596. Der Regenbogenfänger

Der Regenbogenfänger

Papa kam aus dem Keller. Die letzten Stunden hatte er dort unten in seiner Werkstatt verbracht. Laute Geräusche hatten seine Arbeit begleitet. Er hatte gesägt, gehämmert, geschliffen. Und nun hielt er ganz stolz sein Werk in Händen und präsentierte es dem Rest der Familie.
„Was ist denn das?“,wollte sein Sohn Paul wissen, der sich das Machwerk neugierig ansah.
„Das, mein Sohn, ist ein Regenbogenfänger. Na gut. Eigentlich nennt man so ein Ding Sonnenfänger, aber ich finde, dass Regenbogenfänger besser dazu passt.“
Paul lachte. „Was soll das sein? Ein Regenbogenfänger? Ich sehe nur die alten Treibholzstücke, die du im Urlaub gesammelt hast. Mit ein paar Bindfäden hast du Mamas alte Glassteine daran gebunden. Wie soll man denn damit einen Regenbogen einfangen können?“
Er sah aus dem Fenster. „Außerdem ist ein Regenbogen viel zu groß. Der geht doch von einem Ende des Horizonts zum Anderen. Wo soll man denn denn anschließend verstauen? Du erzählst mir doch schon wieder Märchen, die nicht stimmen. Du versuchst mich auf den Arm zu nehmen, aber dieses Mal falle ich nicht darauf rein.“
Papa grinste. „Dann warte mal ab, was ich dir gleich zeige. Lass uns mal ins Wohnzimmer gehen.“
Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer. Papa holte einen Hammer und einen Nagel aus einer tiefen Tasche seines Hosenbeins. Den Nagel schlug er in die Wand über dem Fenster. Daran hängte er dann den Regenbogenfänger auf.
„Regenbögen sind schön. Sie sind eine der schönsten Dinge, die es auf unserer Welt gibt. Nur leider gibt es nicht so viele von ihnen. Man kann sie nur sehen, wenn es gerade regnet und dabei die Sonne scheint. Das kommt aber nicht so oft vor. Und für die restliche Zeit, gibt es den Regenbogenfänger.“
Genau in diesem Moment rissen draußen am Himmel die Wolken auf. Sonnenstrahlen kamen durch das Fenster herein und trafen auf die vielen Glassteine des Regenbogenfängers. Und dann geschah das Unglaubliche. Überall, auf allen Wänden des Wohnzimmers erstrahlten kleine Regenbögen. Es waren so viele, dass Paul sie gar nicht zählen konnte.
„Das ist ja der totale Wahnsinn.“, flüsterte er ergriffen.
„Siehst du. Ich habe dir nicht zu viel versprochen.“, war Papa stolz.
Paul grinste über das ganze Gesicht, lief von einem kleinen Regenbogen zum nächsten und untersuchte sie ganz genau.
„Und wo sind jetzt die Goldtöpfe, die am Ende jedes Regenbogens stehen sollen? Bei so vielen Regenbögen müssten wir steinreich werden.“

(c) 2017, Marco Wittler

Adventskalender 2017 und andere Weihnachtsgeschichten

WeihnachtenAuch in diesem Jahr erwartet dich wieder an dieser Stelle mein großer Adventskalender mit täglich neuen Weihnachtsgeschichten bis zum 26. Dezember. ’26. Dezember‘ fragst du dich, weil der Schokoladenkalender von Oma nur 24 Türchen hat? Richtig. Denn ich setze dem noch zweimal was oben drauf. Weihnachten beginnt doch erst am Heiligabend. Danach kommen aber noch zwei Feiertage für die es auch zwei extra Geschichten geben wird.
Wenn dir das noch nicht genug ist, findest du eine lange Weihnachtsgeschichte (Nicki und Klaus) aus dem letzten Jahr in 26 Teilen unter meinem Adventskalender. Und darunter gibt es noch die Liste mit allen 81 Weihnachtsgeschichten aus den vergangenen Jahren.
Also sei jeden Tag wieder hier dabei. Es gibt viel zu lesen, vorlesen und zuhören.

01. Dezember:
02. Dezember:
03. Dezember:
04. Dezember:
05. Dezember:
06. Dezember:
07. Dezember:
08. Dezember:
09. Dezember:
10. Dezember:
11. Dezember:
12. Dezember:
13. Dezember:
14. Dezember:
15. Dezember:
16. Dezember:
17. Dezember:
18. Dezember:
19. Dezember:
20. Dezember:
21. Dezember:
22. Dezember:
23. Dezember:
24. Dezember:
25. Dezember:
26. Dezember:

Nicki und Klaus
eine Weihnachtliche Fortsetzungsgeschichte in 26 Teilen von Marco Wittler
Nicki glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann. Doch steht dieser auf einmal vor der Tür und nimmt Nicki mit auf eine unglaubliche Reise in die Weihnachtswelt.
Die Adventsgeschichte der besonderen Art findet du HIER!

