580. Nik und Nele auf Empfang (Nik und Nele 06)

Nick und Nele auf Empfang

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Ich bin noch gar nicht müde.« flüsterte Nik aus der oberen Hälfte des Etagenbetts. »Was ist mit dir?«
Seine Zwillingsschwester Nele schüttelte den Kopf und grinste. Natürlich konnte ihr Bruder das nicht sehen, aber es machte ihr so viel Spaß, ihn hin und wieder zu ärgern.
»Nele? Schläfst du schon?«
»Nein. Und ich bin auch nicht müde.«
»Sollen wir noch etwas Radio hören?« Nik wartete keine Antwort ab, sondern drückte einen Knopf. Leise Musik war nun zu hören. Leise genug, damit Mama sie nicht hören konnte, laut genug, um die Kinder zu unterhalten.
Doch dann wurde das Lied von einem kurzen Geräusch unterbrochen.
Die Kinder dachten nicht weiter darüber nach, denn Geräusche gab es immer wieder im Radio. Vor allem bei schlechtem Wetter konnte es manchmal ziemlich laut rauschen.
Ein paar Sekunden später kam das Geräusch wieder. Dann ein drittes und ein viertes Mal.
»Was ist das?« fragte Nik in die Dunkelheit, als sie es ein fünftes Mal hörten.
»Ich weiß es auch nicht.« antwortete Nele. »Aber ich will es wissen.«
Sie kramte in einer kleinen Kiste, die unter dem Bett stand und holte zwei Gegenstände hervor. Der erste war eine Stoppuhr. Der andere eine Taschenlampe, mit der sie die Anzeige der Stoppuhr sehen konnte.
Das Geräusch meldete sich erneut. Nele drückte auf den Startknopf. Als es noch einmal zu hören war, drückte sie auf Stopp. Ein paar Mal maß sie die Zeit zwischen zwei Geräuschen, bis sie etwas feststellte.
»Immer genau sechs Sekunden. Es ist jedes Mal die gleiche Zeit.«
»Aber was bedeutet das?«
Nele zuckte mit den Schultern. »Weiß ich auch nicht. Aber ich schaue mal, was mein schlaues Buch dazu sagt.«
Sie holte ihr Weltraumbuch aus dem Regal und blätterte durch die Seiten, bis sie etwas fand.
»Das muss ein Pulsar sein.«
»Ein was?«
»Ein Pulsar. Das ist ein Neutronenstern, eine alte Sonne am Ende ihrer Lebenszeit. Sie ist nur noch ungefähr zwanzig Kilometer groß. Mehr ist nicht von ihr übrig geblieben. Ein Pulsar dreht sich extrem schnell um seine eigene Achse und sendet dabei Signale aus. Mir jeder Drehung gibt es ein Geräusch.«
Nik verdrehte ungläubig die Augen. »Der Stern dreht sich in nur sechs Sekunden um sich selbst? Das ist ja nicht zu fassen. Wie soll denn das gehen?«
»Weiß ich auch nicht. Wie wäre es, wenn wir uns das mal aus er Nähe ansehen? Hast du Lust?«
Nik nickte. Er kletterte von seinem Bett herunter und setzte sich zu seiner Schwester. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

Die Zwillinge hatten den Pulsar schnell erreicht. Nun sahen sie ihn direkt vor sich. Immer noch sandte er sein Signal alle sechs Sekunden in die Weiten des Alls hinaus.
»Jetzt kann man sogar sehen, was da vor sich geht.« staunte Nik.
Tatsächlich war es nicht nur ein Geräusch, das zu hören war. Im gleichen Takt sah man auch ein Licht aufblitzen.
»Wir sollten landen und nachschauen, was da vor sich geht.« entschied Nele und setzte mit dem fliegenden Etagenbett zur Landung an.
Als sie ausstiegen, sahen sie in ein paar Metern Entfernung eine schmale Schienenstrecke, die sich in wilden Kurven, Steigungen und Gefällen um den Pulsar zog.
»Eine Eisenbahn? Aber wo kommt sie her und wo führt sie hin. Wir haben doch von oben keine Städte sehen können.«
Nik wunderte sich und konnte sich keinen Reim darauf machen, bis er von Ferne ein lautes, rumpelndes Geräusch hörte, das sich schnell näherte.
Ein helles Lichte raste auf sie zu, düste mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei und verschwand auf der anderen Seite hinter dem Horizont.
»Das war eine Achterbahn.« staunte Nele. »So eine schnelle habe ich ja noch nie gesehen.«
Sechs Sekunden später kam sie erneut auf sie zu.
»Hilfeeeeee!« hörten sie Stimme schreien. Weitere sechs Sekunden wiederholte sich das Ganze. »Hilfeeeee!«
»Das ist der Grund für die Signale und Leuchtzeichen des Pulsars.« stellte Nele fest. »Die Achterbahn braucht nur sechs Sekunden, um einmal herum zu fahren.«
»Und irgendwer sitzt darin und hat panische Angst.« fuhr Nik fort. »Wir müssen ihn da raus holen.«
Ohne weiter darüber nachzudenken, liefen sie zurück zum Etagenbett und flogen damit der Achterbahn nach.
»Hilfeeeee!« rief ein kleiner, grüner Außerirdischer, der verzweifelt an eine Haltestange klammerte.
»Hilfeeeee! Ich will hier raus.«
Sie passten ihre Geschwindigkeit an, gingen tiefer. Als sie direkt über der Achterbahn waren, hängte sich Nik raus.
»Greif meine Hand!« rief er.
Das ließ sich der Außerirdische nicht zweimal sagen. Er nahm die Hand und ließ sich hoch ziehen.
»Vielen Dank.« keuchte er erschöpft. »Ihr habt mich gerettet.«
Er atmete ein paar Mal durch, bevor er erklärte, was passiert war.
»Ich habe Achterbahnen immer geliebt und habe jede im bekannten Universum ausprobiert. Aber irgendwann wurden sie mir zu langweilig, zu langsam. Ich wollte die schnellste Achterbahn von allen bauen. Und als ich sie dann fertig war und ich einstieg, wollte sie nicht mehr anhalten. Die Bremse war kaputt. Ich habe jetzt fünf Jahre darin verbracht.«
Es war also wirklich höchste Zeit, den Außerirdischen da raus zu holen.
Mit dem fliegenden Bett verließen sie den Pulsar und machten sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs setzten die Zwillinge den Geretteten zu Hause ab. Er versprach ihnen noch, nie wieder in eine Achterbahn zu steigen.

