505. Ein richtiges Buch

Ein richtiges Buch

Max saß gelangweilt auf Omas Sofa und sah immer wieder im Kreis die anderen Verwandten an. Wenn er sich doch bloß etwas zum Spielen mitgenommen hatte. Nur zu gern würde er sich jetzt die Zeit mit einem kleinen Computerspiel vertreiben. Stattdessen musste er sich nun den langweiligen Erwachsenenkram anhören.
»Es gibt echt nichts Schlimmeres.« murmelte er vor sich hin und seufzte immer wieder laut.
»Was ist denn mit dir los?« fragte ihn schließlich Mama.
»Ach, nichts. Alles in Ordnung.« antwortete Max.
Doch dann seufzte er weiter.
»Ist wirklich alles bei dir in Ordnung?«
»Ja, wenn ich es doch sage.«
Max wollte einfach nicht zugeben, dass Mama zu Hause Recht gehabt hatte. Sie hatte es gleich geahnt, dass ihr Sohn bei Oma vor Langeweile sterben würde.
»Nimm dir lieber etwas zum Spielen mit.« hatte sie vorgeschlagen.«
»Brauche ich nicht. Mir wird nicht langweilig.« hatte Max geantwortet.
Nun würde er sich lieber auf die Zunge beißen, statt sich seinen Fehler einzugestehen.
In diesem Moment beugte sich Oma zu ihm herüber. »Du langweilst dich doch bestimmt.« stellte sie fest und Max nickte mit hochrotem Kopf. »Soll ich dir ein Buch geben? Ich glaube, ich habe da noch eins im Schrank, das deine Mama früher immer gern gelesen hat.«
Wieder nickte Max. Endlich etwas, mit dem er sich den Rest des Nachmittags vertreiben konnte.
Oma stand auf und ging zur großen Schrankwand. Sie öffnete eine Tür, suchte in allen Regalen, bis sie schließlich fand, was sie suchte.
»Das wird dir gefallen. Davon bin ich fest überzeugt.« Sie drückte Max das schwere Buch in die Hand.
»So ein dickes Buch habe ich noch nie gesehen. Das ist bestimmt schon sehr alt.« seufzte Max. »Hoffentlich funktioniert es noch. Ist der Akku auch voll genug?«
Er legte sich das Buch auf den Schoß und betrachtete es eine ganze Weile.
»Wilhelm Busch – Die schönsten Geschichten für Kinder.« las er laut vor.
Max tippte mit dem Zeigefinger auf den Buchdeckel und wartete ein paar Sekunden. Als nichts geschah, tippte er noch einmal mit etwas festerem Druck. Aber es tat sich einfach nichts.
Er besah sich das Buch von allen Seiten. Oben und unten, links und rechts, vorne und hinten.
»Wo ist denn der Einschaltknopf? Ich sehe nur den Bildschirmschoner. Kommt man damit auch ins Internet? Kann man damit Spiele spielen?«
Plötzlich begannen alle am Tisch zu lachen. »Das ist doch kein e-Book oder Tablet-Computer.« erklärte Oma, während sie sich ein paar Lachtränen aus dem Gesicht wischte. »Das ist ein richtiges, echtes Buch mit Seiten aus Papier. Da muss man noch selbst umblättern. Ganz ohne Knöpfe und ohne Strom.«
Max war verwirrt. »Umblättern?« Er nahm den Buchdeckel zwischen Zeigefinger und Daumen und klappte ihn auf.
»Tatsächlich. Ein echtes Buch. Wer hätte das gedacht?«
Und schon war er beschäftigt und legte das Buch bis zum Abend nicht mehr aus der Hand.

»Das Buch war viel besser als ein e-Book.« sagte er am Abend während der Heimfahrt. »Da waren sogar Bilder drin. Richtig cool.«

