Hallo Freunde

Hier findet ihr hunderte Gute Nacht Geschichten, die ich für euch zum Vorlesen oder selber schmökern geschrieben habe. Egal, ob ihr etwas mit Prinzessinnen, Kindern, Tieren, Cowboys, Weltraumabenteuern oder anderen spannenden Geschichten sucht, hier werdet ihr bestimmt etwas Passendes finden.

Solltest du einmal keine passende Geschichte zu einem Thema deiner Wahl gefunden haben, dann entschuldige ich mich jetzt schon dafür. Um dir so schnell wie möglich deine Wunschgeschichte nachzuliefern, melde dich einfach bei mir. Ich schreibe nämlich auch „auf Bestellung“. Alles Weitere dazu findest du hier.

In dieser Sammlung befinden sich derzeit:
576 Geschichten, 6 Podcasts, 29 Hörgeschichten
und es kommen regelmäßig Neue hinzu. Sie sind alle im Inhaltsverzeichnis nach Kategorien sortiert, damit du schneller findest, was du gerade suchst.
Und nun viel Spaß beim Lesen.

Der Marco


Aktuelle Geschichte:
576. Ich will ein Schneemann sein

Letztes Update: Freitag, 20.01.2017

Passende Geschichten zur winterlichen Jahreszeit findest du in meinen Wintergeschichten. Klick dazu einfach auf das Bild.

576. Ich will ein Schneemann sein

Ich will ein Schneemann sein

Timo stapfte mit seinem Schlitten durch den tiefen Schnee und mühte sich den Berg hinauf. Er wusste schon gar nicht mehr, wie oft er heute schon gerodelt war. Den ganzen Nachmittag hatte er hier verbracht. Doch nun ging langsam die Sonne unter. Es wurde dunkel, kalt und Mama sah immer häufiger auf ihre Armbanduhr.
»Es wird langsam Zeit, dass wir nach Hause fahren. Ich muss das Abendessen kochen.«, sagte sie schließlich.
Timo blieb vor ihr stehen, sah zu Mama hinauf und ließ die Mundwinkel sinken.
»Wirklich? Jetzt schon? Es ist doch noch gar nicht so spät. Ich will hier bleiben und weiter Schlitten fahren.«
Mama schüttelte den Kopf. »Die anderen Familien fahren auch schon nach Hause.«
»Stimmt gar nicht.«, beschwerte sich Timo. »Wir sind bestimmt die ersten, die jetzt gehen.«
Er sah sich um. Der Schlittenhang war leer. Es waren weder Kinder noch Eltern zu sehen.
»Na gut. Wir sind die Letzten. Aber trotzdem möchte ich noch rodeln.«
»An einem anderen Tag. Jetzt wird es Zeit für’s Abendessen.«
Timo ließ die Schultern hängen und folgte Mama schleichend zum Auto. Kurz vor dem Parkplatz fiel sein Blick auf einen Schneemann, der unter einer großen Tanne gebaut worden war.
»Wenn ich ein Schneemann wäre, könnte ich rund um die Uhr hier bleiben. Dann müsste ich nicht nach Hause. Das wäre echt cool.«

Am nächsten Morgen war irgendwas anders. Als Timo wach wurde, wehte ihm ein leichtes Lüftchen um die Nase. Auf der einen Seite war es kühl, auf der anderen Seite machte es ihm aber auch nichts aus. Ihm war nicht kalt.
Er wollte sich recken, strecken und laut gähnen, aber das fiel ihm alles andere als leicht. Timo öffnete die Augen und sah sich um. Sofort bekam er große Augen.
»Wahnsinn!«, staunte er. »Das ist ja unglaublich!«
Er stand ganz oben auf dem Rodelhang. Von hier aus brauchte er nur auf seinen Schlitten steigen und den Berg hinab fahren.
»Und ich bin hier der Einzige. Niemand stört mich. Niemand steht mir im Weg. Ich kann fahren wo ich will!«
Timo grinste über das ganze Gesicht. Er wollte aufstehen, den neben sich stehenden Schlitten schnappen und den ganzen Tag Spaß haben. Es gab nur ein Problem. Er konnte nicht aufstehen. Und das war noch nicht das Schlimmste. Nicht nur das Aufstehen funktionierte nicht. Er konnte weder Arme noch Beine bewegen.
Timo sah an sich herab. Er hatte sich in einen Schneemann verwandelt. Und wie das bei Schneemännern nun mal so ist, sie können sich nicht bewegen.
»Oh, nein. Wenn ich nur daran gedacht hätte. Dann hätte ich mir bestimmt nicht gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Die Zeit verging nur langsam. Timo langweilte sich fast zu Tode. Er konnte nicht spazieren gehen, er konnte keine Bücher lesen oder sich vor den Fernseher setzen. Er konnte sich nicht einmal an seiner Mohrrübennase kratzen, wenn es juckte.
Am Nachmittag kamen die Kinder der ganzen Nachbarschaft zum Rodelhang. Für die nächsten Stunden vergnügten sie sich auf ihren Schlitten und hatten ganz viel Spaß. Jeder Junge und jedes Mädchen – bis auf Timo. Als Schneemann stand er auf der Stelle und musste den anderen zusehen.
»Oh man, ist das langweilig. Ich wünschte, ich hätte mir nie gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Traurig wartete er darauf, dass der Tag vorüber ging. Irgendwann gingen die anderen Kinder nach Hause. Timo musste draußen in der Dunkelheit bleiben. Irgendwann schlief er ein und träumte davon, wieder ein ganz normaler Junge zu sein.

