247. Das klebrige Dutzend

Das klebrige Dutzend

Cowboy Bill saß mit seinen Kumpanen vor der Stadt auf einem kleinen Hügel. Von dort aus konnten sie die ganze Stadt sehen. Nichts entging den wachsamen Augen.
»Gleich ist es so weit.«, flüsterte Jack.
Bill mahnte allerdings noch zur Ruhe.
»Wir brechen auf, wenn wir das Zeichen sehen. Bis dahin bleiben wir, wo wir sind.«
Vom Norden kam die Postkutsche heran gefahren. Sie zog eine lange Staubwolke hinter sich her, bevor sie in der schmutzigen Hauptstraße zum stehen kam.
Der Kutscher brachte zwei schwere Kisten in die Bank, bevor er zur nächsten Stadt weiter fuhr.
»Der Zeitpunkt ist gekommen.«, sagte Bill.
Er und seine Männer setzten sich auf ihre Pferde, zogen sich Tücher vor die Gesichter und ritten los. Ihr Ziel war die Bank, denn gerade waren die Löhne der Arbeiter gebracht worden. So viel Geld lagerte nur einmal im Monat in der Stadt. Etwas verlockenderes konnte es für eine Diebesbande nicht geben.
Vor der Bank sprangen die Bankräuber von ihren Reittieren ab. Bill zählte sie noch einmal durch. Sie waren zwölf Mann. Alle waren mitgekommen. Jeder überprüfte seinen Revolver, bevor sie zur Kasse gingen.
Der Angestellte Steve staunte nicht schlecht, als er so viele vermummte Kerle durch sein kleines Gitterchen sah.
»Was kann ich für sie tun, meine Herren? Einzahlung oder Auszahlung? Oder möchten sie vielleicht einen Kredit beantragen?«
Bill warf eine Tasche auf den Tresen.
»Los. Voll machen. Das ist ein Überfall.«
Steve bekam große Augen.
»Ein Überfall? Das ist ein richtig echter Überfall?« fragte er?
»Nerv nicht und gib uns das Geld.« schrie Jack durch den Raum.
»Hey Jungs.«, rief Steve aufgeregt.
»Schaut mal alle her. Die Männer hier sind Bankräuber und ich erlebe gerade meinen allerersten Überfall. Ist das nicht irre spannend?«
Bill verdrehte die Augen. Er wollte nicht glauben, was er da gerade erlebte.
»Willst du mich auf den Arm nehmen, Bursche? Gib mir sofort das Geld aus deiner Kasse, sonst erschieße ich dich.«
Aber Steve ließ sich davon nicht beängstigend.
»Das ist ja genial. Ein echter Revolver. Darf ich den mal anfassen?«
Und schon griff er überraschend durch das Gitter und nahm sich den Revolver.
»Der ist ja ganz schön schwer. Stört der denn nicht beim Reiten, wenn er den ganzen Tag am Bein herum baumelt?«
Er schwenkte mit der Waffe hin und her und legte sie anschließend wieder auf den Tresen.
»Also für mich ist das nichts. Viel zu gefährlich. Das Ding könnte versehentlich los gehen und mir in den Fuß schießen. Da ist mir mein langweiliger Beruf als Bankangestellter lieber. Da kann mir wenigstens nichts passieren.«
Nun wurde es Bill endgültig zu bunt.
»Mir reicht es jetzt. Entweder wir bekommen sofort das Geld oder du bist tot.«
In diesem Moment ertönte ein lauter Schuss. Die Bankräuber drehten sich zur Tür um. Dort stand der Sheriff mit ein paar bewaffneten Männern.
»Schau mal einer an, wen haben wir denn da? Wenn das nicht Cowboy Bill und seine Diebesbande sind.«
Er klopfte sich zufrieden auf seinen dicken Bauch.
»Ihr seid festgenommen. Also alle Waffen auf den Boden.«
Das taten die Verbrecher tatsächlich, aber dann sprangen sie nacheinander durch ein geöffnetes Fenster nach draußen.
»Du meine Güte.«, rief Steve entsetzt.
»Wie konnten sie nur nach draußen in den Hof springen? Etwas Schlimmeres kann man sich gar nicht vorstellen.«
Zuerst wusste der Sheriff nicht, wovon Steve sprach. Doch dann dämmerte es ihm. Er verließ schnell die Bank und lief um das Gebäude herum. Da konnte er gerade noch sehen, wie Bill und seine Männer aus großen Honigfässern heraus kletterten. Sie hatten anscheinend nicht gewusst, dass der Nachbar der Bank ein Bienenzüchter und Honigfabrikant war.
Alle Leute auf der Straße lachten, so laut sie konnten, während der Sheriff verzweifelt versuchte, die klebrige Bande abzuführen.
Am nächsten Morgen war dann in der Zeitung eine große Schlagzeile zu lesen:

›Das klebrige Dutzend ist festgenommen‹
›Bankangestellter Steve fand alles sehr spannend‹
›Mehr dazu im Innenteil.‹

(c) 2009, Marco Wittler

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