001) Die Weihnachtsschnecke
002) Große Aufregung im Stall
003) Überraschung am Weihnachtstag
004) Weihnachtsfeier in der Grundschule
005) Der echte Weihnachtsmann
006) Weihnachten fällt aus
007) Glühwürmchen
008) Ein kleines Geschenk
009) Ein Bär zu Weihnachten
010) Die verlorene Weihnachtskugel
011) Die unerwartete Weihnachtsüberraschung oder „Papa, Wer beschenkt den Weihnachtsmann?“
012) Die Weihnachtsmaus
013) Der Weihnachtsbummel
014) Weihnachten ist für alle da
015) Hunger
016) Ein ganz besonderes Geschenk
017) Der große Stern
018) Das richtige Geschenk
019) Der kleine Weihnachtself
020) Was ich mir zu Weihnachten wünsche
021) Weihnachten im Zug
022) Wenn sich Piraten fürchten
023) Ich werde ein Weihnachtsbaum
024) Die Weihnachtsengel
025) Ein Geschenk für einen besonderen Menschen
026) Das verlorene Geschenk
027) Weihnachten mit der Zahnfee
028) Die dicke Schneeflocke
029) Der Nikolaus ist krank
030) Der Weihnachtsstreik
031) Der Mann mit dem Sack
032) Ein Geschenk für den Weihnachtsmann
033) Der Mistelzweig
034) Mein Wunschzettel
035) Schlechte Sicht
036) Wo ist der Weihnachtsmann?
037) Der Weihnachtsregenbogen
038) Das Weihnachtsglöckchen
039) Die Weihnachtsfeier
040) Das kleine Licht
041) Das kleine Rentier
042) Zahnschmerzen
043) Angriff
044) Weihnachtsmann oder Christkind?
045) Hallo lieber Weihnachtsmann
046) Wenn der Weihnachtsmann zweimal klopft
047) Der große Nikolausstiefel
048) Weihnachtsfest im Tierheim
049) Weiße Weihnacht
050) Mamas neue Krippe
051) Der Weihnachtsdrache
052) Der einsame Mond
053) Die Weihnachtsbäckerei
054) Nikolaus, wer war in meinem Haus?
055) Eine Geschichte für Klaus
056) Die verlorenen Stiefel
057) Endlich ist es so weit!
058) Engelshaar
059) Der dicke Bauch
060) Der Schneesturm
061) Der weise Wal erklärt Weihnachten
062) Der Nikolaus kommt in unser Haus
063)  Das kleine Geschenk
064) Weihnachten im Krankenhaus
065) Lukas die kleine Weihnachtslok
066) Tommi und die Rentiere
067) Das schönste Geschenk
068) Der schnellste Schlitten der Welt
069) Weihnachten bei der Viererbande
070) Nik und Nele fliegen zum Weihnachtsstern
071) Das schönste Geschenk aller Zeiten
072) Den Weihnachtsmann gibt es nicht
073) Weihnachtsgewitter
074) Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns
075) Die Geschenke sind weg
076) Schneewittchen feiert Weihnachten
077) Eine schlaflose Nacht
078) Bald ist Weihnachten
079) Ein schönes, heißes Bad
080) Weihnachten im Leuchtturm
081) Einen Freund zu Weihnachten

 

 

595. Wasserbomben

Wasserbomben

»Puh, ist das heiß heute.«, stöhnte Lena, die sich nur noch ungern bewegte.
»Warum muss das im Sommer bloß immer so heiß werden? Das ist doch nicht normal.«
Sie sah auf das Thermometer auf der Fensterbank.
»WAS? Draußen sind es fast vierzig Grad und hier drinnen schon zweiunddreißig? Wie soll ich das denn überleben?«
Mama zwang sich zu einem verschwitzten Lächeln.
Tut mir Leid. Aber unsere Dachgeschoßwohnung nimmt zu viel Wärme auf. Die anderen Wohnungen hier im Haus liegen alle unter uns und werden lange nicht so warm. Hätten wir einen Balkon, könnten wir es uns darauf gemütlich machen. Da weht wenigstens noch ein wenig frische Luft.«
Lena verzog das Gesicht. Ihr gefiel das heiße Wetter nicht. »Wenn wir wenigstens einen Garten hätten. Dann könnten wir da ein Planschbecken aufstellen und den ganzen Tag da drin liegen. Das wäre so toll.«
»Oder in ein Freibad gehen. Aber wir haben leider keines in der Nähe.«
Mama dachte nach. Dann stand sie seufzend auf und ging in die Küche. Eine Weile kramte sie den Schränken. Dann kam sie mit einem Stapel Schwammtüchern, Gummibändern und einer Schere zurück.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Lena neugierig wissen.
»Will du jetzt bei der Hitze das Wohnzimmer wischen?«
»Nee.«, antwortete Mama. »Ich werde uns jetzt was Erfrischendes basteln.«
Mama zerschnitt die Schwammtücher in mehrere gleich große Stücke, legte sie übereinander und band ein Gummi darum.
»Schon fertig.«
»Was ist das denn?«
»Wasserbomben. Die legen wir in einen Eimer und können uns gegenseitig damit bewerfen. Das macht Spaß und erfrischt.«
Mama grinste frech.
»Geh du doch schon mal nach draußen auf den Gehweg. Ich werf dir dann die Wasserbomben zu und lasse ein paar Eimer Wasser an einem Seil nach unten. Du kannst dann alles annehmen.«
Lena ließ sich nicht zweimal bitten. Sie zog sich ihre Sandalen an und lief sofort nach unten.
Kaum war sie angekommen, öffnete sich auch schon das Fenster und Mamas Kopf kam zum Vorschein.
»Achtung! Ich werfe jetzt!«
Schon flogen die Wasserbomben. Allerdings waren sie bereits mit Wasser getränkt. Nach wenigen Sekunden war Lena pitschnass.
»Du hast mich veräppelt!«, rief Lena. »Aber wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so heiß.«
Und dann kam Mama doch noch nach unten und lieferte sich mit ihrer Tochter eine große Wasserschlacht.

