321. Dicke Freunde (Tommis Tagebuch 09)

Dicke Freunde

Hallo, liebes Tagebuch. Ich bin es, der Tommi.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich heute erlebt habe. Aber ich fang am Besten ganz vorne an.
Vor ein paar Wochen saß ich mal wieder im Baumhaus auf dem Spielplatz, als ein anderer Junge herein kam. Er heißt Paul und wir verstanden uns von Anfang an sehr gut und wurden auch schnell Freunde.
Von da an trafen wir uns fast jeden Tag und haben alles Mögliche gespielt. Wir waren Astronauten auf dem Weg zum Mond, Piraten in einer großen Seeschlacht, Steinzeitmenschen und noch viel mehr.
Aber gestern Nachmittag war plötzlich etwas anders.
Ich war der erste im Baumhaus und wartete schon auf meinen Freund. Ich hatte mir überlegt, dass wir in einem großen Geländewagen sitzen und ein Wüstenrennen fahren würden. Als Paul dann kam, sah er sehr traurig aus.
Ich hatte ihn natürlich sofort danach gefragt, aner es hat eine ganze Weile gedauert, bis er es mir erzählen wollte.
»Ich habe Morgen Geburtstag, aber ich kann ihn leider nicht feiern, weil meine Mama so wenig Geld hat. Wir können uns das einfach nicht leisten.«, erklärte er mir und fing sofort an zu weinen.
Das hat mich natürlich auch traurig gemacht und ich versprach Paul, an seinem Geburtstag, die ganze Zeit mit ihm im Baumhaus zusammen zu sein und nur seine Lieblingsspiele zu machen. Das hat dann auch seine Laune verbessert.

Heute Morgen haben Mama und Papa den Samstagseinkauf gemacht und ich durfte mit.
Im großen Kaufhaus kenne ich mich jetzt schon richtig gut aus und weiß, wo die wichtigsten Sachen sind. Die Regale mit den Süßigkeiten sind hinten in der Ecke und die Spiele ganz vorne. Alles andere muss nur Mama wissen.
Ich bin natürlich sofort zu den Spielen geflitzt und habe mir alle genau angeschaut, bis ich gefunden hatte, was ich wollte.
Es war ein kleines Kartenspiel, in dem es um Bauernhoftiere geht. Das habe ich schon zu Hause, aber ein Zweites kann ja nicht schaden.
Ich brachte es zu Mama und Papa und legte es in den Einkaufswagen.
»Moment mal. Das hast du doch schon.«, stellte Mama fest.
Da wusste ich erst nicht, was ich sagen sollte. Aber dann fiel mir etwas ein.
»Mir fehlen ein paar Karten. Das Spiel lag auf dem Boden und Bello hat drauf rum gekaut.«
Damit gab sie sich zufrieden. Ich durfte das Spiel haben.

Am Nachmittag war ich dann schon ganz aufgeregt. Ich hatte das Kartenspiel in der Hosentasche versteckt und mir ein paar Kuchenstücke aus dem Schrank geholt. Damit machte ich mich auf den Weg zum Spielplatz.
Paul war bereits da und wartete schon unbeduldig auf mich. Er hatte bereits unseren Flugkurs zum Mond in das Baumhaus programmiert.
»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.«, rief ich schon von der Leiter aus.
Paul freute sich. Doch seine Augen wurden richtig groß, als er den Kuchen sah.
»Mensch, du bist ein richtig guter Kumpel.«, bedankte er sich bei mir.
Nur zu gern hätte er mich mal an sich gedrückt, aber da waren wir uns einig, dass das nur Mädchen machen.
Nachdem wir den Kuchen verputzt hatten, holte ich das Kartenspiel aus der Hosentasche und legte es vor Paul auf den Boden.
»Das ist auch noch für dich. Ein kleines Geschenk.«
Ich glaub, Paul hatte fast angefangen zu weinen. Jedenfalls sahen seine Augen so aus. Dieses Mal wollte er sich auch nicht mehr zurück halten und nahm mich doch in die Arme.
»Das ist der schönste Geburtstag meines Lebens.«
Da musste ich auch vor Freude grinsen.
In diesem Moment hörte ich plötzlich eine bekannte Stimme hinter mir.
»Jetzt weiß ich auch, wohin der Kuchen verschwunden ist und wofür du noch ein Kartenspiel haben wolltest.«
Mama war es, die ihren Kopf in das Baumhaus gesteckt hatte.
Ich hab bestimmt einen ganz roten Kopf bekommen, weil sie mich erwischt hatte, also erklärte ich sofort, warum ich ihr nicht alles erzählt hatte.
»Da hat der Paul ja einen richtig tollen Freund.«, sagte Mama und zwinkerte mir zu.
»Dann lasst euch mal nicht weiter stören. Feiert ihr noch schön da oben auf dem Mond.«
Und dann ging sie wieder nach Hause.
Paul und ich drehten uns sofort um, setzten uns vor das Fenster und starteten den Countdown. Der Flug ins Weltall konnte beginnen.