(c) 2015, Marco Wittler

498. Immer nur Regen

Immer nur Regen

»Regen.« murmelte Jonas schlecht gelaunt vor sich hin, während er aus dem Fenster blickte.
»Regen, Regen, Regen. Immer nur Regen. Kann es denn nicht auch mal ein anderes Wetter geben? Ich finde den Herbst richtig blöd.«
Er seufzte laut und ließ die Schultern hängen. Nur zu gern wäre er nach draußen gegangen. Er wollte mit dem Fahrrad durch den Wald fahren, In den Bäumen klettern, Burgen im Sandkasten bauen oder einfach nur faul in der Sonne liegen. Aber das konnte er erst wieder in einem halben Jahr machen.
»Was ist denn mit dir los?« wollte Mama wissen, die gerade den Kopf durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Ich will keinen Herbst. Ich will auch keinen Winter. Ich will einfach nur nach draußen und dort spielen.« antwortete Jonas.
»Was soll ich denn jetzt bis zum Frühling machen? Ich will nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen. Das ist irgendwann auch langweilig. Ich will was unternehmen. Ich will spannende Abenteuer erleben. Aber wenn es den ganzen Tag nur regnet, geht das nicht.«
Jonas seufzte ganz laut und kuschelte sich in Mamas Arme.
»Ich hab da eine Idee.« Mama grinste ihn an und zog ihn zum Schreibtisch.
Sie holte ein paar Zettel und Stifte aus einer Schublade.
»Wenn wir keine Abenteuer draußen erleben können, dann machen wir das einfach hier im Haus.«
Sie nahm einen Bleistift und fing an, ein paar Wörter aufzuschreiben.
»Wir erfinden jetzt spannende Abenteuergeschichten. Die schreiben wir auf, setzen uns dann abends mit einer Tasse Tee gemütlich aufs Sofa und erzählen uns dann gegenseitig unsere Ideen. Was hälst du davon?«
Jonas antwortete nicht. Stattdessen schnappte er sich sofort einen Stift und begann zu schreiben.

Ein paar Stunden später, es war draußen bereits dunkel geworden und der Wind peitschte den prasselnden Regen gegen die Fensterscheiben, kam Jonas mit einem großen Stapel Blätter ins Wohnzimmer und setzte sich aufs Sofa. Mama folgte ihm mit einem Tablett. Darauf standen zwei Tassen, eine Kanne Tee und ein Teller mit leckeren Keksen.
»Bist du bereit?« fragte Mama.
Jonas nickte, kuschelte sich an Mama und nahm die erste Geschichte zur Hand.
Nachdem sie sich gegenseitig einige spannende Abenteuer vorgelesen hatten, grinsten sie sich zufrieden an.
»Machen wir das jetzt jeden Abend?« fragte Jonas.
Mama nickte. »Das ist eine prima Idee.

(c) 2014, Marco Wittler

481. Der Aprilscherzmeister

Der Aprilscherzmeister

Nils konnte kaum noch erwarten. Nur noch einmal schlafen, dann war der wichtigste Tag des Jahres. Nein, es war nicht sein Geburtstag. Bis Weihnachten dauerte es auch noch ein paar Monate. Für Morgen stand der 1. April auf dem Kalender.
»Ich werde sie wieder alle reinlegen und auf den Arm nehmen. Denn ich bin der Beste, der Größte. Ich bin der ungeschlagene Aprilscherzmeister.«
Dann lachte er leise vor sich hin und legte sich ins Bett, um von den tollsten Aprilscherzen träumen zu können.

Am nächsten Morgen stand er schon sehr früh auf und dachte noch einmal über alle seine Ideen nach, die er heute ausprobieren wollte.
»Furzkissen? Alter Hut. Zahnpasta unter Türklinken? Nee, das hat jeder schon gemacht. Dieses Jahr wird es ein ganz besonderer Scherz, der alles andere in den Schatten stellen wird.«
Nils zog sich an und ging in die Küche. Am Tisch saßen bereits seine Eltern und seine Schwester. Sie alle schienen sehr schlechte Laune zu haben. Niemand sprach ein Wort, niemand lächelte. Sie sahen alle aus, als wären ihnen eine dicke fette Laus über die Leber gelaufen. Als sie Nils entdeckten, schien die Laune noch schlechter zu werden.
»Keine Aprilscherze heute. Ich habe da einfach keine Lust mehr drauf.« beschwerte sich Papa.
»Versuch es erst gar nicht oder du bekommst zwei Wochen Stubenarrest.« warnte Mama.
»An mich brauchst du gar nicht erst zu denken.« funkelte ihn seine Schwester Anna an. »Meine Freunde lachen mich jetzt noch aus, wenn sie an letztes Jahr denken.«
Nils ließ die Schultern hängen.
»Keine Aprilscherze mehr? Wollt ihr, dass ich sterbe? Ihr wisst, dass das der wichtigste Tag des ganzen Jahres für mich ist. Das könnt ihr mir doch nicht antun.
»Keine Scherze.« brummten ihm die anderen gleichzeitig entgegen.
»Das ist so gemein.«
Betrübt setzte er sich an den Küchentisch und nagte lustlos an seinem Frühstücksbrot.
»Auch nicht ein ganz, ganz kleiner?«
»Keine Scherze!«