(c) 2014, Marco Wittler

579. Nik und Nele auf Ufo-Jagd

Nik und Nele auf Ufo-Jagd

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich. Genau in diesem Augenblick blitzte ein Lichtschein am dunklen Herbsthimmel auf und verschwand gleich wieder. Sekunden später leuchtete wieder etwas auf und wieder und wieder.
»Was ist das?« Nik kletterte neugierig aus seiner oberen Hälfte des Etagenbetts.
Seine Zwillingsschwester Nele folgte ihm zum Fenster. Gemeinsam sahen sie nach draußen. »Siehst du das? Die Lichter kommen von unten und fliegen ins Weltall hinaus. Das Es können also keine Sternschnuppen sein.«
Nik grübelte. »Aber sehen wir denn dann?«
»Das müssen Ufos sein.«
»Eine Invasion? Greifen uns Außerirdische an, wie ich es gestern in einem Film gesehen habe? Aber dann würden sie doch landen und nicht heimlich in der Dunkelheit verschwinden.«
Nele dachte nach. »Das ist keine Invasion. Wir werden nicht angegriffen. Sie flüchten. Sie haben vor irgendetwas Angst. Große Angst.«
So schien es wirklich zu sein, denn immer mehr Lichtpunkte starteten zu den Sternen hinauf.
»Wir sollten ihnen folgen und heraus finden, was da los ist.«
Sie liefen zurück zum Bett und setzten sich darauf. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu. Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wo sind sie?« fragte sich Nele.
Nik fand die Raumschiffe. Sie waren überall. Egal, in welche Richtung er sah, entdeckte er die Flüchtlinge.
»Hoffentlich können wir sie auch verfolgen. Die scheinen es ganz schön eilig zu haben. Ich bin gespannt, wo es hin geht.«
Die kleinen, rasenden Lichtpunkte hatten alle das gleiche Ziel: Die dunkle Seite des Mondes.
»Ob sie sich dort verstecken wollen, weil ihre Invasion nicht geklappt hat?« wagte Nele eine Vermutung. »Dort kann man sie jedenfalls von der Erde aus nicht entdecken.«
Die Zwillinge folgten den Raumschiffen und landeten schließlich in der Mondnacht.
»Wahnsinn.« war Nik begeistert. »Das sind so viele Raumschiffe, dass ich sie gar nicht zählen kann.«
Die Kinder stiegen aus, näherten sich langsam einem der Raumschiffe und warteten. Als sich nichts tat, öffneten sie die Eingangstür.
Im Innern fanden sie fünf Astronauten, die ihre Raumanzüge angelegt hatten. Die fünf erschreckten sich, als sie die Kinder entdeckten.
»Hilfe! Menschenkinder!« riefen sie entsetzt. »Tut uns bitte nichts.«
Nele lächelte freundlich. »Wir sind nicht gekommen, um euch etwas anzutun. Wir sind nur neugierig, warum ihr in so großer Zahl die Erde verlassen habt. Was ist los?«
Die Astronauten setzten ihre Helme ab. Zur Überraschung der Zwillinge kamen darunter keine normalen Köpfe zum Vorschein. Es waren orange Kürbisköpfe.
»Ihr seid Kürbisse?«
Die Kürbisse nickten.
»Warum seid ihr zum Mond geflogen? Hier oben gibt es nichts als Steine und Felsen.«
»Hier oben sind wir aber in Sicherheit.«
Nik grinste, als er verstand, worum es ging. Er knuffte seine Schwester in die Seite.
»Nächste Woche ist Halloween. Sie wollen nicht gegessen und auch nicht mit Messern zu gruseligen Fratzen verschnitzt werden.«
Wieder nickten die Kürbisse. »Wir wollen diese grausame Fest einfach nur überleben. Außerdem erschrecken wir uns immer vor den vielen Gespenstern, Monstern und Geistern, die in der Nacht unterwegs sind und um Süßigkeiten betteln.«
Dafür hatten die Kinder Verständnis. Sie wünschten den Flüchtlingen alles Gute und verabschiedeten sich wieder. »Wir werden niemandem euer Versteck verraten.«
Dann setzten sie sich wieder in ihr fliegendes Bett und machten sich auf den Heimweg.
»Ich glaube, ich muss Morgen früh mit Papa reden.« dachte Nele nach. »Er wollte mir einen Kürbis zum Schnitzen kaufen. Den möchte ich jetzt doch nicht mehr haben.«

(c) 2014, Marco Wittler

578. Nik und Nele auf dem Roboterplaneten (Nik und Nele 04)

Nik und Nele auf dem Roboterplaneten

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte nun auch Niks Zwillingsschwester Nele in die Dunkelheit hinein.
»Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hälst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an, holte ihr dickes Weltraumbuch unter der Decke hervor und blätterte ein paar Sekunden darin herum. Sie tippte mit geschlossenen Augen auf eine der Seiten.
»Kepler 186-f im Sternbild Schwan. Ist nur 490 Lichtjahre von hier entfernt. Praktisch um die Ecke.« Nele grinste. »Der Planet wurde erst vor zwei Jahren entdeckt und ist ungefähr so groß wie unsere Erde. Fliegen wir hin und sehen, was es da zu entdecken gibt.«
Sie klappte das Buch zu, legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Kepler 186-f. Intergalaktischer Raumflughafen.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die Kinder mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

