554. Weihnachten im Krankenhaus (Ninas Briefe 22)

Weihnachten im Krankenhaus

Hallo Steffi.

Es ist wieder so weit, dass ich dir einen Brief schicke. Der Letzte ist ja schon eine ganze Weile her. Im Moment habe ich auch sehr viel Zeit, dir zu schreiben, denn ich liege seit drei Tagen im Krankenhaus.
Warum ich im Krankenhaus liege? Na ja, das ist so eine Sache. Ich wollte unbedingt mit meinen Inlinern bei uns auf dem Gehweg fahren. Papa hatte es mir verboten. Also bin ich heimlich nach draußen. Dummerweise lag dort etwas Schnee, der Boden war rutschig und ich bin nur ein paar Meter weit gekommen. Schon vor der ersten Kurve bin ich ausgerutscht und habe mir das linke Bein gebrochen.
Bis auf die Schmerzen und den ungemütlichen Gipsverband, ist es gar nicht so schlimm. Das Essen schmeckt lecker, die Krankenschwestern sind super nett und ich bekomme jeden Tag Besuch. Was mich aber so richtig gestört hat, dass ich Weihnachten hier drin bleiben musste. Ich konnte also nicht mit meiner Familie vor dem Weihnachtsbaum sitzen, Lieder singen und Geschenke auspacken.
Ich konnte mir schon im Voraus das Gesicht meines kleinen Bruders Tommi vorstellen, wie er vor Schadenfreude von einem Ohr zum anderen grinst. Er packt seine Geschenke aus und freut sich, dass ich einen Tag länger warten muss.
An Heiligabend war es dann auch so weit. Mama, Papa, Tommi, Oma und Opa haben mich am Mittag besucht. Wir haben viel gelacht, Lieder gesungen – und dann sind sie nach Hause gefahren. Vom Fenster aus habe ich ihnen noch zugewunken. Und dann war ich allein in meinem Zimmer. Weihnachten musste ich allein verbringen. Kannst du dir das vorstellen? Das ist echt grausam. Das wünscht man niemandem.
Um nicht ganz allein zu sein, haben wir uns in einem kleinen Gemeinschaftsraum getroffen, also die anderen kranken Kinder, ein paar Krankenschwestern und ich. Das war zwar nicht das Gleiche, aber trotzdem ganz nett. Ein gutes Rezept, um das Heimweh zu vergessen.
Nach einer halben Stunde klopfte es plötzlich an der Tür. Ein kleiner Kopf schob sich grinsend herein.
»Hier sind wir richtig.«, rief er hinter sich. »Los, kommt rein!«
Es war Tommi. Ja, wirklich. Ich hatte keine Halluzinationen oder Träume und du hast richtig gelesen. Tommi, mein kleiner Bruder, war wieder ins Krankenhaus gekommen.
Nun öffnete er die Tür ganz und stürmte herein. Ihm folgten Mama, Papa, Oma und Opa. Während Papa einen kleinen, fertig geschmückten Weihnachtsbaum herein brauchte, hatten die anderen jeden Menge Geschenke unter den Armen.
Und das war noch lange nicht alles. Auch die Familien der anderen Kinder waren gekommen. Sie wollten Weihnachten bei uns im Krankenhaus feiern. Was für eine coole Idee.
Steffi, du kannst dir nicht vorstellen, wie toll dieser Abend wurde. Es war das schönste Weihnachtsfest meines Lebens. Wir hatten so unglaublich viel Spaß.
Ich musste mich immer wieder bei Mama und Papa für diese geniale Idee bedanken.
Aber irgendwann flüsterte mir Mama etwas Überraschendes ins Ohr – etwas, womit ich niemals gerechnet hatte:
»Das war nicht unsere Idee.«, sagte sie. »Dein kleiner Bruder Tommi war so traurig, dass du allein im Krankenhaus bist, dass er unbedingt Weihnachten hier feiern wollte.«
Ja wirklich. Mein kleiner Tommi hat an mich gedacht. Dabei ärgert er mich doch sonst immer nur. Ist er nicht ein richtig toller, kleiner Bruder? Ich hab ihn richtig lieb.
Na ja. Und nun ist dieser schöne Abend vorbei. Meine und die anderen Familien sind mittlerweile nach Hause gefahren. Ich liege jetzt hier in meinem Bett und schreibe an meinem Brief an dich. Ich hoffe, dass er bald bei dir ankommt und du mir schnell antworten kannst.

