583. Nik und Nele machen eine Sonnenfinsternis (nik und Nele 08)

Nik und Nele machen eine Sonnenfinsternis

Es war Abend geworden. Die Zwillinge Nik und Nele saßen mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an.
»Morgen Vormittag erwartet uns am Himmel ein ganz besonderes Ereignis.« erklärte der Sprecher. »In der Zeit zwischen halb zehn und zwölf Uhr wird der Mond zu einem großen Teil die Sonne verdecken. Es gibt eine Sonnenfinsternis.«
Die Kinder sahen sich begeistert an.
»Eine Sonnenfinsternis.« jubelte Nik. »Das wird richtig cool. Das müssen wir uns unbedingt ansehen. Das kommt hier in Deutschland nur ganz selten vor.«
»Aber leider wird die Sonne nicht komplett verdeckt. Das kann man nur im hohen Norden Europas sehen.« erklärte Papa.
»Woher weiß man eigentlich, wann und wo eine Sonnenfinsternis stattfindet?« wollte Nele wissen.
»Dafür gibt es Computerprogramme.« wusste Papa. »Schlaue Wissenschaftler haben es geschrieben und mit ganz vielen Daten gefüttert.«
»Das muss ich mir unbedingt mal genauer ansehen.« Nik wollte sich bereits seinen Tabletcomputer schnappen.
»Nichts da. Das kannst du Morgen noch machen. Jetzt ist es Zeit, ins Bett zu gehen.«
Mit deutlichem Murren zogen sich die Kinder in das gemeinsame Kinderzimmer zurück.
Ein paar Minuten später sah Mama noch einmal durch die Tür herein, wünschte den Beiden eine Gute Nacht und schaltete das Licht ab. Nur eine Sekunde später holte Nik den Tablet unter dem Kopfkissen hervor. Er tippte ein paar Mal auf den Bildschirm und suchte sich alle Informationen über die Sonnenfinsternis, die er finden konnte. Dann legte er die Stirn in Falten.
»Ist ja komisch.« murmelte er vor sich hin.
»Was ist denn?« wurde Nele neugierig und kletterte zu ihm auf die obere Hälfte ihres Etagenbetts.
»Was bedeuten die vielen Zahlen? Ich verstehe das nicht.«
»Mit diesen Formeln berechnet man die Bahnen von Erde und Mond. Am Ende sieht man dann, wann eine Sonnenfinsternis stattfindet.« erklärte Nik.
»Und was ist daran so komisch?«
»Ich hab die Formel von meinem Tablet aus Spaß nachrechnen lassen und komme immer wieder auf das selbe Ergebnis. Morgen findet keine Sonnenfinsternis statt. Irgendwer hat sich da verrechnet.«
Nele bekam große Augen. »Glaub ich nicht. Zeig mal her.«
Aber das Ergebnis blieb. Die Sonnenfinsternis würde nicht stattfinden.
»Das darf nicht passieren. Da bekommt sonst noch jemand Ärger. Außerdem werden sich alle Menschen sauer sein, die nur darauf warten. Wir müssen etwas unternehmen.« entschied sie.
Nik nickte. Sie kletterten vom oberen Bett herunter und setzten sich auf das Untere. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

In wenigen Minuten war das Etagenbett am Mond vorbei geflogen.
»Wo geht’s eigentlich hin?« wollte Nik wissen.
»Wir fliegen auf direktem Weg zum Mars. Dort kann man immer Raumschiffe antreffen. Sie machen dort Rast, wenn sie vom Asteroidengürtel kommen, wo sie wertvolle Metalle abbauen. Mit denen müssen wir uns treffen.«
In der Ferne war bereits ein roter Fleck zu erkennen, der rasch größer wurde. Der Mars zeigte sich in seiner ganzen Pracht. Auf der Rückseite, die man von der Erde aus nicht sehen konnte, befand sich ein großer Raumhafen, auf dem hunderte Raumschiffe gleichzeitig parken konnten. Allerdings war heute nicht sehr viel los.
»Die meisten sind wohl gerade unterwegs.« überlegte Nele. »Das ist gar nicht gut für unseren Plan.«
Sie landeten, verließen das Bett und betraten ein Schnellrestaurant mit dem wohl klingenden Namen ‚McGalaxy‘.
»Einen SpaceBurger bitte!« rief Nik aus Spaß.
»Kommt sofort!« kam die prompte Antwort von der Theke.
»Wir haben jetzt keine Zeit zum Essen.« ermahnte ihn Nele. »Wir müssen ein paar Raumfahrer finden, die für uns die Sonne verdunkeln. Sonst wird das nichts mehr mit der Finsternis.«
Mühsam kletterte sie auf einen Barhocker am Tresen und rief den essenden Leuten zu: »Wir sind auf der Suche nach ein paar Raumschiffen, die für uns eine Sonnenfinsternis nachstellen. Die Menschen auf der Erde haben schon lange keine mehr gesehen und würden sich darüber sehr freuen.«
Lächelnd sah sie von Tisch zu Tisch, aber dann wich das Lächeln einem enttäuschten Gesichtsausdruck. Niemand meldete sich.
»Irgendwie klappt das nicht. Wir brauchen einen neuen Plan.«
Der Meinung war Nik auch. »Das hat eh keinen Sinn. Es sind viel zu wenig Raumschiffe da draußen. Die könnten niemals die Sonne so stark verdunkeln, dass es echt aussieht.«
Sie setzten sich an einen Tisch, aßen SpaceBurger, tranken Venus Limonade und grübelten. Dabei schweifte Niks Blick immer wieder durch die Fenster nach draußen.
»Einige Raumschiffe fliegen ganz schön schnell hier durch. Das sieht ziemlich gefährlich aus.«
»Ich weiß.« antwortete Nele. »Das ist ganz schön leichtsinnig. Ich hab sogar mal gehört, dass immer wieder Schiffe gegeneinander antreten.«
»Moment mal!« rief Nik. »Das ist die Idee.«
Er nahm sich gar nicht erst die Zeit, zu erklären, was ihm eingefallen war. Er verließ das Restaurant, lief zum Bett und holte sich ein paar Buntstifte und Papier, die er immer unter seinem Kopfkissen versteckt hielt, falls ihm nachts mal langweilig werden würde.
Als er wieder am Tisch saß, schrieb und malte er, was das Zeug hielt. Nach ein paar Minuten war sein Plakat fertig. In bunten Buchstaben stand darauf:

