589. Nik und Nele und das Weltraummonster (Nik und Nele 12)

Nik und Nele und das Weltraummonster

Die Zwillinge Nik und Nele lagen in ihrem Etagenbett und sollten eigentlich schlafen. Zumindest hatte Mama darauf bestanden. Schlafen konnten die beiden aber trotzdem nicht. Zu groß war die Abenteuerlust. Sie wollten noch etwas unternehmen.
»Wohin fliegen wir heute Nacht?«, fragte Nik von der oberen Matratze.
»Ich schaue mal in mein Weltraumbuch.«, antwortete Nele von unten und begann sofort zu blättern.
Normalerweise wartete Nik geduldig darauf, dass seine Schwester etwas fand. Doch dieses Mal, hatte er selbst Lust, ein Flugziel zu suchen. Er kletterte aus dem Bett und ging zur Balkontür. Dort stand das Teleskop, mit dem die Kinder abends immer die Sterne am Himmel beobachteten.
Er richtete das Teleskop auf den Mond aus und warf einen Blick hindurch.
Verdutzt zog er sofort seinen Kopf zurück und sah verwirrt zu Nele. Dann schaute er noch einmal zum Mond hinauf.
»Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Wenn ich das richtig gesehen habe, wird der Mond von einem riesigen Weltraummonster angegriffen. Wir müssen sofort etwas unternehmen.«
Nele legte sofort ihr Buch zur Seite und sprang aus dem Bett.
»Kann doch gar nicht sein. Was soll das denn für ein Monster sein, das dem Mond gefährlich werden kann? Lass mich mal sehen.«
»Aber wenn ich es dir doch sage. Das Monster sieht unglaublich gefährlich aus uns ist sogar ein Stück größer als der Mond. Es wird ihn bestimmt fressen und dann die Erde angreifen.«
Nele schob Nik zur Seite und sah nun selbst durch das Teleskop in den Nachthimmel.
Sie begann zuerst zu grinsen, dann kicherte sie leise. Schließlich lachte sie fast so laut, dass Mama es hätte hören können.
»Du bist mir ja ein großer Angsthase. Du kannst eine Spinne nicht von einem Weltraummonster unterscheiden.«
Sie ging um das Teleskop herum und nahm eine kleine Spinne vom Objektiv auf. Das Tier war nur wenige Millimeter klein und krabbelte ängstlich auf Neles Hand hin und her.
»Die bringe ich mal lieber nach draußen, bevor sich dich noch auffrisst.«, neckte sie ihren Bruder.
»Ich glaube, wir bleiben heute Nacht zu Hause. Das Weltall ist eindeutig zu gefährlich für dich, Bruderherz.«
Sie öffnete die Balkontür, entließ die Spinne in die Freiheit und legte sich dann wieder ins Bett.

(c) 2017, Marco Wittler

588. Es soll wieder schneien

Es soll wieder schneien

Nick sah durch das Fenster nach draußen. Vor ein paar Minuten hatte es zu scheien begonnen. Dicke, fette Flocken fielen vom Himmel. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis die Erde unter einer weißen Schneedecke verschwunden war.
Nick jubelte. Dann lief er in den Hausflur, zog sich seine Winterschuhe, die dicke Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe an.
»Ich gehe raus in den Schnee!«, rief er laut durchs Haus, damit Mama und Papa ihn hören konnten. Nur Sekunden später stand er draußen auf dem Gehweg.
»Nanu.«, wunderte sich Nick und sah enttäuscht zum Himmel hinauf. »Wo ist denn der Schnee geblieben?«
Tatsächlich hatte es bereits wieder aufgehört zu schneien. Bis auf ein paar Flocken am Boden sah nichts nach einem ordentlichen Winter aus.
Nick ging wieder zurück ins Haus und warf seine Mütze quer durch den Flur.
»Das Wetter ist doof und blöd.«
Mama lachte. »Warum ist das Wetter doof und blöd?«
Nick verdrehte die Augen. »Weil das Wetter mich nicht leiden kann. Kaum bin ich draußen, schneit es schon nicht mehr. Das ist voll unfair.«
Er wollte sich gerade seine Winterklamotten ausziehen, als Papa aus dem Keller kam.
»Was hab ich da gehört? Der Winter kann dich nicht leiden? Das geht ja mal gar nicht. Ich glaube, ich muss mir da was einfallen lassen.«
Papa zog sich ebenfalls seine Wintersachen an und ging dann grinsend nach draußen in sein Gartenhäuschen. Er kramte ein paar Minuten lang in seinen vielen Geräten herum, bis er das Richtige fand. Zum Vorschein kam er dann mit einem großen Irgendwas.
»Was ist  denn das?«, wollte Nick wissen.
»Das ist mein Laubbläser. Damit puste ich normalerweise das Herbstlaub zu einem Haufen zusammen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man damit auch dem Winter auf die Sprünge helfen kann.«
Gemeinsam gingen sie wieder nach vorn auf den Gehweg. Papa schaltete den Laubbläser ein. Mit einem Ohren betäubenden Lärm pustete er ganz viel Luft aus dem großen Rohr und blies damit die gefallenen Schneeflocken wieder zurück in den Himmel, um erneut herab schneien zu können.
»Juhuu, es schneit wieder!«
Nick war begeistert und sprang immer wieder in den Schneeflocken herum.