(c) 2017, Marco Wittler

594. Das Fahrrad

Das Fahrrad

Hannah saß gespannt am Fenster. Jeden Augenblick sollten Mama und Papa wieder zu Hause sein. In wenigen Minuten konnte sie nach draußen laufen, um sie zu begrüßen. Und dann konnte sie endlich wieder ihr Fahrrad benutzen – das erste Mal nach dem Umzug in eine neue Stadt. Seitdem hatte es bei Oma in der Garage gestanden.
Ein leises Brummen war zu hören. Dann bog ein Auto um die Ecke. Sie waren wieder Zuhause.
Hannah hatte sich schon vor einer Stunde ihre Schuhe angezogen, den Fahrradhelm bereit gelegt und konnte sofort die Treppe nach unten stürmen. Sie verließ das Haus und lief ihren Eltern entgegen.
„Da seid ihr ja endlich. Und da ist mein Fahrrad. Juhuu! Ich hatte schon Angst, dass ich die ganzen Ferien nicht damit fahren kann.“
Papa öffnete die Klappe zum großen Kofferraum und holte das Fahrrad heraus.
„Darf ich sofort damit fahren? Bitte, bitte, bitte.“
Hannah durfte. Sie setzte sich den Helm auf und setzte sich auf ihren Sattel.
„Jetzt kann ich endlich die ganze Umgebung kennenlernen. Darauf habe ich mich so lange gefreut.“
Sie trat in die Pedale, fuhr los und verschwand hinter der nächsten Ecke.
„Die sehen wir wohl die nächsten paar Stunden nicht mehr wieder.“, sagte Papa, der daran dachte, wie gern Hannah immer mit ihrem Rad unterwegs war. Dann nahm er Mama an die Hand und ging mit ihr ins Haus.
„Wir trinken erstmal gemütlich eine Tasse Kaffee. Was hälst du davon?“
Davon hielt Mama natürlich sehr viel.

Nach nur fünfzehn Minuten klingelte es an der Haustür Hannah war wieder da. Ihr Gesicht war krebsrot und völlig verschwitzt. Das Grinsen war einem Schmollmund gewichen.
„Was ist denn mit dir passiert?“, wollte Mama wissen. „Bist du gestürzt?“
Hannah schüttelte den Kopf.
„Radfahren ist doof. Ich will nie wieder auf einen Sattel steigen.“
„Aber du bist doch sonst immer gern mit deinem Rad nach draußen. Was ist denn jetzt anders?“
Mama verstand die Welt nicht mehr. In so kurzer Zeit konnte ihre Tochter doch nicht den Spaß an ihrem liebsten Hobby verloren haben.
„Was jetzt anders ist?“, heulte Hannah los und warf ihren Helm in die Ecke. „Hier sind überall Berge. In unserem alten Zuhause bei Oma an der Nordsee ist alles flach. Da kann man super mit dem Fahrrad fahren. Aber hier im Sauerland gibt es nur Berge. Alles ist so hoch und steil. Da komme ich mit meinem Fahrrad einfach nicht rauf. Das ist so extrem anstrengend. Das macht einfach keinen Spaß. Ich will nie wieder fahren.“
Nun kam auch Papa in den Flur. Vom Wohnzimmer aus hatte er alles gehört.
„Da kann man bestimmt etwas machen. Uns fällt bestimmt eine Lösung ein. Vielleicht hat ja einer von uns schon bald eine tolle Idee, um die Berge mit dem Rad hoch zu kommen.“
Hannah schniefte. „Wenn du meinst. Aber jetzt grad will ich mir nichts überlegen.“
Sie lief in ihr Zimmer, knallte die Tür hinter sich zu und warf sich auf ihr Bett.

