593. So ein leckerer Kuchen

So ein leckerer Kuchen

Mama hatte Kuchen gebacken. Zu Papa Geburtstag hatte sie seinen Lieblingskuchen gebacken. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass Papa ständig in die Küche kam, um davon zu naschen. Immer wieder musste Mama ihn verscheuchen.
»Wo willst du eigentlich Kaffee trinken und Kuchen essen?«, fragte sie irgendwann. »Soll ich den Tisch im Wohnzimmer decken oder willst du mit uns allen im Garten sitzen?«
Papa schüttelte den Kopf. »Wie wäre es, wenn wir zum Felsenmeer fahren und es uns dort auf der Wiese gemütlich machen. Ich habe schon lange kein Picknick mehr gemacht.«
Und so bereitete Mama alles für den Nachmittag vor. Sie ging in den Keller, holte einen großen Korb und eine Decke nach oben.

Am Nachmittag saßen sie dann alle zusammen auf der großen Decke im Schatten eines noch viel größeren Baums. Mama, Papa, die beiden Zwillinge Max und Paul und natürlich Oma und Opa.
»Wartet noch einen kleinen Moment.«, sagte Mama. Sie stellte den Kuchen vor sich ab und holte ein großes Messer aus dem Korb. »Ich schneide jedem von euch ein Stück vom Kuchen ab. Der wird euch hoffentlich gut schmecken.«
Sie setzte das Messer und wunderte sich, denn es verschwand mit der kompletten Schneide im Kuchen.
»Ist ja komisch.«, wunderte sich Mama. »Der Teig ist wohl nicht richtig gebacken. Da muss eine Blase drin sein.«
Sie setzte ein weiteres Mal zum Schnitt an einer anderen Stelle an. Das Messer rutschte wieder weit in den Kuchen hinein.
»Irgendwas stimmt damit nicht. Sowas ist mir noch nie passiert. Ich kann doch sonst so gut backen.«
In diesem Moment begann Papa zu grinsen und musste beichten, dass er etwas Verbotenes angestellt hatte.
»Dreh den Kuchen bitte einmal um.«, schlug er vor.
Mama hob den Kuchen hoch, drehte ihn vorsichtig um und erschrak.
»Der Kuchen ist ja ganz hohl von innen. Wie ist das denn passiert?«
»Ich musste ihn doch probieren, ob er wirklich gut geworden ist.«, entschuldigte sich Papa. »Und dann musste ich nochmal probieren, ob er an einer anderen Stelle genau so gut schmeckt. Und dann wieder und wieder und wieder.«
»Du bist mir ja einer.«, schimpfte Mama.
»An deinem nächsten Geburtstag muss ich wohl zwei Kuchen backen. Einen zum Probieren und einen, den ich vor dir verstecke.«
Damit war Papa einverstanden. Schon jetzt freute er sich darauf, im nächsten Jahr noch mehr von seinem Lieblingskuchen essen zu dürfen.

(c) 2016, Marco Wittler