325. Was flattert denn da?

Was flattert denn da?

Nick war schon auf dem Weg vom Bad in sein Zimmer. Vom Flur aus rief er noch einmal ein ›Gute Nacht‹ nach unten.
Mama war es dann auch, die ihm antwortete.
»Schlaf gut. Aber vergiss nicht wieder, dein Fenster zu schließen. Irgendwann kommt jemand ins Haus rein.«
Nick verdrehte die Augen. Diesen Spruch musste er sich jeden Abend anhören. Das Fenster blieb trotzdem offen. So konnte wenigstens frische Luft herein strömen.
Er schaltete das Licht aus, krabbelte unter seine Decke und schloss die Augen.
Nach einer Weile, Nick war fast eingeschlafen, hörte er ein leises Flattern, das immer näher kam, einmal um seinen Kopf kreiste und dann wieder verstummte.
›Seltsam‹, dachte sich Nick.
Aber dann dachte er nicht weiter darüber nach und schlief endgültig ein.

Am nächsten Morgen gähnte Nick laut, bevor er langsam die Augen öffnete.
»Komisch.«, murmelte er vor sich hin.
»Irgendwas war da doch. Ich könnte schwören, die ganze Nacht etwas Flatterndes gehört zu haben.«
Aber dann schob er den Gedanken zur Seite. Vielleicht war es ja doch nur ein Traum gewesen.
Er sammelte Hose und Hemd zusammen, zog sich an und setzte als Letztes die Brille auf die Nase. Als er zufällig einen Blick zur Decke warf, traute er seinen Augen nicht. Da hing etwas an der Lampe. Es war nicht größer als eine geballte Faust und rabenschwarz. Er sah aus, als wäre es mit Leder umzogen.
»Mama, komm schnell her.«
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Mama in der Tür stand.
»Was ist das da?«, fragte Nick neugierig.
Mama sah nach oben und erschrak.
»Du hast doch heute Nacht das Fenster aufgelassen.«
Dann ging sie langsam und vorsichtig näher, um sich das schwarze Etwas genauer ansehen zu können.
»Das ist eine Fledermaus. Sie hängt dort und schläft.«
Nick bekam große Augen.
»Eine richtig echte Fledermaus. Das ist ja cool.«
Sofort kamen ihm unzählige Ideen in den Kopf.
»Darf ich heute alle meine Freunde einladen und ihnen die Fledermaus zeigen?«
Aber Mama schüttelte den Kopf.
»Wir müssen das Tier irgendwie nach draußen befördern.«
Also holte sie schnell einen Besen und fuchtelte damit in der Luft herum. Davon ließ sich die Fledermaus allerdings nicht beeindrucken. Sie schlief einfach weiter.
»Ich weiß auch nicht, was ich jetzt noch machen soll. Ich traue mich nicht, sie anzufassen.«
Also verließen sie gemeinsam das Zimmer. Mama hoffte darauf, dass der ungebetene Gast aufwachen und allein den Weg nach draußen finden würde.

Irgendwann kam der Abend. Draußen ging langsam die Sonne unter und es wurde nach und nach immer dunkler.
Das Kinderzimmer war noch nicht wieder betreten worden. Mama hatte Angst und Nick war nach der Schule zum Fußballtraining gefahren.
Nun kam er aber endlich nach Hause. Das allerdings nicht allein. Bei ihm waren noch fünf seiner Freunde.
»Ich sag euch, die Fledermaus ist richtig cool. Und sie hängt die ganze Zeit an meiner Lampe.«
Die fünf Jungs staunten nicht schlecht und bekamen vor Neugier ganz große Augen.
Nick brachte sie nach oben. Vorsichtig öffnete er seine Zimmertür. Doch genau in diesem Moment erwachte die Fledermaus. Sie gähnte einmal, streckte ihre langen, schwarzen Flügel aus und flatterte durch das geöffnete Fenster wieder nach draußen.
»Wo ist denn nun deine Fledermaus?«, fragte einer der Jungs.
Doch nun konnte Nick nur noch die verlassene Lampe vorzeigen.
Seine Freunde waren enttäuscht. Mama war allerdings froh. Sie lief sofort in das Zimmer und schloss das Fenster.
»Morgen holen wir direkt ein Fliegengitter. Dann kann auch nichts mehr herein flattern.«, hatte sie nun beschlossen.

(c) 2010, Marco Wittler

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