(c) 2017, Marco Wittler

587. Schnee im Sauerland

Schnee im Sauerland

»… wird es auch in den nächsten Tagen zu kräftigen Schneefällen bei uns im Sauerland kommen.«, ertönte es aus dem Radio.
»Juhuu!«, jubelte Max. Dann kann ich endlich mit meinem neuen Schlitten fahren, das erste Mal in meinem Leben.«
Sofort flitzte er in den Keller und mühte sich ein paar Minuten später mit dem schweren Schlitten die Treppenstufen hinauf. Dann zog er sich seine dicken Stiefel, die warme Winterjacke, Mütze, Schal und Handschuhe an und zog den Schlitten hinter sich her nach draußen in den Garten.
Max setzte sich auf den Schlitten und gab Gas. Schon wollte er laut jubeln, aber er kam nur wenige Zentimeter weit.
»Nanu? Warum funktioniert das denn nicht? Im Fernsehen sieht das immer so einfach aus.«
Er schlug frustriert mit der Faust auf den Schlitten. Dann versuchte er es ein zweites Mal. Noch immer kam er nicht vom Fleck.
»Endlich ist mal genug Schnee gefallen und dann ist der Schlitten kaputt. Menno!«
Inzwischen war auch Papa nach draußen gekommen. Er grinste, als er sah, was dort vor sich ging.
»So wird das nicht gehen. Für deinen Schlitten brauchst du noch einen Hügel, den du hinunter fahren kannst.«
Max klopfte sich leicht mit der Hand vor die Stirn.
»Oh man, ich bin ja blöd. Daran hätte ich auch sofort denken können.«
Er sah sich um und musste feststellen, dass hier in der Stadt kein einziger Hügel zu sehen war. Die Berge waren alle ein paar Kilometer weit entfernt.
»Papa?«, fragte er mit einem bettelndem Blick. »Kannst du mir vielleicht helfen?«
Ein paar Minuten später fuhr Max dann doch mit dem Schlitten über den Schnee. Papa war so nett und zog ihn kreuz und quer durch den Garten.

(c) 2017, Marco Wittler

586. Wo sind die Ostereier?

Wo sind die Ostereier?

Es war Ostern. Max hatte die ganze Nacht kaum schlafen können, so aufgeregt war er. Und nun saß er mit Mama und Papa am Frühstückstisch und konnte es kaum erwarten, in den Garten zu laufen. Zum Glück spielte das Wetter mit. Die Sonne schien. Den Ostereiern sollte es also gut gehen. Sie würden nicht im strömenden Regen ertrinken.
»Wann darf ich denn endlich nach draußen?«, drängelte Max.
Mama verdrehte genervt die Augen. Diese Frage hatte sie ihrem Sohn mittlerweile schon fünf Mal beantwortet.
»Du wirst dich gedulden müssen, bis Oma und Opa da sind. Sie wollen mit in den Garten gehen.«
Max verzog den Mund und schmollte. So lange konnte er einfach nicht warten. Zu groß war die Gefahr, dass ihm jemand zuvor kam und alle versteckten Eier einsteckte.
Zum Glück kamen die Großeltern dann aber direkt nach dem Frühstück. Jetzt konnte es endlich losgehen. Max zog sich seine Schuhe an, öffnete die Tür zum Garten und lief mit seinem kleinen Korb nach draußen.
Er flitzte in die eine Ecke, von dort in die nächste Ecke. Er ging zu jedem Busch, sah hinter jedem Blatt nach und drehte jeden Stein einzeln um. Was er dabei fand war … Nichts.
Nirgendwo war auch nur ein einziges Ei zu finden. Auch der übliche Schokoladenhase befand sich nicht hier im Garten.
Verärgert lief Max zur Terrasse und warf seinen leeren Korb auf den Boden.
»Es war schon jemand vor mir hier und hat mir alle Einer geklaut.«
Er sah sich noch einmal um. Mit Blick auf den Zaun, den Papa um den ganzen Garten gebaut hatte, fiel ihm ein, dass es gar nicht so einfach war, von außen hier herein zu kommen.
»Oder der Osterhase war gar nicht hier.«, fügte er kleinlaut und traurig hinzu.
»Wie konnte mich der Osterhase nur vergessen? Er war doch jedes Jahr hier. Er wird doch bestimmt eine Liste mit allen Kindern haben, denen er Eier und Schokolade zu verstecken hat.«
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Verwirrt sah Mama den Rest der Familie an. Wer konnte das denn sein? Es waren alle Gäste bereits hier.
Sie ging zur Tür. Max folgte ihr neugierig. Dann öffneten sie gemeinsam die Tür. Als sie sahen, wer da vor ihnen stand, wären ihnen beinahe die Augen aus den Köpfen gefallen. Es war der Osterhase.
»Tut mir leid. Ich habe es nicht mehr rechtzeitig geschafft, etwas bei euch im Garten zu verstecken. Mir geht es grad nicht so gut.«
Entschuldigend zeigte er die beiden Krücken vor, auf die er sich stützte.
»Ich bin gestern hingefallen und habe mir ein Bein gebrochen.«
Max seufzte erleichtert. Der Osterhase hatte ihn doch nicht vergessen.
Der Osterhase griff hinter sich und holte ein gefülltes Osterkörbchen hervor.
»Das ist für dich lieber Max. Und jetzt muss ich weiter. Ich muss noch ganz viele Kinder besuchen.«
Max Augen begannen plötzlich zu leuchten.
»Moment mal. Ich werde dir helfen, wenn ich darf. Du zeigst mir die Häuser der anderen Kinder und ich werde für dich die Eier verstecken. Das wollte ich schon immer machen.«
»Und ich werde euch zwei mit meinem Auto durch die Stadt fahren.«, schlug Mama vor.
Der Osterhase lächelte verlegen und bedankte sich.
»Das ist wirklich oberklasse von euch. Mit Hilfe habe ich gar nicht gerechnet.«
Max und Mama packten die vielen bunten Eier in den Kofferraum des Autos. Dann fuhren sie zu dritt von einem Haus zum anderen und versteckten die Eier in allen Gärten und versüßten so das Osterfest der Kinder.

(c) 2017, Marco Wittler

585. Nik und Nele auf dem kleinen Mond (Nik und Nele 11)

Nik und Nele stehen in ihrer elften Geschichte Pate für eine ganz neue Serie. Unter dem Titel „Mein kleiner Mond und ich“ erscheinen regelmäßig neue Geschichten über ein kleines Mädchen, dass mit seinem kleinen Mond in den Weiten des Alls unterwegs ist und sich von den Wundern des Universums begeistern lässt. Diese neue Serie hat eine eigene Seite, die du am Ende der folgenden Geschichte findest.

