536. Putztag

Putztag

Die vier Engel Gabriel, Michael, Raphael und Uriel saßen im Himmel auf einer Wolke und stritten sich um eine ungeliebte Aufgabe: Es war wieder einmal Zeit, die Himmelskerzen zu putzen.
Keiner der vier Engel wollte diese Aufgabe übernehmen. Stattdessen fanden sie immer neue Ausreden, um sich davor zu drücken.
»Ich muss noch zum Harfenunterricht.« entschuldigte sich Gabriel.
»Ich muss heute gemeinsam mit Petrus die Himmelspforte ölen. Die quietscht schon so lange.« war Michaels Ernklärung.
Mit den Worten »Ich muss noch meine Wolken aufräumen.« wollte sich Raphael verabschieden.
Und Uriel sagte ganz offen, dass er keine Lust zum Putzen hatte.
»So funktioniert das nicht.« seufzte Gabriel. »Irgendwer muss aber die Himmelskerzen putzen, sonst sehen die Menschen in der Nacht keine Sterne mehr.«
Er holte vier Holzstäbchen aus seiner Tasche, von denen eines kürzer war als die anderen.
»Wer das Kürzeste zieht, muss putzen.«
Am Ende erwischte es Michael. Sofort machten sich die anderen drei Engel aus dem Staub. Michael nahm sich einen Lappen und begann mit seiner Arbeit. Spaß machte es ihm nicht, deswegen gab er sich auch nicht viel Mühe.
Plötzlich löste sich beim Putzen aus einer Kerze ein brennender Docht und fiel in hohem Bogen zur Erde hinab. Als langer, heller Lichtstreif war er für einen kurzen Moment zu sehen, bis er schließlich verbrannt war und erlosch.
»Ups. Ich muss besser aufpassen.« mahnte sich Michael zur Ordnung. »Die Menschen bekommen sonst noch Angst, wenn sie abstürzende Sterne sehen.«
Auf der Erde sahen die Menschen tatsächlich den fallenden Docht. Zuerst waren sie sehr verwundert, doch dann erkannten sie darin ein großes Wunder. Das Licht war vom Himmel gefallen und damit war es etwas ganz Besonderes. Sofort wünschten sich die Menschen etwas. Das Licht vom Himmel würde sie bestimmt erfüllen.
So entstanden die Sternschuppen und der Glaube an Wünsche.

(c) 2015, Marco Wittler

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