497. Fußball

Fußball

Die Jungs konnten es nicht mehr erwarten. Schon vor einer gefühlten Ewigkeit hatten sie sich ihre Hosen, Trikots und Schuhe angezogen. Denn heute war der schönste Tag der ganzen Woche: Samstag – Zeit für Fußball.
Nicht nur in den großen Stadien des Landes wurde heute gekickt, sondern auch auf den Ascheplätzen der kleinsten Dörfer.
»Ich schieße heute bestimmt zwanzig Tore.« prahlte Max und grinste breit.
»Keine Chance.« hielt Paul vom gegnerischen Team. »Ich werde sie alle halten. Ihr werdet verlieren.
Gemeinsam betraten sie den Platz. Der Schiedsrichter pfiff das Spiel an und warf den Ball in die Luft. Sofort rannten die Jungs dem runden Leder nach und kickten es hin und her. Immer wieder flog der Ball mal in das eine, mal in das andere Tor. Es wurde gefoult, es wurden Schwalben versucht. Es gab sogar ein paar gelbe Karten, aber das störte niemanden.
Am Ende des Spiel stand es 5:5 unentschieden.
»Man, war das ein tolles Spiel.« war Max begeistert und freute sich bereits auf das nächste Wochenende. »Dann werden wir wieder gewinnen.«
Nur einer war froh, dass das Spiel endlich vorbei war. Dem armen Ball tat es am ganzen Körper weh. »Zum Glück habe ich jetzt eine ganze Woche frei.« schnaufte er erschöpft.

(c) 2014, Marco Wittler

496. Der Fußballfan

Der Fußballfan

Malte stand im Laden und staunte Bauklötze. Beinahe wären ihm die Augen aus dem Kopf gefallen. In jedem Regal standen Dinge mit der deutschen Flagge, mit Fußballspielern und Weltmeisterschaftsbildern.
»Wow.« rief er laut. »Das ist ja der totale Wahnsinn. Das muss ich alles haben.«
Mama sah ihn nur genervt an. »Was willst du denn mit dem ganzen Krempel?«
»Du weißt doch, dass ich Fußballfan bin. Ich muss das alles sammeln. Sonst fehlt was in meiner Sammlung.«
Malte lief von einem Gang in den nächsten. Überall packte er Artikel und Produkte in den Einkaufswagen, ohne zu schauen ober er sie wirklich gebrauchen konnte. Mama packte sie dann nur Sekunden später wieder zurück.

Eine Stunde später waren sie wieder zu Hause. Malte betrachtete begeistert seine Beute. Er besaß jetzt sogar Toilettenpapier in den Farben Schwarz, Rot und Gelb.
»Das kannst du gleich ins Bad bringen.« sagte Mama.
»Bist du verrückt?« beschwerte sich Malte sofort. »Damit wisch ich mir doch nicht den Hintern ab. Das kommt in meinen Schrank, damit es nicht schmutzig wird.«
Mama schüttelte nur den Kopf und seufzte laut.

