und eine Decke nach oben.

Am Nachmittag saßen sie dann alle zusammen auf der großen Decke im Schatten eines noch viel größeren Baums. Mama, Papa, die beiden Zwillinge Max und Paul und natürlich Oma und Opa.
»Wartet noch einen kleinen Moment.«, sagte Mama. Sie stellte den Kuchen vor sich ab und holte ein großes Messer aus dem Korb. »Ich schneide jedem von euch ein Stück vom Kuchen ab. Der wird euch hoffentlich gut schmecken.«
Sie setzte das Messer und wunderte sich, denn es verschwand mit der kompletten Schneide im Kuchen.
»Ist ja komisch.«, wunderte sich Mama. »Der Teig ist wohl nicht richtig gebacken. Da muss eine Blase drin sein.«
Sie setzte ein weiteres Mal zum Schnitt an einer anderen Stelle an. Das Messer rutschte wieder weit in den Kuchen hinein.
»Irgendwas stimmt damit nicht. Sowas ist mir noch nie passiert. Ich kann doch sonst so gut backen.«
In diesem Moment begann Papa zu grinsen und musste beichten, dass er etwas Verbotenes angestellt hatte.
»Dreh den Kuchen bitte einmal um.«, schlug er vor.
Mama hob den Kuchen hoch, drehte ihn vorsichtig um und erschrak.
»Der Kuchen ist ja ganz hohl von innen. Wie ist das denn passiert?«
»Ich musste ihn doch probieren, ob er wirklich gut geworden ist.«, entschuldigte sich Papa. »Und dann musste ich nochmal probieren, ob er an einer anderen Stelle genau so gut schmeckt. Und dann wieder und wieder und wieder.«
»Du bist mir ja einer.«, schimpfte Mama.
»An deinem nächsten Geburtstag muss ich wohl zwei Kuchen backen. Einen zum Probieren und einen, den ich vor dir verstecke.«
Damit war Papa einverstanden. Schon jetzt freute er sich darauf, im nächsten Jahr noch mehr von seinem Lieblingskuchen essen zu dürfen.

(c) 2016, Marco Wittler

592. Emma und die Außerirdischen

Emma und die Außerirdischen

Am Nachmittag kam die kleine Emma aus der Kindertagesstätte. Nachdem sie Mama und Papa begrüßt hatte, lief sie, wie an jedem Tag, in ihr Kinderzimmer, sammelte ihre Puppen zusammen und spielte mit ihnen.
»Du immer mit deinen langweiligen Puppen.«, sagte ihr großer Bruder Christian, der schon fünfzehn Jahre alt war. »Es gibt doch viel coolere Sachen, mit denen man spielen kann.
Nach einer Stunde kam Emma mit einer Hand voll Puppen ins Wohnzimmer. Dort saß Christian gerade vor dem Fernseher und sah sich etwas an.
»Kannst du das nicht leiser machen?«, fragte Emma. »Meine Puppen und ich wollen jetzt eine Teeparty machen.«
»Teeparty?«, fragte ihr Bruder ungläubig. »Warum spielst du das denn nicht in deinem Zimmer? Hast du da nicht genug Platz?«
Emma schüttelte den Kopf. »Mama hat mir doch verboten, etwas zu Essen oder zu Trinken mit in mein Zimmer zu nehmen, weil ich da schon so oft etwas verschüttet habe.«
Dann ging sie in die Küche und holte sich eine große Tasse Früchtetee, die Mama gerade gekocht hatte.
Emma platzierte ihre Puppen auf den Sesseln und Sofas. Jede von ihnen bekam eine leere Tasse. Dazu noch einen kleinen Teller.
»Es ist angerichtet, meine Damen. Ich hoffe, dass es euch schmeckt.«
Sie war mitten in ihrem Spiel, als sie von einem lauten Schrei gestört wurde.
»Mensch, Christian. Mach das doch mal leiser. Siehst du denn nicht, dass sich die Damen hier ganz dolle erschrocken haben?«
Emma schnappte sich die Fernbedienung und wollte einfach abschalten. Doch dann sah sie auf den Bildschirm.
»Was guckst du da eigentlich. Warum sehen die Menschen da so komisch aus?«
Christian verdrehte die Augen. »Die sehen nicht komisch aus, das sind Aliens – Außerirdische. Die kommen von einem anderen Planeten. Die sehen halt ganz anders aus, damit man sie von den Menschen unterscheiden kann. Sie greifen gerade die Erde an und wollen sie erobern. Und wenn dann jemand erschossen wird, dann wird auch schon mal geschrieen.«
»Aha.«, antwortete Emma nur. »Zu laut ist es trotzdem. Dein komischer Alienfilm ist doof.«
Dann packte sie ihre Puppen und ging mit ihnen nun doch zurück in ihr Zimmer.
Eine ganze Weile später kam Mama ins Wohnzimmer. Noch immer sah sich Christian Filme mit Außerirdischen an.
»Jetzt ist aber langsam genug.«, sagte Mama. Meine Serie fängt gleich an. Jetzt wird umgeschaltet.«
Sie sah sich um.
»Wo ist eigentlich Emma? Sie sollte ihre Teeparty hier im Wohnzimmer machen.«
Christian zuckte nur mit den Schultern und hoffte, noch ein paar Minuten vor dem Fernseher bleiben zu können.
»Los, steh auf und hilf mir suchen.«
Er seufzte, schaltete ab und stand auf. Lange suchen musste er nicht. Er fand seine kleine Schwester in ihrem Zimmer, aus dem er ihre Stimme hörte. Christian öffnete die Tür und sah hinein. Was er dahinter entdeckte, überraschte ihn. Emma hatte alle ihre Puppen im Gesicht bunt angemalt und manchen die Haare abgeschnitten.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte er überrascht. »Was hast du denn mit deinen Puppen angestellt. Da darf doch sonst niemand was mit machen.«
Emma drehte sich um und grinste.
»Das sind keine Puppen. Das sind Aliens. Und sie wollen nicht die Erde erobern. Sie sind nett und wollen mit mir eine Teeparty feiern. Ist das nicht cool? Aliens sind voll in Ordnung.«
Christian verdrehte die Augen und verließ Emmas Zimmer.
»Alles in Ordnung.«, rief er Mama zu. »Hab die Kurze gefunden.«
Emma spielte währenddessen weiter mit ihren Aliens.
»Eines Tages möchte ich mich mal mit echten Außerirdischen treffen und eine Tasse Tee mit ihnen trinken. Das wird bestimmt richtig cool.«