Ganz viele, liebe und weihnachtliche Grüße,
deine Nina.

P.S.: Schimpf nicht immer so viel über deinen kleinen Bruder. Der ist bestimmt auch irgendwann mal ganz lieb und nett zu dir.

(c) 2016, Marco Wittler

524. Apfelernte (Hallo Oma Fanny 25)

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich schreibe dir dieses Mal über etwas ganz Unglaubliches, das ich heute erlebt habe.
Unser Apfelbaum hat an jedem Ast ganz viele Äpfel hängen, die rot leuchten und reif sind. Vor ein paar Tagen hat Papa gesagt, dass wir sie am Wochenende ernten. Das erste Mal, dass ich helfen darf.
Am nächsten Morgen haben wir uns aber gewundert, weil schon viele Äpfel fehlten. Komische Sache. Jeden Tag waren mehr von ihnen weg.
Ich war mir sofort sicher, dass die Äpfel weggelaufen sind. Sie wollten bestimmt nicht gegessen werden. Aber Papa hielt das für Blödsinn. Er hatte einen Dieb im Verdacht.
Gestern Abend habe ich mich dann auf die Lauer gelegt. Statt zu schlafen, bin ich im Dunkeln noch einmal aufgestanden und habe eine Weile aus dem Fenster geschaut.
Zuerst passierte nichts. Doch dann sah ich plötzlich, dass ein Apfel nach dem anderen auf die Wiese fiel. Dort blieben sie aber nicht liegen. Sie liefen nämlich auf ganz kleinen Beinchen zur Straße rüber.
Sofort bin ich zu Papa gelaufen, um ihn zu holen. Er wollte mir kein Wort glauben, sah dann aber trotzdem einmal nach. Ihm wären fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Er musste mir Recht geben.
Sofort nahm er mich an der Hand und zog mich mit in den Keller. Wir holten ein paar Säcke und schlichen uns zum Straßenrand. Wir mussten dann nur noch warten, bis uns die Äpfel in die Säcke liefen. Wir haben sie fast alle einfangen können. Das war richtig aufregend und hat viel Spaß gemacht.
Du bekommst also diesen Herbst auf jeden Fall Mamas leckeren Apfelkuchen, wenn du uns wieder besuchst.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2015, Marco Wittler

506. Briefe aus dem Kindergarten

Briefe aus dem Kindergarten

Mama saß am Schreibtisch, hatte ein paar Blätter Papier vor sich liegen und schrieb mit ihrem teuren Füller darauf.
»Mama, was machst du da?« wollte ihr kleiner Sohn Max wissen.
»Ich schreibe einen Brief an meine Freundin.« antwortete sie und hielt ihm die beschriebenen Seiten vor die Nase.
»Ui, sind das viele Wörter.« staunte Max mit großen Augen. »Aber die kann ich gar nicht lesen.«
Mama lachte. »Du bist ja auch noch im Kindergarten. Das Lesen lernst du, wenn du in die Schule gehst.«
Max sah sich noch einmal den Brief an.
»Ich will auch einen Brief schreiben. An meinem besten Freund Leon aus dem Kindergarten.«
Mama seufzte. »Aber wie willst du das denn machen? Ihr könnt doch Beide noch nicht lesen.«
»Das geht auch ohne Buchstaben.« entschied Max, schnappte sich ein paar leere Blätter und verschwand mit seinen Buntstiften im Kinderzimmer.