Am nächsten Morgen wachte Timo auf. Er reckte und streckte sich. Als er die Augen aufschlug, sah er sich schnell um. Er hatte zwei normale Arme, zwei normale Beine und eine kleine Nase im Gesicht. Er lag in seinem Bett unter der Decke und konnte sich wieder bewegen.
»Juhuu! Endlich bin ich wieder ein normaler Junge.«
Glücklich sprang Timo aus dem Bett und tanzte wie wild in seinem Zimmer herum.
»Ich werde mir nie wieder wünschen, ein Schneemann zu sein. Das ist mir viel zu langweilig.«

(c) 2017, Marco Wittler

575. Nik und Nele in den Wolken (Nik und Nele 02)

Nik und Nele in den Wolken

Ein langweiliger Tag neigte sich dem Ende zu. Schon am frühen Morgen versteckte sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke und kam bis zum Abend auch nicht dahinter hervor.
»Hab ich dir schon mal gesagt, dass ich den Herbst nicht leiden kann?« beschwerte sich Nele bei ihrem Zwillingsbruder Nik.
»Geht mir aber auch so. Nur der Sommer ist richtig cool. Da ist es schön warm, die Sonne scheint und man kann die ganze Zeit draußen spielen.«
Nik sah durch das Fenster nach draußen und seufzte. »Wenn wir bloß was Tolles unternehmen könnten.«
In diesem Moment steckte Mama ein letztes Mal ihren Kopf durch die Tür ins Zimmer.
»Seit ihr schon fertig für’s Bett? Es ist schon nach acht Uhr. Jetzt wird geschlafen.«
Nik seufzte ein zweites Mal und kletterte am Etagenbett nach oben.
»Schlaft gut, meine Süßen.«
Mama pustete ihren beiden Kindern einen Luftkuss entgegen, knipste das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
Nele grinste in der Dunkelheit vor sich hin. »Warum besuchen wir nicht einfach einen Ort, an dem das Wetter vielleicht etwas besser ist?«
Sie hüpfte leise aus dem unteren Bett und schaltete das Licht wieder an. Dann holte sie ein großes Weltraumlexikon aus dem Regal und blätterte durch die Seiten, bis sie schließlich ihren Zeigefinger auf ein Foto drückte.
»Titan.« sagte sie.
Nik legte seine Stirn in Falten.
»Weißt du denn gar nichts?« fragte Nele und verdrehte die Augen.
»Titan ist ein Mond, der seine Bahnen um den Planeten Saturn zieht. Ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass es dort Meere geben soll. Und an Meeren gibt es normalerweise auch Sonnenschein.«
Sie grinste wieder. »Stell dir das doch nur mal vor. Wir liegen dort am Strand, lassen die Füße ins Wasser baumeln und über uns glitzern die Ringe des Saturns im Sonnenlicht. Klingt das nicht romantisch?«
Nun war es an Nik, die Augen zu verdrehen. Immer diese Mädchen mit ihrem Romantikkram. Das brauchte doch nun wirklich kein Mensch.
»So ein Blödsinn. Das ist voll langweilig. Ich will Sandburgen bauen, plantschen und mich im Strand eingraben lassen, bis nur noch der Kopf raus guckt. Das macht viel mehr Spaß.«
»Also fliegen wir hin?« wollte Nele ungeduldig wissen.
»Jaaa.«
Sie setzten sich gemeinsam auf das untere Bett. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite. Zum Vorschein kam ein großer, roter Knopf, den sie kräftig drückte.
»Fliegen wir zum Titan.«
An den Seiten des Etagenbettes hoben sich durchsichtige Scheiben empor umd schlossen die beiden Kinder in sich ein. Die Türen des Balkons schwangen auf, während sich das Bett langsam vom Boden erhob und nach draußen schwebte. Nik und Nele flogen zum Himmel hinauf, durchbrachen die Wolkendecke und verschwanden zwischen den unzähligen Sternen.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasten die Zwillinge in ihrem fliegenden Bett durch das All. Es ging vorbei an großen Planeten und kleinen Asteroiden, bis schließlich der Saturn in Sichtweite kam und schnell größer zu werden schien.
»Schau mal.« rief Nik lachend. »Der Saturn hat einen Ring. Er ist verheiratet. Würde mich mal interessieren, wer seine Frau ist, die kann ich nämlich nirgendwo entdecken.«
In diesem Moment schob sich ein kleiner, runder Schatten vor den riesigen Planeten.
»Das ist Titan.« erklärte Nele. »Wir werden in ein paar Minuten landen.«
Tatsächlich kam das fliegende Etagenbett dem Schatten, der sich bald als ein Mond zu erkennen gab, immer näher, drang in dessen Atmosphäre ein und landete schließlich am Ufer eines Meeres. Die schützenden Glasscheiben verschwanden und die beiden Kinder stiegen aus.
»Ein Strand! Ein Strand!« rief Neele begeistert und sah zum Himmel hinauf.
»Und da sind die Saturnringe. Das ist sooo romantisch. Wenn doch jetzt nur der Jonas hier wäre.«
Sie seufzte, während sie an den hübschen Jungen aus ihrer Klasse dachte.
In diesem Moment wurde es dunkel und laut über dem Meer. Der Saturn verschwand hinter einem riesigen …
»Was ist das denn für ein Ding?« wollte Nik wissen.
»Sieht wie ein Raumschiff aus.« rief ihm Nele zu.
»Das ist aber riesig.«
Es setzte zur Landung an. Doch statt auf dem Land nieder zu gehen, tauchte es zur Hälfte ins Wasser ein. Ein lautes Zischen war zu hören und ein Teil des Wasser verdampfte innerhalb weniger Sekunden.
»Der heiße Antrieb des Raumschiffs verwandelt das Wasser in Dampf.« war Nele enttäuscht. Denn aus dem Dampf bildete sich eine riesige Wolke, die Daturn und Sonne komplett verdeckte.
»Schon wieder schlechtes Wetter.« war Nik enttäuscht. »Das ist ja wie zu Hause.«
Das Raumschiff öffnete sich. Unzählige Außerirdische stiegen eine lange Rampe hinab. Die Männer hatten Digitalkameras in den Händen, die Frauen waren mit Sonnenschirmchen geschmückt.
»Wir sollten hier verschwinden.« entschied Nele enttäuscht.
»Das ist ein großes Touristenraumschiff. In ein paar Minuten wird der Strand so voll sein, dass wir hier keinen Platz für uns finden werden.«
Also setzten sie sich wieder in ihr Bett und flogen zurück zur Erde.