(c) 2014, Marco Wittler

493. Die Fußballschnecke (Ninos Schneckengeschichten 11)

Die Fußballschnecke

Nino saß auf der Bank und langweilte sich. Jeden Sonntag begab er sich zum Fußballplatz, um seine Mannschaft zu unterstützen, aber bis heute war er noch nicht ein einziges Mal eingewechselt worden. Er war der ewige Ersatzspieler.
»Du bist einfach nicht schnell genug.« hatte der Trainer ihm immer wieder erklärt. Trotzdem wollte Nino nicht aufgeben.
Und so saß er nun auf der Bank und putzte sein Haus, während die anderen Spieler dem Ball nachliefen.
Moment! Er putzt sein Haus? Ja, das tat Nino wirklich. Den Nino war eine Schnecke und hatte sein kleines Haus immer mit dabei.
Das Spiel wurde nun immer spannender. Auf beiden Seiten wurden Tore geschossen. Immer wieder ging eine Mannschaft in Führung und die andere glich wieder aus. Wer würde wohl am Ende gewinnen?
In diesem Moment stieß der gegnerische Stürmer mit dem Torwart aus Ninos Mannschaft zusammen. Beide blieben am Boden liegen und hielten sich die Knie vor Schmerzen.
»Auswechseln!« rief der Trainer laut und sah sich verwirrt um. Es war kein Ersatztorwart da.
»Also gut.« seufzte er. »Schlimmer kann es eh nicht mehr werden. Nino ab ins Tor.«
Die kleine Schnecke glaubte ihren Ohren nicht, machte sich aber sofort auf den Weg zum Spielfeld.
Nino stellte sich ins Tor und freute sich bis über beide Fühler, dass er nun zum ersten Mal in seinem Leben Fußball spielen durfte.
Doch dann musste er sich konzentrieren, denn die gegnerische Mannschaft stürmte nun mit dem Ball auf ihn zu. Nur wenige Meter vor ihm schossen sie und … bekamen den Ball nicht ins Tor.
»Wuhuu!« jubelte der Trainer. »Wuhuu« jubelte auch Nino.
Der Ball war vom Schneckenhaus abgeprallt, mit dem Nino das Tor wunderbar verdeckte.
Am Ende gewann die Mannschaft das Spiel und Nino durfte von diesem Tag an jedes Mal der Torwart sein.

(c) 2014, Marco Wittler

472. Ich mache jetzt mehr Sport

Ich mache jetzt mehr Sport

Max saß vor dem Fernseher und sah sich ein Fußballspiel an.
»Was ist denn das?« fragte Papa neugierig. »Ist doch gerade Winterpause. Da gibt es doch keine Bundesliga.«
Max lachte.
»Das ist ein Testspiel. Die bereiten sich schon mal für die Rückrunde vor.«
Er sah zum Fernseher, dann auf seinen Bauch und noch ein paar Mal hin und her.
»Die Spieler sehen ganz schön fit aus. Die haben nicht so einen dicken Bauch wie ich. Ich glaube, ich sollte mehr Sport machen. Das wäre doch ein guter Vorsatz für das neue Jahr.«
Papa begann zu strahlen.
»Hey, das ist eine ganz tolle Idee. Du kannst ja Morgen mit mir Joggen gehen. Ich habe mir nämlich auch vorgenommen, etwas abzunehmen. Laufen macht Spaß, ist gut für die Kondition und schlank macht es auch noch. Dann könntest du auch bei einem Fußballspiel so lange durchhalten, wie die Spieler dort.«
Max dachte kurz nach. Laufen? Er? Ob das wirklich so eine gute Idee sein konnte? Andererseits wollte er schon lange seinen Bauch loswerden und so sportlich aussehen, wie die anderen Jungs in seiner Klasse.
»In Ordnung. Ich bin dabei.«

Am nächsten Tag machten sich Max und Papa nach dem Frühstück auf den Weg in den nahen Wald. Sie hatten sich beide schicke Sportsachen gekauft und sahen unheimlich sportlich und motiviert aus.
»Los geht’s.« rief Papa und spurtete los.
»Das macht ja wirklich Spaß.« war Max begeistert.
Allerdings ließ die Freude sehr schnell nach. Die beiden begannen sehr schnell in der kühlen Januarluft zu frieren.
»Ich dachte immer, dass man beim Sport schwitzt.« beschwerte sich Max. »Davon merke ich aber gar nichts. Außerdem bin ich schon völlig aus der Puste. Können wir mal eine Pause machen?«
Papa keuchte mittlerweile auch schon sehr laut. Sie blieben stehen, setzten sich auf einen Baumstamm und atmeten kräftig durch.
»Pause machen ist schon in Ordnung.« erklärte Papa. »Wir sind ja auch schon weit gekommen.«
Sie sahen den Waldweg zurück und wunderten sich. Ihr Haus war gerade einmal zweihundert Meter entfernt.
»Puh, Laufen ist echt anstrengend.« wischte sich Max den Schweiß von der Stirn.
»Gehen wir zurück?« fragte Papa.
Und schon standen sie auf und machten sich auf den kurzen Rückweg.
»Vielleicht schaffen wir Morgen etwas mehr.«

