232. Eine Fahrt nach Berlin (Ninas Briefe 21)

Eine Fahrt nach Berlin

Hallo Steffi.

Heute schreibe ich dir mal von einem ganz anderen Ort. Wir sind heute mit der ganzen Familie unterwegs und schauen uns unsere Hauptstadt Berlin an. Leider ist mein nerviger Bruder Tommi auch dabei.
Du kannst dir nicht vorstellen, wie anstrengend die Fahrt hierher war . Ich hatte versucht, ein Buch zu lesen, aber bei jeder Kuh, jedem Schaf, jedem Auto und allem anderen, was se zu sehen gab, drehte Tommi durch. Er fand das so schrecklich aufregend.
Irgendwann waren wir angekommen. Das erste Ziel unserer Hauptstadtsafari war ein großes, altes Gebäude. Zuerst setzte sich mich auf die riesige Wiese davor. Ich hatte sofort das Gefühl, dieses Haus schon einmal gesehen zu haben. Mir wollte es aber nicht einfallen. Über dem Eingang stand in großen schwarzen Buchstaben ›dem deutschen Volke‹ geschrieben.
Irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus. Ich stand auf und verkündete meiner Familie, dass ich nun jemanden fragen wollte. Papa grinste mich nur an und lief mir langsam nach. Doch irgendwie hatte ich einfach kein Glück, denn die Antworten, die ich bekam, konnte ich nicht verstehen.
»Je ne parle allemand.«, sagte eine Frau und ein Mann bekam nur ein »I don’t speak german.« heraus.
Ich zuckte nur mit den Schultern und entschuldigte mich dann immer mit dem Satz: »Tut mir leid, aber ich spreche kein ausländisch.«
Dass sich in Berlin so viele Touristen aus anderen Ländern tummeln, hätte ich gar nicht erwartet. Aufgeben wollte ich trotzdem nicht.
»Die Frau dort frage ich jetzt.«, entschied ich spontan.
Als Papa sie sah, wollte er mich aufhalten.
»Lass das lieber.«, sagte er und bekam eine ganz unruhige Stimme.
»Sie sieht aus, als hätte sie es eilig.«
Doch davon ließ ich mich nicht abschrecken. Ich lief zu ihr und sprach sie an.
»Wissen sie vielleicht, was das für ein komisches Haus ist?«, fragte ich.
Die Frau sah mich plötzlich ganz komisch an, dann lächelte sie.
»Das, mein Kind, ist der Reichstag. Dort drin treffen sich die wichtigsten Politiker Deutschlands. Sie reden jeden Tag darüber, was man in unserem Land besser und schöner machen kann.«
Ich staunte Bauklötze. Dann musste dieser Reichstag das wichtigste Haus Deutschlands sein.
»Weißt du was? Ich werde dir und deiner Familie das Gebäude von innen zeigen.«
Und schon nahm sie mich an die Hand und führte uns an der langen Warteschlange vorbei zum Eingang.
»Aber Vordrängeln ist doch nicht erlaubt.«, beschwerte ich mich.
Doch der Mann an der Eingangstür flüsterte mir zu, dass es für diese Frau in Ordnung sei.
Wir gingen gemeinsam über eine große Treppe nach oben, bis wir unter einer großen Glaskuppel ankamen. Die Frau zeigte nach unten, denn man konnte von hier aus in einen riesigen Raum schauen. Dort standen überall Stühle und an der Wand hing ein großer Adler.
»Dort treffen sich die Politiker immer, um miteinander über unser Land zu reden. Sie treffen gemeinsam ganz wichtige Entscheidungen.«
Danach verabschiedete sie sich von uns.
»Ich muss euch nun leider verlassen. Auf mich wartet die Arbeit. Aber wenn du wissen möchtest, wer die Chefin hier ist und was sie alles zu tun hat, darfst du mich gern wieder fragen.«
Sie drückte mir eine kleine Karte mit ihrem Namen in die Hand und ging winkend die Treppe herunter.
Nun war ich natürlich neugierig und las mir die Karte durch. Darauf stand der Name der Frau und ihr Beruf: Bundeskanzlerin von Deutschland.
Mir wären beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen. Die wichtigste Frau unseres Landes hatte mir den Reichstag gezeigt.

Und nun werden wir uns noch das Brandenburger Tor anschauen. Deswegen ist mein Brief an dieser Stelle auch schon zu Ende.

Bis bald.

Deine Nina.

(c) 2009, Marco Wittler

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