412. Der Nikolaus ist krank

Der Nikolaus ist krank

Klaus nieste laut. Er zog ein frisches Taschentuch aus der Verpackung und putzte sich schnaubend die Nase.
„Oh nein. Ich bin krank. Warum muss mir das gerade heute passieren? Ich hab doch keine Zeit für eine Grippe.“
Noch einmal nieste er und hustete gleich ein paar mal hinterher.
„Ich muss doch noch arbeiten.“
Er sah auf dem Kalender. Es war der fünfte Dezember. Die Uhr an der Wand schlug sechs Uhr am Abend.
„Die Kinder werden traurig sein, wenn sie ihre Lieferung nicht pünktlich bekommen.“
Klaus rappelte sich hoch, schleppte sich zur Garderobe und holte seinen roten Mantel hervor. Doch dann begannen seine schwachen Beine zu zittern und zwangen ihn, sich wieder in seinen Sessel zu setzen.
„Ach, es hat keinen Sinn. Ich kann heute nicht der Nikolaus sein.“
Klaus seufzte laut, schnäuzte in sein Taschentuch und wünschte sich einen warmen Tee herbei. Doch die Küche war ein paar Meter entfernt und er fühlte sich nicht kräftig genug, um hinüber zu gehen.
Langsam beugte er sich zum Schreibtisch rüber und zog sein Telefonbuch zu sich. Er blätterte durch die Seiten.
„Irgendwer muss mir helfen. Einer meiner Freunde muss den Job dieses Jahr für mich übernehmen.“
Es dauerte eine Weile, bis er jemanden fand, der bereits Erfahrungen im Verteilen von Geschenken hatte. Also zog Klaus sein Handy aus der Hosentasche und wählte die passende Nummer.
„Olli?“, fragte Klaus.
„Olli, bist du das? Ich versteh dich so schlecht. Ich hab eine Grippe und kann nicht so gut hören. Kannst du bitte schnell zu mir kommen? Ich brauche unbedingt deine Hilfe.“
Olli sagte tatsächlich zu und machte sich, zur Erleichterung des Nikolauses, sofort auf den Weg. Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis er an die Tür klopfte.
„Komm rein.“, rief Klaus.
„Die Tür ist offen.“
Olli trat ein, klopfte sich den Schnee von den Füßen und hüpfte besorgt ins Wohnzimmer.
„Klaus, was ist denn los? Kannst du etwa nicht zur Arbeit? Heute ist doch dein großer Tag.“
Klaus schüttelte den Kopf und hielt seinem Freund ein Thermometer unter die Nase.
„Ich hab sogar Fieber. Das ist mir noch nie passiert.“
Olli sah auf die Anzeige.
„Du kannst auf keinen Fall arbeiten. Dafür bist du eindeutig zu krank. Das werde dieses Jahr ich für dich machen.“
Klaus seufzte erleichtert.
„Danke, mein Freund. Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann.“
Olli grinste.
„Wir arbeiten doch beide das Gleiche. Wir beschenken die Kinder dieser Welt. Was spielt es da für eine Rolle, ich das zu Ostern mit einem Berg Eiern mache oder zu Nikolaus mit Schokolade?“
Olli der Osterhase schnappte sich den großen Sack des Nikolauses und hüpfte damit in den Schnee hinaus.

(c) 2012, Marco Wittler

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