268. Der Zahncremekobold

Der Zahncremekobold

Melanie stand mit Mama zusammen im Bad und sah mit großen Augen in den Spiegel.
»Und jetzt die Zahnbürste in den Mund. Deine Zähne sollen doch schön sauber werden.«, sagte Mama.
Melanie nickte, machte ihren Mund ganz weit auf und wollte gerade anfangen, als ihr Blick auf die Borsten fiel.
»Mehr Creme Mama.«
Mama blicke auf die Bürste und seufzte.
»Ist dir das denn noch nicht genug?«
Melanie schüttelte kräftig den Kopf. Da durfte sie noch ein wenig Creme zusätzlich aus der Tube drücken.
»Und nun wird geputzt.«
Und schon sauste die Zahnbürste über die Zähne. Es ging hin und her und der Belag wurde komplett weg geschrubbt.
»Bin fertig Mama.«
Melanie spülte ihren Mund aus und nahm wieder die Tube in die Hand.
»Nochmal drücken. Mehr Creme.«
Doch Mama nahm sie ihr aus der Hand.
»Nein, mein Schatz, du bist jetzt fertig. Geh in dein Zimmer und spiel ein wenig.«
Nun seufzte Melanie und schlurfte aus dem Bad.
Nun kümmerte sich Mama um den Haushalt. Sie räumte die Spülmaschine aus, bügelte die Wäsche und wunderte sich irgendwann, warum ihre kleine Tochter so leise war.
»Ist alles mit dir in Ordnung, mein Schatz?«, rief sie durch das Haus.«
»Alles gut, Mama. Musst nicht rauf kommen.«, war die Antwort.
Das mache Mama natürlich besonders misstrauisch. Sie unterbrach ihre Arbeit und schlich die Treppe nach oben.
»Was machst du denn da?«, fragte sie erstaunt, als sie ins Bad sah.
»Melanie Zähne putzen.«
Mama schüttelte nur den Kopf.
»Das sieht eher nach Bad putzen aus. Deine Zähne sind doch gar nicht so groß.«
Auf dem Boden lagen dicke blaue Zahncremewürste. Auf dem Waschbecken und der Wanne sah es nicht besser aus.
»Dich darf man auch nicht mit der Tube allein lassen.«
»Melanie Zähne putzen.«, sagte das kleine Mädchen trotzig.
Heute Abend wieder mein Schatz. Jetzt muss ich hier erstmal sauber machen.«
Mama schickte ihre Tochter zurück ins Kinderzimmer und suchte sich einen großen Lappen.
Melanie setzte sich auf ihr Bett und schmollte. Es machte doch so viel Spaß auf die Tube zu drücken. Also schmiedete sie bereits neue Pläne, wie sie wieder an die Zahncreme kommen konnte.
Genau in diesem Moment machte es ›plopp‹ und ein kleines Männchen erschien wie von Zauberhand.
»Hallo, kleines Mädchen. Ich bin der Zahncremekobold.«, sagte er grinsend.
»Ich habe gehört, dass du so gern auf die Tube drückst.«
Melanie bekam zuerst große Augen, doch dann nickte sie heftig.
»Macht Spaß.«, sagte sie.
»Ja, das stimmt. Aber die Creme ist nicht zum Spielen gedacht. Damit putzt man sich nur die Zähne. Denn wenn die Tube leer ist, bekommt man seine Zähne nicht mehr richtig sauber und bleiben schmutzig. Davon können sie dann krank werden und ausfallen. Und das willst du doch bestimmt nicht.«
Nein, das wollte Melanie wirklich nicht. Sofort versprach sie dem Zahncremekobold, nie wieder mit der Tube zu spielen.
»Melanie will schöne Zähne haben.«, sagte sie, als sich der kleine Besucher verabschiedete und mit einem weiteren ploppen verschwand.

»Mama, will Zähne putzen.«, rief Melanie etwas später nach dem Abendessen wieder durch das ganze Haus.

(c) 2009, Marco Wittler

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