Es klingelte zur ersten Schulstunde. Nils ließ bereits seine Schultern hängen. Alle Klassenkameraden hatten ihm bereits sehr deutlich erklärt, dass sie keine Lust auf seine Aprilscherze hatten. Niemand wollte geärgert und auf den Arm genommen werden.
»Veräppeln können wir uns alleine. Dafür brauchen wir dich nicht.«
»Darf ich wenigstens ein Furzkissen verstecken?« Doch auch das wurde ihm verboten.
In diesem Moment kam die Klassenlehrerin herein. Sie warf Nils einen bösen Blick zu. »Vergiss es gleich wieder. Ich mache das dieses Jahr nicht noch einmal mit. Ich lasse mich nicht von dir zum Gespött der ganzen Schule machen. Wenn du also schon wieder etwas ausgeheckt hast, dann solltest du es auf der Stelle entfernen, sonst werde ich dich von der Schule verweisen lassen und ein ernstes Gespräch mit deinen Eltern führen.«
Wie war das? Ein Schulverweis? Für einen harmlosen Aprilscherz? Nils fehlten die Worte. Das durfte einfach nicht wahr sein. Er fühlte sich, als würde er in ein ganz tiefes Loch stürzen. Der schönste, coolste, beste, tollste Tag des Jahres war zerstört. Niemand wollte, dass er heute Spaß hatte. Das war unfair, fies, gemein, böse, … Ihm fehlten einfach die richtigen Worte, seine Enttäuschung richtig auszudrücken.

Am Abend war Nils völlig niedergeschlagen. Seine Laune war im tiefsten Keller angekommen. Es gab nichts mehr, worauf er sich nun in den nächsten dreihundertfünfundsechzig Tagen freuen konnte. 1. April? Den konnte er nun aus seinem Kalender streichen. Ach, wenn der Tag doch bloß schon vorbei wäre.
Er zog sich seinen Schlafanzug über und krabbelte ins Bett, als es noch einmal an seiner Tür klopfte.
Da standen sie alle plötzlich in der Tür. Mama, Papa und Anna. Sie alle grinsten.
»April, April. Wir haben dich reingelegt. Die Aprilscherze waren gar nicht verboten. Wir wollten dich damit nur mal von deinen Scherzen abhalten.«
Sie lachten und hielten sich dabei die wackelten Bäuche.
»Ach, und da will dich noch jemand sprechen.« Mama hielt ihm ihr Handy hin. Nils nahm es verwirrt entgegen.
»April, April.« rief seine Lehrerin.
»Ich hab dich voll dran gekriegt. Aprilscherze kann man doch gar nicht verbieten. Und alle Kinder aus deiner Klasse haben mitgemacht. Wer ist jetzt der Aprilscherzmeister?«
Nils musste ich lange nachdenken. »Das bin immer noch ich. Schauen mal in ihr Federmäppchen.«
Er legte auf und grinste seine Familie an. »Und ihr schaut mal unter eure Bettdecken. Da werdet ihr alle das Gleiche finden, wie meine Klassenlehrerin.«
Damit legte er sich grinsend unter seine Bettdecke und wünschte eine gute Nacht. Er konnte sich bereits sehr gut vorstellen, wie die anderen reagieren würden, wenn sie seinen kurzen Brief lasen. In dicken, fetten Buchstaben stand dort geschrieben:

Ich bin und bleibe der Aprilscherzmeister. Mich nimmt niemand auf den Arm. Ich euch aber schon. Ich habe die ganze Zeit gewusst, dass ihr mich veräppelt. Deswegen habe ich auch mitgespielt, damit ihr denkt, es kränkt mich. Aber darauf seit ihr prima reingefallen.