Nik und Nele auf dem kleinen Mond

Die Zwillinge Nik und Nele hatten sich bereits ihre Klamotten für die Nacht angezogen. Nele saß in ihrem Nachthemd auf der unteren Matratze des Etagenbettes, ihr Bruder Nik in seinem bunten Weltraumschlafanzug darüber. Jeder von ihnen hatte noch ein Buch in der Hand, die beide viele Bilder von Sonnen, Planeten, Monden und weit entfernten Galaxien zeigten.
»Schon cool, was es alles im Weltall gibt.«, schwärmte Nik von oben. »Da draußen gibt es ja noch so unglaublich viel zu entdecken. Ob die Menschheit jemals jedes Geheimnis des Universums lösen wird?«
Nele lachte.
»Ganz bestimmt nicht. Dafür ist das Universum auch viel zu groß. Mit den Teleskopen, die heute benutzt werden, kann man eh nicht alles sehen. Dafür müsste man schon mit einem schnellen Raumschiff überall hinfliegen können. Aber davon gibt es auf der Erde nicht so viele.«
Da musste Nik ihr zustimmen. Ihm fiel nur ein einziges Raumschiff ein, dass in der Lage war, weit entfernte Planeten zu erreichen. Doch das gehörte nicht den Wissenschaftlern der Erde.
Nele blätterte in ihrem Buch weiter.
»Wow. Schau mal auf Seite 32. Da steht was über eine Supernova. Schaut irre aus.«
Sie dachte nach und grinste.
»Wäre das nicht eine coole Sache, wenn wir uns das mal anschauen, wie eine alte Sonne explodiert und stirbt? Das hat bestimmt noch kein Mensch aus der Nähe gesehen.«
In diesem Moment kam Mama ins Kinderzimmer und sammelte die Bücher ein.
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.«, sagte sie. »Es wird langsam Zeit zu schlafen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen wieder eure Nasen in eure Bücher stecken.«
Mama deckte ihre Zwillinge zu, gab ihnen einen Gute Nacht Kuss und wünschte ihnen eine gute Nacht.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Wir werden uns eine Supernova anschauen. In meinem Buch habe ich von einer Sonne gelesen, die schon sehr alt ist und nicht mehr lange leben wird. Wenn wir Glück haben, explodiert sie heute Nacht. Dann werden wir die ersten Menschen sein, die so etwas gesehen haben.«
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Supernova.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