Am nächsten Morgen suchte Max nach Papa. Sie wollten doch zusammen joggen gehen. Wo war er bloß? Max suchte das ganze Haus ab, bis er Papa schließlich in seinem Arbeitszimmer am Computer fand.
»Was machst du denn da?« wollte Max wissen.
»Ich?«
Papa fühlte sich erwischt.
»Ich habe mir einen neuen Sport gesucht.«
Und da sah Max, dass Papa am Computer Fußball spielte.
»Ist auch nicht ganz so anstrengend.« lachte Max und setzte sich dazu.
»Joggen gehen wir aber trotzdem noch. Ich will meinen Bauch loswerden.«
Papa nickte und seufzte laut.

(c) 2014, Marco Wittler

383. Der Fußballkater

Der Fußballkater

Kater Manni lag am Rand der Wiese und sah den Jungs beim Spielen zu. Immer wieder schossen sie einen großen Lederball hin und her. Nur zu gern hätte er sich dieses runde Ding gespannt und damit herum getollt. Aber bisher traute er sich einfach nicht. Viel zu leicht konnte er versehentlich getreten werden. Also sah er weiter zu.
›Soll ich? Soll ich nicht?‹, dachte er immer wieder.
Es reizte aber auch so sehr. Mit so einem Ball würde man bestimmt gut spielen können. Schon wackelte Mannis Hintern hin und her. Seine Beine machten sich zum Absprung bereit. Er fühlte sich, als würde er ein kleines Tier jagen. Seine Augen sahen ganz genau auf den Ball und warteten schon auf den richtigen Augenblick.
Und plötzlich war der richtige Zeitpunkt gekommen. Sein Ziel, der Ball kam ihm ganz nah. In den Augen des Katers hätte man ein Leuchten sehen können, so aufgeregt war. Er machte einen großen Sprung und lief dem Ball entgegen. Kurz bevor er das runde Leder erreichte, hüpfte er in die Luft und stürzte sich anschließend darauf. Mit seinen spitzen Krallen hielt er sich daran fest und kugelte dann gemeinsam mit dem Ball über den Rasen.
Ein paar Meter weiter pfiff der Schiedsrichter ratlos das Spiel ab. So etwas hatte er noch nicht erlebt. Wie konnte dieser Kater bloß in das riesige Stadion gekommen sein? Das fragten sich auch die vielen tausend Zuschauer, die ihren Fußballvereinen die Daumen drückten.
Der Fernsehkommentator fand als erster seine Worte wieder und sprach zu den Menschen, die sich das alles über ihre Fernseher ansahen.
»Wer hätte das gedacht, meine Damen und Herren. Wenige Minuten vor dem Spielende ist ein grau gestreifter Kater auf das Spielfeld geflitzt und hat sich auf den Ball gestürzt. Wie es aussieht, hat er das Leder mit seinen Krallen durchbohrt, denn mit jeder Sekunde verliert der Ball an Größe. Hoffentlich ist für Ersatz gesorgt.«
Zum Glück gab es noch einen zweiten Ball. Nachdem der Schiedsrichter Kater Manni samt seiner Beute vorsichtig vom Rasen getragen hatte, pfiff er das Spiel wieder an.
»Viel Spaß noch mit dem Ball.«, rief er dem Tier zu.
Für Manni selbst war es eines seiner größten Erlebnisse seines Lebens.