Und jetzt wird es Zeit zum Schlafen.
Bis bald, dein Tommi.

(c) 2010, Marco Wittler

064. Große Entdecker

Große Entdecker

Kalle Karacho stand im Garten und betrachtete das große Raumschiff. Er hatte es in den letzten Wochen mit seinen Freunden zusammen gebaut. Nun waren sie fertig und bewunderten, was sie gemeinsam geschafft hatten.
Nina Nano, Tom Turbo, Kai Kanone, Ulli Universum und der Baum-Mann Christoph waren nun Besitzer eines richtigen Raumschiffs.
Jedenfalls fast. Denn es war aus einem alten Baumhaus entstanden, das im Garten von Christophs Eltern stand. Der Stamm des Baumes war das Herzstück des Raumschiffs.
»Macht die Maschinen klar, startet den Antrieb. Wir brechen auf.«
Captain Karacho saß in seinem gemütlichen Sessel und gab die ersten Befehle aus.
Auf diesen Tag hatten sie alle lange gewartet und viel dafür gearbeitet. Und nun war es soweit.
Tom Turbo setzte sich an eine Tastatur, die mit dem Baumstamm verbunden war. Er gab ein paar Codes ein. Hinter den Kindern begann es leise zu summen.
»Ulli, überprüf doch noch einmal unseren Kurs.«
Ulli Universum war die Navigatorin. Sie kontrollierte ein letztes Mal den Weg zu den Sternen.
»Alles klar, Captain. Bei mir ist alles in Ordnung.«
Baum-Mann Christoph setzte sich an den Stamm. Er war für alle Maschinen zuständig und passte auf, dass nicht passierte.
»Dann lasst uns starten.«
Nina Nano betätigte einen großen roten Knopf.
Das Summen wurde lauter, das gesamte Raumschiff begann zu vibrieren. Es rüttelte und schüttelte sich. Alle Kinder waren nun gespannt, ob der erste Start gelingen würde.
Kalle stand auf und sah aus dem Fenster. Es knackte und krachte im Baumstamm, bis schließlich die ersten seiner Wurzeln aus der Erde gezogen wurden und das Raumschiff sich langsam in die Luft erhob.
»Es klappt. Wir heben ab. Es funktioniert tatsächlich.«
Er setzte sich wieder in seinen Sessel und beobachtete die Kontrollanzeigen.
Schnell nahm die Geschwindigkeit zu. Schon waren sie in den Wolken verschwunden.
»Ich kann gar nichts mehr sehen.«, beschwerte sich Ulli.
»Wie soll ich denn da den Kurs halten?«
Kalle lachte kurz und sagte: »Das ist doch normal. Wir sind in den Wolken. Das ist fast wie Nebel auf der Erde. Aber das ist gleich wieder vorbei.«
Und er sollte Recht behalten. Kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, tauchte die strahlende Sonne in einem blauen Himmel auf. Doch das Blau wurde langsam dunkler, bis es schließlich einem tiefen schwarz wich und die Sterne erschienen.
Auf der Schiffsbrücke wurde es still. Die Kinder sahen sich um. Sie wollte nicht glauben, dass sie es wirklich geschafft hatten.
»Wir sind im Weltraum.«, flüsterte Nina.
Es war ein atemberaubender Anblick. Überall um sich herum glitzerte es. Und die Erde wurde langsam zu einer kleinen blauen Kugel, die von einigen Wolken überzogen war. Ein paar einsame Kometen flogen auf ihrer langen Bahn durch die Unendlichkeit und zogen einen langen leuchtenden Schweif hinter sich her. Hier und da waren die einzelnen Planeten zu sehen. Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus waren kleine helle Punkte in der Ferne. Es sah aus, als hätte jemand in schwarzen Zeltstoff mit einer Nadel kleine Löcher gestochen, durch die nun die Sonne schien.