Das Etagenbett raste nach wenigen Sekunden an der internationalen Raumstation ISS vorbei, passierte den Mond und verließ unser Sonnensystem. Das Ziel war eine weit entfernte Sonne, die zu Beginn der Reise nur als kleiner, weißer Punkt im All zu erkennen war. Doch mit jeder Minute wurde dieser Punkt größer.
»Wir sind bald da.«, erklärte Nele. »Opa hat am Wochenende ein paar Stunden an unserer Technik geschraubt und den Antrieb verbessert. Unser Bett jetzt fast doppelt so schnell wie vorher.«
Nik war begeistert. Er konnte sich an den vorbei flitzenden Sternen einfach nicht satt sehen.
»Eigentlich schade. Mir macht der Flug so viel Spaß, wir könnten uns die Supernova auch an einem anderen Tag anschauen.«
Nele knuffte ihn in die Seite.
»Zu spät, wir sind schon fast angekommen. Außerdem wird die Supernova nicht auf uns warten.«
Das fliegende Bett bremste und wurde langsamer. Vor sich sahen die Kinder eine rote Sonne um die sich ein paar Planeten drehten.
»Sie wird schwächer.«, erklärte Nele. »Ihr Licht war mal heller und auf den Planeten muss es deutlich wärmer gewesen sein.«
Das bestätigte sich bei einem Blick auf die Planeten. Ihre Oberflächen waren mit Eis und Schnee bedeckt.
»Wenn es hier mal Leben gegeben hat, ist es schon vor langer Zeit erfroren.«
Langsam näherten sie sich der Sonne, um sie aus der Bähe betrachten zu können. dann fiel ihnen etwas auf. Die Zwillinge entdeckten einen kleinen, dunklen Punkt.
»Was fliegt denn da so nah an der Sonne vorbei?«, wunderte sich Nik. »Für einen Planeten ist es zu klein. Das sollten wir uns genauer anschauen.«
Nele steuerte das Bett auf das unbekannte Objekt zu. als sie nah genug waren, stellte sie fest, dass sich ein kleiner Mond hierher verirrt hatte. Und dieser Mond war nicht allein. Auf ihm saß ein kleines Mädchen.
»Das glaub ich nicht. Das ist ja völlig verrückt.«, entfuhr es Nik.
»Etwa so verrückt, wie ein fliegendes Bett im Weltraum?«, fragte Nele und grinste schelmig.
»Hallo, kleines Mädchen!«, rief zu zum Mond hinüber. »Was machst du hier so ganz allein?«
Das Mädchen drehte sich um. Sie schien ihre Besucher erst in diesem Moment zu entdecken.
»Allein? Ich vin doch nicht allein. Ich habe meinen kleinen Mond und gemeinsam leisten wir Oma Sonne Gesellschaft.«
»Oma Sonne?«
Nele wollte gar nicht glauben, was sie da hörte. Wie konnte denn eine Sonne eine Oma sein?
Doch dann drehte sich die Sonne plötzlich um sich selbst. Auf ihr kam ein freundlich lächelndes Gesicht zum Vorschein.
»Hallo, ihr zwei. Ich bin Oma Sonne. Was führt euch zu uns?«
Unsicher lächelten Nik und Nele zurück. Mit so einer Überraschung hatten sie nicht gerechnet.
»Wir wollten uns eigentlich eine Supernova aus der Nähe anschauen.«, begann Nele.
»Oma? Was ist eine Supernova?«
Die alte Sonne sah verzweifelt von dem kleinen Mädchen zu den Zwillingen hinüber.
»Wenn eine sehr große Sonne alt geworden ist, dann bläht sie sich auf. Sie wird so groß, dass sie dabei einige ihrer Planeten verschluckt und anschließend explodiert. Aus ihr wird eine riesige Gas- und Staubwolke. Aus dieser entsteht dann irgendwann eine neue, junge Sonne mit neuen Planeten. Alles beginnt dann wieder von vorn.«
Das Mädchen bekam große, entsetzte Augen.
»Du wirst explodieren, Oma Sonne?«
Oma Sonne lächelte. Hätte sie einen Kopf besessen, würde sie diesen schütteln.
»Nein. Darum musst du dich nicht sorgen. Ich bin dafür nicht groß genug. Ich werde einfach nur alt. Ich werde schrumpfen, mein Licht wird schwächer und kälter. Bis ich dann vergehe, wird noch viel Zeit vergehen.«
Die Sonne schloss die Augen und seufzte.
»Mein Licht wird aber schon bald nicht mehr ausreichen, um dich und deinen kleinen Mond zu wärmen. Du wirst schon bald nicht mehr bei mir leben können.«
Der Blick des kleinen Mädchens wurde traurig.
»Ist mir deswegen in letzter Zeit immer so kalt?«
»Ja.«
Oma Sonne schluckte schwer.
»Du wirst dir schon bald einen neuen Platz zum Leben suchen müssen.«
»Aber wohin soll ich gehen? Ich kenne nichts anderes, als dich und deine Planeten.«
Nele räusperte sich leise aber hörbar.
»Wir können dir dabei helfen.«
Sie holte unter ihrem Kopfkissen das große Weltraumbuch hervor.
»Das Universum ist voller Sonnen und Welten. Jede von ihnen ist einzigartig und etwas ganz Besonderes. Wenn du es annehmen magst, würde ich dir mein Buch schenken. Darin wirst du erfahren, wo sich welche Welt befindet und wie du dort hin kommst.«
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf.
»Ich kann aber hier nicht weg. Ich kann meinen kleinen Mond nicht allein lassen. Er ist mein bester Freund und hat schon viel mit mir zusammen erlebt.«
Auch der kleine Mond sah nun ganz traurig aus.
Nik grinste und zog das Bettlaken von Neles Matratze.
»Alles kein Problem. wir binden das Laken an deinem Mond fest. Dann könnt ihr es als Segel benutzen. Ihr fahrt dann mit den Sonnenwinden durch das weite Sternenmeer. Und wenn einmal eine Flaute herrscht, pustet dein Mond mit vollen Backen in das Segel. Du wirst schon sehen, dass das eine gute Idee ist.«
Das Mädchen schluckte. Noch einmal sah sie Oma Sonne an. Die Sonne lächelte herzlich warm.
»Du schaffst das schon, mein kleines, geliebtes Mädchen. Dein kleiner Mond wird schon auf dich aufpassen. Und ich werde in Gedanken und in deinem Herzen immer bei dir sein.«
Das kleine Mädchen nickte und lächelte zurück.
»Dann werde ich mich auf die Reise machen. Und ich werde dich dabei nie vergessen.«
Nik und Nele begannen nun, den kleinen Mond vorzubereiten. Sie knoteten das Bettlaken an ihm fest, erklärten ihm, wie ein Segel funktionierte und legten noch das Weltraumbuch bereit. Zum Schluss kletterte Nik auf sein Bett hoch, kramte unter der Decke herum und holte ein paar leere Trinkflaschen hervor.
»Die wirst du bestimmt gebrauchen können.«
Das kleine Mädchen sah die Flaschen verständnislos an.
»Das verstehe ich nicht. Was kann ich mit den Dingern anfangen?«
Nik lachte.
»Das ist mein Rezept gegen Heimweh. Du schreibst Oma Sonne einen Brief über deine Abenteuer und Erlebnisse. Den steckst du in eine der Flaschen und wirfst sie dann in das Sternenmeer. Die Strömung sie dann hierher. Oma Sonne wird deine Briefe lesen können und fühlt sich dann ganz nah bei dir.«
Die Augen des kleinen Mädchens begannen zu strahlen. Es hüpfte von ihrem Mond auf das Etagenbett und drückte die beiden Zwillinge an sich.
»Vielen Dank, Nik und Nele. Ihr habt mir sehr geholfen. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages wieder sehen werden.«
Dann verabschiedeten sie sich voneinander. Die beiden Geschwister flogen langsam mit ihrem Etagenbett nach Hause. Immer wieder blickten sie dabei zurück und sahen dem Abschied des kleinen Mädchens von Oma Sonne zu.
»Wir haben zwar keine Supernova gesehen, aber dafür war dieses unerwartete Treffen viel schöner.«, sagte Nele.
»Ich hoffe, dass das kleine Mädchen einen neuen Platz im Sternenmeer finden wird.«
Dem konnte Nik nur beipflichten.

(c) 2017, Marco Wittler

Mehr Geschichten  vom kleinen Mädchen und ihrem kleinen Mond findest du in meinem neuen Projekt:
„Mein kleiner Mond und ich“

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584. Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe (Nik und Nele 09)

Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe

Die Zwillinge Nik und Nele saßen im Garten und beobachteten den Himmel, der langsam dunkel wurde. Der Mond hing als dünne Sichel über ihnen und verbreitete nur wenig Licht. Dafür erschienen nun die ersten Sterne.
»Gleich ist es so weit.« war Nele aufgeregt und ließ ihre Augen ständig hin und her wandern. »Hoffentlich sehe ich eine.«
Nik nickte. Er konnte es auch kaum noch erwarten, zum ersten Mal in seinem Leben eine Sternschnuppe zu sehen.
»Ich hoffe, dass es nicht nur eine wird. Ich will viele Sternschnuppen, damit ich mir ganz viel wünschen kann.«
Nele verdrehte die Augen. »Sternschnuppen erfüllen aber keine Wünsche. Sie sind nur Staub und kleine Gesteinsbrocken, die beim Eintritt in unsere Atmosphäre verbrennen.«
»Ist mir egal.« antwortete ihr Bruder. »Ich finde es trotzdem cool und werde mir jedes Mal was wünschen.«
In diesem Moment erschien ein heller Lichtpunkt über ihnen, der mit hoher Geschwindigkeit einen langen Strich über den Himmel und zog und nach einer knappen Sekunde wieder verschwand.
»Wow.« staunte Nele. »Das war unglaublich schön. Vielleicht wünsche ich mir auch etwas.«
»Ich weiß auch schon was.« schlug Nik vor. »Ich würde gerne mal auf einer Sternschnuppe durch den Himmel reiten. Das wäre eine richtig coole Sache.«
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.« hörten sie plötzlich Mamas Stimme, die sich vom Haus näherte. »Es wird langsam Zeit ins Bett zu gehen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen Abend noch einmal schauen.« sagte Mama, während sie die Zwillinge ins Bett schickte.
Ein paar Minuten später lagen sie unter ihren Decken.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete Mama das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Du willst doch mal auf einer Sternschnuppe reiten. Also suchen wir uns eine und fragen, ob sie sich einen Sattel umschnallen lässt.
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Perseidenschwarm.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

