066. Große Aufregung im Stall

Große Aufregung im Stall

»Hui, was war das in den letzten Tagen für eine Aufregung. Ich kann noch gar nicht glauben, was da alles passiert ist. Aber geschehen ist es trotzdem.«
Matthias, die kleine Maus, saß an ihrem Schreibtisch und blickte auf. Er hatte begonnen, einen Brief zu schreiben, aber irgendwie konnte er es nicht so richtig in Worte fassen, was ihm gerade durch den Kopf ging.
Vor einigen Monaten war er bei seiner Familie ausgezogen und hatte sich ein eigenes kleines Loch gesucht, in dem er es sich gemütlich machen konnte. Er hatte sich einen kleinen Stall ausgesucht, der nicht zu weit von seinen Eltern entfernt lag. So konnte er jederzeit die Familie besuchen.
Bisher war nie etwas geschehen. Im Stall herrschte das allgemeine Treiben, wie in jedem Stall. Die Tiere, Esel, Ochsen und ein paar Schafe, standen hier in der Nacht und tagsüber draußen auf einer Weide. So blieb immer genug Zeit bei Sonnenschein, der durch das große Tor herein kam, zwischen dem vielen Stroh etwas zu Essen zu suchen.
Doch kam dieser ganz verrückte Abend.
»Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen und ihr werdet mich auch für verrückt erklären, aber jedes meiner Worte ist wirklich wahr.«
Matthias sah durch ein kleines Fensterloch. Er konnte sich an die Ereignisse erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Und tatsächlich waren sie noch immer da.
»Es war schon sehr spät in der Nacht. Die Tiere schliefen und ich las eines meiner Bücher, als plötzlich jemand eine Öllampe entzündete und die gesamte Scheune in ein warmes Licht tauchte.
Der Besitzer der Scheune, der Wirt des Gasthauses, kam herein und sah sich um. Allerdings war er nicht, wie gewöhnlich, allein hier, sondern brachte noch zwei weitere Menschen mit, einen Mann und eine Frau.
Seltsam, dachte ich, bei so später Stunde werden doch keine Tiere mehr verkauft. Also setzte ich mich an mein Fenster zu sah ihnen zu.
Dem Wirt und den anderen Leuten ging es gar nicht um die Tiere. Sie standen in der Mitte der Scheune und sahen sich um. Während der Wirt wild mit dem Armen durch die Gegend zeigte, begann der andere Mann etwas Heu im Raum auf einen großen Haufen zu werfen, auf dem sich die Frau schließlich nieder lies.
Sie hatte wohl im Gasthaus viel zu viel gegessen, denn ihr Bauch war kugelrund. Einen so dicken Bauch hatte ich vorher noch nie bei einem Menschen gesehen.
Schließlich verließ der Wirt die Scheune mit ein paar silbernen Münzen in der Hand und lies die beiden Menschen allein zurück.
Nun lagen sie dort gemeinsam im Stroh und hielten sich an der Hand.
Da mir das zuschauen allerdings schnell langweilig wurde, schloss ich mein Fenster, löschte meine Lampe und kroch in mein Bett.
Matthias sah noch ein weiteres Mal aus dem Fenster, nur um sich vergewissern, dass sein Erlebnis tatsächlich geschehen war und die Menschen auch wirklich noch in der Scheune waren.
»Ganz spät in der Nacht hörte ich plötzlich Geräusche und wimmernde Schreie. Ich wurde wach und rieb mir die Augen. Zuerst hatte ich gedacht, es wäre ein Alptraum gewesen, aber die Geräusche hörten nicht auf.
Ich war ziemlich sauer, denn um diese Zeit sollte man die Nachbarn nicht mehr stören, sondern schlafen lassen. Doch dann sah ich den Grund.
Die Frau in der Scheune schien starke Schmerzen zu haben. Der Mann neben hier hielt ihre Hand ihn der seinen und redete mit freundlichen Worten ständig auf sie ein. Doch das schien nicht viel zu nützen, denn ihre Schmerzen schienen immer stärker zu werden.
Ich konnte es mir nicht ansehen, setzte mich unter das Fenster, hielt mir die Ohren zu und betete dafür, dass es ihr ganz schnell besser gehen würde.
Schließlich wurde mein Bitten, und wahrscheinlich auch das der Menschen erhört. Die Frau verstummte. Sie schien wieder gesund zu werden. Doch dann hörte ich etwas anderes. Da war ein neues Schreien.
Verwirrt stand ich auf und sah erneut hinaus. Und da konnte ich es sehen. Die Menschen waren nicht mehr allein. Sie waren plötzlich zu dritt. Der Mann hielt einen ganz kleinen nackten Menschen in seinen Armen und legte ihn gerade in diesem Moment zu seiner Frau, die das Kind mit glänzenden und liebevollen Augen ansah. Sie waren eine kleine Familie geworden.
Ich hatte Tränen in meinen eigenen Augen. Das war ein wirklich schönes und unglaubliches Erlebnis.
