138. Freiheit

Freiheit

»Männer, wir sind in Gefahr.«, sagte der Oberst Weiß zu seinen Soldaten.
»Wenn wir nicht so schnell wie möglich von hier verschwinden, ist es um uns geschehen. Dann hilft uns auch kein Glück der Welt.«
Die zehn Soldaten stimmten ihrem Vorgesetzten zu. Schon viel zu lange waren sie in diesem engen Gefängnis eingesperrt. Es wurde Zeit für eine Flucht. Ansonsten konnten sie nur dem sicheren Tod entgegen blicken.
Der Oberst sah sich um. Sie waren nicht allein. Viele zwielichtige Gestalten teilten sich den Raum mit ihnen. Sie waren von unterschiedlichster Gestalt und Hautfarbe. Es war ihnen nur sehr schwer anzusehen, was in ihren Köpfen vor sich ging.
Doch dann sah Weiß seine eigenen Leute. Auch sie waren ein bunt durcheinander gewürfelter Haufen unterschiedlichster Herkunft. Trotzdem waren sie eine gut funktionierende Einheit geworden, in der jeder dem anderem vertraute.
»Vielleicht haben wir hier ja doch mehr Verbündete, als wir bisher angenommen haben. Immerhin werden wir alle vom sicheren Tod bedroht. Wenn wir uns gegenseitig helfen, könnten die meisten von uns überleben.«
Er rief seine Jungs zusammen und beriet mit ihnen, wie sie vorgehen wollten.
Major Grün war der erste, der einen Plan im Kopf hatte.
»Wir warten, bis ein Wärter das nächste Mal den Eingang öffnet. Dann springen wir ihn an und beißen gemeinsam in seine Finger. Vor Schreck wird er gar nicht bemerken, dass wir uns alle davon stehlen.«
Schütze Gelb war anderer Meinung. Er war sich nicht sicher, ob sich die Wächter so einfach in die Finger beißen lassen würden.
»Wir müssen viel intelligenter vorgehen. Wir stellen uns alle tot. Dann können sie uns nicht mehr gebrauchen und werden uns aus diesem Gefängnis entfernen.«
»Und was ist, wenn sie unser Gefängnis gleich mit entsorgen? Dann hat sich die Situation nicht ein bisschen verändert.«, warf der Oberst ein.
Schließlich meldete sich der einfache Soldat Rot zu Wort. Er klang etwas verschüchtert, weil er nicht schlauer erscheinen wollte als seine Vorgesetzten. Dennoch war ihm genau die richtige Idee eingefallen.
»Wir sollten unsere Wärter einfach nur überraschen. Wir warten gemeinsam mit allen anderen Gefangenen am Eingang. Wenn dieser geöffnet wird, fallen wir über den Wächter her, veranstalten ein riesiges Durcheinander und ergreifen dabei unsere Flucht. Wenn wir schnell genug sind, wird es weder Verletzte noch Tote geben.«
Der Oberst durchdachte diesen Plan kurz aber genau. Schließlich stimmte er zu und gab seinen Leuten den Befehl, alle anderen Gefangenen zu informieren.
»Denn nur gemeinsam sind wir stark und können etwas erreichen.«

Es dauerte nicht lange, bis die fünfzig bis sechzig Gefangenen Bescheid wussten. Niemand hatte sich gegen den Plan gestellt. Jeder einzelne, egal woher sie auch stammten, wollte nur seine Freiheit zurück und in Frieden in seiner Heimat leben.
Gemeinsam versammelten sie sich am Eingang des Gefängnisses und warteten auf den richtigen Augenblick. Schon nach wenigen Stunden war es so weit. Ein Wärter kam heran und öffnete das Verließ. Genau in diesem Moment stürmten die Gefangenen vor und überrumpelten einen kleinen Jungen, der vor Schreck gar nicht wusste, wie ihm geschah. Die zehn Gummibärchensoldaten, die Schaummäuse, Weingummikrokodile und alle anderen vielen mit ihrer Tüte zu Boden.
Während der kleine Junge verzweifelt versuchte, die süßen Leckerlis einzufangen, flüchteten diese in alle Ecken und unter alle Schränke des Kinderzimmers und waren für immer verschwunden. Die Freiheit hatte sie wieder.

(c) 2008, Marco Wittler

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