»Die Perseiden sind eine Staubspur, die ein Komet hinterlassen hat.« erklärte Nele, nachdem sie in ihr Weltraumbuch geschaut hatte.
»Jedes Jahr durchkreuzt die Erde zur gleichen Zeit diese Bahn. Dabei dringen die Staubteilchen in unsere Atmosphäre ein, verbrennen und es beginnt im Himmel zu leuchten.«
»Echt spannend.« fand Nik. »Hoffentlich können wir die Sternschnuppen aus der Nähe sehen.«
Der Flug war schon nach wenigen Minuten beendet und das Ziel erreicht. Das fliegende Etagenbett war an Rand der Atmosphäre angekommen.
Hier oben war die Aussicht grandios. Die Erde lag in der Dunkelheit der Nacht und es waren nur noch die Lichter der Städte zu sehen.
»Da sind sie! Da kommen sie!« Nele zeigte mit dem Finger nach oben.
Tatsächlich kamen gerade die Sternschnuppen auf sie zu. Zuerst sahen sie wir dunkle Steine aus. Dann aber stürzten sich Eine nach der anderen auf die Erde und begannen hell zu glühen. Überall waren grelle Lichter, die die Augen blendeten.
»Ein unglaublicher Anblick.« war Nik begeistert. »Außer uns werden das nur wenige Astronauten zu Gesicht bekommen.
In diesem Moment entdeckten die Zwillinge eine sehr kleine Sternschnuppe, die immer und immer wieder versuchte, in die Atmosphäre einzudringen und ein strahlenden Lichtstreif ins den Himmel zu zaubern. Aber sie blieb dunkel.
»Sie ist zu klein.« sagte Nele. »Allein wird sie es nicht schaffen. Sie braucht unsere Hilfe.«
Nik kratzte sich am Hinterkopf und dachte angestrengt nach. »Ich glaube, ich habe da eine Idee. Dafür müssen wir aber noch einmal nach Hause.«
Das ließ sich seine Schwester kein zweites Mal sagen. Sie steuerte das Bett zur Erde und hielt es vor dem Balkon des Kinderzimmers an.
Nik kletterte ins Haus, schlich sich in den Keller und besorgte eine Kiste. Damit kam er nach ein paar Minuten zurück und sprang wieder auf die Matratze. Nele gab sofort Gas und flog in den Himmel hinauf.
Sie brauchten nicht lange, um die kleine Sternschnuppe zu finden. Noch versuchte sie verzweifelt, ein Lichtstreif in der Dunkelheit zu werden. Noch immer klappte es nicht.
»Warte!« rief Nele. »Wir werden die helfen.«
Die Sternschnuppe blieb tatsächlich stehen und wartete ungeduldig ab. Nik öffnete seine Kiste und holte eine Feuerwerksrakete daraus hervor, die er der Sternschnuppe auf den Rücken schnallte.
»Damit wirst du ganz bestimmt leuchten.« erklärte er und zündete die Rakete an.
Die kleine Sternschnuppe nahm Anlauf und raste in die Atmosphäre der Erde. Im gleichen Augenblick begann die Rakete zu brennen und erzeugte einen so helles Licht, dass man es kaum ansehen konnte. Von der Erde aus musste es überwältigend aussehen.
»Das wird die größte Sternschnuppe aller Zeiten gewesen sein.« war Nele zufrieden.
Dann flog sie das Etagenbett zurück nach Hause und landete es im Kinderzimmer.
Noch eine Weile sahen die Zwillinge von ihren Matratzen aus in den Himmel hinauf, entdeckten immer wieder Sternschnuppen und wünschten sich, so viel sie nur konnten, bis sie langsam einschliefen.

(c) 2015, Marco Wittler

581. Diät im Weltraum

Diät im Weltraum

Nach Karneval kam, wie in jedem Jahr, der Aschermittwoch. An diesem Tag endete die närrische und begann die Fastenzeit. Ganz viele Menschen verzichteten in dieser Zeit auf Dinge, von denen sie im restlichen Jahr zu viel hatten. Bei den meisten waren das Süßigkeiten. Sie versuchten innerhalb der sieben Wochen bis Ostern ein wenig abzunehmen und schlanker zu werden.
Der Planet Erde war so stolz auf seine Bewohner, dass er immer wieder im Sonnensystem mit ihnen angab.
»Seht her, liebe Freunde.«, prahlte sie bei jedem Treffen. »Meine Menschen sind so Figur bewusst, dass sie mehrere Wochen lang abspecken. Dadurch werden nicht nur sie, sondern auch ich um einiges leichter. Ist das nicht eine tolle Sache?«
Die anderen Planeten fühlten sich dadurch immer unwohler. Jedes Mal, wenn sie an einem Spiegel vorbei kamen fühlten sie sich dick. Besonders die großen Gasplaneten Saturn, Jupiter, Uranus und Neptun bekamen ein schlechtes Gewissen. Aber auch Venus und Mars wollten schlanker sein. Der einzige, der mit sich zufrieden war, hieß Merkur. Er war der kleinste und schlankeste unter den acht Planeten.
Irgendwann war es dann zu viel. Es wurde der Plan gefasst, abzuspecken.
Die Planeten drehten sich nicht nur schneller um sich selbst, sondern auch um die Sonne. Venus und Mars machten unzählige Liegestütze und Kniebeugen. Saturn nahm seine Ringe und hielt sich mit Hula-Hoop fit, während Uranus und Neptun den kleinen Pluto als Fußball benutzten und das ganze Sonnensystem als Stadion benutzen. Pluto kam dabei ordentlich ins Schwitzen, denn als Tor wurde die große Sonne auserkoren. Pluto wollte auf keinen Fall in ihr verbrennen und schlug deswegen Haken wie ein flüchtender Hase.
Alle gaben sich besonders viel Mühe, um ihr Gewicht zu reduzieren.
Der große, schwere Jupiter kam ganz besonders ins Schwitzen. Er wollte ebenfalls abnehmen, denn keiner war dicker als er. Das machte ihm ein richtig schlechtes Gewissen. Doch was sollte er nur tun? Wie konnte er möglichst viel Gewicht verlieren?
Da fiel sein Blick auf seine Monde und ihm kam eine grandiose Idee.
Er schnappte sich den langen Schweif eines Kometen und spießte vorn und hinten seine Monde auf. Schon hatte er eine Hantel. Jetzt konnte er sich als Gewichtheber betätigen.
Es war unglaublich. Das ganze Sonnensystem hielt sie fit und machte Sport. Und wer hätte es gedacht? Bis zum Osterfest waren alle Planeten schlank geworden. Sie waren so aus dem Häuschen, dass sie ein großes Fest mit köstlichen Speisen veranstalteten.
Am Abend des Ostermontag rollten sie dann gemütlich, satt, dick und rund in ihre Betten. Die Diät war nach drei Tagen wieder vergessen und zunichte gemacht.