Schon oft waren Tiere in unserer Scheune geboren worden, aber ein kleiner Mensch war etwas ganz Neues. Es brachte einen unerwarteten Glanz hier herein. Es war, als würde das Kind aus sich heraus leuchten, um zu zeigen, dass es etwas ganz Besonderes wäre.
Das dem nicht sein konnte, wusste ich natürlich auch, aber es sah trotzdem danach aus. Und ich wusste natürlich auch, dass dieses Kind für die beiden Eltern wirklich etwas Besonderes war.
Ich wünschte den drei Menschen leise alles Glück der Welt und kroch wieder zurück in mein Bett.«
Ja, das Bett. Wie gerne würde die kleine Maus nun darin liegen. Doch an Schlaf war gar nicht zu denken. Schon seit Tagen war so viel Hektik gewesen, dass es ständig zu laut zum Schlafen war.
»Ein weiteres Mal wurde ich in dieser Nacht wach. Ich sah wieder hinaus. Das Kind lag in einer Krippe. Normalerweise lag darin nur das Heu für die Tiere. Doch nun schlief ein kleiner Mensch. Es sah wirklich goldig aus. Doch dann bekam ich etwas Wut auf den Wirt, denn dies war nicht der richtige Ort für ein kleines Menschenkind. Es gehörte in ein richtiges Bett in einem der Gästezimmer.
Erneut war Lärm zu hören, denn es kamen weitere Menschen in unsere Scheune. Es waren mehrere Hirten.
Sollten sie denn nicht in der Nacht auf ihre Herden aufpassen?
Sie kamen jedenfalls langsam herein und nahmen ihre Mützen von den Köpfen. Sie tuschelten miteinander und näherten sich dem Kind in der Krippe, bis sie schließlich davor auf die Knie fielen.
In diesem Moment hatte ich das Gefühl, sie würden einen neuen König besuchen und ihm huldigen. Aber das konnte doch gar nicht sein, denn dieses Kind lag in einer Krippe in einem Stall.
Und dann war da wieder dieser Glanz, der die ganze Scheune erfüllte. Es war ein warmes und freundliches Licht, als wäre Gott persönlich gekommen, um das Kind zu sehen.
Die Mutter des Kindes stand bei ihnen und hörte sich alles genau an, was die Hirten über das Kind sagten. Sie schienen große Worte zu sprechen, die wichtiger als alles auf dieser Welt waren.
Erst spät in der Nacht verschwanden sie wieder und ich konnte wieder schlafen.«
Matthias musste grinsen. Nun würden seine Verwandten denken, dass er endlich Schlaf bekommen hätte. Aber die folgenden Tage und Nächte waren nicht besser geworden.
»Ich wünsche euch alles Gute und freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen.
Euer Matthias.«
Die kleine Maus faltete den Brief und steckte ihn in einen Umschlag.
Da ging erneut die Stalltür offen.
Matthias traute seinen Augen nicht. Da kamen drei Männer herein. Sie waren gekleidet, als kämen sie aus einem fernen Land. Die Stoffe, die sie trugen, waren von allerfeinster Art. Sie mussten sehr reich sein oder eine ganz wichtige Aufgabe erfüllen.
Sie kamen zur Krippe und fielen davor auf die Knie. Die drei Männer, gekleidet wie Könige, gingen zu Boden vor einem Kind, deren Eltern arm waren. Das hatte es wahrlich noch nicht gegeben. Matthias glaubte nicht, was er dort sah.
Die Männer redeten sehr viel. Ihre warmen Worte erfüllten die Scheune. Und der Glanz ihrer Geschenke war unübersehbar. Dort hatten kostbare Dinge mitgebracht, Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Dieses Kind dort in der Krippe musste wirklich etwas ganz Besonderes sein.
Matthias wurde ganz warm. Er hatte in den letzten Tagen so viel erlebt und gesehen. Er schloss all dies in seinem Herzen ein und würde es nie vergessen.
Dann sah er sich den Brief an und überlegte.
Seine Familie würde ihm eh niemals glauben. Doch das war ihm egal. Er öffnete noch einmal den Umschlag und ergänzte den Text um ein paar Zeilen. Er musste doch unbedingt von den drei königlichen Männern und den Geschenken berichten.

frei nach Lukas 2 (Die Weihnachtsgeschichte)

(c) 2007, Marco Wittler

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2 thoughts on “066. Große Aufregung im Stall

  1. Hallo liebes Team,
    ich suche nach einer Kurzen Geschichte, in der ein Schaf, Esel und Ochse darin vor kommen. Die Geschichte sollte nicht zu lang sein, weil die Kinder denen ich sie vorlesen möchte,alle unter drei Jahre sind.

    • Hallo Theresa.

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Eine solche Geschichte gibt es hier noch nicht. Aber ich setze mich dran und werde sie in ein paar Tagen fertig haben.

      Lieben Gruß,
      der Marco

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