Nach einer halben Stunde kam er stolz grinsend zurück und präsentierte seinen Brief.
»Ich bin schon fertig.«
Auf den Blättern hatte er ganz viele, kleine Bildchen gemalt. Grinsende Gesichter, Regentropfen, Autos, eine Rutsche, Häuser und noch vieles mehr.
»Schöne Bilder hast du Leon gemalt. Die werden ihm bestimmt gefallen.« lobte Mama.
»Das ist aber keine normalen Bilder.«
Max machte ein strenges Gesicht, wie er es schon oft bei Mama gesehen hatte.
»Das ist ein Bilderbrief. Wenn Leon sie sich ansieht, weiß er genau, was ich ihm schreiben wollte.«
»Ganz bestimmt.« antwortete Mama, glaubte aber trotzdem nicht, dass man sich mit Bildern schreiben konnte.

Drei Tage später lag ein Umschlag im Briefkasten. Auf ihm stand Leons Name.
»Das ist bestimmt die Antwort von Leon.« freute sich Max. »Er hat mir gestern im Kindergarten erzählt, dass er mir geschrieben hat.«
Dann wurde der Umschlag aufgerissen und die Seiten heraus geholt.
»Siehst du, er hat mir auch Bilder gemalt.« präsentierte Max den Brief Mama, die dort aber nur ein paar bunte Bildchen sah. Da waren grinsende Gesichter, Regentropfen, Autos, eine Rutsche, Häuser und noch vieles mehr.
»Also ich kann da gar nichts lesen.« gab sie verzweifelt auf.
»Aber Mama. Das ist doch ganz einfach.«
Max zeigte auf die ersten zwei Bilder, ein lachendes Gesicht und ein Briefumschlag. »Leon hat sich sehr gefreut, dass ich ihm einen Brief geschickt habe.«
Der Finger wanderte weiter auf ein Strichmännchen mit Briefumschlag und einem Kasten, der in einem Baum steckte.
»Er hat meinen Brief mit in sein Baumhaus genommen und ihn dort gelesen. Seine Mama brachte ihm noch einen Teller mit leckeren Keksen und einer Tasse heißem Kakao.«
Bild für Bild las Max den Brief vor. Bei keinem einzigen Bild musste er überlegen, was es bedeuten konnte. Es war für ihn, als hätte jemand richtige Wörter benutzt. Mama konnte nur noch staunen. Damit hätte sie nie gerechnet.

(c) 2015, Marco Wittler

450. Hallo lieber Weihnachtsmann (Hallo Oma Fanny 23)

Hallo lieber Weihnachtsmann

Hallo lieber Weihnachtsmann.

Ich bin es, der Noah. Du erinnerst dich bestimmt noch vom letzten Jahr an mich. Ich hatte mir einen Roller von dir gewünscht. Für den will ich mich jetzt bedanken. Der ist echt klasse. Ich bin den ganzen Sommer damit unsere Straße hinunter geflitzt. Mama verdreht jedes Mal die Augen, wenn sie sieht, dass ich ihn aus dem Keller hole. Sie ermahnt mich immer, dass ich auf die Autos aufpassen soll, damit mich niemand überfährt. Ich habe eine tolle Mama, meinst du nicht auch?
Sie achtet immer auf mich, zeigt mir, wie man sich richtig anzieht und sagt mir Bescheid, wenn ich mir nach dem Essen den Mund waschen muss. Na ja, eigentlich muss sie sich meinen Mund gar nicht anschauen, weil er immer schmutzig ist. Aber dafür bleiben meine Anziehsachen meistens sauber. Das habe ich schon gelernt. Nur bei Nudeln mit Tomatensoße schaffe ich das einfach nicht. Passiert dir das auch mit deinem langen, weißen Bart?
Dieses Jahr habe ich mir überlegt, dir keinen Wunschzettel für mich zu schreiben. Ich war schon das ganze Jahr über artig, aber wenn in deinem goldenen Buch steht, was ich alles angestellt habe, dann weißt du bestimmt auch, was ich mir von dir wünsche.
Deswegen habe ich mir für dieses Jahr etwas ganz Besonderes überlegt. Ich möchte mir etwas für meine Mama wünschen. Fast jeden Tag steht sie vor mir, fasst sich an den Kopf und schüttelt ihn. Dann sagt sie, dass sie dringend ein paar neue Nerven gebrauchen kann. Deswegen möchte ich dich bitten ihr welche zu besorgen, denn sie weiß wohl nicht, wo man welche bekommen kann.