Es war ein langer Flug gewesen. Die Zwillinge hatten unzählige Sterne, Planeten und Kometen gesehen, bevor sie im Sternbild Schwan angekommen waren.
»Ist ganz schön kalt hier.« beschwerte sich Nick, der gerade ausstieg.
»Der Planet ist etwas weiter von der Sonne entfernt als unsere Erde. Deswegen kommt auch weniger Wärme an. Hier leben bestimmt nur Eisbären und Pinguine.« vermutete Nele.
Dass sie damit falsch lag, wurde schnell klar, als ihnen eine kleine Gestalt entgegen kam.
»4-6-A-Beta erbittet eure Kennung.« verlangte eine Computerstimme.
»Ist das etwa ein Roboter?« bekam Nik große Augen. »Ein echter Roboter?«
»4-6-A-Beta erbittet eurer Kennung.« kam die Aufforderung ein zweites Mal.
»Wir sind Nik und Nele.« erklärte Nele. » Wir sind Geschwister und kommen vom Planeten Erde.«
»Warum seid ihr zu uns gekommen?« wollte 4-6-A-Beta wissen.
»Wir fliegen gern durch das All und besuchen andere Welten. Es macht uns einfach Spaß.«
Der 4-6-A-Beta legte verwirrt den Kopf schräg. Dies konnte man nun auch bei den anderen Robotern beobachten, die sich mittlerweile zu ihm gesellten.
»Was ist Spaß?« fragten sie gemeinsam.
»Wie? Ihr wisst nicht, was Spaß ist?« Nik konnte es nicht glauben.
»Spaß hat mit Freude zu tun. Es ist ein schönes Gefühl.«
»Was ist sind Gefühle?«
Die Roboter machten es den Kindern nicht einfach.
»Sie sind Maschinen.« begriff Nele langsam. »Sie haben kein Herz und deswegen auch keine Gefühle.«
Die Roboter schüttelten langsam ihre Köpfe. »Wir haben Herzen.« Sie öffneten alle gleichzeitig eine Klappe im Brustpanzer. Darin steckte ein kleiner, metallischer Klumpen, dem man nicht mehr ansehen konnte, was er mal gewesen war.
»Wir müssen dagegen etwas unternehmen.« war Nele entschlossen. Wir zeigen euch, was Gefühle sind.«
Nik war der gleichen Meinung. »Fangen wir mit mit Freude und Spaß an. Lacht mal.«
Die Roboter lachten leise und mechanisch. Es klang nicht so richtig echt.
»Das muss aus dem Bauch kommen. Wartet, ich erzähle euch einen Witz.«
Und dieser Witz erzielte endlich eine Wirkung. Das Lachen der kleinen Maschinen wurde herzlicher. Es klang endlich nach einem richtigen Gefühl. Das zeigte sich auch den verklumpten Herzen. Sie leuchteten leicht rot und wuchsen.
»Und jetzt machen wir mit Freundschaft und Liebe weiter.« fuhr Nele fort, während sie ihren Bruder umarmte und drückte. »Macht es einfach nach.«
Es sah sehr steif aus, wie sich die Roboter umarmten. Doch mit jedem Moment, der verging, wirkte es herzlicher.
»Das ist wirklich schön.« war 4-6-A-Beta begeistert, der noch gar nicht glauben konnte, dass sein Herz ein ganzes Stück gewachsen war.
»Kommen wir nun zur Trauer. Man denkt an etwas, das einem gar nicht gefällt.« erklärte Nele.
»Unser Opa ist im letzten Jahr gestorben. Wir werden ihn nie wieder sehen, nie wieder mit ihm lachen können. Er wird uns nie wieder eine Geschichte vorlesen können.«
Ihr liefen dicke Tränen über die Wangen, die im Schnee unter ihren Füßen verschwanden. Nik erging es nicht anders.
Die Roboter dachten nach. Sie sahen sich um. Schließlich landeten ihre Blicke auf ihren Herzen.
»Wir wollen unsere neu gewonnenen Gefühle nicht verlieren.«
Sie fielen sich gegenseitig in die Arme und schon rollten an ihren Gesichtern Tränen hinab.
»Sie haben es verstanden.« war Nele begeistert.
Doch dann geschah etwas, womit die Zwillinge nicht gerechnet hatten. Die Roboter verkrümmten sich und schrien vor Schmerzen.
»Hilfe!« rief 4-6-A-Beta. »Die Tränen tun mir weh. Ich fange an zu rosten.«
»Oh nein.« Nik wusste nicht, was sie unternehmen sollten. »Die Roboter dürfen nicht weinen. Der Rost wird ihre Panzer zerfressen. Sie werden sterben.«
Aber da hörten die Roboter schon wieder mit ihrem Geheul auf. Sie grinsten über das ganze Gesicht.
»Schadenfreude.« lachte er begeistert. »Witz und Schabernack. Wir haben euch auf den Arm genommen. Noch ein schönen Gefühl. Wir sind euch wirklich dankbar. Ihr habt uns mit den Gefühlen das größte Geschenk unseres Lebens gemacht. Wir sind euch so dankbar, wissen aber nicht, was wir euch dafür geben könnten.«
Nele schüttelte den Kopf, während sie schon wieder in das Bett stieg.
»Eure Freude ist uns schon Dank genug. Der Besuch bei euch hat uns sehr viel Spaß gemacht.«
Sie zog ihren Bruder zu sich auf die Matratze. Dann winkten die Geschwister zum Abschied und flogen wieder nach Hause.

