341. Wenn die Tage kürzer werden

Wenn die Tage kürzer werden

Paul saß am Fenster und starrte verträumt nach draußen.
»Ach, wenn das Wetter doch bloß schöner wäre.«, murmelte er vor sich hin.
Doch leider war es dicht bewölkt und der Regen prasselte ohne Pause auf die Erde nieder.
»Und warum muss es nur so früh dunkel werden? Das ist doch ungerecht.«
Der Herbst hatte begonnen und die Tage wurden nun merklich kürzer. Am Morgen ging die Sonne später auf und am Nachmittag verschwand sie bereits wieder hinter dem Horizont. Das ließ sich einfach nicht mehr mit dem Sommer vergleichen.
»Ich will wieder Sommer haben. Ich will bis zum Abendessen im Sandkasten spielen.«, verlangte Paul energisch.
Heller wurde es dadurch natürlich nicht. Das Gegenteil war der Fall. Die Dunkelheit hatte in den letzten Minuten zugenommen.
»Was ist los? Warum schimpfst du denn die ganze Zeit?«, fragte Opa, der gerade den Kopf zur Tür herein steckte.
Paul drehte sich herum.
»Ich kann den Herbst nicht leiden. Es ist kalt, nass und so schnell dunkel. Wie soll ich denn da noch draußen spielen können.«
Er verließ das Fenster und ließ sich verärgert auf sein Bett fallen.
»Ach Opa. Es ist einfach ungerecht. Wenn ich mittags nach Hause komme, muss ich erstmal meine Schulaufgaben machen. Wenn ich fertig bin, wird es aber schon dunkel. Ich komme gar nicht mehr raus. Das ist so wahnsinnig langweilig.«
Opa grinste und setzte sich mit auf das Bett.
»Ich glaube, ich habe da eine Idee. Wir zwei werden einfach etwas Passendes zum Herbst unternehmen.«
Paul sah in ungläubig an.
»Ich glaube nicht, dass es da etwas gibt.«
Aber Opa war da anderer Meinung.
»Komm einfach mit.«
Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer. Oma hatte bereits einen duftenden Tee und leckere Kekse auf den Tisch gestellt.
Opa holte ein paar Stifte, Scheren, Klebe, Papier und noch viel mehr Sachen aus dem Schrank.
»Wir basteln uns etwas Herbstdekoration.«, erklärte er.
»Du weißt doch, wie gern Oma die Fenster schmückt. Und gerade jetzt im Herbst gehört buntes Laub dazu.«
Er setzte sich an den Tisch, nahm sich ein rotes Papier und schnitt mit der Schere ein verschiedene Baumblätter daraus aus.
»Na los, mach mit. Die heften wir dann gleich mit ein paar Klebestreifen an die Glasscheiben.«
Das ließ sich Paul kein zweites Mal sagen. Er fing ebenfalls an zu basteln.

Nach einer ganzen Weile waren alle Fenster des Hauses dekoriert.
»Das habt ihr richtig gut gemacht.«, lobte Oma.
»Jetzt habt ihr euch eine Belohnung verdient.«
Sie bat Opa und Paul auf das gemütliche Sofa, holte ein altes Buch aus dem Schrank.
»Daraus hat mir schon mein Opa Geschichten vorgelesen.«
Dann setzte sich sich eine dicke Brille auf die Nase und begann selbst laut zu lesen.
Nachdem sie fertig war, legte sie das Buch zur Seite und sah ihren Enkel erwartungsvoll an.
»Das war ein richtig schöner Tag heute.«, sagte Paul.
»Ich hätte nicht gedacht, dass man im Herbst so viel Spaß haben kann.«
Dann sah er Opa an.
»Und was machen wir Morgen?«
Opa dachte kurz nach, bevor er antwortete.
»Da wird mir schon etwas einfallen.«

(c) 2010, Marco Wittler

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