184. Achtung! Kinder im Radio

Achtung! Kinder im Radio

»Und wenn wir dann im Gebäude sind, müsst ihr ganz still sein. Es soll sich niemand von uns gestört fühlen.«
Kindergruppenleiter Mike dirigierte zehn Jungen vor sich her und versuchte, die Bande ruhig zu bekommen. Aber das war gar nicht so einfach. Noch sprachen sie über die Fußballergebnisse des letzten Wochenendes, regten sich über zu viele Hausaufgaben auf und stritten darum, wer auf dem Rückweg wo mitfahren durfte.
Und dann war es so weit. Nach dem Drücken des Klingelknopfes wurde die Tür geöffnet. Sie betraten gemeinsam das Funkhaus. Sie waren vom lokalen Radiosender eingeladen worden, sich die Studios und die ganze Technik einmal aus der Nähe anzusehen.
»Was soll das denn sein?«, beschwerte sich Max.
»Ich dachte, hier wird Radio gemacht. Man kann ja gar nichts sehen.«
Tatsächlich standen sie mitten in einem großen Büro. An den Schreibtischen saßen Männer und Frauen vor ihren Computern,   tippten an ihren Texten, sprachen mit Anrufern und diskutierten viel miteinander.
»Das sieht aus, wie bei meinem Vater im Versicherungsbüro.«, wusste Timo zu berichten.
Alle lachten, während Mike erneut darum bat, die Münder für ein paar Minuten geschlossen zu halten.
In diesem Moment öffnete sich eine Tür und ein Mann gesellte sich zu den Kindern.
»Hallo Jungs.«, begrüßte er sie.
»Ich bin der Jürgen und werde euch heute unseren Radiosender zeigen. Am besten lauft ihr mir einfach nach.«
Er stellte die Mitarbeiter des Büros vor und erklärte, dass sie auf Fragen der Zuhörer antworteten, Beschwerden entgegen nahmen und alles regelten, was die Anrufer beschäftigte.
»Gestern haben wir sogar für eine ältere Dame das Rezept für einen Marmorkuchen gesucht. Wir tun halt, was wir können.«
Als nächstes betraten sie einen Raum, der bis zur Decke mit Computern und technischen Dingen vollgestopft war.
»Das ist unser Herzstück. Von hier aus geht unser Radiosignal zu den einzelnen Sendetürmen in den Städten der Umgebung. Wenn dieser Kasten einmal ausfällt, kann niemand mehr Musik und Nachrichten hören.«
Mittlerweile tuschelten die Kinder leise untereinander.
»So toll ist das doch gar nicht.«, grummelte Fynn.
»Das ist ja unglaublich langweilig.«, sagte Tim.
Und Mike hörte von Niklas eine Frage, die er gar nicht erwartet hatte.
»Wann fahren wir denn endlich wieder nach Hause?«
Jürgen, der Radiomann, bemerkte davon nichts und lotste die Jungen in einen weiteren Raum. Auch hier stand sehr viel Technik herum. Um einen Stuhl waren fünf Computermonitore installiert. Davor hing ein großes Mikrofon.
»Das ist eines unserer Studios. Hier sitzen unsere Moderatoren. Sie lesen die spannenden Meldungen vor, berichten von wichtigen Ereignissen in der ganzen Welt und spielen fetzige Musik.«
Plötzlich war aus einer Ecke des Raumes lautes Gähnen zu hören. Max hielt es nicht mehr aus. Die Langeweile war zu groß geworden.
Jürgen wusste sofort, dass sich diese Kinder nicht für die Technik interessierten. Sie schienen sehen zu wollen, wie ein Mensch im Radio richtig arbeitet.
»Ich glaube, im nächsten Raum werdet ihr richtig Spaß haben. Dort sitzt nämlich gerade meine Kollegin und macht eine Sendung.«
Sie gingen durch eine Tür und sahen dort eine Frau mit großen Kopfhörern sitzen. Aus den Lautsprechern dudelte Musik.
»Alles, was ich da gerade hört, hören auch die Menschen an den Radios.«, flüsterte Jürgen.
Er platzierte die Kinder um einen Tisch herum und bat ihnen Stühle an.
»Ihr müsst aber ganz still sein, damit man euch nicht in der ganzen Stadt hört.«
In diesem Moment hörte die Musik auf. Die Moderatorin zog das Mikrofon an ihren Mund heran und begann zu sprechen.
»Hallo, ihr das draußen. Hier spricht Melanie Bauer und ich begrüße euch zu einer weiteren Stunde mit toller Musik und Informationen aus der Umgebung.«
Sie machte eine kurze Pause und zwinkerte den Kindern zu.
»Ob ihr es glaubt oder nicht. Heute sitze ich ausnahmsweise nicht alleine in unserem Studio. Gerade eben ist eine ganze Gruppe Jungen hier herein marschiert, um sich anzuschauen, wie man Radio macht. Los, Kinder, ruft mal Hallo.«
Die Jungen kamen der Aufforderung nur zu gern nach und riefen so laut sie konnten.
»Wir feiern jetzt also eine große Kinderparty in unserem Funkhaus. Und damit uns nicht die Langeweile erwischt, spielen wir etwas Musik.«
Plötzlich begann die Moderation zu Husten. Sie musste sich laut räuspern, trotzdem kam ihre Stimme nicht wieder. Verzweifelt winkte sie die Kinder zu sich heran.
Max verstand sofort. Er sprang auf lief um den Tisch herum. Er zog das Mikrofon zu sich heran und sprach einfach drauf los.
»Achtung! Kinder im Radio.«
Alle mussten lachen, während er den nächsten Musiktitel ankündigte. Melanie bedankte sich und betätigte einen Knopf. Das Lied wurde abgespielt.
»Vielen Dank, mein kleiner Held. Ohne dich wäre das heute nichts mehr geworden.«
Die Jungen jubelten.
»Jetzt wird es aber auch Zeit, dass wir wieder nach Hause fahren.«, rief Mike.
Als Antwort bekam er laute Proteste. Trotzdem bedankten sich die Kinder für den aufregenden Nachmittag und versprachen irgendwann noch einmal vorbei zu kommen.

(c) 2009, Marco Wittler

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