(c) 2012, Marco Wittler

382. Kampf im All

Kampf im All

Captain Tommi zog sich langsam seinen Raumanzug an. Es sollte nur noch wenige Minuten dauern, bis er die Sicherheit seines Raumschiffs verlassen sollte. Dann würde er in der Unendlichkeit des Weltalls, weit weg von Planeten und Sternen durch die Schwerelosigkeit schweben.
Noch ein letztes Mal überprüfte er seine Ausrüstung, bevor er den Helm aufsetzte.
»Alles an seinem Platz.«, murmelte er zufrieden und schnallte sich seinen Rucksack um.
Mit schweren Schritten stapfte er die Gänge entlang und betrat schließlich die Luftschleuse. Die erste Tür schloss sich hinter ihm. Mit einem leisen Zischen wurde die Luft aus dem kleinen Raum heraus gesaugt. Dann öffnete sich die zweite Tür und gab den Blick auf das wunderschöne Sternenmeer frei. Es sah aus, als hätte jemand mit kleinen Nadeln Löcher in ein Zelt gestochen.
Captain Tommi stieß sich ab und schwebte hinaus. Zur gleichen Zeit kamen ihm weitere Astronauten aus anderen Raumschiffen entgegen. Er und zehn weitere trugen weiße Raumanzüge. Sie versammelten sich und sahen sich nun elf Gegnern gegenüber, die rot gekleidet waren.
»Also Leute.«, sprach Tommi über sein Funkgerät.
»Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Wir werden sie fertig machen. Wir lassen keine Gnade walten. Selbst wenn sie darum betteln, dass wir sie verschonen sollen, machen wir weiter bis zum Schluss.«
Sie waren sich einig und setzten grimmige Gesichter auf, während der Captain seinen Rucksack öffnete und eine Kugel daraus hervor holte.
»Wir greifen an.«, rief er. Dann gab er seinem Fußball einen Tritt und schwebte ihm sofort nach.
Die rote Mannschaft setzte sich nun auch in Bewegung. Sie schalteten ihre Raketenrucksäcke ein und stürzten sich auf den Ball. In den unzähligen Raumschiffen, die am Rande des Spielfeldes schwebten, sahen viele Zuschauer zu und feuerten ihre Teams begeistert an.
Hin und her ging der Ball, mal nach links und mal nach rechts. Wenn ein Spieler nicht richtig aufpasste, konnte er sogar nach oben und unten weg.
Zuerst sah es sehr gut für die Roten aus. Sie kamen dem Tor immer näher. Sie schossen eine Attacke nach der anderen, aber der Torwart konnte sie immer im letzten Augenblick abwehren. Doch dann schnappte sich Captain Tommi den Ball. Er stürmte unerwartet schnell auf seine Gegner zu, umspielte sie mit Leichtigkeit und schoss das entscheidende Tor in allerletzter Sekunde, bevor der Schiedsrichter das Spiel abpfiff.
»Wir haben gewonnen.«, freuten sich die weißen Astronauten.
Zufrieden schwebten sie zurück in ihre Raumschiffe und flogen mit ihnen nach Hause in die große Spielzeugkiste.
Der kleine Tommi grinste zufrieden. So viel Spaß hatte er mit seinen neuen Legofiguren noch nie gehabt. Das wollte er unbedingt beim nächsten Mal mit seinem besten Freund wiederholen.

