283. Wir basteln uns eine Geschichte

Wir basteln uns eine Geschichte

Jannis und Yanika lagen bereits im Bett. Ihre Decken hatten sie bis zu den kleinen Nasen herauf gezogen, damit man ihr Grinsen nicht sehen konnte.
In diesem Moment kam Isabel herein und wollte den beiden eine gute Nacht wünschen.
»Aber Mama erzählt uns jeden Abend eine Geschichte.«, beschwerte sich Jannis und seine Schwester stimmte ihm nickend zu.
Also setzte sich Isabel aufs Bett, dachte kurz nach und begann zu erzählen.

Es war einmal ein guter und gerechter König. Tag für Tag herrschte er über sein Land und tat viele gute Dinge für seine Untertanen. Eines Tages kam ein junger Prinz vorbei und hielt um die Hand der schönen Prinzessin an. Der König freute sich so sehr darüber, dass er beiden sofort heiraten ließ. Und so lebten sie glücklich bin an ihr Lebensende.

Jannis verzog das Gesicht.
»Das war die Geschichte? Die war aber kurz. Und so viele gute Könige gibt es auch nicht. Das kann doch alles gar nicht stimmen. Erzähl mehr. Bitte, bitte. Das muss doch noch weiter gehen.«

Die Hochzeit des Prinzenpaares stand kurz bevor. Während sich der König in seine schönsten Kleider helfen ließ, flog eine kleine Wespe in das Zimmer und stach ihn in seinen Po.
Der Schmerz war so groß, dass der König unglaublich wütend wurde. Seine Laune wurde wahnsinnig schlecht und er sagte die Hochzeit ab.
»Der Prinz bekommt meine Tochter nur dann, wenn er alle Wespen meines Landes vernichtet. Eher wird es keine Hochzeit geben.«

»Schon besser.«, unterbrach Yanika.
»Aber Wespen sind sooo langweilig. Der Prinz soll einen Drachen töten. Das ist viel besser.«

Der König befahl also dem Prinzen, den Drachen der hohen Berge zu töten. Zum Beweis sollte er den Kopf des Ungetüms abhacken und mit zu Schloss bringen. Erst dann würde die Hochzeit stattfinden.
Der Prinz machte sich sofort auf den Weg. An seinem Gürtel hing sein prachtvolles Schwert. Damit wollte er das gefährliche Tier zur Strecke bringen.
Als der den höchsten Gipfel erreicht hatte, gab es einen Kampf um Leben und Tod.

»Aber der Drache ist doch eine Mama und beschützt nur seine Kinder.«, fiel Jannis ein.

Der Drache passte nicht richtig auf. Der Prinz sah seine große Chance und wollte das Ungetüm erstechen. Doch in diesem Moment fiel ihm ein Nest auf. Darin lagen drei große Eier, von denen eines einen dicken Riss in der Schale hatte.
»Du wirst gerade Mutter.«, sprach der Prinz überrascht und brach den Kampf ab.
Er war so überrascht, dass das Töten des Drachen sinnlos wurde. Er wollte diese kleine Familie nicht zerstören. Also freundete er sich lieber mit der Drachenmama an und versprach, nie wieder einfach nur so ein Tier zu töten.
Und so machte er sich auf den Rückweg und überlegte sich wie er seine Prinzessin auf andere Weise würde heiraten können.

»Jetzt ist doch die ganze Geschichte kaputt.«, beschwerte sich Yanika.
»Die Prinzen töten immer die Drachen. Jetzt wird er nie heiraten können und die Prinzessin wird traurig sterben.«
Isabel seufzte. Jetzt musste sie sich wirklich etwas einfallen lassen.

Der König war wütend und stampfte wild mit den Fußen auf dem Boden herum.
»Wie kannst du es wagen, meine Befehle zu missachten? So wirst du meine Tochter niemals heiraten. Also geh hin und erledige das Seemonster, das seit Jahren vor den Toren meines Hafens sein Unwesen treibt und jedes ankommende Schiff auffrisst.«
Also zog der Prinz los und suchte den Weg zum Hafen. Bereits unterwegs musste er sich etwas einfallen lassen, da er ja geschworen hatte, nie wieder zu töten.

»Jetzt bin ich wirklich gespannt, wie du aus der Sache raus kommst.«, lachte Jannis.
»Ein Seemonster wird man nicht mehr so einfach los, ohne es zu töten.«

Doch die Lösung war einfacher, als der junge Prinz gedacht hatte. Statt sofort mit seinem Schwert in den Kampf zu ziehen, ging er unbewaffnet an das Ufer des Meeres und begann dem Tier von seinem Leid mit dem König und der Prinzessin zu erzählen.
Da kam das Seemonster angeschwommen, krabbelte an Land und begann ebenfalls von seinem traurigen Leben zu berichten.
»Vor vielen Jahren war ich noch nicht so böse und gemein. Doch dann kam ich an diesem Hafen entlang und trat dabei auf einen Seeigel. Seitdem quält mich ein scherzender Stachel im Fuß und das macht meine Laune so unerträglich.«
Der Prinz staunte. So einfach hätte er es sich nicht vorstellt. Kurzerhand nahm er den Fuß des Seemonsters in die Hand, sah kurz nach und zog den Stachel aus der Haut heraus.
Sofort wurde die Laune des Monsters besser und es konnte zurück nach Hause schwimmen.
Nun hatte er endlich eine Aufgabe des Königs gelöst und er freute sich riesig auf die Hochzeit.

»So wird das aber nichts. Der König ist immer noch ein fieser Kerl.«, fiel es Yanika ein.

Der König wollte es dem Prinzen nicht ganz so einfach machen und wollte die beiden nicht vermählen.
»So hast du dir das also gedacht.«, sprach er.
»Aber meine Tochter bekommst du nicht. Da reicht es nicht, ein Seemonster zu vertreiben. Du wirst mich schon in einem Kampf besiegen müssen.«

»Jetzt wird es richtig spannend.«, rief Jannis.
Doch Isabel zwinkerte den beiden Kindern zu.
»Na dann passt mal auf. Ihr rechnet nämlich nicht damit, was jetzt passiert.«

Da fiel dem Prinzen plötzlich ein, wie freundlich der König früher gewesen war. Es musste also etwas geschehen sein, was seine Laune so verschlechtert hatte.
Also zog er sein Schwert und kämpfte, bis der König vor Erschöpfung seine Waffe fallen ließ.
»Nun, du hast mich also besiegt. Dann töte mich und werde der neue König meines Landes.«
Doch der Prinz hatte etwas ganz anderes im Sinn. Er griff den am Boden liegenden König und drehte ihn auf Bauch. Dann zog er ihm die Hosen herunter und entdeckte wonach er suchte.
»Ich hab es mir doch gleich gedacht.«, rief er und zog kurzerhand den Wespenstachel aus dem Po seines Gegners.
Sofort ließ der Schmerz nach und die Laune des Königs wurde so gut, dass er nun doch den Prinzen und seine Tochter heiraten ließ.

»Und sie lebten glücklich bin an ihr Lebensende.«, sagten Jannis und Yanika gemeinsam.

(c) 2009, Marco Wittler

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