(c) 2017, Marco Wittler

580. Nik und Nele auf Empfang (Nik und Nele 06)

Nick und Nele auf Empfang

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Ich bin noch gar nicht müde.« flüsterte Nik aus der oberen Hälfte des Etagenbetts. »Was ist mit dir?«
Seine Zwillingsschwester Nele schüttelte den Kopf und grinste. Natürlich konnte ihr Bruder das nicht sehen, aber es machte ihr so viel Spaß, ihn hin und wieder zu ärgern.
»Nele? Schläfst du schon?«
»Nein. Und ich bin auch nicht müde.«
»Sollen wir noch etwas Radio hören?« Nik wartete keine Antwort ab, sondern drückte einen Knopf. Leise Musik war nun zu hören. Leise genug, damit Mama sie nicht hören konnte, laut genug, um die Kinder zu unterhalten.
Doch dann wurde das Lied von einem kurzen Geräusch unterbrochen.
Die Kinder dachten nicht weiter darüber nach, denn Geräusche gab es immer wieder im Radio. Vor allem bei schlechtem Wetter konnte es manchmal ziemlich laut rauschen.
Ein paar Sekunden später kam das Geräusch wieder. Dann ein drittes und ein viertes Mal.
»Was ist das?« fragte Nik in die Dunkelheit, als sie es ein fünftes Mal hörten.
»Ich weiß es auch nicht.« antwortete Nele. »Aber ich will es wissen.«
Sie kramte in einer kleinen Kiste, die unter dem Bett stand und holte zwei Gegenstände hervor. Der erste war eine Stoppuhr. Der andere eine Taschenlampe, mit der sie die Anzeige der Stoppuhr sehen konnte.
Das Geräusch meldete sich erneut. Nele drückte auf den Startknopf. Als es noch einmal zu hören war, drückte sie auf Stopp. Ein paar Mal maß sie die Zeit zwischen zwei Geräuschen, bis sie etwas feststellte.
»Immer genau sechs Sekunden. Es ist jedes Mal die gleiche Zeit.«
»Aber was bedeutet das?«
Nele zuckte mit den Schultern. »Weiß ich auch nicht. Aber ich schaue mal, was mein schlaues Buch dazu sagt.«
Sie holte ihr Weltraumbuch aus dem Regal und blätterte durch die Seiten, bis sie etwas fand.
»Das muss ein Pulsar sein.«
»Ein was?«
»Ein Pulsar. Das ist ein Neutronenstern, eine alte Sonne am Ende ihrer Lebenszeit. Sie ist nur noch ungefähr zwanzig Kilometer groß. Mehr ist nicht von ihr übrig geblieben. Ein Pulsar dreht sich extrem schnell um seine eigene Achse und sendet dabei Signale aus. Mir jeder Drehung gibt es ein Geräusch.«
Nik verdrehte ungläubig die Augen. »Der Stern dreht sich in nur sechs Sekunden um sich selbst? Das ist ja nicht zu fassen. Wie soll denn das gehen?«
»Weiß ich auch nicht. Wie wäre es, wenn wir uns das mal aus er Nähe ansehen? Hast du Lust?«
Nik nickte. Er kletterte von seinem Bett herunter und setzte sich zu seiner Schwester. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

Die Zwillinge hatten den Pulsar schnell erreicht. Nun sahen sie ihn direkt vor sich. Immer noch sandte er sein Signal alle sechs Sekunden in die Weiten des Alls hinaus.
»Jetzt kann man sogar sehen, was da vor sich geht.« staunte Nik.
Tatsächlich war es nicht nur ein Geräusch, das zu hören war. Im gleichen Takt sah man auch ein Licht aufblitzen.
»Wir sollten landen und nachschauen, was da vor sich geht.« entschied Nele und setzte mit dem fliegenden Etagenbett zur Landung an.
Als sie ausstiegen, sahen sie in ein paar Metern Entfernung eine schmale Schienenstrecke, die sich in wilden Kurven, Steigungen und Gefällen um den Pulsar zog.
»Eine Eisenbahn? Aber wo kommt sie her und wo führt sie hin. Wir haben doch von oben keine Städte sehen können.«
Nik wunderte sich und konnte sich keinen Reim darauf machen, bis er von Ferne ein lautes, rumpelndes Geräusch hörte, das sich schnell näherte.
Ein helles Lichte raste auf sie zu, düste mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei und verschwand auf der anderen Seite hinter dem Horizont.
»Das war eine Achterbahn.« staunte Nele. »So eine schnelle habe ich ja noch nie gesehen.«
Sechs Sekunden später kam sie erneut auf sie zu.
»Hilfeeeeee!« hörten sie Stimme schreien. Weitere sechs Sekunden wiederholte sich das Ganze. »Hilfeeeee!«
»Das ist der Grund für die Signale und Leuchtzeichen des Pulsars.« stellte Nele fest. »Die Achterbahn braucht nur sechs Sekunden, um einmal herum zu fahren.«
»Und irgendwer sitzt darin und hat panische Angst.« fuhr Nik fort. »Wir müssen ihn da raus holen.«
Ohne weiter darüber nachzudenken, liefen sie zurück zum Etagenbett und flogen damit der Achterbahn nach.
»Hilfeeeee!« rief ein kleiner, grüner Außerirdischer, der verzweifelt an eine Haltestange klammerte.
»Hilfeeeee! Ich will hier raus.«
Sie passten ihre Geschwindigkeit an, gingen tiefer. Als sie direkt über der Achterbahn waren, hängte sich Nik raus.
»Greif meine Hand!« rief er.
Das ließ sich der Außerirdische nicht zweimal sagen. Er nahm die Hand und ließ sich hoch ziehen.
»Vielen Dank.« keuchte er erschöpft. »Ihr habt mich gerettet.«
Er atmete ein paar Mal durch, bevor er erklärte, was passiert war.
»Ich habe Achterbahnen immer geliebt und habe jede im bekannten Universum ausprobiert. Aber irgendwann wurden sie mir zu langweilig, zu langsam. Ich wollte die schnellste Achterbahn von allen bauen. Und als ich sie dann fertig war und ich einstieg, wollte sie nicht mehr anhalten. Die Bremse war kaputt. Ich habe jetzt fünf Jahre darin verbracht.«
Es war also wirklich höchste Zeit, den Außerirdischen da raus zu holen.
Mit dem fliegenden Bett verließen sie den Pulsar und machten sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs setzten die Zwillinge den Geretteten zu Hause ab. Er versprach ihnen noch, nie wieder in eine Achterbahn zu steigen.