(c) 2014, Marco Wittler

477. Der Schlafwandler

Der Schlafwandler

Tom saß mit seinen Eltern auf dem Sofa und sah sich einen Bericht im Fernsehen an. Es wurde gerade über Schlafwandler gesprochen.
»Sollte jemand in ihrer Familie schlafwandeln, dann wecken sie ihn bitte nicht auf. Im Ernstfall könnte sich diese Person erschrecken, weil sie feststellen muss, dass sie gar nicht mehr im Bett liegt.«
Tom sprang sofort grinsend auf.
»Die reden da von mir. Ich bin nämlich auch ein Schlafwandler. Ich stehe fast jede Nacht auf und wandere durch unser Haus. Manchmal werde ich dabei wach und wundere mich, wo ich gerade bin.«
Dann lief er in sein Kinderzimmer und machte sich zum Schlafen fertig.

Mitten in der Nacht, Mama war gerade zur Toilette gegangen, da hörte sie ein Geräusch in der Küche. Neugierig schlich sie sich nach unten und sah nach. Sie entdeckte Tom, der gerade ein paar Süßigkeiten aus dem Schrank holen wollte.
»Ich bin ein Schlafwandler.« flüsterte er langsam, ohne die Augen zu öffnen.
»Mich darf man nicht aufwecken, sonst erschrecke ich mich und falle vielleicht tot um.«
Dann griff er zur Schokolade und wollte sich gerade ein Stück davon in den Mund stecken, als Mama ihn an die Hand nahm.
»Dann bringe ich dich mal lieber schnell zurück ins Bett, damit dir nichts Schlimmes passiert. Das haben sie nämlich im Fernsehen empfohlen.«
Tom seufzte leise und lies sich in sein Zimmer führen. Der Trick mit dem Schlafwandeln hatte nicht so gut funktioniert, wie er gehofft hatte.
Nach ein paar Minuten, hörte er noch einmal Mamas Stimme aus der Küche.
»Schau an, du bist also auch zum Schlafwandler geworden? Dann muss ich dich wohl auch ins Schlafzimmer zurückbringen.«
Jetzt musste Tom lachen. Papa war wohl auf die gleiche Idee gekommen.

(c) 2014, Marco Wittler

476. Papa ist so schwach

Papa ist so schwach

Papa seufzte, als er die Tür des Kofferraums öffnete und einen Blick hinein warf. Die Einkaufstüten, die er dort sah, gefielen ihm gar nicht.
»Das sieht alles so verdammt schwer aus. Das schaffe ich nicht alleine. Keine Chance.«
»Ist schon gut. Ich hole Mama. Sie wird dir bestimmt helfen.« sagte seine kleine Tochter Leni.

Ein paar Stunden später, die Waschmaschine war gerade fertig geworden, stand Papa im Keller vor dem vollen Wäschekorb.
»Der muss jetzt nach oben? Der sieht aber besonders schwer aus. Ob ich das überhaupt allein schaffe?«
Aber da kam schon Mama die Treppe herunter und packte mit an.
»Ich kann dich doch nicht alleine schuften lassen, du armer, schwacher Mann.«

Am Abend, die Kinder waren gerade ins Bett verschwunden, legte Papa seine große Turnmatte in sein Arbeitszimmer. Es war Zeit für seinen täglichen Sport.
»Was machst du denn da?« wollte Leni wissen, die noch einmal zur Toilette gehen wollte.
»Ich übe mit meinen Gewichten und Hanteln, damit ich fit und sportlich bleibe.« erklärte Papa stolz.
»Siehst du, wie gut ich das kann?«
Leni schüttelte den Kopf.
»Dann kannst du auch den schweren Einkauf und die Wäsche allein tragen und der Mama mehr helfen.«
Papa schluckte und wurde rot im Gesicht. Er war ertappt worden.

