398. Der fiese Opa

Der fiese Opa

»Passt auf, der fiese Opa ist im Anmarsch. Versteckt euch schnell.«, rief Paul seinen Freunden zu und lief so schnell er nur konnte.
Sofort verließen die Kinder den Gehweg und suchten Schutz hinter Mülltonnen, Treppen, Bäumen und Büschen denn einer Begegnung mit Herrn Schmidt wollten sie unbedingt aus dem Weg gehen.
In diesem Moment kam Herr Schmidt auch schon um die Ecke gebogen. Seinen Mantel hatte er sich mit einem Gürtel fest um den Körper gebunden, den Hut tief ins Gesicht gezogen und unter einem Schirm versteckt, um nicht vom ständigen Regen durchnässt zu werden. Als er seinen Hauseingang erreicht hatte, sah er sich grimmig um. Es war weit und breit kein einziges Kind zu sehen.
»Ich weiß genau, dass ihr da seid. Kommt bloß nicht auf dumme Ideen. Ich rufe sofort die Polizei.«
Es gab keine Antwort. Also schloss Herr Schmidt seine Tür auf und ging ins Haus.
»Er ist weg.«, flüsterte Paul leise und gab damit das Startkommando.
Die Kinder kamen aus ihren Verstecken hervor. Nun konnten sie wieder fröhlich mit ihren Gummistiefeln durch die vielen Pfützen springen und das Wasser damit durch die Gegend spritzen. Was für ein großer Spaß. Doch nur Sekunden später war es damit wieder vorbei.
»Mir reicht es jetzt. Verschwindet oder ich lasse euch alle verhaften.«
Herr Schmidt war noch einmal nach draußen gekommen. Drohend hielt er bereits sein Telefon in der Hand. Sofort beendeten die Kinder ihr Spiel. Sie rannten so schnell es ging nach Hause und waren sauer, dass sie wieder einmal erwischt worden waren.
»Richtig so.«, grummelte Herr Schmidt vor sich hin.
»Verschwindet bloß von hier.«
Und dann seufzte er einmal ganz laut.
»Ach, ist das lange her, dass ich als Kind durch die Pfützen gesprungen bin.«
Er machte einen weiteren Seufzer. Dann sah er sich unsicher um. Es war kein Kind und auch keine Erwachsenen zu sehen.
»Nein. Das ist eine ganz dumme Idee.«, wollte er sich selbst wieder zur Ordnung rufen.
Aber dann machte er ein paar Schritte auf die Straße zu. Zuerst tippte er vorsichtig mit seiner Schuhspitze in die größte Pfütze der Straße. Tipp, tipp, tipp.
»Ach, was soll’s.«
Herr Schmidt grinste über das ganze Gesicht. Er ging ein paar Schritte zurück, nahm Anlauf und sprang mit einem großen Satz in die Pfütze. Das Wasser spritzte mehrere Meter weit.
»Das tat richtig gut.«
Herr Schmidt fühlte sich plötzlich zum ersten Mal seit langer Zeit glücklich und zufrieden. Während er wieder ins Haus zurück ging, überlegte er, warum er immer mit den Kinder schimpfte. Es wollte ihm aber kein Grund mehr einfallen.
»Das nächste Mal spiele ich einfach mit.«

(c) 2012, Marco Wittler

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