(c) 2014, Marco Wittler

577. Nik und Nele auf dem Planeten der Hunde (Nik und Nele 03)

Nik und Nele auf dem Planeten der Hunde

Es war ein schöner Oktoberabend gewesen. Nur leider wurde es mittlerweile schon viel zu früh dunkel. Die warme Sonne hatte sich hinter dem Horizont verkrochen und ihre warmen Strahlen gleich mitgenommen.
»Schon komisch, dass es jetzt so früh dunkel wird. Das ist im Sommer einfach schöner.« murmelte Nik in seinem Bett vor sich hin.
»Aber dafür schlaft ihr dann auch schneller ein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte nun auch Niks Zwillingsschwester Nele in die Dunkelheit hinein.
»Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hälst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an, holte ihr dickes Weltraumbuch unter der Decke hervor und blätterte ein paar Sekunden darin herum.
»Der Planet Pluto. Der ist so weit weg von der Sonne. Da ist es bestimmt ganz einsam. Der braucht unbedingt einen Besuch.«
Nik grinste. »Du weißt aber schon, dass Pluto kein Planet mehr ist?«
Nele nickte und verdrehte die Augen. »Ja, ich weiß, dass Pluto seit 2006 kein Planet mehr ist. Er ist nur noch ein Kleinplanet. Aber du hast vielleicht noch nicht mitbekommen, dass man dieses Jahr darüber geredet hat, ihn wieder zu einem echten Planeten zu machen.«
Sie klappte das Buch zu, legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Pluto. Intergalaktischer Raumflughafen.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während sie mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

»Die Umlaufbahn Plutos ist sehr ungewöhnlich. Er ist mal näher und mal weiter weg von der Sonne als sein Nachbar Neptun. Ihre Bahnen kreuzen sich immer wieder. Hoffentlich stoßen sie dabei nie zusammen.« dachte Nele über ihr Ziel nach.
»Wird schon gut gehen.« warf Nik ein. »Auch im Weltall gilt Rechts vor Links.«
»Wusstest du, dass man annimmt, dass Pluto mal ein Mond Neptuns war?« fragte Nele weiter.
»Neptun hat vor langer Zeit den Mond Triton eingefangen. Dadurch wurden Pluto und sein Mond Charon weggeschleudert. Nun drehen sie sich jeweils umeinander.«
In diesem Moment kamen sie an Charon vorbei, der nur ein kalter, grauer Felsbrocken war.
»Neben ihm gibt es noch vier weitere Monde. Nix, Hydra, Kerberos und Styx.«
Nik lachte laut. »Auf Nix ist bestimmt nix los.«
»Deswegen landen wir auch in wenigen Augenblicken auf der Oberfläche des Pluto.«

Die Landung war problemlos gewesen. Sanft hatte das Etagenbett seine Beine in den Staub der Plutooberfläche gesetzt und dann die schützenden Glasscheiben gesenkt.
»Wuff!« machte es plötzlich von einer Seite.
»Wuff!« kam es dann von der anderen Seite.
Von überall her stürmten Hunde heran. Kleine und Große, Dicke und Dünne, mit kurzem und langem Fell und tropfenden Sabbermäulern.
»Wo sind wir denn hier gelandet?« fragte sich Nik verwirrt. »Ich dachte, Pluto wäre unser Ziel gewesen und kein Hundetrainingsplatz.«
Nele schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. »Mensch. Denk doch mal nach. Der Planet heißt Pluto, wie der Hund von Micky Maus. Einer seiner Monde ist Kerberos. Das ist der Höllenhund bei den alten Griechen. Wir sind hier auf einem Hundeplaneten.«
»Hundezwergplanet!« verbesserte Nik grinsend.
Nun waren die Hunde heran. Sie setzten sich schwanzwedelnd vor das Bett und sahen die beiden Menschen erwartungsvoll an.
»Spazieren gehen?« fragte einer von ihnen.
»Werft mir ein Stöckchen! Werft mir ein Stöckchen.« ein anderer.
»Habt ihr Leckerlis dabei? Ihr habt doch bestimmt ganz tolle Leckerlis.«
»Ich will Gassi gehen. Ich habe extra meine Leine mitgebracht.«
In diesem Moment kam eine große Dogge anmarschiert. Sie war mindestens zwei Köpfe größer als alle anderen Hunde, die sich bereits versammelt hatten. Etwas scheu machte man ihr Platz.
»Sitz!« rief die Dogge. Alle Hunde setzten sich und wurden still.
»Ich bin hier der Leithund.« sagte die Dogge mit kräftiger Stimme.
»Ihr seid  ohne meine Erlaubnis auf unserem Planeten gelandet. Nach unseren Gesetzen steht darauf eine hohe Strafe.«
Die Zwillinge sahen sich ängstlich an.
»Auf das Betreten unseres Reviers stehen drei Jahre sozialer Dienst. Das bedeutet, ihr müsst nun jeden Tag mit uns Gassi gehen, uns Leckerlis geben, Stöckchen werfen und mir ganz persönlich den Bauch kraulen.«
Die Dogge legte sich auf den Rücken und machte einen Herz erweichenden Hundeblick.
»Bitte, bitte, bitte krault mich.«
Nele verdrehte die Augen und drückte entschlossen auf den roten Startknopf des Bettes.
»Das ist uns zu anstrengend. Aber wir schicken euch gerne mal  ein paar Schickimickidamen vorbei. Die tragen euch bestimmt gern den ganzen Tag in ihren großen Handtaschen durch die Gegend.«
Die Schutzgläser des Bettes hatten sich geschlossen. Nik und Nele flogen zurück zur Erde.
»Verrückte Planeten gibt es.« lachte Nele. Dann schlug sie ihr Weltraumbuch auf und suchte bereits nach dem nächsten Flugziel für eine andere Nacht.