(c) 2014, Marco Wittler

475. Papa macht Diät

Papa macht Diät

Als Papa aus dem Bett kam, war er schon sehr aufgeregt. Heute waren es genau vier Wochen her, dass er eine Diät begonnen hatte.
»Mein dicker Bauch muss weg. Ich bin viel zu schwer.« hatte er am ersten Tag seiner Familie verkündet.
»Von jetzt an beginnt für mich ein ganz neues Leben. Keine Süßigkeiten mehr, kein Bier, kein fettes Fleisch.«
Und dann war jeder Tag für ihn wie eine Qual. Papa musste zusehen, wie Mama und die Kinder jeden Tag leckeres Essen auf dem Tisch hatten und sich regelmäßig Chips und Gummibärchen aßen. Papa musste sich zurückhalten. Ständig knurrte sein Magen und die Laune wurde auch immer schlechter.
Der Sport im Fitnessstudio war auch unglaublich anstrengend. Laufen, Gewichte stemmen und auf unzähligen Sportgeräten schwitzen. Jedes Mal hatte er Muskelkater, war kaputt und fiel abends nur noch ins Bett.
Aber nun, nach vier langen und harten Wochen, durfte er sich endlich wieder auf die Waage stellen. Mama und die Kinder standen um ihn herum. Vorsichtig und mit fest verschlossenen Augen, setzte Papa einen Fuß nach dem anderen auf die Waage.
»Prima, Papa.« rief seine Tochter.
Papa öffnete die Augen und sah nach unten. Vor seinen Zehen zeigte das Display in großen Zahlen an, dass er tatsächlich etwas abgenommen hatte.
»Juhuu. Drei Kilo weniger. Das ist ja umwerfend.« freute er sich.
»Das muss sofort gefeiert werden.«
Er lief in die Küche, öffnete einen der Schränke und holte eine Tüte Weingummi darauf hervor. Er riss sie auf, stopfte sich eine Handvoll Gummibärchen in den Mund und schmatzte glücklich.
»Jetzt darf ich endlich wieder naschen.«
»Und wieder dicker werden.« seufzte Mama, als sie ihm die Tüte aus der Hand nahm.
»Du wolltest doch noch mehr abnehmen, oder?«
Papa nickte seufzend und beobachtete neidisch seine Kinder, die sich nun über die Gummibärchen freuten.
»Aber wenn ich mit der Diät fertig bin, will ich wieder naschen.« sagte Papa voller Vorfreude.

(c) 2014, Marco Wittler

472. Ich mache jetzt mehr Sport

Ich mache jetzt mehr Sport

Max saß vor dem Fernseher und sah sich ein Fußballspiel an.
»Was ist denn das?« fragte Papa neugierig. »Ist doch gerade Winterpause. Da gibt es doch keine Bundesliga.«
Max lachte.
»Das ist ein Testspiel. Die bereiten sich schon mal für die Rückrunde vor.«
Er sah zum Fernseher, dann auf seinen Bauch und noch ein paar Mal hin und her.
»Die Spieler sehen ganz schön fit aus. Die haben nicht so einen dicken Bauch wie ich. Ich glaube, ich sollte mehr Sport machen. Das wäre doch ein guter Vorsatz für das neue Jahr.«
Papa begann zu strahlen.
»Hey, das ist eine ganz tolle Idee. Du kannst ja Morgen mit mir Joggen gehen. Ich habe mir nämlich auch vorgenommen, etwas abzunehmen. Laufen macht Spaß, ist gut für die Kondition und schlank macht es auch noch. Dann könntest du auch bei einem Fußballspiel so lange durchhalten, wie die Spieler dort.«
Max dachte kurz nach. Laufen? Er? Ob das wirklich so eine gute Idee sein konnte? Andererseits wollte er schon lange seinen Bauch loswerden und so sportlich aussehen, wie die anderen Jungs in seiner Klasse.
»In Ordnung. Ich bin dabei.«

Am nächsten Tag machten sich Max und Papa nach dem Frühstück auf den Weg in den nahen Wald. Sie hatten sich beide schicke Sportsachen gekauft und sahen unheimlich sportlich und motiviert aus.
»Los geht’s.« rief Papa und spurtete los.
»Das macht ja wirklich Spaß.« war Max begeistert.
Allerdings ließ die Freude sehr schnell nach. Die beiden begannen sehr schnell in der kühlen Januarluft zu frieren.
»Ich dachte immer, dass man beim Sport schwitzt.« beschwerte sich Max. »Davon merke ich aber gar nichts. Außerdem bin ich schon völlig aus der Puste. Können wir mal eine Pause machen?«
Papa keuchte mittlerweile auch schon sehr laut. Sie blieben stehen, setzten sich auf einen Baumstamm und atmeten kräftig durch.
»Pause machen ist schon in Ordnung.« erklärte Papa. »Wir sind ja auch schon weit gekommen.«
Sie sahen den Waldweg zurück und wunderten sich. Ihr Haus war gerade einmal zweihundert Meter entfernt.
»Puh, Laufen ist echt anstrengend.« wischte sich Max den Schweiß von der Stirn.
»Gehen wir zurück?« fragte Papa.
Und schon standen sie auf und machten sich auf den kurzen Rückweg.
»Vielleicht schaffen wir Morgen etwas mehr.«

Am nächsten Morgen suchte Max nach Papa. Sie wollten doch zusammen joggen gehen. Wo war er bloß? Max suchte das ganze Haus ab, bis er Papa schließlich in seinem Arbeitszimmer am Computer fand.
»Was machst du denn da?« wollte Max wissen.
»Ich?«
Papa fühlte sich erwischt.
»Ich habe mir einen neuen Sport gesucht.«
Und da sah Max, dass Papa am Computer Fußball spielte.
»Ist auch nicht ganz so anstrengend.« lachte Max und setzte sich dazu.
»Joggen gehen wir aber trotzdem noch. Ich will meinen Bauch loswerden.«
Papa nickte und seufzte laut.

