564. Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Der dicke Bauch des Weihnachtsmanns

Arne saß mit seiner Freundin Amelie in seinem Zimmer. Gemeinsam sahen sie sich gerade ein Buch mit Weihnachtsbildern an. Auf einem davon war der Weihnachtsmann abgebildet.
Amelie kicherte. »Der hat aber einen dicken Bauch.«
Sie zeigte mit dem Finger auf den Bauch und lachte. »Der ist ja noch dicker als mein Opa.«
Arne lachte auch. »So einen dicken Mann habe ich noch nie gesehen.«
Er kam auf eine Idee. Arne stand auf, nahm das Buch unter den Arm und Amelie an die Hand. Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer.
»Papa!«, stürmte er los und legte sein Buch auf den Tisch. »Warum ist der Weihnachtsmann so dick?«
Papa sah auf das Bild und blickte dann Mama fragend an, die sich gerade um die kleine Schwester Anna kümmerte.
»Das weiß ich leider nicht. Aber dem Papa fällt bestimmt die richtige Antwort noch ein.«
Sie grinste.
Papa bekam einen roten Kopf. Die richtige Antwort? Woher sollte er die nur nehmen?
Schnell griff er nach dem Buch, blätterte ein paar Seiten vor, ein paar zurück, bis er wieder den Weihnachtsmann vor sich sah.
»Also gut. Warum ist der Weihnachtsmann so dick? Schauen wir mal, was hier alles steht.«
Papa glitt mit dem Zeigefinger an ein paar Buchstaben entlang und las.
»Ah! Hier ist auch schon die Antwort.«
Arne und Amelie setzten sich mit an den Tisch, stützten ihre Köpfe mit den Händen auf hörten gespannt zu. Selbst Anna schien zu gefallen, was Papa zu erzählen hatte.

Der Weihnachtsmann war einmal ein großer, schlanker und sportlicher Mann. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit füllte er seinen großen Sack mit Geschenken, legte sich diesen über die Schulter und machte sich zu Fuß auf den Weg zu den Menschenkindern, um ihnen eine Freude zu machen.
Er kletterte an Dachrinnen hinauf auf die Dächer und rutschte durch die Kamine in die Wohnzimmer. Unter jeden Christbaum legte er Geschenke, die er in den Sommermonaten wohl überlegt ausgesucht hatte. Dann ging es weiter zum nächsten Haus.
Der Weihnachtsmann war wirklich sehr sportlich. Er schaffte den Weg zu allen Kindern in nur einer Nacht, so schnell war er zu Fuß.
Doch eines Tages, an einem schon lange zurück liegenden Weihnachtsfest, bekam er großen Hunger.
»Nanu, was ist denn jetzt los?«, wunderte er sich. »Ich habe noch nie Hunger verspürt, wenn ich Geschenke verteilt habe.«
Er dachte kurz nach. Dann fiel ihm ein, dass er sein Abendessen vergessen hatte. Nun war es dafür zu spät.
»Ich muss etwas zu Essen finden, sonst schaffe ich nicht den ganzen Weg.«
Der Weihnachtsmann sah sich um, wo er sich gerade befand, nämlich mitten in einem Wohnzimmer.
»Schau an, schau an. Was haben wir denn da?«
Auf einem Tisch stand eine Schale mit frisch gebackenen Keksen. Ihr Duft lockten den Weihnachtsmann magisch an.
»Wenn ich mich nicht täusche, sind das Weihnachtskekse. Vielleicht sollte ich sie einmal probieren.«
Der Weihnachtsmann hatte noch nie Kekse gegessen. Am Nordpol gab es keinen Laden, wo man sie kaufen konnte. Zum selber backen fehlte ihm die Zeit.
Er stopfte sich einen Keks in den Mund und kaute darauf herum.
»Mmh, ist das lecker«.
Er nahm einen zweiten Keks, dann noch einen, bis schließlich die Schale leer war.
»Wie?« Keine Kekse mehr da? Schade. Na gut, dann mache ich mich wieder auf meinen Weg.«
Der Weihnachtsmann lief zum nächsten Haus und kletterte dort ins Wohnzimmer. Auch hier fand er eine Schale mit Keksen.
»Glück gehabt. Ich kann weiter naschen.«
So ging es dann in jedem Haus. Der Weihnachtsmann brachte Geschenke und nahm sich dafür Kekse.
Als er einige Stunden später wieder auf dem Heimweg war, fiel ihm das Laufen schwer. Nur mit größter Mühe konnte er sich zum Nordpol schleppen.
»Was ist denn nur mit mir los?«, wunderte er sich.
»So schwer ist mir das Laufen noch nie gefallen. Ich bin doch ein guter Sportler.«
Er legte den leeren Geschenkesack zur Seite und sah zu seinen Füßen hinab. Er versuchte es jedenfalls. Denn die Füße waren nicht mehr zu sehen. Sie waren unter einem dicken Bauch versteckt.
»Oh nein. Was ist passiert? Ich bin plötzlich ganz dick geworden. Wie konnte das nur geschehen?«
Dem Weihnachtsmann fielen wieder die vielen Schalen voller Kekse ein, die ihm so gut geschmeckt hatten. Er seufzte laut und schlich sich nach Hause.
»Jetzt muss ich mir etwas Neues überlegen, wie ich im nächsten Jahr meine Geschenke an die Kinder auf der ganzen Welt verteilen kann. Ich glaube, ich sollte mir einen Rentierschlitten anschaffen.«