(c) 2014, Marco Wittler

579. Nik und Nele auf Ufo-Jagd

Nik und Nele auf Ufo-Jagd

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich. Genau in diesem Augenblick blitzte ein Lichtschein am dunklen Herbsthimmel auf und verschwand gleich wieder. Sekunden später leuchtete wieder etwas auf und wieder und wieder.
»Was ist das?« Nik kletterte neugierig aus seiner oberen Hälfte des Etagenbetts.
Seine Zwillingsschwester Nele folgte ihm zum Fenster. Gemeinsam sahen sie nach draußen. »Siehst du das? Die Lichter kommen von unten und fliegen ins Weltall hinaus. Das Es können also keine Sternschnuppen sein.«
Nik grübelte. »Aber sehen wir denn dann?«
»Das müssen Ufos sein.«
»Eine Invasion? Greifen uns Außerirdische an, wie ich es gestern in einem Film gesehen habe? Aber dann würden sie doch landen und nicht heimlich in der Dunkelheit verschwinden.«
Nele dachte nach. »Das ist keine Invasion. Wir werden nicht angegriffen. Sie flüchten. Sie haben vor irgendetwas Angst. Große Angst.«
So schien es wirklich zu sein, denn immer mehr Lichtpunkte starteten zu den Sternen hinauf.
»Wir sollten ihnen folgen und heraus finden, was da los ist.«
Sie liefen zurück zum Bett und setzten sich darauf. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu. Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wo sind sie?« fragte sich Nele.
Nik fand die Raumschiffe. Sie waren überall. Egal, in welche Richtung er sah, entdeckte er die Flüchtlinge.
»Hoffentlich können wir sie auch verfolgen. Die scheinen es ganz schön eilig zu haben. Ich bin gespannt, wo es hin geht.«
Die kleinen, rasenden Lichtpunkte hatten alle das gleiche Ziel: Die dunkle Seite des Mondes.
»Ob sie sich dort verstecken wollen, weil ihre Invasion nicht geklappt hat?« wagte Nele eine Vermutung. »Dort kann man sie jedenfalls von der Erde aus nicht entdecken.«
Die Zwillinge folgten den Raumschiffen und landeten schließlich in der Mondnacht.
»Wahnsinn.« war Nik begeistert. »Das sind so viele Raumschiffe, dass ich sie gar nicht zählen kann.«
Die Kinder stiegen aus, näherten sich langsam einem der Raumschiffe und warteten. Als sich nichts tat, öffneten sie die Eingangstür.
Im Innern fanden sie fünf Astronauten, die ihre Raumanzüge angelegt hatten. Die fünf erschreckten sich, als sie die Kinder entdeckten.
»Hilfe! Menschenkinder!« riefen sie entsetzt. »Tut uns bitte nichts.«
Nele lächelte freundlich. »Wir sind nicht gekommen, um euch etwas anzutun. Wir sind nur neugierig, warum ihr in so großer Zahl die Erde verlassen habt. Was ist los?«
Die Astronauten setzten ihre Helme ab. Zur Überraschung der Zwillinge kamen darunter keine normalen Köpfe zum Vorschein. Es waren orange Kürbisköpfe.
»Ihr seid Kürbisse?«
Die Kürbisse nickten.
»Warum seid ihr zum Mond geflogen? Hier oben gibt es nichts als Steine und Felsen.«
»Hier oben sind wir aber in Sicherheit.«
Nik grinste, als er verstand, worum es ging. Er knuffte seine Schwester in die Seite.
»Nächste Woche ist Halloween. Sie wollen nicht gegessen und auch nicht mit Messern zu gruseligen Fratzen verschnitzt werden.«
Wieder nickten die Kürbisse. »Wir wollen diese grausame Fest einfach nur überleben. Außerdem erschrecken wir uns immer vor den vielen Gespenstern, Monstern und Geistern, die in der Nacht unterwegs sind und um Süßigkeiten betteln.«
Dafür hatten die Kinder Verständnis. Sie wünschten den Flüchtlingen alles Gute und verabschiedeten sich wieder. »Wir werden niemandem euer Versteck verraten.«
Dann setzten sie sich wieder in ihr fliegendes Bett und machten sich auf den Heimweg.
»Ich glaube, ich muss Morgen früh mit Papa reden.« dachte Nele nach. »Er wollte mir einen Kürbis zum Schnitzen kaufen. Den möchte ich jetzt doch nicht mehr haben.«