(c) 2012, Marco Wittler

369. Karnevalsverein

Karnevalsverein

Nick fühlte sich seltsam. Alle Leute, die ihm und seinem Vater entgegen kamen, sahen ihn ganz komisch an.
»Bin ich irgendwo schmutzig?«
Sein Vater sah an ihm rauf und runter, konnte aber nichts entdecken.
»Vielleicht liegt es daran, was du da um deinen Hals trägst.«, vermutete dieser schmunzelnd.
Nick nahm seinen Schal ab und betrachtete ihn gründlich von der einen zur anderen Seite.
»Mein Fanschal ist in Ordnung. Der ist nicht schmutzig oder dreckig.«
»Naja, in Köln mag man Bayern München nicht so. Hier ist man mit Leib und Seele Fan vom FC.«
Nick rümpfte sie Nase und hielt sie sich dann zu.
»Die Geißböcke? Ich bin doch nicht verrückt. Meine Bayern sind doch viel besser. Die werden immerhin ständig Deutscher Meister.«
In diesem Moment kamen sie an einem großen Gebäude vorbei.
»Papa, welches Haus ist das?«
Nicks Vater sah sich um und grinste.
»Das ist das Rhein-Energie-Stadion. Hier spielen die Geißböcke vom FC.«
Nicks Augen wurden groß, als er das hörte.
»Ehrlich? Darf ich da mal rein schauen?«
Und schon lief er los und suchte sich einen offenen Zugang. Doch als er auf den Zuschauerrängen angekommen war, blieb er plötzlich stehen.
»Oh nein. Da spielen ja Kölner auf dem Platz. Das ist ja widerlich.«
Langsam ging er auf das Spielfeld zu und beobachtete die Männer beim Training.
»Hm, mir fällt da etwas ein.«
Nick nahm seinen Schal ab, wedelte damit in der Luft herum und begann laut zu singen.
»Ihr seid nur ein Karnevalsverein, Karnevalsverein, Karnevalsverein.«
Die Spieler unterbrachen ihr Training und sahen zur Tribüne. Einer von ihnen setzte sich in Bewegung und ging langsam auf Nick zu.
»Wartet mal Jungs. Ich kümmer mich um den kleinen Sänger dort drüben.«
Nick sah ihn und erstarrte. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass er überhaupt beachtet werden würde. Sollte er lieber abhauen? Aber irgendwie fühlten sich seine Füße an, als wären sie angeklebt.
»Hey, was bist du denn für einer?«, fragte der Fußballer neugierig.
»Läufst hier mit dem Bayernschal rum und singst komische Lieder.«
Nick Blick fiel auf den Boden. Es war ihm richtig anzusehen, wie peinlich ihm sein Verhalten nun war.
»Karnevalsverein? Meinst du wirklich, dass wir das sind?«
Nick bekam kein Wort raus.
Da griff der Fußballer in seine Hosentasche und holte zwei rote Clownsnasen hervor. Eine steckte er sich auf die eigene Nase, die andere auf die von Nick.
»Hey, wir sind hier in Köln. Wir lieben Karneval.«
Er grinste und lief zurück zu seinen Mannschaftskollegen.
Nick war richtig überrascht. Damit hatte er nun gar nicht gerechnet. Richtig erleichtert ging er wieder nach draußen zu seinem Vater.
»Hallo Papa. Die Geißböcke sind gar nicht so übel. Eigentlich sind sie sogar richtig nett.«
Er legte seinen Fanschal ab und sah ihn sich an.
»Können wir vielleicht einen neuen Schal für mich kaufen?«

(c) 2011, Marco Wittler

319. Ein kranker Fußballer

Ein kranker Fußballer

Draußen schien die warme Sonne. Durch das geöffnete Fenster waren die Stimmen spielender Kinder zu hören. Sie spielten Fußball, feuerten sich gegenseitig am und kickten das Runde Leder von einem Tor zum anderen.
In einem großen, gemütlichen Sessel saß Alex. Gerade heute ging es ihm gar nicht gut. Schon lange war er sehr krank. Aber trotzdem war er ein Teil des Teams.
Immer wieder richtete er sich auf und warf neugierige Blicke auf das Spielfeld. Jedes Mal, wenn er auf einen Torschuss hoffte, stemmte er sich mit aller Kraft hoch und sah nach draußen.
»Los, nun macht schon endlich.«, rief er mit schwacher Stimme.
»Oder muss ich erst selbst runter kommen und den Punkt holen?«
Er musste lachen, während ihm ein paar Jungs aus seiner Mannschaft winkten.
In diesem Moment kam Mama herein. Sofort erkannte sie, was ihr Sohn gerade tat. Sie setzte sich auf die Sessellehne und sah hinaus.
»Und? Wie steht das Spiel? Schaffen die das überhaupt ohne dich?«
Alex schüttelte den Kopf.
»Die vermissen mich einfach viel zu sehr.«
Er begann zu lachen und musste sich gleich den Bauch halten. Erst vor Vergnügen und dann wegen seiner Schmerzen.
»Tut es wieder weh?«, fragte Mama.
Alex nickte. Ein paar Sekunden später wurde es aber schon wieder etwas besser.
Mama strich ihm übers Haar.
»Ruh dich aus, mein Schatz.«