Arne, Amelie und Anna sahen Papa mit großen Augen an.
»Und das ist wirklich so passiert?«, fragte Arne zur Sicherheit.
»Ganz bestimmt.«, antwortete Papa. »Das steht sogar hier im Buch.«
Arne nahm ihm das Buch aus der Hand und sah sich die Buchstaben an.
»Schade, dass ich noch nicht lesen kann. Aber wenn du sagst, dass es hier steht, dann wird das auch richtig sein.«
Er nahm Amelie wieder an der Hand und ging mit ihr zurück in sein Kinderzimmer.

(c) 2016, Marco Wittler

530. Nikolaus, wer war in meinem Haus?

Nikolaus, wer war in meinem Haus?

Der Nikolaus war müde. In den letzten Stunden war er um die ganze Welt gereist, war mit seinem dicken Bauch durch unzählige Kamine geklettert und hatte noch mehr Geschenke an die braven Kinder der Erde verteilt. Dabei hatte er die ganze Zeit den Duft von Keksen, Schokolade und anderen Süßigkeiten in der Nase.
»Und dabei bin ich doch gerade auf Diät.«, seufzte er jedes Mal, wenn er etwas Süßes in die Socken an den Kaminen oder in den Stiefeln vor den Türen versteckte.
Trotzdem hatte er tapfer durchgehalten und hatte nicht ein einzige Mal an den Geschenken genascht.
Und nun stand er vor seinem eigenen Haus, gähnte so laut, dass er damit fast die Nachbarn aufweckte und steckte den Schlüssel in sein Türschloss.
»Nanu? Warum geht der denn nicht rein?«, wunderte sich sich der Nikolaus.
»Da stimmt doch was nicht.«
Er rüttelte und schüttelte am Schlüssel. Er bekam sogar Angst, dass dabei er ihn dabei abbrechen könnte und dann auf den Schlüsselnotdienst warten müsste.
»Hm, ganz ruhig bleiben.«
Er zog den Schlüssel wieder aus dem Schloss, steckte ihn langsam zurück und drehte in sanft im Kreis.
»Na also. Geht doch.«
Der Nikolaus gähnte wieder laut, hängte seinen warmen Mantel an die Garderobe und ging in die Küche.
»Jetzt noch eine leckere Tasse Tee und dann gemütlich im Sessel vor dem Kamin einschlafen.«
Darauf freute er sich jedes Jahr. Das wollte er sich auch dieses Jahr nicht nehmen lassen.
Der Tee war schnell gemacht und verbreitete nun seinen Duft durch das ganze Haus. Der Nikolaus schnappte sich die Kanne, eine Tasse und betrat nun das Wohnzimmer. Er ließ sich in den Sessel plumpsen, als er etwas roch.
»Was ist denn das?«
Er sah zu einem kleinen Tischchen, das neben ihm stand.
»Kekse? Schokolade? Süßigkeiten?«
Er wunderte sich.
»Wo kommen die denn her? Die habe ich aber nicht hier stehen lassen. Ich bin doch auf Diät.«
Verzweifelt streichelte er über seinen dicken Bauch. Dann sah er einen kleinen Brief neben dem Zuckerwerk.
»Als Dankeschön, weil du jedes Jahr an uns denkst und und beschenkst.«
Es war eine kleine Aufmerksamkeit der Nachbarskinder.
»Diese Schlingel.«, schmunzelte der Nikolaus. »Haben mir einfach meine Idee geklaut.«
Dann nahm er sich einen Keks, kaute genüsslich darauf herum und freute sich, dass jemand heute an ihn gedacht hatte.
»Das können die Kinder gern jedes Jahr machen. Mache ich meine Diät einfach später.«

(c) 2015, Marco Wittler