Ein paar Tage später saßen die Zwillinge mit Papa vor dem Fernseher. Es wurde gerade darüber berichtet, dass die amerikanische Weltraumbehörde NASA aufregende Fotos vom Saturnmond Titan gemacht hatte.
»In den letzten Jahren hat die Raumsonde Cassini immer wieder Fotos von Titan geschossen.« erklärte der Nachrichtensprecher. »Wie sie deutlich sehen können, befindet sich derzeit ein großer weißer Fleck darüber. Ältere Fotos zeigen diesen mal gar nicht und mal in anderer Form und Größe. Um was es sich dabei genau handelt weiß im Moment noch niemand. Aber das ist es, so ein NASA-Sprecher, worauf es in der Raumfahrt und der Beobachtung des Weltalls ankommt: Die Entdeckung und Erforschung neuer Geheimnisse.«
Nik und Nele grinsten sich gegenseitig an. Sie wussten genau, was dieser Fleck war und warum er immer wieder auftauchte.

© 2014, Marco Wittler

Info:
Der Planet Saturn ist 1.43 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das ist fast zehn Mal so weit, wie die Erde. Er besitzt nicht nur einen, sondern ganze 62 Monde. Einer von ihnen ist Titan, auf dessen Oberfläche Meere und Seen entdeckt wurden. Baden kann man darin nicht, denn dafür ist es dort zu kalt und atmen kann man auf dem Mond auch nicht. Seine Luft ist für uns giftig.
Vor ein paar Jahren hat die Raumsonde Cassini begonnen, Fotos vom Saturn und seinen Monden zu machen. Darauf ist tatsächlich ein weißer Fleck zu sehen. In den letzten sieben Jahren wurden drei Bilder gemacht. Mal ist der Fleck da, mal nicht. Wenn er zu sehen ist, hat er verschiedene Formen.
Was dieser Fleck ist und wie er entsteht, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Es könnte eine Wolke sein, aber auch einfaches Leben, zum Beispiel kleine Bakterien, die in großer Zahl an dieser Stelle leben. Es könnte aber auch etwas ganz anderes sein.