Noch immer schrumpfte die Erde zusammen, während der Mond immer größer wurde und sie ihm näher kamen.
Kalle fasste sich als Erster.
»Dann wird es jetzt Zeit, dass wir Kurs auf den Mond nehmen. Wir werden die ersten Kinder sein, die ihn betreten. Das wird uns berühmt machen.«
Er lehnte sich zurück und lies die anderen ihre Arbeit machen.
Aber plötzlich wurden alle sehr aufgeregt.
Es war Kai Kanone, der etwas auf seinem Bildschirm entdeckte.
»Captain, da kommt etwas auf uns zu. Ich kann aber noch nicht sagen, was es ist. Allerdings ist es sehr schnell.«
Die Anspannung stieg. Damit hatte niemand gerechnet. Sie hatten sich den Flug zum Mond wie einen Spaziergang vorgestellt. Doch nun änderte sich alles.
»Es ist ein fremdes Raumschiff. Und es ist viel größer als unseres.«
Kai Kanone machte sich bereit. Er war für die Bewaffnung an Bord zuständig. Nun lag es an ihm, die Mannschaft zu retten.
»Sie schießen auf uns.«
Nina drückte ein paar Knöpfe und wendete das Raumschiff. Sie flog hin und her, als wären sie ein kleiner Hase, der auf dem Feld vor einem Fuchs flüchtet.
»Sie kommen hinterher. Ich kann sie nicht abschütteln.«
Alle sahen Kalle an. Er war der Captain und musste die Entscheidungen treffen.
Er saß in seinem Sessel und dachte nach. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er durfte seine Mannschaft nicht unnötig in Gefahr bringen. Aber Aufgeben war feige.
Er rang mit sich selbst. Traf dann aber schließlich die einzig mögliche Entscheidung.
»Wir geben auf. Es hat keinen Sinn mehr. Gegen das fremde Raumschiff haben wir keine Chance.«
Er sah zu Nina und gab ihr die letzten Befehle.
»Funk das andere Schiff an und sag, dass wir kampflos aufgeben.«
Nina drückte einige Tasten und wartete ab, bis schließlich ein rotes Lämpchen aufleuchtete.
»Sie antworten uns, Captain.«
Und schon hörten sie alle die Stimme des fremden Raumschiffkommandanten.
»Kinder, kommt endlich runter, das Essen ist fertig. Ihr wollt doch nicht, dass es kalt wird.«
Die Kinder begannen zu jubeln. Kais Mutter war mit dem Essen fertig.
Mit einem Mal verschwand die Schwärze des Alls und die leuchtenden Sterne. Der Baum war wieder das, was er schon immer gewesen war: Ein einfacher Baum, der fest mit allen Wurzeln in der Erde steckte.
Kalle kletterte die Strickleiter hinab, gefolgt von seiner tapferen Mannschaft. Sie alle folgten ihm in das Esszimmer und setzten sich an den Tisch.
Während sie Pommes Frites und Wiener Würstchen aßen, erinnerten sie sich an die vergangenen Minuten.
»Wisst ihr was?«, fragte Kai.
»Das ist der schönste Geburtstag, den ich bisher gefeiert habe. Wollt ihr am Wochenende wieder vorbei kommen? Dann können wir unser Weltraumabenteuer zu Ende spielen.«
Die Mannschaft jubelte und war sich sofort einig. Schon in ein paar Tagen würden sie einen neuen Versuch unternehmen, um die ersten Kinder auf dem Mond zu sein.
Kais Mutter hörte in der Küche mit und grinste.
»Da muss ich wohl für das Wochenende noch einmal Pommes Frites und Würstchen einkaufen, damit die Astronauten gut gestärkt zum Mond finden. Aber so ganz ohne fremde Raumschiffe werdet ihr nicht dort oben ankommen. Dann ist nämlich Papa dran.«

(c) 2007, Marco Wittler