(c) 2014, Marco Wittler

Hallo Freunde

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Der Marco


Aktuelle Geschichte: 590. Finns erstes Kommando

Letztes Update: Sonntag, 23. Juli 2017

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576. Ich will ein Schneemann sein

Ich will ein Schneemann sein

Timo stapfte mit seinem Schlitten durch den tiefen Schnee und mühte sich den Berg hinauf. Er wusste schon gar nicht mehr, wie oft er heute schon gerodelt war. Den ganzen Nachmittag hatte er hier verbracht. Doch nun ging langsam die Sonne unter. Es wurde dunkel, kalt und Mama sah immer häufiger auf ihre Armbanduhr.
»Es wird langsam Zeit, dass wir nach Hause fahren. Ich muss das Abendessen kochen.«, sagte sie schließlich.
Timo blieb vor ihr stehen, sah zu Mama hinauf und ließ die Mundwinkel sinken.
»Wirklich? Jetzt schon? Es ist doch noch gar nicht so spät. Ich will hier bleiben und weiter Schlitten fahren.«
Mama schüttelte den Kopf. »Die anderen Familien fahren auch schon nach Hause.«
»Stimmt gar nicht.«, beschwerte sich Timo. »Wir sind bestimmt die ersten, die jetzt gehen.«
Er sah sich um. Der Schlittenhang war leer. Es waren weder Kinder noch Eltern zu sehen.
»Na gut. Wir sind die Letzten. Aber trotzdem möchte ich noch rodeln.«
»An einem anderen Tag. Jetzt wird es Zeit für’s Abendessen.«
Timo ließ die Schultern hängen und folgte Mama schleichend zum Auto. Kurz vor dem Parkplatz fiel sein Blick auf einen Schneemann, der unter einer großen Tanne gebaut worden war.
»Wenn ich ein Schneemann wäre, könnte ich rund um die Uhr hier bleiben. Dann müsste ich nicht nach Hause. Das wäre echt cool.«

Am nächsten Morgen war irgendwas anders. Als Timo wach wurde, wehte ihm ein leichtes Lüftchen um die Nase. Auf der einen Seite war es kühl, auf der anderen Seite machte es ihm aber auch nichts aus. Ihm war nicht kalt.
Er wollte sich recken, strecken und laut gähnen, aber das fiel ihm alles andere als leicht. Timo öffnete die Augen und sah sich um. Sofort bekam er große Augen.
»Wahnsinn!«, staunte er. »Das ist ja unglaublich!«
Er stand ganz oben auf dem Rodelhang. Von hier aus brauchte er nur auf seinen Schlitten steigen und den Berg hinab fahren.
»Und ich bin hier der Einzige. Niemand stört mich. Niemand steht mir im Weg. Ich kann fahren wo ich will!«
Timo grinste über das ganze Gesicht. Er wollte aufstehen, den neben sich stehenden Schlitten schnappen und den ganzen Tag Spaß haben. Es gab nur ein Problem. Er konnte nicht aufstehen. Und das war noch nicht das Schlimmste. Nicht nur das Aufstehen funktionierte nicht. Er konnte weder Arme noch Beine bewegen.
Timo sah an sich herab. Er hatte sich in einen Schneemann verwandelt. Und wie das bei Schneemännern nun mal so ist, sie können sich nicht bewegen.
»Oh, nein. Wenn ich nur daran gedacht hätte. Dann hätte ich mir bestimmt nicht gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Die Zeit verging nur langsam. Timo langweilte sich fast zu Tode. Er konnte nicht spazieren gehen, er konnte keine Bücher lesen oder sich vor den Fernseher setzen. Er konnte sich nicht einmal an seiner Mohrrübennase kratzen, wenn es juckte.
Am Nachmittag kamen die Kinder der ganzen Nachbarschaft zum Rodelhang. Für die nächsten Stunden vergnügten sie sich auf ihren Schlitten und hatten ganz viel Spaß. Jeder Junge und jedes Mädchen – bis auf Timo. Als Schneemann stand er auf der Stelle und musste den anderen zusehen.
»Oh man, ist das langweilig. Ich wünschte, ich hätte mir nie gewünscht, ein Schneemann zu sein.«
Traurig wartete er darauf, dass der Tag vorüber ging. Irgendwann gingen die anderen Kinder nach Hause. Timo musste draußen in der Dunkelheit bleiben. Irgendwann schlief er ein und träumte davon, wieder ein ganz normaler Junge zu sein.

Am nächsten Morgen wachte Timo auf. Er reckte und streckte sich. Als er die Augen aufschlug, sah er sich schnell um. Er hatte zwei normale Arme, zwei normale Beine und eine kleine Nase im Gesicht. Er lag in seinem Bett unter der Decke und konnte sich wieder bewegen.
»Juhuu! Endlich bin ich wieder ein normaler Junge.«
Glücklich sprang Timo aus dem Bett und tanzte wie wild in seinem Zimmer herum.
»Ich werde mir nie wieder wünschen, ein Schneemann zu sein. Das ist mir viel zu langweilig.«