(c) 2016, Marco Wittler

591. Papa und der Regenmacher

Papa und der Regenmacher

Der Sommer war heiß. Zu heiß. Seit Wochen zeigte das Thermometer täglich mehr als dreißig Grad. Schon morgens begann man zu schwitzen, ohne sich zu bewegen.
Hannah hatte darauf keine Lust mehr. Sie wollte endlich Regen. Jetzt sofort. Wenigstens heute. Einmal nur. Danach durfte wieder die Sonne scheinen. Nur so heiß brauchte es nicht mehr werden.
Sie sah zum Himmel hinauf. Alles blau da oben. Keine einzige Wolke war zu sehen. Nicht einmal ganz weit hinten war eine zu entdecken. Es würde also wieder nicht regnen. Enttäuscht verzog sie den Mund und schmollte.
»Was ist denn los?«, fragte Papa neugierig.
»Mir ist so heiß. Ich will endlich Regen.«, antwortete Hannah.
»Hm.«, machte Papa und dachte nach. Er grübelte hin und her, bis er schließlich zu grinsen begann.
»Ich habe da eine Idee.«
Er ging in das kleine Gartenhaus, in dem sich seine Werkstatt befand. Dort suchte er sich ein langes Papprohr, eine große Schachtel mit Nägeln und ein paar alte Putzlappen.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Hannah wissen. »Damit bekomme ich auch keinen Regen.«
»Worum wollen wir wetten?«
Papa begann zu basteln. Nach und nach drückte er mit seinem Daumen die Nägel in die Röhre. Am Ende waren es bestimmt tausend Stück. Eines der offenen Enden verschloss er nun mit einem Lappen. Auf der anderen füllte er Reis, den Hannahs Bruder Tim inzwischen geholt hatte. Dann wurde auch diese Seite dicht gemacht.
»Was soll das sein?«, fragte Hannah.
»Das ist ein Regenmacher.«, antwortete Papa stolz. »Damit machen wir jetzt Regen.«
»Regen? Mit einem Papprohr? Das glaube ich dir nicht. Das kann nicht funktionieren.«
»Wollen wir wetten?«
Papa schob Hannah unter den großen Kirschbaum und setzte sie auf die Holzbank.
»Damit du nicht so nass wirst.«
Papa drehte den Regenmacher um. Der Reis prasselte nach unten. Es hörte sich tatsächlich wie Regen an. Nur Sekunden später begann es tatsächlich zu regnen. Hannah wurde pitschnass auf ihrer Bank.
»Hey!«, rief sie entsetzt und entdeckte Tim über sich auf einem Ast sitzend. Er hatte eine komplette Gießkanne über ihr ausgeleert.
» Toller Regenmacher. Wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so warm.«, lachte Hannah begeistert.

(c) 2017, Marco Wittler