574. Nik und Nele erobern den Mond (Nik und Nele 01)

Nik und Nele erobern den Mond

Es war Abend geworden. Die Sonne war vor ein paar Minuten hinter dem Horizont verschwunden. Die zehn Jahre alten Zwillingsgeschwister Nik und Nele lagen seit ein paar Minuten im Bett und sollten eigentlich bald schlafen. Die tägliche Gute Nacht Geschichte hatten sie bereits von Mama vorgelesen bekommen.
»Ob die beiden schon vor dem Fernseher sitzen?« fragte Nele flüsternd in die Dunkelheit hinein.
Nik sah auf seinen leuchtenden Wecker. »Ist jetzt viertel nach acht. Die schauen jetzt ihre Lieblingsserie. Währenddessen gehen sie nicht mal zur Toilette.«
Er richtete sich im Bett auf und sah in das zweite Bett unter sich. »Hast du noch was vor oder warum hast du gefragt?«
Nele grinste, was ihr Bruder im dunklen Zimmer natürlich nicht sehen konnte.
»Ich will einmal zum Mond und zurück. Papa hat doch letzte Woche erzählt, dass da oben alles aus Käse gemacht ist.«
»Und das glaubst du natürlich nicht.«
Nele schüttelte den Kopf. »Papa erzählt so viel Blödsinn, dass ich das meiste davon gar nicht glauben mag. Also will ich selbst nachschauen, ob er Recht hat oder nicht.«
Nik seufzte und ließ sich zurück auf sein Kopfkissen fallen.
»Wie willst du das denn anstellen? Du bist keine Astronautin. Die werden dich niemals mit einer Rakete ins All schicken.«
Nele zuckte mit den Schultern. »Raketen interessieren mich eh nicht. Viel zu langsam und uncool. Opa hat mir geholfen, was besseres zu bauen.«
Jetzt musste Nik lachen. »Du hast mit Opa ein Raumschiff gebaut? Alles klar. Jetzt verstehe ich. Dann gehst du also Morgen in den Garten und spielst deine Reise zum Mond.«
»Nein.« antwortete seine Schwester entschlossen. »Mein Raumschiff ist echt. Und ich werde damit heute Nacht noch ins All starten. Ich werd es dir schon zeigen.«
Sie knipste ihre Nachttischlampe an und gab ihrem Bruder zu verstehen, dass er nach unten kommen sollte.
»Nimm Decke und Kopfkissen mit und vergiss da oben deine Kuscheltiere nicht.«
Nik war verwirrt. Was hatte das alles nur mit einem Flug ins All zu tun? Aber weil er seiner Schwester nicht den Spaß verderben wollte, machte er erstmal mit.
Nele schob nun ihr eigenes Kopfkissen zur Seite. Darunter war ein großer, roter Knopf versteckt gewesen.
»Es geht los.« flüsterte sie und drückte mit ihrer Hand kräftig darauf.
Wie von Geisterhand geführt, öffneten sich plötzlich die beiden Türen zum Balkon. Wenige Sekunden später schoben sich auf allen vier Seiten des Etagenbetts Glasscheiben nach oben und schlossen die Kinder ein.
»Damit wir im All nicht ersticken. Da oben gibt es nämlich keine Luft.« klärte Nele ihren Bruder auf.
Das Bett begann leicht zu vibrieren, später zitterte es an jedem einzelnen Brett, bevor es sich sanft erhob und durch die offenen Balkontüren nach draußen schwebte und Richtung Mond verschwand.
»Das ist ja völlig irre.« rief Nik begeistert und konnte sich an der schnell kleiner werdenden Erde unter sich kaum satt sehen.
»Wir fliegen wirklich und das auch noch komplett ohne Raumschiff und Raketen. Das wird mir niemand glauben. Hätte ich bloß meine Digitalkamera mitgenommen.«
Sie rasten an der Raumstation vorbei, die seit einigen Jahren ihre Kreise um die Erde zog. Zu gern hätten sie den Astronauten zugewunken, aber dafür war das Bett einfach zu schnell.
»Wir sind gleich da.« Nele zeigte mit dem Finger nach vorn, wo immer mehr Krater der Mondoberfläche erkennbar wurden. »Wir brauchen nur noch einen guten Landeplatz.«
Sie suchten sich eine weite Ebene aus, in der es keine Berge und Hügel gab. Dann landete das Etagenbett zum ersten Mal auf dem Boden des Mondes.
»Los! Aussteigen!« rief Nele begeistert. Sie drückte wieder den roten Knopf und ließ damit die Schutzscheiben um sie herum verschwinden.
Sie sprang nach draußen und landete mehrere Meter vom Bett entfernt.
»Hui.« war sie begeistert. »Auf dem Mond bin ich viel leichter. Ich komme mir vor wie eine Feder.«
Sie setzte sich hin und kramte in der Tasche ihrer Schlafanzugshose, aus der sie ein kleines Taschenmesser hervor holte.
»Wird Zeit für einen Test.«
Vorsichtig schnitt sie in den Mondboden und nahm ein Stück davon zwischen die Finger. Sie roch ein paar Mal daran und steckte es sich schließlich in den Mund.
»Mh, voll lecker. Papa hatte von Anfang an Recht, hättest du das gedacht?«
Nik, der noch immer im Bett saß und das alles um sich herum nicht wirklich begreifen konnte, machte nur ein verwirrtes Gesicht?
»Der Mond besteht tatsächlich aus Käse. Hast du etwa Papas Geschichte schon wieder vergessen?« Nele lachte, schnitt ein weiteres Stück zurecht und warf es ihrem Bruder zu, der nur zögerlich daran nagte.
»Wow. Das stimmt wirklich. Und ich habe immer gedacht, hier oben wäre alles aus Stein und Staub. Das habe ich nämlich mal im Fernsehen gehört.«
Langsam kam Nele zurück und setzte sich wieder auf ihre Matratze.
»Wird Zeit, dass wir nach Hause fliegen.«
Da wurde der vorsichtige Nik traurig.
»Muss das jetzt schon sein? Ich würde gerne noch eine Weile bleiben. Vielleicht entdecken wir auf dem Mond noch mehr Dinge, von denen niemand etwas weiß.«
Aber Nele ließ sich nicht erweichen. »Morgen ist Schule. Wir brauchen unseren Schlaf, sonst können wir uns nicht auf den Unterricht konzentrieren.«
Das Mädchen hatte natürlich Recht. Nik ließ es sich dafür nicht nehmen, selbst für den Start zu sorgen. Er drückte den roten Knopf, lehnte sich zurück und sah der Erde zu, wie während des Rückflugs wieder näher kam.
»Wir werden aber bald wieder ins All aufbrechen.« versprach Nele und schob sich ein letztes Stück Käse in den Mund.

(c) 2014, Marco Wittler

Blogprojekt Januar 2017: „Ich bin lokal – ich schreib regional“

Nach zehneinhalb Jahren im Blog möchte ich in diesem Jahr erstmals zu einem Blogprojekt aufrufen und hoffe, dass sich ein paar begeisterte Blogger finden, die daran teilnehmen möchten.

Es gibt so viele Blogs und Blogger, so viele verschiedene Themen über die wir täglich schreiben.
Wir sind Buchblogger, Reiseexperten, Autoren, Fotografen, Köche, Bäcker, Bastler, Mode- und Beautyexperten. Wir geben Tipps zu Finanzen, übers Bloggen, zum Sport und allgemein zum Leben. Wir sind Muttis, Väter, Tester, Nischenblogger und noch vieles mehr. Wir schreiben über Gott, die Welt und alles mögliche andere. Aber wer von uns kennt oder schreibt über seine eigene Heimat?