(c) 2017, Marco Wittler

575. Nik und Nele in den Wolken (Nik und Nele 02)

Nik und Nele in den Wolken

Ein langweiliger Tag neigte sich dem Ende zu. Schon am frühen Morgen versteckte sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke und kam bis zum Abend auch nicht dahinter hervor.
»Hab ich dir schon mal gesagt, dass ich den Herbst nicht leiden kann?« beschwerte sich Nele bei ihrem Zwillingsbruder Nik.
»Geht mir aber auch so. Nur der Sommer ist richtig cool. Da ist es schön warm, die Sonne scheint und man kann die ganze Zeit draußen spielen.«
Nik sah durch das Fenster nach draußen und seufzte. »Wenn wir bloß was Tolles unternehmen könnten.«
In diesem Moment steckte Mama ein letztes Mal ihren Kopf durch die Tür ins Zimmer.
»Seit ihr schon fertig für’s Bett? Es ist schon nach acht Uhr. Jetzt wird geschlafen.«
Nik seufzte ein zweites Mal und kletterte am Etagenbett nach oben.
»Schlaft gut, meine Süßen.«
Mama pustete ihren beiden Kindern einen Luftkuss entgegen, knipste das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
Nele grinste in der Dunkelheit vor sich hin. »Warum besuchen wir nicht einfach einen Ort, an dem das Wetter vielleicht etwas besser ist?«
Sie hüpfte leise aus dem unteren Bett und schaltete das Licht wieder an. Dann holte sie ein großes Weltraumlexikon aus dem Regal und blätterte durch die Seiten, bis sie schließlich ihren Zeigefinger auf ein Foto drückte.
»Titan.« sagte sie.
Nik legte seine Stirn in Falten.
»Weißt du denn gar nichts?« fragte Nele und verdrehte die Augen.
»Titan ist ein Mond, der seine Bahnen um den Planeten Saturn zieht. Ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass es dort Meere geben soll. Und an Meeren gibt es normalerweise auch Sonnenschein.«
Sie grinste wieder. »Stell dir das doch nur mal vor. Wir liegen dort am Strand, lassen die Füße ins Wasser baumeln und über uns glitzern die Ringe des Saturns im Sonnenlicht. Klingt das nicht romantisch?«
Nun war es an Nik, die Augen zu verdrehen. Immer diese Mädchen mit ihrem Romantikkram. Das brauchte doch nun wirklich kein Mensch.
»So ein Blödsinn. Das ist voll langweilig. Ich will Sandburgen bauen, plantschen und mich im Strand eingraben lassen, bis nur noch der Kopf raus guckt. Das macht viel mehr Spaß.«
»Also fliegen wir hin?« wollte Nele ungeduldig wissen.
»Jaaa.«
Sie setzten sich gemeinsam auf das untere Bett. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite. Zum Vorschein kam ein großer, roter Knopf, den sie kräftig drückte.
»Fliegen wir zum Titan.«
An den Seiten des Etagenbettes hoben sich durchsichtige Scheiben empor umd schlossen die beiden Kinder in sich ein. Die Türen des Balkons schwangen auf, während sich das Bett langsam vom Boden erhob und nach draußen schwebte. Nik und Nele flogen zum Himmel hinauf, durchbrachen die Wolkendecke und verschwanden zwischen den unzähligen Sternen.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasten die Zwillinge in ihrem fliegenden Bett durch das All. Es ging vorbei an großen Planeten und kleinen Asteroiden, bis schließlich der Saturn in Sichtweite kam und schnell größer zu werden schien.
»Schau mal.« rief Nik lachend. »Der Saturn hat einen Ring. Er ist verheiratet. Würde mich mal interessieren, wer seine Frau ist, die kann ich nämlich nirgendwo entdecken.«
In diesem Moment schob sich ein kleiner, runder Schatten vor den riesigen Planeten.
»Das ist Titan.« erklärte Nele. »Wir werden in ein paar Minuten landen.«
Tatsächlich kam das fliegende Etagenbett dem Schatten, der sich bald als ein Mond zu erkennen gab, immer näher, drang in dessen Atmosphäre ein und landete schließlich am Ufer eines Meeres. Die schützenden Glasscheiben verschwanden und die beiden Kinder stiegen aus.
»Ein Strand! Ein Strand!« rief Neele begeistert und sah zum Himmel hinauf.
»Und da sind die Saturnringe. Das ist sooo romantisch. Wenn doch jetzt nur der Jonas hier wäre.«
Sie seufzte, während sie an den hübschen Jungen aus ihrer Klasse dachte.
In diesem Moment wurde es dunkel und laut über dem Meer. Der Saturn verschwand hinter einem riesigen …
»Was ist das denn für ein Ding?« wollte Nik wissen.
»Sieht wie ein Raumschiff aus.« rief ihm Nele zu.
»Das ist aber riesig.«
Es setzte zur Landung an. Doch statt auf dem Land nieder zu gehen, tauchte es zur Hälfte ins Wasser ein. Ein lautes Zischen war zu hören und ein Teil des Wasser verdampfte innerhalb weniger Sekunden.
»Der heiße Antrieb des Raumschiffs verwandelt das Wasser in Dampf.« war Nele enttäuscht. Denn aus dem Dampf bildete sich eine riesige Wolke, die Daturn und Sonne komplett verdeckte.
»Schon wieder schlechtes Wetter.« war Nik enttäuscht. »Das ist ja wie zu Hause.«
Das Raumschiff öffnete sich. Unzählige Außerirdische stiegen eine lange Rampe hinab. Die Männer hatten Digitalkameras in den Händen, die Frauen waren mit Sonnenschirmchen geschmückt.
»Wir sollten hier verschwinden.« entschied Nele enttäuscht.
»Das ist ein großes Touristenraumschiff. In ein paar Minuten wird der Strand so voll sein, dass wir hier keinen Platz für uns finden werden.«
Also setzten sie sich wieder in ihr Bett und flogen zurück zur Erde.

Ein paar Tage später saßen die Zwillinge mit Papa vor dem Fernseher. Es wurde gerade darüber berichtet, dass die amerikanische Weltraumbehörde NASA aufregende Fotos vom Saturnmond Titan gemacht hatte.
»In den letzten Jahren hat die Raumsonde Cassini immer wieder Fotos von Titan geschossen.« erklärte der Nachrichtensprecher. »Wie sie deutlich sehen können, befindet sich derzeit ein großer weißer Fleck darüber. Ältere Fotos zeigen diesen mal gar nicht und mal in anderer Form und Größe. Um was es sich dabei genau handelt weiß im Moment noch niemand. Aber das ist es, so ein NASA-Sprecher, worauf es in der Raumfahrt und der Beobachtung des Weltalls ankommt: Die Entdeckung und Erforschung neuer Geheimnisse.«
Nik und Nele grinsten sich gegenseitig an. Sie wussten genau, was dieser Fleck war und warum er immer wieder auftauchte.

