339 – Die Wette

Die Wette

Tommi kam ganz aufgeregt von der Schule nach Hause. Noch bevor er den Schulranzen zur Seite legen konnte, sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus.
»Papa, du kannst dir nicht vorstellen, was ich heute auf dem Heimweg gesehen habe.«
Ohne eine Gegenfrage abzuwarten redete er gleich weiter.
»Ich war grad aus der Schule raus und bin am Einkaufszentrum entlang gekommen, da stand dort vor dem Eingang ein großer Bär.«
Papa musste grinsen. Tommi erzählte gern unmögliche Geschichten, die er sich ausgedacht hatte. So musste es auch in diesem Fall sein.
»Aber das ist noch gar nicht alles. Als ich mich dann endlich traute, an ihm vorbei zu gehen, sprach er mich sogar an.«
Tommis Augen wurden so groß, wie schon vor einer Viertelstunde am Einkaufszentrum, als er sein ungewöhnliches Erlebnis hatte.
»Mensch Papa, das glaubst du einfach nicht. Da steht ein richtiger Bär der sprechen kann. Ist das nicht unglaublich und das Verrückteste, das du je gehört hast?«
Endlich konnte Tommi Luft holen. Das hatte er bisher zwischen seinen Sätzen immer vergessen.
Papa glaubte ihm wirklich nicht, denn dafür war diese Geschichte wirklich zu verrückt. Aber das behielt er lieber für sich.
Tommi sah ihn an und bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
»Du glaubst mir nicht, dabei ist es wirklich wahr. Ich wette mit dir um den größten Eisbecher, den man in der Eisdiele bekommen kann.«
Papas Grinsen wurde noch breiter, als er einschlug.
»Die Wette gilt.«
Er nahm seine Jacke vom Haken, zog sich ein Paar Schuhe an und setzte Tommi ins Auto.
»Anschnallen nicht vergessen, junger Mann.«

Nach ein paar Minuten fuhren sie auf den Parkplatz des Einkaufszentrums. Tommi konnte es kaum erwarten. Er löste seinen Gurt, öffnete die Wagentür und stief hastig aus.
»Los, komm schon. Der Bär ist bestimmt nicht ewig da und wartet auf uns.«
Papa schlurfte langsam hinterher.
»Ja, ich komme doch schon. Ein alte Mann ist doch kein D-Zug.«
Sie gingen um eine Ecke. Der Eingang kam in Sicht und plötzlich blieb Papa wie angewurzelt stehen. Er wollte seinen Augen nicht trauen und rieb sich mehrmals mit den Händen darüber.
Tatsächlich stand vor den großen Eingangstüren ein Bär.
»Das glaub ich jetzt nicht.«
Papa ging näher, bis er dem Pelztier gegenüber stand. Einen Moment lang musterten sich die beiden von oben bis unten, bis Papa plötzlich zu lachen begann und sich sogar den Bauch halten musste.
»Guten Tag, der Herr.«, sagte der Bär.
»Die Eisdiele Bella Italia lädt sie ein zu einem Gratis Milchshake. Sie müssen nur diesen Gutschein vorlegen. Und seien sie versichert, bei Bella Italia schmeckt alles bärenstark.«
Nun sah Papa genauer hin. Es war ein Mann im Bärenkostüm, der hier Werbung machte. Gern nahm er den Gutschein an.
»Los, Sohnemann. Die Eisdiele ruft. Die Wette hast du wohl gewonnen. Auf dich wartet der Rieseneisbecher und auf mich ein leckerer Milchshake.«
Lachend betraten sie das Einkaufszentrum.

(c) 2010, Marco Wittler

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