(c) 2014, Marco Wittler

470. Gute Vorsätze für das neue Jahr

Gute Vorsätze für das neue Jahr

Die Silvesterparty und die darauf folgende Nacht waren vorbei. Nach einem langen und tiefen Schlaf war Mia aufgewacht und hatte sich zu ihrer Familie ab den Frühstückstisch gesetzt. Vor ihr standen aufgebackene Brötchen, Wurst und Käse, ein paar Gläser Marmelade, Cornflakes und Müsli und natürlich eine riesige Tasse Milchkaffee für Mama.
»Habt ihr euch denn schon ein paar gute Vorsätze für das neue Jahr gemacht?« fragte Papa schmatzend seine Familie.
»Also ich möchte mehr Zeit mit euch verbringen und endlich mal die Wand im Wohnzimmer tapezieren. Das will ich schon seit Monaten machen.«
»Außerdem solltest du dir noch vornehmen, beim Essen nicht mehr so oft mit vollem Mund zu reden« schlug Mama lachend vor.
»Ich möchte dieses Jahr mehr Sport machen, etwas abnehmen und einen flacheren Bauch bekommen, damit ich im Sommerurlaub einen Bikini tragen kann.« erzählte Mama.
Patrick, Mias großer Bruder, legte sein Salamibrötchen auf sein Frühstücksbrett und räusperte sich verlegen.
»Ich möchte mir dieses Jahr mehr Mühe in der Schule und beim Lernen geben, damit ich nicht sitzen bleibe. Meine Noten müssen unbedingt besser werden.«
Mama nickte zustimmend.
»Und was ist mit dir Mäuschen?«
Mia richtete sich auf und legte ihren Löffel in die  Müslischale.
»Ich habe mir auch was Tolles vorgenommen. Ich werde jetzt jeden Tag mein Zimmer aufräumen. Wenn ich abends ins Bett gehe, wird alles ordentlich sein.«
»Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.« lachte Mama.

Am Abend war Mama richtig neugierig. Sie konnte es kaum erwarten, einen Blick in Mias Kinderzimmer zu werfen. Nach dem Essen ging sie Treppe hinauf, klopfte an Mias Tür und ging hinein.
Tatsächlich war alles perfekt aufgeräumt. Nirgendwo lag Spielzeug.
»Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen könnte.«
Mama war begeistert. Sie holte ein Märchenbuch aus dem Regal und setzte sich auf den Bettrand.
»Moment mal. Was ist denn das?« wunderte sie sich.
Die Bettdecke sah mehr als seltsam aus. Überall waren große und kleine Beulen.
»Was ist denn das?« fragte Mama verwirrt und hob die Decke an.
Um Mia herum lagen unzählige Spielzeuge. Das ganze Bett war voll. Die Matratze war nicht mehr zu sehen.
»Wolltest du dein Zimmer nicht ordentlich aufräumen? Wie war das noch mit deinem guten Vorsatz für das neue Jahr?«
Mia grinste von einem Ohr zum anderen.
»Mein Zimmer ist doch aufgeräumt. Alles sauber. Ich hab ja nicht gesagt, wo ich meine Sachen hinräume. Ins Bett ging halt besonders schnell.«
Mama musste lachen.
»Deine Idee ist toll. Aber so kann man leider nicht schlafen. Ich helfe dir, die Sachen auf den Boden zu legen und dann wird geschlafen. Ab Morgen wird dann richtig aufgeräumt, in Ordnung?«
Mia war einverstanden.