Nachdem Hannah eine Weile geweint und geschluchzt hatte, schlief sie für ein paar Stunden ein. Sie begann zu träumen. Sie sah sich auf ihrem Fahrrad. Sie sah, wie sie einen Berg nach dem anderen überwand, alles ohne selbst zu trampeln, ohne sich anzustrengen. Ganz gemütlich fuhr sie durch das Sauerland und kam nicht einmal ins Schwitzen. Und die Lösung war ganz einfach. Hannah wachte auch und begann zu grinsen.
Sie stand auf und suchte in ihrem Schrank nach einem ganz bestimmten Gegenstand. Irgendwo musste da doch noch etwas sein. Schließlich fand sie ein altes Hamsterrad. Sie nahm es an sich und stürmte nach draußen in den Garten.
„Ich habe da eine super Idee. Ich muss nie wieder selber trampeln. Ich will jetzt doch wieder Radfahren.“
„Wie kommt denn das?“, wollte Mama wissen.
Hannah hielt stolz das Hamsterrad hoch.
„Das hier baut mir Papa an mein Fahrrad. Dann kaufen wir einen Hamster und setzen ihn rein. Wenn er dann läuft, fährt das Fahrrad los und bringt mich jeden Berg hinauf.“
Mama lachte. „Ach, Schätzchen. So ein kleiner Hamster ist viel zu schwach. Das schafft er doch gar nicht.“
„Wieso? Es hat doch bestimmt noch niemand ausprobiert.“
Trotzig machte Hannah einen Schmollmund. „Ich bin mir ganz sicher, dass das funktioniert. Oder hast du vielleicht eine bessere Idee?“
Mama nickte. „Dass du dir helfen lassen möchtest, ist ein toller Einfall gewesen. Aber es muss dir jemand helfen, der größer und kräftiger ist als ein Hamster.“
„Ein Löwe?“, fragte Hannah.
„Nein.“, lachte Mama erneut. „Aber wir können wir dabei helfen.“
Sie zeigte zur Einfahrt hinunter. Papa kam gerade wieder nach Hause und brachte ein ganz neues Fahrrad mit. Es war viel länger und hatte gleich drei Sitze.
„Das ist ein Fahrrad für drei Personen. Einer lenkt und drei trampeln. Damit wird das alles viel leichter und gemütlicher. Damit können wir dann immer gemeinsam die Berge rauf und runter fahren.“
„Juhuu!“, rief Hannah. Sie drückte Mama und Papa an sich.
„Ihr seid die Allerbesten.“

(c)  2017, Marco Wittler

593. So ein leckerer Kuchen

So ein leckerer Kuchen

Mama hatte Kuchen gebacken. Zu Papa Geburtstag hatte sie seinen Lieblingskuchen gebacken. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass Papa ständig in die Küche kam, um davon zu naschen. Immer wieder musste Mama ihn verscheuchen.
»Wo willst du eigentlich Kaffee trinken und Kuchen essen?«, fragte sie irgendwann. »Soll ich den Tisch im Wohnzimmer decken oder willst du mit uns allen im Garten sitzen?«
Papa schüttelte den Kopf. »Wie wäre es, wenn wir zum Felsenmeer fahren und es uns dort auf der Wiese gemütlich machen. Ich habe schon lange kein Picknick mehr gemacht.«
Und so bereitete Mama alles für den Nachmittag vor. Sie ging in den Keller, holte einen großen Korb und eine Decke nach oben.

Am Nachmittag saßen sie dann alle zusammen auf der großen Decke im Schatten eines noch viel größeren Baums. Mama, Papa, die beiden Zwillinge Max und Paul und natürlich Oma und Opa.
»Wartet noch einen kleinen Moment.«, sagte Mama. Sie stellte den Kuchen vor sich ab und holte ein großes Messer aus dem Korb. »Ich schneide jedem von euch ein Stück vom Kuchen ab. Der wird euch hoffentlich gut schmecken.«
Sie setzte das Messer und wunderte sich, denn es verschwand mit der kompletten Schneide im Kuchen.
»Ist ja komisch.«, wunderte sich Mama. »Der Teig ist wohl nicht richtig gebacken. Da muss eine Blase drin sein.«
Sie setzte ein weiteres Mal zum Schnitt an einer anderen Stelle an. Das Messer rutschte wieder weit in den Kuchen hinein.
»Irgendwas stimmt damit nicht. Sowas ist mir noch nie passiert. Ich kann doch sonst so gut backen.«
In diesem Moment begann Papa zu grinsen und musste beichten, dass er etwas Verbotenes angestellt hatte.
»Dreh den Kuchen bitte einmal um.«, schlug er vor.
Mama hob den Kuchen hoch, drehte ihn vorsichtig um und erschrak.
»Der Kuchen ist ja ganz hohl von innen. Wie ist das denn passiert?«
»Ich musste ihn doch probieren, ob er wirklich gut geworden ist.«, entschuldigte sich Papa. »Und dann musste ich nochmal probieren, ob er an einer anderen Stelle genau so gut schmeckt. Und dann wieder und wieder und wieder.«
»Du bist mir ja einer.«, schimpfte Mama.
»An deinem nächsten Geburtstag muss ich wohl zwei Kuchen backen. Einen zum Probieren und einen, den ich vor dir verstecke.«
Damit war Papa einverstanden. Schon jetzt freute er sich darauf, im nächsten Jahr noch mehr von seinem Lieblingskuchen essen zu dürfen.