Das Thema in diesem Monat lautet: Ich bin lokal . ich schreib regional.

Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Schreibt und bloggt dazu. Lasst einen, zwei oder mehr Beiträge werden – je nachdem, was euch dazu einfällt.

Jedes Blog kann teilnehmen, denn zum Thema kann man wirklich alles schreiben. Hier nur mal ein paar Beispiele, falls ihr Inspiration sucht:
– Autorenblogs: Kurzgeschichten mit Handlungsort in eurer Region
– Reiseblogs: Was kann man Interessantes bei euch erleben?
– Mamiblogs: Schreibt über Spielplätze, Ausflugsziele, Kitasituation in eurer Stadt
– DIY: Bastelaktion zu Dingen deiner Region (z.B. gehäkelte Geißböcke für Köln, etc.)
– Modeblogs: Trachten aus deiner Region, Karnevalskostüme für Faschingshochburgen
– Buchblogs: Buchrezensionen über Werke lokaler Autoren
– Politblogs: Was geht ab in euren Rathäusern?
– Kochen und Backen: Typische Rezepte deiner Heimat
– Lifestyle: Lokale Bräuche

Alternativ könnt ihr auch mal etwas Artfremdes schreiben, wenn euch danach ist. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Ich werde hier alle Teilnehmer auflisten, dich sich mit ihren Blogs beteiligen. Habt ihr mehrere Blogs, dann werden auch alle aufgezählt, in denen ihr zum Thema schreibt.
Am besten legt ihr euch einen speziellen Beitrag zum Thema an, so wie ich das hier schon für mich / euch getan habe. Dann kann ich von hier aus die einzelnen Blogs verlinken und nicht jeden Beitrag einzeln.

Das Bild dürft ihr übernehmen. Ich fände es sogar sehr nett. Zusätzlich hätte ich gern auch noch über euren jeweiligen Beiträgen ein Foto eures Ortsschildes, damit man gleich sehen kann, um welche Stadt, welches Dorf, welche Gemeinde es geht.

Hast du Lust, dabei zu sein? Dann hinterlass einen Kommentar und ich trage dich in die Teilnehmerliste ein.
Bis Mittwoch, 25.01. sammel ich euch und eure Blogs ein.
Danach könnt ihr eure Beiträge posten. Dafür werde ich hier einen zusätzlichen Beitrag öffnen. Die Parade läuft dann bis zum 15. Februar, also drei Wochen.

Wenn du mitmachen möchtest, hinterlass mir hier als Kommentar deinen Blog, dein Bloggenre und deinen Namen.

Der Marco

Teilnehmer:
01) Marco Wittler
Projekt „366 Geschichten für ein ganzes Jahr“ (Gute Nacht Geschichten)
Wortjongleure (Kurzgeschichten)

 

573. Silvesterraketen

Silvesterraketen

Tom stand an seinem Fenster und sah in die Dunkelheit des Abends hinaus. Alle paar Minuten stieg eine kleine Rakete in den Himmel, explodierte dort und erhellte damit für kurze Zeit die Straßen der Stadt.
»Kommst du nicht zu uns?«, fragte Papa, als er den Kopf durch die Tür ins Kinderzimmer steckte.
»Nee!«, antwortete Tom. »Hier ist es viel interessanter. Ich will keine einzige Silvesterrakete verpassen. Die Leute da draußen zünden immer wieder welche an.«
Papa sah auf seine Armbanduhr und kratzte sich am Kopf.
»Ist ja komisch. Es ist doch noch gar nicht Mitternacht. Noch ist es zu früh zum Knallen.«
Tom seufzte, als wieder eine Rakete nach oben sauste.
»Ach, ist das schön. Wie gern würde ich auch mal da oben sein und mir das Feuerwerk vom Himmel anschauen. Das wäre bestimmt ein unglaublicher Anblick.«
»Wir können ja nachher die Straße rauf gehen. Dann sind wir etwas höher und haben einen guten Ausblick auf die Stadt. Ist das was?«
Tom schüttelte den Kopf.
»Nee. Das ist nicht das selbe. Ich will über den Raketen und Knallern fliegen. Ich will sie richtig von oben sehen können.«
»Ok.«, antwortete Papa. »Dann gehen wir nachher nur vor’s Haus.«

