592. Emma und die Außerirdischen

Emma und die Außerirdischen

Am Nachmittag kam die kleine Emma aus der Kindertagesstätte. Nachdem sie Mama und Papa begrüßt hatte, lief sie, wie an jedem Tag, in ihr Kinderzimmer, sammelte ihre Puppen zusammen und spielte mit ihnen.
»Du immer mit deinen langweiligen Puppen.«, sagte ihr großer Bruder Christian, der schon fünfzehn Jahre alt war. »Es gibt doch viel coolere Sachen, mit denen man spielen kann.
Nach einer Stunde kam Emma mit einer Hand voll Puppen ins Wohnzimmer. Dort saß Christian gerade vor dem Fernseher und sah sich etwas an.
»Kannst du das nicht leiser machen?«, fragte Emma. »Meine Puppen und ich wollen jetzt eine Teeparty machen.«
»Teeparty?«, fragte ihr Bruder ungläubig. »Warum spielst du das denn nicht in deinem Zimmer? Hast du da nicht genug Platz?«
Emma schüttelte den Kopf. »Mama hat mir doch verboten, etwas zu Essen oder zu Trinken mit in mein Zimmer zu nehmen, weil ich da schon so oft etwas verschüttet habe.«
Dann ging sie in die Küche und holte sich eine große Tasse Früchtetee, die Mama gerade gekocht hatte.
Emma platzierte ihre Puppen auf den Sesseln und Sofas. Jede von ihnen bekam eine leere Tasse. Dazu noch einen kleinen Teller.
»Es ist angerichtet, meine Damen. Ich hoffe, dass es euch schmeckt.«
Sie war mitten in ihrem Spiel, als sie von einem lauten Schrei gestört wurde.
»Mensch, Christian. Mach das doch mal leiser. Siehst du denn nicht, dass sich die Damen hier ganz dolle erschrocken haben?«
Emma schnappte sich die Fernbedienung und wollte einfach abschalten. Doch dann sah sie auf den Bildschirm.
»Was guckst du da eigentlich. Warum sehen die Menschen da so komisch aus?«
Christian verdrehte die Augen. »Die sehen nicht komisch aus, das sind Aliens – Außerirdische. Die kommen von einem anderen Planeten. Die sehen halt ganz anders aus, damit man sie von den Menschen unterscheiden kann. Sie greifen gerade die Erde an und wollen sie erobern. Und wenn dann jemand erschossen wird, dann wird auch schon mal geschrieen.«
»Aha.«, antwortete Emma nur. »Zu laut ist es trotzdem. Dein komischer Alienfilm ist doof.«
Dann packte sie ihre Puppen und ging mit ihnen nun doch zurück in ihr Zimmer.
Eine ganze Weile später kam Mama ins Wohnzimmer. Noch immer sah sich Christian Filme mit Außerirdischen an.
»Jetzt ist aber langsam genug.«, sagte Mama. Meine Serie fängt gleich an. Jetzt wird umgeschaltet.«
Sie sah sich um.
»Wo ist eigentlich Emma? Sie sollte ihre Teeparty hier im Wohnzimmer machen.«
Christian zuckte nur mit den Schultern und hoffte, noch ein paar Minuten vor dem Fernseher bleiben zu können.
»Los, steh auf und hilf mir suchen.«
Er seufzte, schaltete ab und stand auf. Lange suchen musste er nicht. Er fand seine kleine Schwester in ihrem Zimmer, aus dem er ihre Stimme hörte. Christian öffnete die Tür und sah hinein. Was er dahinter entdeckte, überraschte ihn. Emma hatte alle ihre Puppen im Gesicht bunt angemalt und manchen die Haare abgeschnitten.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte er überrascht. »Was hast du denn mit deinen Puppen angestellt. Da darf doch sonst niemand was mit machen.«
Emma drehte sich um und grinste.
»Das sind keine Puppen. Das sind Aliens. Und sie wollen nicht die Erde erobern. Sie sind nett und wollen mit mir eine Teeparty feiern. Ist das nicht cool? Aliens sind voll in Ordnung.«
Christian verdrehte die Augen und verließ Emmas Zimmer.
»Alles in Ordnung.«, rief er Mama zu. »Hab die Kurze gefunden.«
Emma spielte währenddessen weiter mit ihren Aliens.
»Eines Tages möchte ich mich mal mit echten Außerirdischen treffen und eine Tasse Tee mit ihnen trinken. Das wird bestimmt richtig cool.«