(c) 2016, Marco Wittler

592. Emma und die Außerirdischen

Emma und die Außerirdischen

Am Nachmittag kam die kleine Emma aus der Kindertagesstätte. Nachdem sie Mama und Papa begrüßt hatte, lief sie, wie an jedem Tag, in ihr Kinderzimmer, sammelte ihre Puppen zusammen und spielte mit ihnen.
»Du immer mit deinen langweiligen Puppen.«, sagte ihr großer Bruder Christian, der schon fünfzehn Jahre alt war. »Es gibt doch viel coolere Sachen, mit denen man spielen kann.
Nach einer Stunde kam Emma mit einer Hand voll Puppen ins Wohnzimmer. Dort saß Christian gerade vor dem Fernseher und sah sich etwas an.
»Kannst du das nicht leiser machen?«, fragte Emma. »Meine Puppen und ich wollen jetzt eine Teeparty machen.«
»Teeparty?«, fragte ihr Bruder ungläubig. »Warum spielst du das denn nicht in deinem Zimmer? Hast du da nicht genug Platz?«
Emma schüttelte den Kopf. »Mama hat mir doch verboten, etwas zu Essen oder zu Trinken mit in mein Zimmer zu nehmen, weil ich da schon so oft etwas verschüttet habe.«
Dann ging sie in die Küche und holte sich eine große Tasse Früchtetee, die Mama gerade gekocht hatte.
Emma platzierte ihre Puppen auf den Sesseln und Sofas. Jede von ihnen bekam eine leere Tasse. Dazu noch einen kleinen Teller.
»Es ist angerichtet, meine Damen. Ich hoffe, dass es euch schmeckt.«
Sie war mitten in ihrem Spiel, als sie von einem lauten Schrei gestört wurde.
»Mensch, Christian. Mach das doch mal leiser. Siehst du denn nicht, dass sich die Damen hier ganz dolle erschrocken haben?«
Emma schnappte sich die Fernbedienung und wollte einfach abschalten. Doch dann sah sie auf den Bildschirm.
»Was guckst du da eigentlich. Warum sehen die Menschen da so komisch aus?«
Christian verdrehte die Augen. »Die sehen nicht komisch aus, das sind Aliens – Außerirdische. Die kommen von einem anderen Planeten. Die sehen halt ganz anders aus, damit man sie von den Menschen unterscheiden kann. Sie greifen gerade die Erde an und wollen sie erobern. Und wenn dann jemand erschossen wird, dann wird auch schon mal geschrieen.«
»Aha.«, antwortete Emma nur. »Zu laut ist es trotzdem. Dein komischer Alienfilm ist doof.«
Dann packte sie ihre Puppen und ging mit ihnen nun doch zurück in ihr Zimmer.
Eine ganze Weile später kam Mama ins Wohnzimmer. Noch immer sah sich Christian Filme mit Außerirdischen an.
»Jetzt ist aber langsam genug.«, sagte Mama. Meine Serie fängt gleich an. Jetzt wird umgeschaltet.«
Sie sah sich um.
»Wo ist eigentlich Emma? Sie sollte ihre Teeparty hier im Wohnzimmer machen.«
Christian zuckte nur mit den Schultern und hoffte, noch ein paar Minuten vor dem Fernseher bleiben zu können.
»Los, steh auf und hilf mir suchen.«
Er seufzte, schaltete ab und stand auf. Lange suchen musste er nicht. Er fand seine kleine Schwester in ihrem Zimmer, aus dem er ihre Stimme hörte. Christian öffnete die Tür und sah hinein. Was er dahinter entdeckte, überraschte ihn. Emma hatte alle ihre Puppen im Gesicht bunt angemalt und manchen die Haare abgeschnitten.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte er überrascht. »Was hast du denn mit deinen Puppen angestellt. Da darf doch sonst niemand was mit machen.«
Emma drehte sich um und grinste.
»Das sind keine Puppen. Das sind Aliens. Und sie wollen nicht die Erde erobern. Sie sind nett und wollen mit mir eine Teeparty feiern. Ist das nicht cool? Aliens sind voll in Ordnung.«
Christian verdrehte die Augen und verließ Emmas Zimmer.
»Alles in Ordnung.«, rief er Mama zu. »Hab die Kurze gefunden.«
Emma spielte währenddessen weiter mit ihren Aliens.
»Eines Tages möchte ich mich mal mit echten Außerirdischen treffen und eine Tasse Tee mit ihnen trinken. Das wird bestimmt richtig cool.«