Zwei Stunden später war es beinahe so weit. Nur noch wenige Sekunden trennten die Welt vom neuen Jahr. Die ganze Familie stand vor dem Fernseher und zählte mit dem Moderator der Silvestershow die Sekunden herunter. Selbst Tom war mittlerweile aus seinem Zimmer gekommen.
»Fünf … vier … drei … zwei … eins … Prost Neujahr!«
Sie stießen an. Die Erwachsenen mit Sekt, die Kinder mit Prickelbrause. Dann zogen sie alle ihre Jacken an und gingen nach daußen.
Überall wurde nun geknallt. Hier machte es Bumm, dort gab es einen kräftigen Rumms. Unzählige Raketen flogen nun in den dunklen Nachthimmel.
»Tom, komm mit. Schnell, wir gehen in den Garten!«
Papa nahm seinen Sohn an die Hand und zog ihn hinter sich her.
»Warum gehen wir denn in den Garten? Da sehen wir doch gar nichts vom Feuerwerk. Was sollen wir denn da?«
»Ich habe für uns eine Überraschung vorbereitet.«
Widerwillig ging Tom mit. Als sie schließlich auf der Wiese standen, bekam er vor Staunen riesige Augen.
»Was ist denn das?«
»Du wolltest das Feuerwerk von oben sehen. Damit möchte ich deinen Wunsch erfüllen.«
Rund um das kleine Gartenhaus, das seit einer Ewigkeit auf dem Rasen stand, waren Silvesterraketen angebunden. Es mussten einige Hundert sein.
»Los! Einsteigen! Wir müssen uns beeilen, bevor alles vorbei ist.«
Papa schob Tom durch die kleine Tür und schloss sie dann hinter sich. Durch das Seitenfenster zündete er eine lange Zündschnur an.
Es zischte. Es rauchte. Das kleine Feuer kam den Raketen immer näher.
»Drei … zwei … eins … null … Zündung!«
Die Raketen brannten. Das Gartenhaus erzitterte ein paar Sekunden lang. Dann hob es tatsächlich langsam ab. Zentimeter für Zentimeter bewegte es sich nach oben. Dann wurde es plötzlich schneller und schneller. Es flog hoch hinauf in die Lüfte, überholte alle anderen Raketen, bis es schließlich fast die Wolken erreichte.
»Wow! Das ist unglaublich.«
Tom und Papa konnten die gesamte Stadt von oben sehen. Sie war von einem riesigen Lichtermeer umgeben. Überall blitzten Knaller auf. Aus jeder Straßen erhoben sich Raketen in die Luft.
»So oft hab ich mir das schon gewünscht. Jetzt endlich geht mein Traum in Erfüllung. Danke Papa.«
Tom drückte Papa an sich. Dann sah er wieder aus dem Fenster.
Langsam erloschen die Raketen am Gartenhaus. Für einen kurzen Augenblick schien es in der Luft still zu stehen. Dann bewegte es sich wieder nach unten.
»Werden wir jetzt auf den Boden knallen?«
Papa grinste.
»Nein. Für unsere sichere Landung habe ich gesorgt.«
Er zog an einer Leine. Über dem Gartenhaus spannte sich ein großer Fallschirm auf, den Mama aus alten Tischdecken und Bettlaken genäht hatte.
Ganz sanft sank das Häuschen nach unten und landete wieder im Garten auf der Wiese.
»Das war das coolste und schönste Silvester aller Zeiten. Papa, du bist der Allerbeste.«, bedankte sich Tom noch einmal.

(c) 2016, Marco Wittler

571. Der Besuch vom Mars

Der Besuch vom Mars

Die Sommerferien waren vorbei. Während nun die Tage langsam wieder kürzer und die Temperaturen kühler wurden, hatte Alex seine erste Woche in der Grundschule verbracht. Für ihn war alles noch ganz neu und aufregend gewesen. Endlich würde er Lesen, Schreiben, Rechnen und vieles mehr lernen. Dann würde er seiner großen Schwester, die schon in die fünfte Klasse ging, zeigen können, dass er kein dummes, kleines Kind war, wie sie immer sagte.
In den ersten zwei Schultagen hatten sie noch nichs gelernt. Die Klassenlehrerin hatte wichtige Informationszettel für die Eltern verteilt, schwere Bücher an jedes Kind gegeben, die Benimmregeln erklärt und allen Schülern die Schule gezeigt. Erst am dritten Tag hatte es richtigen Unterricht gegeben.
‚Sachunterricht‘ stand dick und fett im Stundenplan. Alex hatte sich schon vom ersten Tag an gefragt, was man dort wohl lernen würde. Es gab sehr, sehr viele Sachen auf der Erde.
Doch dann musste er feststellen, dass es gar nichts mit Sachen von der Erde zu tun hatte. Es ging nämlich um Sterne, Planeten und den Weltraum.
Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. So hießen die acht Planeten aus der Nachbarschaft. Die einen groß, die anderen eher klein. Die Großen bestanden nur aus Gas, die kleinen waren so fest, wie die Erde. Leben gab es aber nur auf einem von ihnen: Auf der Erde. Woanders gab es dafür keine Chance. Der Merkur hatte keine Atmosphäre, also keine Luft. Die der Venus war zu giftig und auch auf dem Mars hätte niemand atmen können. Trotzdem, erklärte die Lehrerin, hatten Wissenschaftler immer die Vermutung, Spuren von Leben auf dem Mars finden zu können.
Da waren die Schreiber und Erfinder von Weltraumbücher, Marsgeschichten und Filmen mit Außerirdischen schon viel weiter. Darin wimmelte es nur so vor lauter Lebewesen.
»So ein Blödsinn.«, hatte sich Alex immer wieder gedacht. »Warum sollte es denn so weit von der Erde entfernt Marsmenschen geben? Wie sollten die denn da hin gekommen sein?«
Das hatte er auch immer wieder zu Hause erzählt. »Spannend war das auf jeden Fall. Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es auf dem Mars jemanden gibt.«
Er holte sein Sachbuch hervor, blätterte hin und her, bis er schließlich ein Bild des roten Planeten fand.
»Da sieht man doch, dass es da kein Wasser gibt, keine Pflanzen und auch keine Städte. Da lebt nichts und niemand.«
»Na, wenn du dich da mal nicht täuschst.«, hatte Papa grinsend geantwortet. »Ich habe ganz viele Filme gesehen, in denen die Menschen das Gleiche dachten. Am Ende kamen dann doch die Marsianer auf die Erde und haben für Angst und Panik gesorgt.«
Nun grinste Alex auch.
»Ich habe bestimmt keine Angst vor Marsmenschen. Wenn mir einer begegnet und er mir Angst machen will, dann trete ich ihm in den Hintern, stopfe ihn zurück in seine Rakete und schieße ihn auf den Mond. Dann werden wir ja sehen, wer mehr Angst hat.«
Er lachte laut und musste sich dabei sogar den Bauch halten.

