094. Der Kindergeburtstag (Tommis Tagebuch 4)

Der Kindergeburtstag

Hallo, liebes Tagebuch. Ich bin es, der Tommi.
Heute war ein ganz toller Tag. Mama hatte für mich Kuchen gebacken, Papa schüttelte jede Menge Überraschungen aus dem Ärmel und Nina war auch nicht da. Das alles gibt es nur zu meinem Geburtstag.
Schon auf dem Frühstückstisch stand ein großes Paket. Auf einer langen Schleife stand mein Name.
»Ist das etwa für mich?«, fragte ich staunend.
Mama nickte, drückte mich einmal an sich und wünschte mir alles Gute zum Geburtstag. Meine Schwester Nina verdrehte die Augen und biss in ihr Brot.
»Jedes Jahr das gleiche Theater. Wenn es nach mir ginge, dann hätte ich deinen Geburtstag schon längst abgeschafft. Aber mich fragt ja leider keiner.«
Mama blickte sie böse an, dann durfte ich das Geschenk öffnen. Ich riss das Papier in Fetzen und warf es in jede Ecke der Küche.
»Juhu, ist das toll!«, rief ich.
In dem Paket war ein großes Piratenschiff. Das hatte ich mir schon immer gewünscht.
»Hoffentlich regnet es heute Mittag, dann kann ich es in der Pfütze vor dem Haus fahren lassen.«
Nina verdrehte schon wieder die Augen.
»Auf keinen Fall. Lenas Eltern nehmen mich heute mit ins Freibad. Also muss die Sonne scheinen. Ich will schließlich schön braun werden.«
Ich hörte gar nicht hin. Stattdessen bedankte ich mich bei Mama und Papa.

Nach der Schule musste ich Hausaufgaben machen. Und um fünfzehn Uhr klingelte es dann auch schon an der Tür.
Da wurde meine Freude richtig groß. Das mussten meine Freunde sein, die mit mir zusammen meinen Geburtstag feiern wollten. Aber als ich die Tür öffnete stand da Tante Ina.
»Huch!«, sagte ich überrascht. »Mit dir habe ich gar nicht gerechnet.«
»Ich aber schon.«, hörte ich Ninas Stimme hinter mir.
Meine Schwester wollte uns kleinen Jungs nicht bei unseren albernen Spielen zuschauen. Pah! So viel größer war sie auch nicht. Und wenn sie mit ihren Freundinnen vor dem Spiegel sitzt und Schminken spielt, ist das viel alberner. Die sehen dann immer aus wie die Clowns im Zirkus.
Tante Ina nahm Nina mit. Sie wollten in den Zoo fahren, damit wir Jungs ungestört feiern konnten.
»Dann pass aber auf, sonst wird sie verwechselt und ins Affengehege gesperrt.«
Meiner Schwester war sofort anzusehen, dass sie mich am liebsten in den Schwitzkasten genommen hätte, aber zu meiner Rettung kamen dann endlich meine fünf Freunde Alexander, Tim, Tobias, Nico und Andrea.
Und nicht, dass du denkst, dass Andrea ein Mädchen ist. Mädchen würde ich niemals zu meinem Geburtstag einladen. Andrea ist Italiener. In seinem Land bekommen nur Jungs diesen Namen.
Gemeinsam setzten wir uns im Wohnzimmer an einen großen Tisch, aßen ganz viel Kuchen, tranken Kakao und Eistee und nacheinander öffnete ich alle Geschenke.
Ich habe ein neues Feuerwehrauto, eine Kiste mit Bausteinen, eine laute Hupe für meinen Roller, einen Fußball und ein Buch mit ganz vielen Gute Nacht Geschichten bekommen.
Am meisten freute ich mich aber über die Hupe. Jetzt kann ich immer hinter Nina her fahren und sie nerven. Das wird bestimmt lustig.
Nach dem Essen kam Papa mit einem großen Koffer ins Wohnzimmer.
»Hoffentlich müssen wir nicht schon wieder Topfschlagen spielen wie im letzten Jahr.«, sagte Tim. »Das ist immer so langweilig. Das mögen doch nur Kindergartenkinder.«
Aber Papa hatte etwas ganz anderes vorbereitet. Er öffnete den Koffer und holte einen alten Wischlappen heraus. Unter dem Sofa hatten wir im Voraus zwei Besenstiele versteckt, die ich hetzt hervor holen durfte.
»Jungs, wir spielen heute Putzfrauenhockey.«, freute sich Papa.
Das war vielleicht ein Ding. Ich wusste zwar von den Besenstielen, aber nicht wofür sie gut sein sollten. So etwas Tolles hatte ich von Papa gar nicht erwartet.
Wir setzten uns in zwei Gruppen gegenüber auf unsere Stühle. Jedes Mal, wenn Papa uns aufrief, spielten wir gegen einander und versuchten den Wischlappen mit den Besenstielen in das Tor zu schieben. Nach einer halben Stunde war es dann vorbei. Mein Team hatte hoch verloren. Aber trotzdem hatten wir alle jede Menge Spaß.
Ich wartete schon auf das nächste Spiel. Doch in dem Moment klingelte es an der Tür.
Ich fand das seltsam, denn ich hatte sonst niemanden mehr eingeladen.
»Dann schau doch mal, wer vor dem Haus wartet.«, sagte Papa.
Verwundert ging ich nachsehen. Vor der Tür stand ein Mann in einem langen Mantel. Auf seinem Kopf trug er einen Zylinderhut. In der einen Hand hielt er einen Zauberstab, in der anderen einen großen Koffer.
»Juhu, ein Zauberer.«
Das war ja eine unglaubliche Überraschung. Etwas Besseres konnte es gar nicht mehr geben.
Sofort setzte ich mich mit meinen Freunden auf das große Sofa. Wir warteten ganz gespannt, dass die Vorstellung los gehen würde.
Der Zauberer stellte sich vor und begann sofort mit seiner Show. In seinen leeren Händen erschienen Karten, Geldstücke, und vieles mehr. Sogar eine richtig lebendige Taube lies er erscheinen. Das war richtig toll. Das Beste war allerdings seine Tageszeitung. Der Zauberer nahm ein Glas und schüttete Wasser zwischen die Seiten, ohne nasse Füße zu bekommen. Ich weiß noch immer nicht, wie das funktioniert.
Nach der Vorstellung war es richtig spät geworden. Meine Freunde wurden nach und nach abgeholt. In dieser Zeit packte der Zauberer seine ganzen Sachen in seinen Koffer und machte sich ebenfalls bereit, wieder nach Hause zu verschwinden.
Alexander, Tim, Tobias, Nico und Andrea waren bereits weg, als ich meinen Überraschungsgast zur Tür brachte.
»Bist du ein echter Zauberer, oder waren das alles nur Tricks?«, fragte ich ihn.
»Na, was denkst du denn?«, fragte er zurück und zwinkerte mir zu, bevor er ging.
Seltsam.
Ich dachte nicht weiter darüber nach und brachte meine Geschenke nach oben in mein Zimmer. Als ich zufällig aus meinem Fenster sah, glaubte ich meinen Augen nicht trauen zu können, denn da draußen stieg der Zauberer gerade auf einen Besen und flog davon.

Und nun liege ich in meinem Bett. Mein Geburtstag ist vorbei. Mama hat mir gerade gesagt, dass es Zeit zum Schlafen wäre. Deswegen muss ich jetzt mit dem Schreiben fertig werden.
Bis zum nächsten Mal liebes Tagebuch.

P.S.: Wenn ich groß bin, werde ich auch Zauberer.

(c) 2008, Marco Wittler

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