© 2014, Marco Wittler

Info:
Der Planet Saturn ist 1.43 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das ist fast zehn Mal so weit, wie die Erde. Er besitzt nicht nur einen, sondern ganze 62 Monde. Einer von ihnen ist Titan, auf dessen Oberfläche Meere und Seen entdeckt wurden. Baden kann man darin nicht, denn dafür ist es dort zu kalt und atmen kann man auf dem Mond auch nicht. Seine Luft ist für uns giftig.
Vor ein paar Jahren hat die Raumsonde Cassini begonnen, Fotos vom Saturn und seinen Monden zu machen. Darauf ist tatsächlich ein weißer Fleck zu sehen. In den letzten sieben Jahren wurden drei Bilder gemacht. Mal ist der Fleck da, mal nicht. Wenn er zu sehen ist, hat er verschiedene Formen.
Was dieser Fleck ist und wie er entsteht, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Es könnte eine Wolke sein, aber auch einfaches Leben, zum Beispiel kleine Bakterien, die in großer Zahl an dieser Stelle leben. Es könnte aber auch etwas ganz anderes sein.

574. Nik und Nele erobern den Mond (Nik und Nele 01)

Nik und Nele erobern den Mond

Es war Abend geworden. Die Sonne war vor ein paar Minuten hinter dem Horizont verschwunden. Die zehn Jahre alten Zwillingsgeschwister Nik und Nele lagen seit ein paar Minuten im Bett und sollten eigentlich bald schlafen. Die tägliche Gute Nacht Geschichte hatten sie bereits von Mama vorgelesen bekommen.
»Ob die beiden schon vor dem Fernseher sitzen?« fragte Nele flüsternd in die Dunkelheit hinein.
Nik sah auf seinen leuchtenden Wecker. »Ist jetzt viertel nach acht. Die schauen jetzt ihre Lieblingsserie. Währenddessen gehen sie nicht mal zur Toilette.«
Er richtete sich im Bett auf und sah in das zweite Bett unter sich. »Hast du noch was vor oder warum hast du gefragt?«
Nele grinste, was ihr Bruder im dunklen Zimmer natürlich nicht sehen konnte.
»Ich will einmal zum Mond und zurück. Papa hat doch letzte Woche erzählt, dass da oben alles aus Käse gemacht ist.«
»Und das glaubst du natürlich nicht.«
Nele schüttelte den Kopf. »Papa erzählt so viel Blödsinn, dass ich das meiste davon gar nicht glauben mag. Also will ich selbst nachschauen, ob er Recht hat oder nicht.«
Nik seufzte und ließ sich zurück auf sein Kopfkissen fallen.
»Wie willst du das denn anstellen? Du bist keine Astronautin. Die werden dich niemals mit einer Rakete ins All schicken.«
Nele zuckte mit den Schultern. »Raketen interessieren mich eh nicht. Viel zu langsam und uncool. Opa hat mir geholfen, was besseres zu bauen.«
Jetzt musste Nik lachen. »Du hast mit Opa ein Raumschiff gebaut? Alles klar. Jetzt verstehe ich. Dann gehst du also Morgen in den Garten und spielst deine Reise zum Mond.«
»Nein.« antwortete seine Schwester entschlossen. »Mein Raumschiff ist echt. Und ich werde damit heute Nacht noch ins All starten. Ich werd es dir schon zeigen.«
Sie knipste ihre Nachttischlampe an und gab ihrem Bruder zu verstehen, dass er nach unten kommen sollte.
»Nimm Decke und Kopfkissen mit und vergiss da oben deine Kuscheltiere nicht.«
Nik war verwirrt. Was hatte das alles nur mit einem Flug ins All zu tun? Aber weil er seiner Schwester nicht den Spaß verderben wollte, machte er erstmal mit.
Nele schob nun ihr eigenes Kopfkissen zur Seite. Darunter war ein großer, roter Knopf versteckt gewesen.
»Es geht los.« flüsterte sie und drückte mit ihrer Hand kräftig darauf.
Wie von Geisterhand geführt, öffneten sich plötzlich die beiden Türen zum Balkon. Wenige Sekunden später schoben sich auf allen vier Seiten des Etagenbetts Glasscheiben nach oben und schlossen die Kinder ein.
»Damit wir im All nicht ersticken. Da oben gibt es nämlich keine Luft.« klärte Nele ihren Bruder auf.
Das Bett begann leicht zu vibrieren, später zitterte es an jedem einzelnen Brett, bevor es sich sanft erhob und durch die offenen Balkontüren nach draußen schwebte und Richtung Mond verschwand.
»Das ist ja völlig irre.« rief Nik begeistert und konnte sich an der schnell kleiner werdenden Erde unter sich kaum satt sehen.
»Wir fliegen wirklich und das auch noch komplett ohne Raumschiff und Raketen. Das wird mir niemand glauben. Hätte ich bloß meine Digitalkamera mitgenommen.«
Sie rasten an der Raumstation vorbei, die seit einigen Jahren ihre Kreise um die Erde zog. Zu gern hätten sie den Astronauten zugewunken, aber dafür war das Bett einfach zu schnell.
»Wir sind gleich da.« Nele zeigte mit dem Finger nach vorn, wo immer mehr Krater der Mondoberfläche erkennbar wurden. »Wir brauchen nur noch einen guten Landeplatz.«
Sie suchten sich eine weite Ebene aus, in der es keine Berge und Hügel gab. Dann landete das Etagenbett zum ersten Mal auf dem Boden des Mondes.
»Los! Aussteigen!« rief Nele begeistert. Sie drückte wieder den roten Knopf und ließ damit die Schutzscheiben um sie herum verschwinden.
Sie sprang nach draußen und landete mehrere Meter vom Bett entfernt.
»Hui.« war sie begeistert. »Auf dem Mond bin ich viel leichter. Ich komme mir vor wie eine Feder.«
Sie setzte sich hin und kramte in der Tasche ihrer Schlafanzugshose, aus der sie ein kleines Taschenmesser hervor holte.
»Wird Zeit für einen Test.«
Vorsichtig schnitt sie in den Mondboden und nahm ein Stück davon zwischen die Finger. Sie roch ein paar Mal daran und steckte es sich schließlich in den Mund.
»Mh, voll lecker. Papa hatte von Anfang an Recht, hättest du das gedacht?«
Nik, der noch immer im Bett saß und das alles um sich herum nicht wirklich begreifen konnte, machte nur ein verwirrtes Gesicht?
»Der Mond besteht tatsächlich aus Käse. Hast du etwa Papas Geschichte schon wieder vergessen?« Nele lachte, schnitt ein weiteres Stück zurecht und warf es ihrem Bruder zu, der nur zögerlich daran nagte.
»Wow. Das stimmt wirklich. Und ich habe immer gedacht, hier oben wäre alles aus Stein und Staub. Das habe ich nämlich mal im Fernsehen gehört.«
Langsam kam Nele zurück und setzte sich wieder auf ihre Matratze.
»Wird Zeit, dass wir nach Hause fliegen.«
Da wurde der vorsichtige Nik traurig.
»Muss das jetzt schon sein? Ich würde gerne noch eine Weile bleiben. Vielleicht entdecken wir auf dem Mond noch mehr Dinge, von denen niemand etwas weiß.«
Aber Nele ließ sich nicht erweichen. »Morgen ist Schule. Wir brauchen unseren Schlaf, sonst können wir uns nicht auf den Unterricht konzentrieren.«
Das Mädchen hatte natürlich Recht. Nik ließ es sich dafür nicht nehmen, selbst für den Start zu sorgen. Er drückte den roten Knopf, lehnte sich zurück und sah der Erde zu, wie während des Rückflugs wieder näher kam.
»Wir werden aber bald wieder ins All aufbrechen.« versprach Nele und schob sich ein letztes Stück Käse in den Mund.