Eine Stunde später war das Spiel vorbei. Alex hatte sich wieder ins Bett gelegt und spielte mit seinem kleinen Nintendo. Und was flackerte über den kleinen Monitor? Natürlich ein Fußballspiel.
Da klopfte es.
»Herein.«, sagte Alex schwach und legte sein Spiel zur Seite.
Die Tür öffnete sich und elf schüchtern wirkende Jungs in seinem Alter kamen herein.
Jeder von ihnen wünschte gute Besserung. Sie alle hofften, dass Alex bald wieder gesund werden würde.
»Wann kannst du denn endlich wieder bei uns mitspielen?«, fragte Nils.
»Ich bin lange nicht so gut, wie du. Du musst unbedingt wieder deine Position einnehmen. Ich bin auf der Ersatzbank besser aufgehoben.«
Alle mussten lachen.
Doch dann wurde Alex ernst. Er bat seine Freunde, sich zu ihm auf das Bett zu setzen.
»Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder mit euch zusammen auf dem Feld stehen und dem Ball nachlaufen kann.«
Die Jungs ließen ihren Blick sinken.
Alex grinste.
»Aber ich bin trotzdem bei euch. Ich werde mir jedes Spiel anschauen und euch anfeuern. Und wenn ihr auf dem Rasen an mich denkt, werde ich immer bei euch sein und euch zum Sieg verhelfen.«
Freudiger Jubel war im Zimmer zu hören und Alex wurde von der gesamten Fußballmannschaft gedrückt.

(c) 2010, Marco Wittler

280. Die Mauer

Die Mauer

Leon und Christian standen mitten im Garten und spielte mit  dem Ball. Rasend schnell ging das Spiel hin und her. Immer wieder fielen wagemutige Tore. Doch dann ging ein Schuss daneben und der Ball rollte dicht an die Gartenmauer.
»Was machen wir denn jetzt?«, fragte Christian.
»Keine Ahnung.«, antwortete Leon.
»Du musst den Ball holen. Schließlich hast du ihn dort hin geschossen.«
Doch Christian weigerte sich. Er hatte plötzlich keine Lust mehr zu spielen und ging beleidigt ins Haus. Leon lief ihm nach und sie verzogen sich in ihr Zimmer.
Von Fenster aus sahen sie nervös ununterbrochen nach draußen zu ihrem Ball.
»Du bist schuld.«, maulte Leon.
»Gar nicht.«, knurrte Christian zurück.
»Hol dir deinen blöden Ball doch selbst zurück. Ich interessier mich eh nicht für Fußball. Blödes Spiel.«
Dann saßen sie schweigend da und sahen wieder nach draußen.
Drei Stunden später kam Mama ins Kinderzimmer.
»Was macht ihr denn hier? Es ist doch so schönes Wetter draußen. Da müsst ihr doch nicht in der Bude hocken.«
Doch die Jungs antworteten nicht.
»Was ist denn mit euch beiden los?«
Leon zeigte mit seinem Finger nach draußen.
»Das ist los.«
Mama entdeckte den Ball an der Mauer.
»Auweia.«, sagte sie nur und wusste sofort Bescheid.
Ihre beiden Söhne hatten schon immer Angst davor, was auf der anderen Seite der Mauer war. Keiner wusste warum. Es war schon immer so gewesen.
»Da müsst ihr einfach mal über euren Schatten springen und euch euren Ball zurück holen. Es wird schon nichts passieren.«
Doch das war leichter gesagt, als getan. Deswegen blieben Leon und Christian in ihrem Kinderzimmer und schmollten weiter vor sich hin.