(c) 2016, Marco Wittler

591. Papa und der Regenmacher

Papa und der Regenmacher

Der Sommer war heiß. Zu heiß. Seit Wochen zeigte das Thermometer täglich mehr als dreißig Grad. Schon morgens begann man zu schwitzen, ohne sich zu bewegen.
Hannah hatte darauf keine Lust mehr. Sie wollte endlich Regen. Jetzt sofort. Wenigstens heute. Einmal nur. Danach durfte wieder die Sonne scheinen. Nur so heiß brauchte es nicht mehr werden.
Sie sah zum Himmel hinauf. Alles blau da oben. Keine einzige Wolke war zu sehen. Nicht einmal ganz weit hinten war eine zu entdecken. Es würde also wieder nicht regnen. Enttäuscht verzog sie den Mund und schmollte.
»Was ist denn los?«, fragte Papa neugierig.
»Mir ist so heiß. Ich will endlich Regen.«, antwortete Hannah.
»Hm.«, machte Papa und dachte nach. Er grübelte hin und her, bis er schließlich zu grinsen begann.
»Ich habe da eine Idee.«
Er ging in das kleine Gartenhaus, in dem sich seine Werkstatt befand. Dort suchte er sich ein langes Papprohr, eine große Schachtel mit Nägeln und ein paar alte Putzlappen.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Hannah wissen. »Damit bekomme ich auch keinen Regen.«
»Worum wollen wir wetten?«
Papa begann zu basteln. Nach und nach drückte er mit seinem Daumen die Nägel in die Röhre. Am Ende waren es bestimmt tausend Stück. Eines der offenen Enden verschloss er nun mit einem Lappen. Auf der anderen füllte er Reis, den Hannahs Bruder Tim inzwischen geholt hatte. Dann wurde auch diese Seite dicht gemacht.
»Was soll das sein?«, fragte Hannah.
»Das ist ein Regenmacher.«, antwortete Papa stolz. »Damit machen wir jetzt Regen.«
»Regen? Mit einem Papprohr? Das glaube ich dir nicht. Das kann nicht funktionieren.«
»Wollen wir wetten?«
Papa schob Hannah unter den großen Kirschbaum und setzte sie auf die Holzbank.
»Damit du nicht so nass wirst.«
Papa drehte den Regenmacher um. Der Reis prasselte nach unten. Es hörte sich tatsächlich wie Regen an. Nur Sekunden später begann es tatsächlich zu regnen. Hannah wurde pitschnass auf ihrer Bank.
»Hey!«, rief sie entsetzt und entdeckte Tim über sich auf einem Ast sitzend. Er hatte eine komplette Gießkanne über ihr ausgeleert.
» Toller Regenmacher. Wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so warm.«, lachte Hannah begeistert.

(c) 2017, Marco Wittler

Hallo Freunde

Hier findet ihr hunderte Gute Nacht Geschichten, die ich für euch zum Vorlesen oder selber schmökern geschrieben habe. Egal, ob ihr etwas mit Prinzessinnen, Kindern, Tieren, Cowboys, Weltraumabenteuern oder anderen spannenden Geschichten sucht, hier werdet ihr bestimmt etwas Passendes finden.

Solltest du einmal keine passende Geschichte zu einem Thema deiner Wahl gefunden haben, dann entschuldige ich mich jetzt schon dafür. Um dir so schnell wie möglich deine Wunschgeschichte nachzuliefern, melde dich einfach bei mir. Ich schreibe nämlich auch „auf Bestellung“. Alles Weitere dazu findest du hier.

In dieser Sammlung befinden sich derzeit:
596 Geschichten, 6 Podcasts, 29 Hörgeschichten
und es kommen regelmäßig Neue hinzu. Sie sind alle im Inhaltsverzeichnis nach Kategorien sortiert, damit du schneller findest, was du gerade suchst.
Und nun viel Spaß beim Lesen.

Der Marco


Aktuelle Geschichte: 596. Der Regenbogenfänger

Letztes Update: Sonntag, 08. Oktober 2017

Passende Geschichten zum Herbst findest du HIER!

590. Finns erstes Kommando

Finns erstes Kommando

Finn stand im Flur vor dem großen Kalender, den Mama an die Wand gehängt hatte. Lesen konnte er noch nicht, aber trotzdem wusste er ganz genau, was für den morgigen Tag eingetragen war: ‚Finns sechster Geburtstag‘.
»Mein sechster Geburtstag. Endlich.«
Der sechste Geburtstag. Das war etwas ganz Besonderes. Nicht so gewöhnlich, wie der Vierte oder Fünfte. Es war der Sechste. Schon bald würde er in die erste Klasse der Grundschule gehen dürfen. Dann würde er kein kleines Kindergartenkind mehr sein.
»Dann gehöre ich endlich zu den Großen.«
Er dachte nach.
»Dann werde ich auch keine Kinderspiele mehr machen. Ich bin ab Morgen ein großer Junge. Dann spiele ich auch nur noch Sachen, die die Großen gern machen.«
Was das sein sollte, wusste er selbst nicht. Aber er nahm sich vor, nie wieder im Sandkasten zu spielen.
Finn lief in sein Zimmer und sah sich um. »Aber was spielen große Jungs?«
Er sah nichts. Nur zu gern hätte er seine alten Spielzeuge aus den Regalen geräumt und Neue besorgt. Aber was bloß?
»Vielleicht fällt mir Morgen früh etwas ein. Denn jetzt bin ich ja noch klein.«
Er machte sich zum Schlafen fertig, ließ sich von Mama noch eine Gute Nacht Geschichte vorlesen und freute sich beim Einschlafen auf Morgen.

Am nächsten Morgen war Finn schon sehr früh wach. Als dann endlich der Wecker klingelte, sprang er sofort von seinem Bett in seine Klamotten und Schuhe.
»Ich bin wach! Ich bin wach!. Jetzt bin ich sechs. Ich bin ein großer Junge!«
Finn stellte sich vor den großen Spiegel im Flur, in dem sich Mama jeden Tag ihre schicken Kleider ansah.
»Ist ja seltsam.«, murmelte Finn enttäuscht. »Ich sehe gar nicht größer aus. Ist irgendwie alles wie gestern.«
Er zuckte mit dem Schultern. »Ich gehöre jetzt trotzdem zu den Großen.«
Als er später im Kindergarten war, überlegte er ziemlich lange, womit er sich die Zeit vertreiben sollte. Sein Freund Lukas lud ihn ein, gemeinsam eine Sandburg zu bauen.
»Sandburgen? Nicht mit mir.«, lehnte Finn ab. »Das ist was für Kleine. Als großer Junge macht man sowas nicht mehr.«
Lisa, ein Mädchen, mit dem er schon öfter gespielt hatte, kam mit einer anderen Idee auf ihn zu.
»Magst du mit mir Vater, Mutter, Kind spielen? Ich bin die Mama, du der Papa und meine Püppi ist unser Baby. Ist doch cool, oder?«
Finn verdrehte aber nur die Augen.
»Ich mache keine Kindergartenspiele mehr. Ich bin sechs Jahre als. Das ist nichts mehr für mich.«
So ging es den ganzen Tag weiter. Finn wollte nichts mit den anderen Kindern spielen. Er wusste auch nicht, was er als großer Junge spielen sollte. Niemand war da, um ihm einen Tipp zu geben. Leider gab es im Kindergarten keine anderen großen Jungs, denn Finn war der Älteste hier.
Unzufrieden verzog er sich in den Gruppenraum und setzte sich an einen der Tische. Er holte sich ein Blatt Papier, einen Buntstift und begann, etwas zu kritzeln.
»Was wird denn das?«, fragte Kindergartentante Fritzi.
»Ich schreibe.«, antwortete Finn genervt.
»Ich versuche jedenfalls zu schreiben. Ist gar nicht so einfach, wenn man die Buchstaben nicht kennt. Aber große Jungs müssen das können.«
Fritzi setzte sich lächelnd mit an den Tisch.
»Aber warum willst du unbedingt schreiben können? Das lernst du doch bald in der Schule.«
»Weil ich jetzt sechs Jahre alt bin. Ich bin ein großer Junge. Und große Jungs machen keine Kindergartenspiele mehr.«
»Hm.«, machte Fritzi.
»Ich glaube, ich habe da eine Idee. Als ich sechs wurde, wollte ich auch keine Kindergartenspiele mehr machen. Und meine Kindergartentante hat mir dann einen ganz tollen Tipp gegeben. Sie schlug mir ein ganz neues Spiel vor. Es heißt ‚Kindergarten.«
»Kindergarten?«, fragte Finn.
»Was soll das denn für ein komisches Spiel sein? Das hört sich aber gar nicht cool an.«
»Das ist es ja gerade. Es ist so cool, dass es die anderen gar nicht bemerken. Man tut so, als wäre man ein kleines Kindergartenkind. Aber weil man schon groß ist, kennt man bei allen Spielen die Regeln und ist meist besser als die anderen.«
Das leuchtete ein. Finn grinste und lief nach draußen.
»Danke, Fritzi. Ich gehe jetzt Kindergarten spielen.«

Am Abend kam Papa von der Arbeit. Finn zeigte ihm stolz seine vielen Geburtstagsgeschenke, die er am Nachmittag bekommen hatte. Danach erzählte er ihm von seinem großen Problem. Er hoffte darauf, dass Papa ihm zeigen konnte, was große Jungs gern spielen. Immerhin war Papa auch mal ein Junge.
»Hm.«, machte Papa. »Lass uns mal in dein Zimmer gehen. Wir schauen uns einfach um und finden was für dich.«
Während Papa sich alle Schränke und Regale ansah, blickte Finn gelangweilt aus dem Fenster und sah zum dunklen Himmel hinauf. Plötzlich hatte er einen Einfall.
»Jetzt weiß ich es.«, rief er. »Ich will Astronaut spielen und in den Weltraum fliegen. Das machen wirklich nur große Jungs.«
Wieder machte Papa »Hm. Ich kann aber nichts finden. Keine Spielzeugraumschiffe, keine Astronautenfiguren. Du hast auch keine Bücher über den Weltraum. Da wirst du noch etwas warten müssen.«
Finn schüttelte den Kopf.
»Keine Spielzeuge. Ich will richtig Astronaut spielen. Oder noch besser: Ich will ein Raumschiffkommandant sein. Dann kann ich auf meinem bequemen Kommandantensessel sitzen und meiner Mannschaft Befehle geben.«
Er dachte an eine Serie, die vor ein paar Tagen im Fernsehen lief. Darin war es auch so gewesen.
»Wir haben kein Raumschiff.«, entschuldigte sich Papa.
»Brauchen wir auch nicht.«
Finn verdrehte die Augen.
»Wir spielen doch nur. Können wir nicht aus unserem Auto ein Raumschiff machen? Mein Kindersitz ist der Kommandantensessel und du bist der Pilot. Gemeinsam fliegen wir dann von einem Planeten zum nächsten.
Papa schwieg und dachte wohl noch über diesen Vorschlag nach.
»Bitte, bitte, bitte.«, bettelte Finn.
»Na gut. Zieh dir deine Jacke an. Wir fliegen in ein paar Minuten ab.«

Kurze Zeit später saßen sie zu zweit im Auto.
»Maschinen starten.«, befahl Finn.
Papa drehte den Zündschlüssel um.
»Steuermann, bringen sie uns raus.«
Papa gab langsam Gas und fuhr den Wagen von der Garage auf die Straße.
»Wo soll es hingehen, Sir? Welche Richtung?«, fragte er nach hinten.
Finn dachte nach. Sollte es zum Mond gehen? Zur Sonne? Oder irgendwohin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war?
Schließlich erinnerte er sich an eines seiner Lieblingsbücher, das ihm Mama so oft vorgelesen hatte.
»Flieg einfach vorbei am zweiten Stern von rechtsund dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung.«
»Aye, Sir.«, antwortete Papa und fuhr los.
Finn setzte sich seinen Fahrradhelm auf, den er nun als Astronautenhelm benutze. Dabei grinste er von einem Ohr zum anderen.
»War gut, dass mir Mama immer wieder Peter Pan vorgelesen hat. Aber ab jetzt will ich nur noch Weltraumgeschichten vor dem Schlafen hören.«

(c) 2016, Marco Wittler

589. Nik und Nele und das Weltraummonster (Nik und Nele 12)

Nik und Nele und das Weltraummonster

Die Zwillinge Nik und Nele lagen in ihrem Etagenbett und sollten eigentlich schlafen. Zumindest hatte Mama darauf bestanden. Schlafen konnten die beiden aber trotzdem nicht. Zu groß war die Abenteuerlust. Sie wollten noch etwas unternehmen.
»Wohin fliegen wir heute Nacht?«, fragte Nik von der oberen Matratze.
»Ich schaue mal in mein Weltraumbuch.«, antwortete Nele von unten und begann sofort zu blättern.
Normalerweise wartete Nik geduldig darauf, dass seine Schwester etwas fand. Doch dieses Mal, hatte er selbst Lust, ein Flugziel zu suchen. Er kletterte aus dem Bett und ging zur Balkontür. Dort stand das Teleskop, mit dem die Kinder abends immer die Sterne am Himmel beobachteten.
Er richtete das Teleskop auf den Mond aus und warf einen Blick hindurch.
Verdutzt zog er sofort seinen Kopf zurück und sah verwirrt zu Nele. Dann schaute er noch einmal zum Mond hinauf.
»Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Wenn ich das richtig gesehen habe, wird der Mond von einem riesigen Weltraummonster angegriffen. Wir müssen sofort etwas unternehmen.«
Nele legte sofort ihr Buch zur Seite und sprang aus dem Bett.
»Kann doch gar nicht sein. Was soll das denn für ein Monster sein, das dem Mond gefährlich werden kann? Lass mich mal sehen.«
»Aber wenn ich es dir doch sage. Das Monster sieht unglaublich gefährlich aus uns ist sogar ein Stück größer als der Mond. Es wird ihn bestimmt fressen und dann die Erde angreifen.«
Nele schob Nik zur Seite und sah nun selbst durch das Teleskop in den Nachthimmel.
Sie begann zuerst zu grinsen, dann kicherte sie leise. Schließlich lachte sie fast so laut, dass Mama es hätte hören können.
»Du bist mir ja ein großer Angsthase. Du kannst eine Spinne nicht von einem Weltraummonster unterscheiden.«
Sie ging um das Teleskop herum und nahm eine kleine Spinne vom Objektiv auf. Das Tier war nur wenige Millimeter klein und krabbelte ängstlich auf Neles Hand hin und her.
»Die bringe ich mal lieber nach draußen, bevor sich dich noch auffrisst.«, neckte sie ihren Bruder.
»Ich glaube, wir bleiben heute Nacht zu Hause. Das Weltall ist eindeutig zu gefährlich für dich, Bruderherz.«
Sie öffnete die Balkontür, entließ die Spinne in die Freiheit und legte sich dann wieder ins Bett.

(c) 2017, Marco Wittler