345. Das Licht im Kühlschrank (Tommis Tagebuch 10)

Das Licht im Kühlschrank

Hallo, liebes Tagebuch. Ich bin es, der Tommi.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich heute erlebt habe. Aber ich fang am Besten ganz vorne an.
Als Mama heute das Mittagessen gekocht hat, musste sie ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank holen. Innen drin war jedes Regal schön beleuchtet und man konnte alles gut sehen. Aber weil der Papa immer sagt, dass wir Strom sparen sollen, hab ich gefragt, warum die Mama das Licht im Kühlschrank nie ausschaltet.
Mama hat angeschaut, als hätte ich eine ganz dumme Frage gestellt, dabei fand ich sie sehr wichtig. Sie hätte sogar fast angefangen zu lachen. Aber dann setzte sie sich auf den Küchenstuhl, nahm mich auf den Schoß und erklärte mir, dass das beim Schließen der Tür immer von ganz allein ausgehen würde.
Da hab ich dann natürlich ganz große Augen bekommen, so erstaunt war ich. Glauben konnte ich es aber trotzdem nicht.
»Hast du das denn auch schon übergeprüft?«, hab ich dann die Mama gefragt.
Da musste sie dann auch den Kopf schütteln. Hatte ich es doch richtig vermutet. Aber statt das dann nachzuholen, wollte sie mir einreden, dass das mit dem Licht schon immer so gewesen war und auch bestimmt so sein würde.
Ich tat dann so, als wäre ich damit zufrieden und bin erstmal in meinem Kinderzimmer verschwunden. Irgendwann später, nachdem die Mama mit dem Spülen fertig war, wollte ich der Sache natürlich auf den Grund gehen. Also bin ich in die Küche geschlichen, habe den ganzen Kühlschrank leer geräumt und habe mich hinein gesetzt.
Und weißt du was, liebes Tagebuch? Die Mama hatte tatsächlich Recht. Das Licht ging sofort aus, als sie Tür zu war.
Nun war ich also zufrieden und wollte zurück in mein Zimmer schleichen, doch da musste ich feststellen, dass ich von innen die Tür nicht mehr öffnen konnte. Ich war gefangen. Alles Rufen und Schreiben half nichts. Ich musste warten, bis jemand etwas aus dem Kühlschrank holen wollte.
Zu meinem Glück dauerte es nicht sehr lange. Schon nach ein paar Minuten tauchte die Mama in der Küche auf, entdeckte die Butter, die Marmelade und alles andere, was ich ausgeräumt hatte. Sofort wusste sie, was ich angestellt hatte und half mir aus meinem Gefängnis heraus.
Zitternd vor Kälte kletterte ich nach draußen. Aber trotzdem konnte ich noch grinsen.
»Du hattest Recht. Das Licht geht wirklich von alleine aus.«
Dann flitzte ich zurück in mein Zimmer.
Noch einmal würde ich das aber nicht machen. Es ist viel zu kalt und viel zu gefährlich. Wenn mich die Mama nicht so schnell gefunden hätte, wäre ich bestimmt im Kühlschrank erfroren oder krank geworden.

Und jetzt wird es Zeit zum Schlafen.
Bis bald, dein Tommi.

(c) 2010, Marco Wittler

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