Zwei Tage später lag der Ball noch immer dort. Die Jungs hatten sich mittlerweile wieder auf die Terrasse getraut und beobachteten ihr Spielzeug genau. Trotzdem wagten sie es nicht, zu nah hin zu gehen.
»Wir werden wohl nie wieder Fußball spielen, wie es aussieht.«
In diesem Moment tauchte auf der anderen Seite der Mauer ein kleines Gesicht auf. Es war ein Junge, der einen neugierigen Blick herüber warf.
»Hallo?«, rief er.
»Hallo? Ist jemand da?«
Er entdeckte Leon und Christian.
»He, seid ihr die beiden, die hier jeden Tag Fußball spielen? Ich wollte fragen, ob ich mal mitspielen darf.«
Die zwei Brüder waren überrascht. Ihr Leben lang hatten sie vor der anderen Mauerseite Angst gehabt und nun mussten sie feststellen, dass dort einfach nur ein ganz normaler Junge lebte, der ebenfalls gern Fußball spielte.
»Klar, komm rüber.«
Und schon lieben die zwei auf ihren Ball zu und holten ihn zurück auf ihre Wiese. Nun konnten sie zu dritt spielen. Dabei erfuhren sie, dass ihr neuer Freund Dennis hieß und selbst immer Angst hatte, auf die andere Mauerseite zu schauen, bis ihn sein Opa dazu überredet hatte.
»Die Mauer muss weg.«, beschlossen die drei und baten ihre Eltern, sich darum zu kümmern.
Ein paar Wochen später war es dann auch so weit. Zwischen den beiden Gärten war keine Grenze mehr zu sehen. Von Haus zu Haus gab es nun eine riesige Wiese, auf der die neuen Freunde nun jeden Tag Fußball spielen konnten.

(c) 2009, Marco Wittler

238. Fußballturnier im Tierheim (Tierheimgeschichten 4)

Fußballturnier im Tierheim

»Tooooooooorrrr« rief ein Kind laut und rannte stolz über die große Wiese.
»Tor?« wunderte sich Schildkröte Paul und sah zum Eingangstor des Tierheims. »Wer ist denn da am Tor? Ich kann niemanden sehen.«
Die zwei Hunde neben ihm lachten. »Nicht das Eingangstor. Der Bengel hat seinen Ball ins Tor geschossen. Hast du denn keine Ahnung von Fußball?«
Paul schüttelte den Kopf. »Sagt mir nichts. Habe ich noch nie gehört.«
»Na gut. Wir sind Hunde. Wir spielen ständig mit Bällen. Da kennen wir uns einfach besser aus, als andere Tiere.«
»Was soll das heißen?« mischte sich ein Kater ein. »Wieso sollten sich Hunde besser mit Fußball auskennen? Wir Katzen sind mindestens so gut wie ihr, wenn nicht noch besser.«
Die Hunde lachten wieder. »Kein Tier wird jemals einen Hund beim Fußball schlagen können. Fußball ist schließlich ein Menschenspiel. Und welches Tier ist der beste Freund des Menschen? Der Hund! Also ist es nur logisch, dass wir jedes Fußballspiel gewinnen würden.«
Nun war der Kater sauer. Stinksauer. Wie konnten diese überheblichen Kerle so etwas nur behaupten?
»In Ordnung. Ich nehme an. Heute Abend spielen wir gegeneinander. Sobald die Menschen Feierabend gemacht haben, rollt der Ball.«
Die Hunde hielten sich die Bäuche vor lachen und rollten sich auf dem Rasen hin und her.
»Ihr wollt tatsächlich gegen uns antreten? Ihr werdet nicht ein einziges Tor schießen. Das könnt ihr voll vergessen.«
»Wir werden es ja sehen.« antwortete der Kater Miro mit zittriger Stimme.