Am Abend saß die Familie noch lange draußen im Garten. Während ein paar Würstchen auf dem Grill brutzelten sahen sie dem Sonnenuntergang und den auftauchenden Sternen zu, als Alex plötzlich sah, wie einer von ihnen zur Erde stürzte.
»Papa, hast du das gesehen? Ein Stern ist grad vom Himmel gefallen. Der muss irgendwo in der Nähe eingeschlagen sein.«
Aufgeregt sprang er von seinem Gartenstuhl auf und versuchte über die Hecke zu sehen.
»Mach dir da mal keine Sorgen.«, beruhigte ihn Papa. »Sterne fallen nicht vom Himmel. Das war nur eine Sternschnuppe, ein kleiner Stein oder Staub, der in der Atmosphäre verbrennt. Es passiert nur ganz selten, dass davon etwas am Boden ankommt.«
Er machte eine kurze Denkpause und überlegte, bevor er grinsend weiter sprach.
»Es könnte aber auch das Raumschiff eines Außerirdischen gewesen sein, dass irgendwo dort hinten gelandet ist.«
»Das glaubt dir doch eh keiner.«, antwortete Alex. Trotzdem ließ ihn der Gedanke nicht los, dass da vielleicht doch ein Besucher von einem anderen Planeten angekommen war.

Wenig später lag Alex im Bett. Das Schlafen fiel ihm allerdings schwer. Ständig dachte er daran, dass ein Alien auf der Erde gelandet war und nun unentdeckt sein Unwesen hier trieb.
Sobald er die Augen schloss, sah er in seinen Gedanken Raumschiffe, die durch die Luft flogen und mit ihren Laserstrahlern Häuser zerstörten.
»Warum muss Papa auch so einen Blödsinn erzählen. Der ist Schuld, wenn ich nicht schlafen kann.«
Kurz dachte er darüber nach, ob er hinunter ins Wohnzimmer gehen und sich beschweren wollte, traute es sich aber nicht, weil er kein Angsthase sein wollte.
In diesem Moment klopfte es leise an der Tür. Alex hielt vor Aufregung den Atem an. Die Tür öffnete sich und eine unbekannte Person trat ein. Zuerst konnte Alex nicht viel erkennen. Aber dann sah er einen silberfarbenen Raumanzug, grüne Haut um Gesicht und lange Fühler auf dem Kopf. Auf der Nase saß eine große, verspiegelte Brille. Es war der Außerirdische und er stand mitten in Alex Zimmer.
Am Liebsten hätte Alex geschrien. Aber er bekam keinen Laut aus seinem Mund. Der Alien hingegen lächelte freundlich, legte einen seiner sechs Finger auf seine Lippen und gab dem Jungen zu verstehen, dass er leise sein sollte.
Alex nickte vorsichtig und sagte nichts.
Der Außerirdische griff langsam in seine Anzugtasche und holte ein kleines Holzkästchen heraus. Dieses legte er auf Alex Schreibtisch. Dann winkte er noch einmal zum Bett hinüber und verließ das Zimmer.
»Boah. War das aufregend.«, flüsterte Alex.
Er schlich zur Tür und sah hinaus. Der Alien war verschwunden. Also schlich Alex zum Schreibtisch und sah in das Kästchen. Darin lag ein kleiner, roter Stein und ein Zettel. Mit zitternden Händen las Alex die wenigen Worte, die darauf geschrieben waren.
‚Ein kleiner Stein von meiner Heimatwelt, dem Mars. Dieses Geschenk soll dich immer daran erinnern, dass wir uns in dieser Nacht getroffen haben. Erzähle aber bitte niemandem davon.‘
Dieses Versprechen hätte Alex nur zu gern gemacht, wurde dann aber abgelenkt, als sich seine Schranktür öffnete.
Der Junge fuhr herum und erschrak. Zwischen den vielen Jacken und Hemden, die gerade zur Seite geschoben wurden, kam ein kleiner, grauer Kerl hervor. Er war kleiner als Alex, viel dünner als irgendein Mensch nur hätte sein können. Dafür war der Kopf umso größer. Das Wesen hatte riesige Augen und einen schmalen Mund. Eine Nase fehlte dafür völlig. Es hatte eine Haut so grau wie das Fell einer Maus. Kleidung trug es keine.
»Puh, war das knapp.«, sagte es.
»Ich wollte schon vor ein paar Minuten aus meinem Versteck kommen. Aber dann hätte mich dein Vater in seiner komischen Verkleidung erwischt. Was für ein Glück.«
Er kam auf Alex zu, nahm dessen Hand in seine und schüttelte diese kräftig.
»Ich bin Mapul, ein Astronaut vom Planeten Mars. Eigentlich hatte ich vor, dass mich niemand sieht, aber da mein Raumschiff abgestürzt ist und ich ein Ersatzteil brauche, habe ich mich in euer Haus geschlichen.«
Er hielt eine kleine Schraube in die Höhe, die er wohl aus dem Schrank geholt haben musste.
»Dein Schrank wird auch ohne halten. Und vielen Dank dafür. Damit werde ich bald wieder nach Hause fliegen können.«
Er klopfte Alex auf die Schulter, winkte kurz und wurde langsam durchsichtiger. Bevor er ganz verschwunden war, hatte er noch eine Bitte.
»Verrate bitte niemandem, dass ich hier gewesen bin.«
Alex nickte nur. Sagen konnte er vor lauter Überraschung gar nichts mehr.

Am nächsten Morgen saßen Alex und Papa am Frühstückstisch und grinsten sich gegenseitig an.
»Und wie war deine Nacht. Etwas Besonderes erlebt oder geträumt?«
Alex nickte. »Ich hatte Besuch von einem Außerirdischen.«
Papa nickte grinsend. »Das war bestimmt richtig aufregend. Du glaubst jetzt also, dass es Aliens gibt?«
»Ja, klar. Er hat mir nämlich auch bewiesen dass er echt war.«
Papa lachte laut. Sein Plan hatte also funktioniert. Dass Alex in der letzten Nacht Besuch von einem zweiten Außerirdischen hatte, der tatsächlich vom Mars gekommen war, wusste er nicht.

(c) 2016, Marco Wittler

572. Einen Freund zu Weihnachten

Einen Freund zu Weihnachten

Niklas stand am Fenster und sah nach draußen. Vom Himmel fielen unzählige Schneeflocken herab und tanzten wie wild durch die Luft. Endlich war der Winter gekommen. Endlich wurde die Erde weiß. Schon in wenigen Stunden würde man mit dem Schlitten die Hügel herab fahren können. Und trotzdem freute sich Niklas nicht über das Wetter.
Er ging zurück an seinen Schreibtisch und sah betrübt auf seinen Wunschzettel hinab, den er noch immer nicht geschrieben hatte. Er wusste einfach nicht, was er sich wünschen sollte.
Spielzeuge besaß er in großer Zahl. Alle Regale und Schränke waren damit vollgestopft. Bücher stapelten sich in jeder Ecke. Eigentlich hätte Niklas wunschlos glücklich sein sollen. Und doch fehlte ihm etwas ganz Wichtiges. Er hatte keine Freunde, nicht einen einzigen. Stattdessen wurde er in der Schule jeden Tag von den anderen Kindern geärgert. Einfach nur, weil er anders war, weil er von Geburt an ein krummes Bein besaß, mit dem er nicht richtig laufen konnte.
Niklas setzte sich auf seinen Stuhl und nahm seinen Stift zur Hand. Dann begann er zu schreiben.
‚Lieber Weihnachtsmann. In diesem Jahr habe ich nur einen einzigen Wunsch, der aber der größte meines Lebens ist. Ich wünsche mir einen Freund. Dein Niklas.‘
Dann faltete er den Brief zusammen, steckte ihn in einen Umschlag, brachte ihn kurz darauf nach draußen und warf ihn in den Postkasten.

Ein paar Tage später war der Christbaum reichlich geschmückt, überall im Haus duftete es lecker und ein Berg an Geschenken lag im Wohnzimmer. Das Weihnachtsfest hatte begonnen.
Freuen konnte sich Niklas aber nicht. Einen Freund konnte man nicht einpacken und sonst war auch keiner weit und breit zu sehen.
Der Tag zog sich hin. Niklas Geschenke blieben unausgepackt. Ihm fehlte einfach die Lust.
»Magst du wenigstens einen Spaziergang an der frischen Luft machen? Vielleicht kommst du dann auf bessere Gedanken.«, schlug Mama vor.
»Ist in Ordnung.«, willigte Niklas ein. »Helfen wird das aber auch nicht. Denn der Weihnachtsmann hat mich vergessen. Er hat mir meinen Wunsch nicht erfüllt.«
Sie zogen sich ihre dicken Winterjacken und Stiefel an. Dann ging die ganze Familie nach draußen in den Schnee.
Sie waren noch nicht lange gegangen, da kam ihnen eine zweite Familie entgegen. Auch sie machten einen Spaziergang. Und – Niklas musste mehrmals hinschauen – eines der Kinder, ein Mädchen, humpelte durch den tiefen Schnee. Es fiel ihr nicht leicht, vorwärts zu kommen, aber trotzdem wehrte sie immer wieder die helfende Hand ihrer Mutter ab.
»Du musst mir nicht helfen. Ich bin schon groß und schaffe das alleine.«
Dann begann sie zu grinsen, formte sich einen dicken Schneeball und bewarf damit ihren großen Bruder.
Als sie Niklas erblickte, blieb sie stehen und staunte. Es gab hier in der Stadt, in ihrer Straße tatsächlich einen Jungen, dem es so ging wie ihr. Ein Junge, der humpelte. Sie lächelte und Niklas lächelte zurück.
Langsam gingen sie aufeinander zu.
»Hi, ich bin Sofie.«, sagte das Mädchen und hielt Niklas die Hand hin.
»Ich bin Niklas.«, antwortete er, ergriff die Hand und schüttelte sie. Seine Freunde war riesig. Der Weihnachtsmann hatte seinen Brief wohl doch gelesen und seinen Wunsch auf eine ganz besondere Art und Weise erfüllt.
Niklas und Sofie wurden dicke Freunde. Von nun an konnte sie nichts mehr trennen. Und da sie schon bald auf die gleiche Schule gingen, traute sich niemand mehr, die beiden zu ärgern, denn gemeinsam waren sie stark und konnten sich wehren.

(c) 2016, Marco Wittler

Nik und Nele fliegen ins All

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07 – Nik und Nele jagen die Raumsonde
08 – Nik und Nele machen eine Sonnenfinsternis
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10 – Nik und Nele fliegen zum Weihnachtsstern

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