246. Der erste Teddy

Der erste Teddy

Teddy saß auf seinem Lieblingsast hoch oben in einem riesigen Baum. An diesem Ort verbrachte er gern seine Freizeit, wenn er gerade nichts anderes zu tun hatte, was meistens der Fall war.
Von hier oben konnte fast die ganze Welt überblicken. Nur am Horizont hatte das Auge seine Grenze.
Teddy rieb sich über seinen dicken Bauch und fühlte sich pudelwohl. Gerade hatte er einen großen Keks in sich hinein gestopft und war nun richtig satt.
»So ein Leben ist schön. Von früh bis spät auf der faulen Haut liegen und nichts tun.«, sagte er sich.
Doch in diesem Moment gab es einen kräftigen Windstoß. Teddy konnte sich nicht mehr rechtzeitig am Baum festhalten und purzelte vom Ast nach unten.
»Hilfe.«, schrie er. Aber es hörte ihn niemand. Seine Freunde lagen auf ihren eigenen Ästen und hielten einen Mittagsschlaf.
»So helft mir doch.«, versuchte er es abermals.
Und mit einem lauten Plumps landete er auf dem weichen Waldboden.
»Das hat aber ganz schön weh getan.«
Er rieb sie mit der Pfote über den Po und dachte mit Schrecken daran, dass er bald einen großen blauen Fleck an dieser Stelle haben würde.
Teddy sah sich um. Er war noch nie in seinem ganzen Leben am Boden gewesen. Er fragte sich, wie er wieder in die luftige Höhe kommen sollte, denn an seinen Pfoten fehlten starke Krallen, um am Baumstamm nach oben klettern zu können.
»O je, o je. Was mache ich denn jetzt?«
Auch wenn er es besser wusste, versuchte es Teddy mit Klettern. Aber schon nach mehreren Zentimetern rutschte er wieder ab und saß auf dem Boden.
In diesem Moment hörte er Schritte, die den Weg entlang kamen.
»Das müssen Menschen sein, die einen Spaziergang machen.« flüsterte er sich zu.
Schnell versteckte sich Teddy in einem Gebüsch. Er hatte ganz schreckliche Geschichten über die Menschen gehört.
Schon kamen sie um die Ecke. Sie waren zu dritt. Zwei von ihnen waren sehr groß, der dritte ein ganzes Stückchen kleiner.
Der kleine Mensch hielt ein weiteres, felliges Tier an einer Leine fest.
Das Tier schnupperte wie wild in der Gegend herum. Plötzlich schien es etwas entdeckt zu haben und lief zielstrebig auf den Busch zu.
»Nein, bitte nicht.«
Teddy war entdeckt und wurde im Maul des Tieres auf den Weg getragen.
»Böser Hund, lass das fallen.«, sprach der kleine Mensch.
Der Hund gehorchte sofort und legte Teddy ab.
»Was ist denn das?«, fragte einer der großen Menschen, kam allerdings nicht mehr dazu, sich den Fund genauer anzuschauen, denn der kleine Mensch hob Teddy bereits auf und drückte ihn an sich.
»Der ist ja unglaublich weich. Darf ich den behalten?«
Behalten? Teddy bekam Angst. Er wollte doch in seinem Wald bleiben. Doch alles Zittern und Bibbern half nichts. Der kleine Mensch ließ ihn nicht mehr los.

Eine Stunde später betraten sie ein großes Haus. Sofort stürmte der kleine Mensch in sein Zimmer und setzte Teddy auf ein weiches Bett.
»So, hier ist dein neues Zuhause. Wenn du artig bist und auf mich wartest, bekommst du auch gleich etwas leckeres zu Fressen.«
Teddy war überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet. Fressen klang immer gut, denn sein Magen knurrte bereits. Außerdem war das Bett so weich, wie kein einziger Ast seines Baumes.
»Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich schon längst bei den Menschen eingezogen. Das ist ja wirklich paradiesisch hier.«
Er legte sich mit dem Rücken auf das Bett und wartete darauf, gefüttert zu werden. Nur wenige Minuten kam dann auch der kleine Mensch mit einem leckeren Apfel zurück.

Spät am Abend, als die Sonne bereits verschwunden war, saß Teddy am Fenster und sah zu den hohen Bäumen hinaus. Die Menschen schliefen bereits tief und fest.
»Beim nächsten Spaziergang, wenn wir wieder im Wald sind, werde ich allen meinen Freunden von den Menschen erzählen. Ich bin mir ganz sicher, dass sie sich dann auch von einem Kind finden lassen wollen.«
Dann drehte er sich um, schloss seine Augen und begann leise zu schnarchen.

(c) 2009, Marco Wittler

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