»Verehrte Damen und Herren. Es ist 18 Uhr. Die Menschen sind auf dem Weg nach Hause und die Bewohner unseres wunderschönen Tierheims haben sich auf der großen Wiese versammelten um einem großen Ereignis beizuwohnen.«
Schildkröte Paul hatte sich am Nachmittag von den Hunden die Spielregeln erklären lassen. Mittlerweile war er Feuer und Flamme. Er war so begeistert vom Fußball, dass er es sich nicht nehmen lassen wollte, Stadionsprecher zu sein. Er hatte sich aus einer dicken Pappe ein Sprechrohr gebastelt, damit man ihn überall hören konnte.
»Die Mannschaften der Hunde und der Katzen haben sich bereits warm gemacht und warten nun darauf, dass der Schiedsrichter den Ball frei gibt.«
In der Mitte des Feldes stand ein großer Papagei. Er fragte die Spieler noch einmal, ob sie bereit waren. Dann pfiff er laut und flatterte in die Luft, um alles besser überblicken zu können.
»Das Spiel ist gestartet.« rief Paul begeistert. »Die zweiundzwanzig Hunde und Katzen haben den ganzen Tag auf diesen Augenblick hin gefiebert. Jetzt gibt es kein Halten mehr.«
Es ging hin und her. Die Mannschaften schenkten sich nichts. Es wurde ein hartes Spiel. Die Katzen waren wendig, sie waren flink und flitzten immer wieder durch die Beine ihrer Gegner. Die Hunde kämpften auch erbittert um den Sieg. Allerdings setzten sie nicht immer faire Mittel ein. Sie bissen, sie bellten laut, foulten, drängelten und beschwerten sich ständig beim Schiedsrichter. Nach sechs Minuten erzielten die Kläffer das erste Tor. Weitere zwei Minuten fiel das Zweite. Die Katzen keuchten vor Anstrengung und wussten nicht mehr, was sie machen sollten. Mit ganz viel Gück erzielten sie durch eine Grätsche den Anschlusstreffer.
»Gott sei Dank steht es nur noch 2:1. Und das sollte den Katzen Mut geben.« rief Paul aufgeregt.
Es ging weiter hin und her. Mal gab es Chancen auf der einen, mal auf der anderen Seite.
»Achtzehnte Spielminute. Tor für die Katzen. Das ist der Ausgleich. Es ist unglaublich. Wer hätte das erwartet?«
Nach 45 Minuten war dann erstmal Halbzeitpause. Die Tiere versorgten sich mit Wasser und Futter. Für jeden standen Näpfe am Spielfeldrand bereit.

Weitere fünfzehn Minuten später betraten Hunde und Katzen wieder den Rasen. Die Hunde lachten ihre Gegner aus. »Wollt ihr wirklich noch gegen uns antreten? Habt ihr die Hosen immer noch nicht voll genug? Auch wenn es jetzt unentschieden steht, wir werden euch jetzt so richtig fertig machen.«
Die Katzen sahen an sich herab. »Wir haben gar keine Hosen, die wir voll haben könnten.«
Schildkröte Paul stellte sich wieder an den Rand des Spielfelds und informierte die Zuschauer über das aktuelle Geschehen.
»Das Spiel geht weiter. Der Schiedsrichter pfeift an. Aber was ist das?«
Paul sah nach oben und entdeckte dunkle, graue Wolken über sich, aus denen Tropfen auf seinen Kopf gefallen waren.
»Es beginnt zu regnen. Jetzt werden die Karten des Spiels also ganz neu gemischt. Der Rasen wird rutschiger und die Felle der Spieler nasser.«
Das Lachen der Hunde war mittlerweile verstummt. Die bemerkten, dass sie mit jeder Minute weniger Halt auf der Wiese hatten. Ihre klobigen Pfoten rutschten immer wieder weg. Die Hunde landeten mit ihren Schnauzen im Dreck.
Die Katzen kamen mit dem Wetter besser klar. Sie konnten sich mühelos in den feuchten Boden krallen und hatten den besseren Halt. Sie wurden immer selbstsicherer und erspielten sich immer mehr Möglichkeiten. Aber ein weiterer Treffer wollte nicht folgen. Er kurz vor Schluss kam es zu einer ganz großen Chance. Die Hunde verspielten einen Ball, den sich Kater Miro schnappte. Paul war begeistert und bekam sich nicht mehr ein.
»Miro hat den Ball. Aus dem Hintergrund müsste er schießen. Miro schießt. Toooor, Toooor, Toooor, Toooor! Tor für die Katzen. 3:2.«
Die Katzen mussten nur noch fünf Minuten durchhalten. Der Regen war auf ihrer Seite. Die Hunde schienen mittlerweile aufgegeben zu haben. Sie konnten mit ihren Gegnern nicht mehr mithalten. Und dann kam der Schlusspfiff.
»Aus, aus, aus, aus! Das Spiel ist aus! Die Katzen sind Tierheimmeister.«
Pauls Stimme überschlug sich. Die Katzen fielen sich in die Arme, während die Hunde erschöpft in die großen Pfützen des Rasens stürzten.

(c) 2014, Marco Wittler