Lieber Weihnachtsmann, ich werde dir dann im nächsten Jahr wieder schreiben und dir berichten, ob Mama die neuen Nerven gefallen haben.

Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler

449. Ein Specht im Garten (Hallo Oma Fanny 22)

Ein Specht im Garten

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich möchte dir heute etwas von unserem neuen Nachbarn berichten. Du denkst jetzt bestimmt, dass jemand im Haus nebenan eingezogen ist, aber das ist falsch. Unser Nachbar lebt draußen auf dem Ast unseres Kirschbaums. Er hat Federn, ist kunterbunt und hat einen langen Schnabel. Er ist nämlich ein Specht.
Ich habe ihn vor ein paar Tagen entdeckt. Immer wieder hörte ich ein seltsames Geräusch. ‚Ratata ratata ratata‘ machte es. Morgens, mittags, abends. Es hört gar nicht mehr auf. Also begann ich zu suchen und entdeckte den Specht.
Immer wieder hämmert er kräftig mit seinem spitzen Schnabel gegen den Baumstamm und pickt ein tiefes Loch in das Holz hinein.
Papa hat mir erklärt, dass er sich eine Höhle für sein Nest baut. Ich fand das richtig toll. In so einer Höhle kann man sich bestimmt gut verstecken. Also wollte ich auch eine für mich haben.
Ich lief schnell in mein Kinderzimmer, suchte einen spitzen Bleistift und ging damit in den Garten. Ich suchte mir den dicksten Baum aus, nahm den Stift zwischen die Zähne und klopfte damit so schnell ich konnte auf den Baum. Aber irgendwie wollte da kein Loch entstehen. Egal, wie viel Mühe ich mir auch gab, es funktionierte nicht.
Also probierte ich es noch mit meiner Nase aus. Doch das brachte auch nichts. Am Ende gab ich enttäuscht auf. Außerdem hatte ich Kopfweh bekommen. Mama sagte nachher, dass meinen Kopf nicht so oft gegen den Baum hätte schlagen sollen, aber das wusste ich mittlerweile selbst.
Ich ging zurück in mein Kinderzimmer, baute mir eine Höhle aus meinen Decken und verkroch mich für den Rest des Tagen darin.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler

448. Mein neuer Freund (Hallo Oma Fanny 21)

Mein neuer Freund

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Heute möchte ich dir von einem Jungen berichten, der neu in meiner Schulklasse ist. Sein Name ist Fabio und kann nicht gut hören. Deswegen trägt er in jedem Ohr ein Hörgerät. Unsere Lehrerin benutzt ein Funkgerät, damit er alles richtig versteht.
Die anderen Kinder ärgern Fabio deswegen immer und beleidigen ihn ständig. Aber ich finde ihn nett und habe mich deswegen auch neben ihn gesetzt. Seitdem machen wir viele lustige Sachen und noch mehr Blödsinn. Wir sind ganz schnell dicke Freunde geworden, was die anderen nur komisch fanden.
Heute haben wir dann ein lustiges Spiel in der Schule gespielt. Es war eine Mischung aus Fangen und Verstecken. Wir wurden in mehrere Gruppen aufgeteilt. Fabio und ich wurden ein Team. Es wollte niemand anderes mit ihm zusammen spielen. Und das war dann auch unser großer Vorteil.
Fabio gab mir sein kleines Funkgerät. Dadurch konnten wir uns ganz weit voneinander getrennt verstecken. Übe Funk hab ich ihm dann alles sagen können, ohne dass irgendwer etwas davon mitbekommen hat.
Mit diesem coolen Trick haben wir jede Runde gewonnen und alle anderen Kinder gefunden und gefangen.
Und nun will jeder aus meiner Klasse beim nächsten Mal mit Fabio spielen.
Aber wir sind jetzt so dicke Freunde, dass wir uns beim Spielen auf keinen Fall mehr trennen wollen.
Trotzdem ist es schön, dass nun auch alle anderen Schüler mit Fabio befreundet sein wollen.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich er jetzt ist. Und freue mich mit ihm.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler

447. Löcher in den Zähnen (Hallo Oma Fanny 20)

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Heute ist Mama mit mir zum Zahnarzt gefahren. Sie sagte, ich würde meine Zähne nicht ordentlich genug putzen. Da wären bestimmt ganz viel Karies und Löcher drin, die der Doktor wieder flicken müsste.
Ich hatte natürlich ganz viel Angst, denn meine Schwester hat mir erzählt, dass die Karies mit einem großen Bohrer raus gemacht würde.
Ich hab die ganze Zeit überlegt, wie ich mich drücken konnte, aber es fiel mir nichts Gescheites ein. Den großen Pappkarton in meinem Kleiderschrank kannte Mama leider schon.
Am Nachmittag fuhren wir los. Eine halbe Stunde später saß ich dann auch schon im Behandlungsstuhl. Mir konnte man die Angst richtig ansehen. Aber dann kam der Zahnarzt rein und begrüßte mich ganz nett. Er fuhr mich mit dem Stuhl ein paar Mal rauf und runter. Das war richtig lustig und fühlte sich wie ein Karussell an. Da verschwand die Angst dann von ganz allein.
Also hab ich dann meinen Mund aufgemacht und den Doktor da rein schauen lassen. Und nun rate mal, was er da gefunden hat. Richtig. Nichts. Gar nichts. Keine Karies und keine Löcher. Es war alles in Ordnung.
Als nächstes kam dann Mama an die Reihe. Sie legte sich hin und öffnete grinsend ihren Mund. Sie hatte mir schon vorher erzählt, dass sie ganz gesunde Zähne hat. Aber plötzlich wurde sie bleich, denn der Zahnarzt tippte mit seinem kleinen Spiegel auf einen ihrer Zähne. Er hatte doch Karies und ein Loch gefunden.
Nun wurde bei Mama gebohrt und repariert. Das lag bestimmt daran, dass sie abends immer so viel Weingummi und Schokolade nascht.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittle

446. Durchfall (Hallo Oma Fanny 19)

Durchfall

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich hatte heute ein unglaublich peinliches Erlebnis, von dem ich dir unbedingt berichten muss.
Ich war heute Morgen in der Schule und hatte gerade Mathematik, als ich plötzlich ein komisches Gefühl im Bauch bekam. Es blubberte darin und tat dann weh. Durchfall. Oh je.
Ich ging also zur Toilette. Und das nicht nur einmal. Während des Unterrichts musste ich ganze vier Mal raus, weil ich mir nicht in die Hosen machen wollte.
Die anderen Kinder meiner Klasse sahen mich jedes Mal komisch an. Die einen waren sauer, weil ich einfach in den Schulstunden weg war und nicht zuhören brauchte. Die anderen machten sich wohl lustig über mich und kicherten ständig.
Als ich dann nach dem vierten Mal zurück in den Unterricht kam, sahen mich alle mich großen Augen an und begannen dann laut zu lachen. Die bekamen sich gar nicht mehr ein. Aber kein einziger von ihnen wollte mir sagen, was los war.
Ich sah schnell an mir herab, aber  der Reißverschluss meiner Hose war zu. Ich hatte mir auch nicht auf die Schuhe gemacht. Alles war so, wie es sein sollte.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich dabei fühlte. Es war so extrem peinlich, dass alle lachten und ich nicht einmal wusste, warum sie es taten. Nicht einmal meine Lehrerin konnte ernst bleiben.
Das Rätsel konnte ich erst lösen, als die Schulglocke läutete. Ich stand auf und wollte meine Tasche packen, als ich auf dem Boden ein ziemlich langes Stück Klopapier entdeckte. Es schien vom Flur zu kommen und endete genau in meiner Hose. Und ich hatte es nicht mal bemerkt.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler

445. In der Badewanne (Hallo Oma Fanny 18)

In der Badewanne

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich wollte gestern etwas Neues ausprobieren. Ich lag nämlich in der Badewanne. Es war es so schön warm, dass ich mir dachte, ich könnte den Rest meines Lebens im Wasser verbringen.
Meine große Schwester fand das gar nicht so toll. Sie wollte sich nämlich schön machen und sich ganz viel Farbe ins Gesicht malen. Dabei darf sie niemand stören. Ständig kam sie rein und wollte mich verscheuchen, aber ich blieb in der Badewanne.
Irgendwann würde ich schon freiwillig heraus kommen, sagte sie. Das Wasser würde nicht ewig warm bleiben.
Doch daran hatte ich auch schon gedacht. Wenn es mir zu kalt wurde, habe ich etwas Wasser abgelassen und dann neues, warmes Wasser einlaufen lassen.
Etwas später erzählte mir meine Schwester, dass einem Schwimmhäute zwischen den Fingern wachsen würden, wenn man zu lange badet. Aber das hielt ich für einen Trick. Sie wollte mir nur Angst machen. Aber darauf fiel ich nicht rein.
Es war so schön in der Wanne, dass ich irgendwann einschlief.
Ich wachte erst wieder auf, als es wieder mal zu kalt geworden war.
Ich machte meine Augen auf und wollte gerade den Wasserhahn aufdrehen, da bekam ich einen riesigen Schreck. Meine Hände sahen plötzlich ganz anders aus. Zwischen meinen Fingern waren tatsächlich Schwimmhäute gewachsen.
Ängstlich sprang ich sofort aus der Badewanne und lief weinend zu Mama, als meine Schwester lachend hinter mir ins Bad lief und die Tür hinter sich abschloss.
Erst da bemerkte ich, dass sie mich hereingelegt hatte. Zwischen meinen Fingern hatte sie ein Klebeband befestigt.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler

444. Mit dem Walkie-Talkie reingelegt (Hallo Oma Fanny 17)

Mit dem Walkie-Talkie reingelegt

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Dieses Jahr habe ich mir zu meinem Geburtstag etwas ganz Besonderes überlegt. Du meinst ein Geschenk? Nein. Stattdessen gab es einen perfekten Plan, um herauszufinden, was ich von den anderen geschenkt bekomme.
An Weihnachten hatte ich zwei Funkgeräte geschenkt bekommen. Mit denen habe ich dann an schönen Tagen immer wieder draußen im Wald gespielt. Aber die Dinger sind auch noch für was anderes gut.
Ich habe mit einem Klebestreifen den Sprechknopf an einem der Geräte fest gemacht, es eingeschaltet und dann im Wohnzimmer unter dem Sofa versteckt. Das andere hab ich dann mit ins Bett genommen. Schon konnte ich alles hören, worüber Mama und Papa geredet haben.
Die meiste Zeit waren sie aber still und haben in den Fernseher geschaut. Zuerst kamen Nachrichten, dann ein komischer Liebesfilm und später dann Boxen für Papa.
Erst danach, als ich schon fast eingeschlafen war, sprachen sie über meinen Geburtstag. Sie waren sich ziemlich schnell einig darüber, mir ein rosa Puppenhaus zu schenken. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schockiert ich war.
Ich hatte mir doch ein cooles, schwarzes Fahrrad mit gelben Streifen gewünscht. Es war zum Heulen. Mit Tränen in den Augen bin ich dann aufgestanden und wollte mich sofort beschweren.
Und nun rate mal, was ich da im Wohnzimmer gesehen habe. Richtig.
Mama und Papa saßen grinsend auf dem Sofa und hatten mein Funkgerät in den Händen. Sie wussten die ganze Zeit, dass ich mithören konnte. Also haben sie mich kräftig hereingelegt.
Jetzt muss ich mich doch noch überraschen lassen, was ich zum Geburtstag geschenkt bekomme.

Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.
Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler