002. Das Märchen von den Froschzahnschmerzen

Das Märchen von den Froschzahnschmerzen

 

Es war ein schöner, sonniger Tag. Es war keine Wolke am Himmel zu sehen, die Vögel zwitscherten und die Blumen blühten in allen Farben.
An diesem Nachmittag war die kleine Fliege unterwegs zu ihrer Oma. Sie summte ein kleines Liedchen und flog eine Kurve nach der anderen.
Nach einer Weile wurden ihre kleinen Flügelchen müde. Am Ufer eines Teichs wollte sie eine kurze Pause machen und setzte zur Landung an.
Doch dann bekam sie einen riesigen Schrecken, denn mitten im Wasser saß ein Frosch. Die Angst war so groß, dass die kleine Fliege vergaß, sich zu retten. Und schon saß sie direkt neben dem grünen Fliegenfresser.
»Bitte verschling mich nicht. Ich mache nicht einmal richtig satt, so klein bin ich.«, bettelte sie.
Der Frosch blieb still sitzen und bewegte sich nicht.
»Willst du mich denn gar nicht Fressen? Du bist doch ein Frosch. Stimmt da etwas nicht mit dir?«
Der Frosch atmete schwer ein und seufzte.
»Ich habe Froschzahnschmerzen. Da tut unheimlich weh.«
Nun viel es der Fliege auf, dass sich der Frosch die Wange hielt.
»Ich habe eine Idee.«, sagte sie.
»Ich werde mich sofort auf den Weg machen und für dich ein Heilmittel suchen. Du musst einfach nur hier auf mich warten.«
Sie schlug kräftig mit den Flügeln und sauste davon.
Der kleine Frosch sah ihr verzweifelt nach und hoffte, dass er bald von den schlimmen Schmerzen erlöst würde.
Ein paar Minuten später war ein Geräusch zu hören. Es klang wie ein gespanntes Gummiband. Ein paar Augenblicke landete ein Grashüpfer am Ufer.
»Hallo, kleiner grüner Freund.«, rief dieser voller Lebenslust.
»Was sitzt du so gelangweilt im Wasser? Erfreue dich des Lebens und springe durch die Gegend. Denn es ist Sommer. Das ist die schönste Zeit des Jahres.«
Der kleine Frosch seufzte und zeigte mich den Fingern auf seine gerötete Wange.
Der Grashüpfer kam näher und sah in den Mund des Frosches.
»Du meine Güte. Der Zahn sieht ja gar nicht gut aus. Du musst ja unglaubliche Schmerzen haben.«
Ein Nicken bestätigte diese Vermutung.
»Aber ich glaube, ich weiß da ein gutes Rezept. Damit wird es dir sofort besser gehen. Erfreue dich einfach des Lebens und hüpfe wild herum. Du wirst sehen, deine Schmerzen werden verschwunden sein, bevor du bis drei zählen kannst. Mach es mir einfach nach.«
Und schon sauste der Grashüpfer mit riesigen Sprüngen davon. Der kleine Frosch sah sich verzweifelt um. Sollte er es wirklich probieren?
Zaghaft machte er einen kleinen Hüpfer, dann einen weiteren. Er zählte sogar bis drei. Besser wurde es aber nicht. Die Schmerzen wurde sogar noch schlimmer.
»Autsch!«, rief er laut.
»Wer schreit denn da? So eine Unverschämtheit. Ich halte gerade meinen Mittagsschlaf.«
Eine fremde Stimme ertönte aus dem hohen Gras.
»Entschuldigung.«, sagte der Frosch klein laut.
Es raschelte, die Grashalme bogen sich zur Seite und eine große alte Schildkröte kam zum Vorschein.
»Was ist denn los, dass du so laut schreist?«
Der kleine Frosch seufzte und zeigte auf seine Wange.
»Ich habe Froschzahnschmerzen. Das tut wahnsinnig weh. Ich weiß nicht, was ich dagegen machen kann.«
Die Schildkröte war alt und weise und wusste sofort, was zu tun war.
»Du musst dir einen Tee aus Löwenzahnblättern kochen. Das stärkt deine Zähne und sie werden nie wieder schmerzen.«
Dann drehte sie sich herum und verschwand wieder hinter den hohen Gräsern.
»Und bitte schreie nicht wieder so laut. Ich würde gerne noch ein wenig schlafen.«
Sofort riss der Frosch ein großes Stück aus einem Löwenzahnblatt heraus. Er kochte es in heißem Wasser und trank sich den entstandenen Tee. Aber die Schmerzen blieben. Er versuchte sogar auf dem Blatt zu kauen. Doch das war nicht viel besser. Er begann wieder zu wimmern und weinen.
In diesem Moment pfiff ein kalter Windhauch über den Teich.
»Was ist mit dir los?«, flüsterte dieser.
»Ach, lieber Wind, ich leide unter entsetzlichen Froschzahnschmerzen. Ich weiß nicht, was ich dagegen machen soll.«
»Ich werde ihn fort blasen.«, entschied der Wind.
»Denn es gibt nichts, was ich nicht hinweg fegen könnte.«
Er brauste auf, wurde größer und stärker. Er entwickelte sich zu einem Wirbelsturm und raste nun um den kleinen Frosch herum. Das Wasser des Teichs spritze wild. Die Grashalme rissen aus dem Boden und flogen davon. Bis der Wind wieder ruhiger wurde.
»Die Schmerzen sind immer noch da.«, sagte der Frosch traurig.
»Es hat nichts genutzt.«
Der Wind entschuldigte sich, dass seine Idee nicht funktioniert hatte und sauste leise davon.
Auf einmal summte etwas in der Luft. Es schien aus mehreren Richtungen zu kommen. Es war aber nichts zu sehen. Plötzlich sauste eine alte Fliege im Sturzflug heran und erschreckte den Frosch mit einem lauten Buh.
Der kleine Frosch erschreckte sich, riss den Mund auf und schrie. Da kam die kleine Fliege von hinten, landete auf seiner Zunge und riss mit ihren Ärmchen den kranken Zahn heraus.
»Huch, was war denn das?«, fragte der Frosch erstaunt.
Die kleine Fliege zeigte stolz den Zahn vor.
»Das war die Idee meiner Oma. Jetzt werden die Schmerzen ganz schnell verschwunden sein.«
Und sie hatte tatsächlich Recht. Die Wange schwoll ab und es tat nicht mehr so sehr weh.
Da freute sich der kleine Frosch sehr und drückte die kleine Fliege vorsichtig an sich. Er war ihr so dankbar, dass er versprach, nie wieder eine Fliege zu fressen.
So wurden die beiden dicke Freunde.

(c) 2009, Marco Wittler

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