(c) 2014, Marco Wittler

578. Nik und Nele auf dem Roboterplaneten (Nik und Nele 04)

Nik und Nele auf dem Roboterplaneten

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte nun auch Niks Zwillingsschwester Nele in die Dunkelheit hinein.
»Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hälst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an, holte ihr dickes Weltraumbuch unter der Decke hervor und blätterte ein paar Sekunden darin herum. Sie tippte mit geschlossenen Augen auf eine der Seiten.
»Kepler 186-f im Sternbild Schwan. Ist nur 490 Lichtjahre von hier entfernt. Praktisch um die Ecke.« Nele grinste. »Der Planet wurde erst vor zwei Jahren entdeckt und ist ungefähr so groß wie unsere Erde. Fliegen wir hin und sehen, was es da zu entdecken gibt.«
Sie klappte das Buch zu, legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Kepler 186-f. Intergalaktischer Raumflughafen.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die Kinder mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

Es war ein langer Flug gewesen. Die Zwillinge hatten unzählige Sterne, Planeten und Kometen gesehen, bevor sie im Sternbild Schwan angekommen waren.
»Ist ganz schön kalt hier.« beschwerte sich Nick, der gerade ausstieg.
»Der Planet ist etwas weiter von der Sonne entfernt als unsere Erde. Deswegen kommt auch weniger Wärme an. Hier leben bestimmt nur Eisbären und Pinguine.« vermutete Nele.
Dass sie damit falsch lag, wurde schnell klar, als ihnen eine kleine Gestalt entgegen kam.
»4-6-A-Beta erbittet eure Kennung.« verlangte eine Computerstimme.
»Ist das etwa ein Roboter?« bekam Nik große Augen. »Ein echter Roboter?«
»4-6-A-Beta erbittet eurer Kennung.« kam die Aufforderung ein zweites Mal.
»Wir sind Nik und Nele.« erklärte Nele. » Wir sind Geschwister und kommen vom Planeten Erde.«
»Warum seid ihr zu uns gekommen?« wollte 4-6-A-Beta wissen.
»Wir fliegen gern durch das All und besuchen andere Welten. Es macht uns einfach Spaß.«
Der 4-6-A-Beta legte verwirrt den Kopf schräg. Dies konnte man nun auch bei den anderen Robotern beobachten, die sich mittlerweile zu ihm gesellten.
»Was ist Spaß?« fragten sie gemeinsam.
»Wie? Ihr wisst nicht, was Spaß ist?« Nik konnte es nicht glauben.
»Spaß hat mit Freude zu tun. Es ist ein schönes Gefühl.«
»Was ist sind Gefühle?«
Die Roboter machten es den Kindern nicht einfach.
»Sie sind Maschinen.« begriff Nele langsam. »Sie haben kein Herz und deswegen auch keine Gefühle.«
Die Roboter schüttelten langsam ihre Köpfe. »Wir haben Herzen.« Sie öffneten alle gleichzeitig eine Klappe im Brustpanzer. Darin steckte ein kleiner, metallischer Klumpen, dem man nicht mehr ansehen konnte, was er mal gewesen war.
»Wir müssen dagegen etwas unternehmen.« war Nele entschlossen. Wir zeigen euch, was Gefühle sind.«
Nik war der gleichen Meinung. »Fangen wir mit mit Freude und Spaß an. Lacht mal.«
Die Roboter lachten leise und mechanisch. Es klang nicht so richtig echt.
»Das muss aus dem Bauch kommen. Wartet, ich erzähle euch einen Witz.«
Und dieser Witz erzielte endlich eine Wirkung. Das Lachen der kleinen Maschinen wurde herzlicher. Es klang endlich nach einem richtigen Gefühl. Das zeigte sich auch den verklumpten Herzen. Sie leuchteten leicht rot und wuchsen.
»Und jetzt machen wir mit Freundschaft und Liebe weiter.« fuhr Nele fort, während sie ihren Bruder umarmte und drückte. »Macht es einfach nach.«
Es sah sehr steif aus, wie sich die Roboter umarmten. Doch mit jedem Moment, der verging, wirkte es herzlicher.
»Das ist wirklich schön.« war 4-6-A-Beta begeistert, der noch gar nicht glauben konnte, dass sein Herz ein ganzes Stück gewachsen war.
»Kommen wir nun zur Trauer. Man denkt an etwas, das einem gar nicht gefällt.« erklärte Nele.
»Unser Opa ist im letzten Jahr gestorben. Wir werden ihn nie wieder sehen, nie wieder mit ihm lachen können. Er wird uns nie wieder eine Geschichte vorlesen können.«
Ihr liefen dicke Tränen über die Wangen, die im Schnee unter ihren Füßen verschwanden. Nik erging es nicht anders.
Die Roboter dachten nach. Sie sahen sich um. Schließlich landeten ihre Blicke auf ihren Herzen.
»Wir wollen unsere neu gewonnenen Gefühle nicht verlieren.«
Sie fielen sich gegenseitig in die Arme und schon rollten an ihren Gesichtern Tränen hinab.
»Sie haben es verstanden.« war Nele begeistert.
Doch dann geschah etwas, womit die Zwillinge nicht gerechnet hatten. Die Roboter verkrümmten sich und schrien vor Schmerzen.
»Hilfe!« rief 4-6-A-Beta. »Die Tränen tun mir weh. Ich fange an zu rosten.«
»Oh nein.« Nik wusste nicht, was sie unternehmen sollten. »Die Roboter dürfen nicht weinen. Der Rost wird ihre Panzer zerfressen. Sie werden sterben.«
Aber da hörten die Roboter schon wieder mit ihrem Geheul auf. Sie grinsten über das ganze Gesicht.
»Schadenfreude.« lachte er begeistert. »Witz und Schabernack. Wir haben euch auf den Arm genommen. Noch ein schönen Gefühl. Wir sind euch wirklich dankbar. Ihr habt uns mit den Gefühlen das größte Geschenk unseres Lebens gemacht. Wir sind euch so dankbar, wissen aber nicht, was wir euch dafür geben könnten.«
Nele schüttelte den Kopf, während sie schon wieder in das Bett stieg.
»Eure Freude ist uns schon Dank genug. Der Besuch bei euch hat uns sehr viel Spaß gemacht.«
Sie zog ihren Bruder zu sich auf die Matratze. Dann winkten die Geschwister zum Abschied und flogen wieder nach Hause.

(c) 2014, Marco Wittler