(c) 2014, Marco Wittler

Blogprojekt Januar 2017: „Ich bin lokal – ich schreib regional“

Nach zehneinhalb Jahren im Blog möchte ich in diesem Jahr erstmals zu einem Blogprojekt aufrufen und hoffe, dass sich ein paar begeisterte Blogger finden, die daran teilnehmen möchten.

Es gibt so viele Blogs und Blogger, so viele verschiedene Themen über die wir täglich schreiben.
Wir sind Buchblogger, Reiseexperten, Autoren, Fotografen, Köche, Bäcker, Bastler, Mode- und Beautyexperten. Wir geben Tipps zu Finanzen, übers Bloggen, zum Sport und allgemein zum Leben. Wir sind Muttis, Väter, Tester, Nischenblogger und noch vieles mehr. Wir schreiben über Gott, die Welt und alles mögliche andere. Aber wer von uns kennt oder schreibt über seine eigene Heimat?

Das Thema in diesem Monat lautet: Ich bin lokal . ich schreib regional.

Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Schreibt und bloggt dazu. Lasst einen, zwei oder mehr Beiträge werden – je nachdem, was euch dazu einfällt.

Jedes Blog kann teilnehmen, denn zum Thema kann man wirklich alles schreiben. Hier nur mal ein paar Beispiele, falls ihr Inspiration sucht:
– Autorenblogs: Kurzgeschichten mit Handlungsort in eurer Region
– Reiseblogs: Was kann man Interessantes bei euch erleben?
– Mamiblogs: Schreibt über Spielplätze, Ausflugsziele, Kitasituation in eurer Stadt
– DIY: Bastelaktion zu Dingen deiner Region (z.B. gehäkelte Geißböcke für Köln, etc.)
– Modeblogs: Trachten aus deiner Region, Karnevalskostüme für Faschingshochburgen
– Buchblogs: Buchrezensionen über Werke lokaler Autoren
– Politblogs: Was geht ab in euren Rathäusern?
– Kochen und Backen: Typische Rezepte deiner Heimat
– Lifestyle: Lokale Bräuche

Alternativ könnt ihr auch mal etwas Artfremdes schreiben, wenn euch danach ist. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Ich werde hier alle Teilnehmer auflisten, dich sich mit ihren Blogs beteiligen. Habt ihr mehrere Blogs, dann werden auch alle aufgezählt, in denen ihr zum Thema schreibt.
Am besten legt ihr euch einen speziellen Beitrag zum Thema an, so wie ich das hier schon für mich / euch getan habe. Dann kann ich von hier aus die einzelnen Blogs und Beiträge verlinken.

Das Bild dürft ihr übernehmen. Ich fände es sogar sehr nett. Zusätzlich hätte ich gern auch noch über euren jeweiligen Beiträgen ein Foto eures Ortsschildes, damit man gleich sehen kann, um welche Stadt, welches Dorf, welche Gemeinde es geht.

Hast du Lust, dabei zu sein? Dann hinterlass einen Kommentar und ich trage dich in die Teilnehmerliste ein.
Bis Mittwoch, 25.01. sammel ich euch und eure Blogs ein.
Danach könnt ihr eure Beiträge posten. Die Parade läuft dann bis zum 15. Februar, also drei Wochen.

Wenn du mitmachen möchtest, hinterlass mir hier als Kommentar deinen Blog, dein Bloggenre und deinen Namen.

Der Marco

Teilnehmer:
01) Marco Wittler
Projekt „366 Geschichten für ein ganzes Jahr“ (Gute Nacht Geschichten)
Wortjongleure (Kurzgeschichten)

02) Kerstin
Altmühltaltipps (Ausflugstipps)

03) Jasmin
Jessica Jasmin reist (Reiseblog)

04) Carmen Vicari
Carmens Bücherkabinett (Bücherblog)

Und hier die fertigen Blogbeiträge der Teilnehmer.

01) Chinesenfasching in Dietfurt