175. Eilige Fracht

Eilige Fracht

Captain Michel saß in seinem Sessel und sah angestrengt auf den großen Bildschirm am anderen Ende der Kommandobrücke. Draußen im Weltall wimmelte es nur so. Überall flogen Komenten, Asteroiden, Meteoriten und Weltallschrott herum. Das Frachtraumschiff durfte auf keinen von irgendwas getroffen werden.
»Wie ist unsere momentane Position Commander Papa?«
Der Commander stand sofort von seinem Platz auf, salutierte und erstattete Bericht.
»Wir befinden uns jetzt direkt vor dem Trümmerfeld. Etwa eine Million Kilometer dahinter befindet sich unser Zielplanet, den wir innerhalb der nächsten Stunde erreichen sollten. Dazu müssen wir das Feld allerdings durchqueren, da auf unserer Ausweichroute ein gefährlicher Ionensturm wütet.«
Captain Michel dachte angestrengt nach. Sollte er es wirklich riskieren, dass das Raumschiff von einem Felsbrocken getroffen und zerstört wurde? Andererseits ließ ihm der enge Flugplan keine andere Wahl.
»Fliegen sie hinein, Commander Papa. Halbe Kraft voraus.«
Der Commander salutierte ein weiteres Mal und betätigte mehrere Hebel, Knöpfe und Tasten. Das Raumschiff setzte sich langsam in Bewegung und flog an den ersten Asteroiden vorbei.
Von nun an ging es hin und her, rauf und runter, vor und zurück. Die Situationen wurden immer gefährlicher. Die Felsbrocken kamen immer näher. Captain Michel lief bereits der erste Schweißtropfen von der Stirn.
Plötzlich gab es einen lauten Knall.
»Was war das?«
Commander Papa überprüfte seine Anzeigen, ehe er den Captain informierte.
»Wir wurden getroffen. Ein Komet ist an unserer Außenhülle entlang gekratzt. Dabei ist zum Glück nur ein winziges Loch entstanden. Wir verlieren Luft, werden es aber noch rechtzeitig zu unserem Ziel schaffen.«
Sie atmeten beide auf, obwohl sie das Trümmerfeld noch nicht hinter sich hatten.
Sie sahen beide immer wieder auf ihre Monitore, korrigierten ständig die Flugrichtung und hofften, diesen Tag zu überleben.
Und dann war der Weltraum vor ihnen wieder frei. Sie hatten den gefährlichen Teil ihrer Reise hinter sich gebracht.
»Commander Papa, bringen sie uns wieder auf Kurs und beschleunigen sie unser Raumschiff mit voller Kraft.«
»Aye, aye, Sir.«, kam sofort die Bestätigung.
Nur einen kurzen Moment später raste das Raumschiff mit unglaublicher Geschwindigkeit zwischen den Stern dahin, während sie sich ihrem Ziel immer weiter näherten.
»Bremsmanöver einleiten. Wir fliegen sonst noch an dem Planeten vorbei.«
Commander Papa  betätigte die Bremsen und brachte das Raumschiff zum stehen.
»Wir haben es geschafft, Captain. Wir können jetzt unsere Fracht ausliefern.«
Captain Michel sprang von seinem Bürostuhl herunter, mit dem Papa ihn durch die ganze Wohnung geschoben hatte, und stellte sich vor den Laufstall seiner kleinen Schwester.
»Bitte sehr, eure Majestät. Das Prinzessinnenspielzeug ist angekommen.«
Er packte ein paar Kuscheltiere aus und drückte sie dem kleinen Mädchen in die Arme.
»Dann fahre ich mal wieder mit meinem Stuhl zurück in mein Arbeitszimmer.«, sagte Papa und verschwand durch die Tür des Kinderzimmers.

(c) 2009, Marco Wittler

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