(c) 2014, Marco Wittler

461. Omas großes Herz

Omas großes Herz

Marco stand im Kindergarten vor seinen Freunden und erzählte gerade von seiner Oma.
»Meine Oma ist die allerbeste Oma. Sie hat nämlich das größte Herz der ganzen Welt.«
Die anderen Kinder lachten zuerst. Doch dann wollten sie Marco überbieten.
»Das kann gar nicht sein, denn meine Oma hat sieben Kinder und sechzehn Enkel. Für so viele Verwandte braucht man ein ganz besonders großes Herz.«, erklärte Max mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
»Eure Omas haben vielleicht ein großes Herz, aber das größte von allen hat meine Oma.«, war sich Hannah sicher.
»Sie hilft armen Menschen und spendet jeden Sonntag Geld in der Kirche. Ein größeres Herz kann es gar nicht geben.«
So ging es eine ganze Weile weiter. Ein Kind nach dem anderen berichtete davon, wie groß die Herzen ihrer Omas waren.
Irgendwann war der Kindergarten vorbei. Die Jungen und Mädchen wurden von ihrem Müttern abgeholt. Gemeinsam gingen sie die Straße entlang.
»Gleich sind wir da.«, rief Marco den anderen Kindern zu.
»Hinter der nächsten Ecke ist das Haus von meiner Oma. Dann zeige ich euch, dass ich Recht hatte. Sie hat wirklich das größte Herz der Welt.«
Nun waren seine Freunde doch neugierig geworden. Sie kamen der Ecke immer näher. Es waren nur noch ein paar Meter. Sie bogen nach rechts ab und gingen noch ein paar Schritte bis zum Ende einer Hecke. Dort sahen sie es dann alle mit ihren eigenen Augen.
»Das ist ja der Oberhammer.«, staunte Max.
»Megacool.«, fand Hannah.
»Ich hab es euch doch die ganze Zeit gesagt.«, freute sich Marco nun und grinste von einem Ohr zum anderen.
»Meine Oma hat das größte Herz der ganzen Welt.«
Dann zeigte er immer wieder auf das große Herz, das vom Boden bis zum Dach auf die Hauswand gemalt worden war.

(c) 2013, Marco Wittler

459. Kaufen und Verkaufen

Kaufen und Verkaufen

»Dann bring mir mal den Karton mit deinen Sammelkarten.«, sagte Papa zu seinem Sohn Jonas.
Jonas kam mit einem großen Pappkarton ins Wohnzimmer und präsentierte stolz seinen Schatz.
»Das sind alles doppelte Karten.«, erklärte er.
»Die brauche ich also nicht mehr. Du kannst sie für mich verkaufen. Vom den Geld kaufe ich mir dann neue Karten, die ich noch nicht habe.«
Papa stellte den Karton auf das Sofa. Er nahm seine Fotokamera, und machte ein Bild von den vielen Karten.
»Ob ich das Geld sofort dafür bekomme? Ich freue mich doch schon auf neue Karten?«, wurde Jonas ganz ungeduldig.
»Wer weiß.«, antwortete Papa.
»Wenn sich sofort jemand dafür findet, geht das ganz schnell. Ansonsten musst du ein paar Tage warten.«
Jonas flitzte aus dem Wohnzimmer.
»Ich lauf zu Mama ins Arbeitszimmer. Dann kann ich mit ihr zusammen schon mal nach neuen Karten schauen.«
Papa grinste. So schnell würde es bestimmt nicht gehen. Dann griff er zu Maus und Tastatur und stellte die Sammelkarten ins Internet.
Zu seiner Verwunderung dauerte es nur wenige Sekunden, bis ein Käufer die Karten gefunden und gekauft hatte.
»Huch. Das ging ja schnell. Wer hätte das gedacht.«
In diesem Moment kam Jonas wieder zurück. Er grinste von einem Ohr zum anderen.
»Mensch, Papa. Das wirst du mir niemals glauben. Mama und ich haben einen ganzen Pappkarton voller Sammelkarten gefunden und gekauft. Das war richtig lustig, denn der Verkäufer hat das gleiche Sofa wie wir. Man erkennt es auf dem Foto, dass er von den Karten gemacht hat.«
Jonas war die Freude richtig anzusehen.
»Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis ich die Karten endlich bei mir habe.«
Papa seufzte und drückte Jonas seinen alten Pappkarton in die Hände.
»Hier. Bitteschön. Du hast gerade im Internet deine eigenen Karten gekauft.«
Jonas guckte verdutzt. Dann klatschte er sich mit der flachen Hand an die Stirn.
»Oh, nein. Das ist ja eine richtig dumme Sache.«

(c) 2013, Marco Wittler