(c) 2016, Marco Wittler

541. Halloween im Weltall

Halloween im Weltall

Die kleine Leonie stand vor dem großen Kalender im Flur und sah sich an, was in den nächsten Tagen alles eingetragen war. Am letzten Tag im Oktober stand ein Wort, dass sie noch nie zuvor gesehen oder gehört hatte: Halloween.
»Was ist denn Halloween?«, fragte sie sich laut.
Ihr großer Bruder Tim hörte sie und kam aus dem Wohnzimmer in den Flur.
»Was? Du kennst Halloween nicht? Das kann ich gar nicht glauben. Halloween kennt doch eigentlich jeder.«
Leonie zuckte mit den Schultern. »Ist nicht meine Schuld. Mir hat halt noch niemand davon erzählt.«
Tim grinste.
»Dann komm mal mit. Wir gehen in mein Zimmer, setzen uns auf mein Sofa und ich erzähle dir, was Halloween ist.«
Die beiden Geschwister gingen die Treppe nach oben und setzten sich in Tims Zimmer. Dort begann dann der große Bruder zu erzählen.
»Schau mal nach draußen. Was siehst du da?«
Leonie sah durch das Fenster.
»Es ist dunkel draußen. Ich sehe gar nichts. Irgendwo da unten steht unser Apfelbaum, aber sehen kann ich ihn nicht.«
»Dann schau doch mal nach oben.«
Leonie legte ihren Kopf in den Nacken und sah nach oben.
»Nein. Du sollst nicht zur Zimmerdecke sehen. Schau nach draußen in den Himmel.«
Leonie lachte und sah dann nach draußen.
»Da sind ein paar Sterne. Die funkeln. Aber das ist ja nichts Besonderes. Das machen sie jede Nacht. Das hat doch nichts mit Halloween zu tun.«
»Das nicht.«, erklärte Tim. »Aber da oben am Himmel gibt es einen ganz besonderen Stern. Er heißt Lich und um ihn herum bewegen sich drei Planeten. Einer von ihnen heißt Poltergeist. Er ist der berühmte Halloweenplanet. Dort wurde das Fest erfunden. Die Außerirdischen feiern es dort das ganze Jahr. Wir nur an einem einzigen Tag.«
»Und was macht man an Halloween?«
»Das ist ganz einfach. Man verkleidet sich als Geist, Gespenst, Vampir, Monster oder etwas anderem, wovor man sonst Angst hat.«
Leonie verdrehte die Augen. »Du willst mich nur auf den Arm nehmen. Das glaube ich dir nicht. Woher willst du das denn wissen? Du bist doch noch nie auf einem anderen Planeten gewesen.«
Tim lachte. »Da stimmt. Ich bin noch nie dort gewesen. Aber ich hab es gesehen.«
Er öffnete seinen Kleiderschrank und holte ein großes Teleskop daraus hervor.
»Damit kann man sich Sterne und Planeten anschauen. Damit habe ich die Außerirdischen von Poltergeist mit ihren Verkleidungen gesehen.
Leonie bekam große Augen. »Du veräppelst mich wirklich nicht? Das ist die Wahrheit?«
Tim nickte.
»Dann will ich das jetzt auch sehen.«
»Na gut.« Tim stellte das Teleskop ans Fenster, richtete es aus und drehte eine Weile an ein paar kleinen Rädchen.
»Jetzt ist es richtig eingestellt. Wenn du jetzt durch schaust, kannst du sie sehen.«
Das ließ sich Leonie kein zweites Mal sagen. Sie drückte ihr Auge auf das kleine Guckloch und sah sich alles ganz genau an. Doch dann war sie ganz enttäuscht.
»Aber wo sind denn die Außerirdischen? Ich sehe nur ganz normale Menschen.«
Tim nickte. »Ist alles richtig.«
»Aber ich denke, die würden sich alle verkleiden.«
»Du hast mir nicht richtig zugehört. An Halloween verkleidet man sich als etwas Schreckliches, als etwas, vor dem man riesig große Angst hat.«
Leonie war noch immer enttäuscht. »Ja, ich weiß. Hast du mir gesagt. Aber ich sehe da keine Verkleidungen. Die sehen alle wie ganz normale Menschen aus.«
Tim lachte ein weiteres Mal. »Ja was dachtest du denn? Auf diesem Planeten leben Außerirdische. Die sehen in Wirklichkeit ganz anders aus als wir und fürchten sich am meisten vor uns Menschen. Deswegen haben sie sich auch so verkleidet.«
Leonie verdrehte die Augen und sah sich das Teleskop noch einmal genauer an. Dabei fiel ihr auf, dass es nicht zu Himmel hinauf zeigte, sondern zur Stadt.
»Du hast mich doch auf den Arm genommen. Und ich hätte es dir fast geglaubt.«
Beleidigt verließ sie das Zimmer. Als sie durch die Tür trat, drehte sie sich noch einmal um.
»Dann muss ich halt irgendwann mit einem Raumschiff zum Poltergeist fliegen. Dann schaue ich selbst nach, wie die Außerirdischen dort aussehen.«

(c) 2016, Marco Wittler