MORGEN GROSSES RAUMSCHIFFRENNEN!!!

Als Startpunkt hatte er einen Platz zwischen Erde und Sonne gewählt. Ab halb zehn in der früh durften sich die teilnehmenden Schiffe an Ort und Stelle versammeln.

»Das klappt nie.« schüttelte Nele den Kopf. »Du glaubst doch nicht, dass die Raumfahrer darauf reinfallen.«
Aber Nik war anderer Meinung. Er heftete eines der Plakate an die Eingangstür und wartete ab. Schon ein paar Minuten später standen mehrere Männer davor und lasen mit Begeisterung, was darauf stand.
»Davon müssen wir sofort den anderen erzählen. Das wird großartig.« war immer wieder zu hören.
»Jetzt müssen wir nur noch nach Hause fliegen und abwarten.«
Dann nahm Nik seine Schwester an die Hand und führte sie zum Etagenbett zurück.

Am nächsten Morgen konnten es die Kinder kaum erwarten, die Sonnenfinsternis zu sehen. Mit besonders guten Fernrohren, deren Gläser mit Ruß geschwärzt waren, saßen sie am Fenster und sahen zur Sonne hinauf.
»Es geht los!« rief Nik. »Die ersten Raumschiffe kommen.«
Tatsächlich tauchten immer mehr von ihnen auf. Zuerst waren es nur wenige, aber von Minute zu Minute wurden es mehr. Es waren Hunderte, dann Tausende. Die Sonne verdunkelte immer mehr, bis schließlich kaum noch etwas von ihr zu sehen war.
Nele holte ein kleines Gerät aus dem Schreibtisch und schaltete es ein. »Mal hören, was im Funkverkehr los ist.«
Man hörte viele Stimmen aus den Raumschiffen. Die Kapitäne konnten es kaum erwarten, dass sie starten durften.
»Hallo, hallo!« sprach Nele in ein Mikrofon.
»Hier spricht die Rennleitung. Wegen eines unerwarteten Problems muss das Rennen abgesagt werden. Leider kann es heute nicht stattfinden. Bitte verlassen sie das Startfeld langsam und in geordneten Bahnen. Wir danken für ihre Aufmerksamkeit.«
Lautes Murren und Knurren war zu hören. Die Raumfahrer waren sauer. Aber sie taten, was die Kinder von ihnen verlangten. Nach und nach flogen die Raumschiffe davon. Die Sonne wurde wieder sichtbar. Die Sonnenfinsternis war vorbei.
»Prima.« war Nik stolz. »Alles perfekt im Zeitplan. Wir können stolz auf uns sein.«

Auf der anderen Seite der Erde saß ein junger Wissenschaftler über ein paar Papieren, zog die Stirn in Falten und wunderte sich sehr.
»Wie kann das sein? Das ist doch nicht möglich. Ich hab mich doch verrechnet. Ich sehe den Fehler genau vor mir. Die Sonnenfinsternis hätte gar nicht stattfinden dürfen. Aber warum war sie dann da?«
Er sollte nie eine Antwort auf seine Fragen finden. Aber weil es ihm zu peinlich war, seinen Fehler zuzugeben, knüllte er nach ein paar Stunden seine Papiere zusammen und warf sie in den Müll.

(c) 2015, Marco Wittler

579. Nik und Nele auf Ufo-Jagd

Nik und Nele auf Ufo-Jagd

»Warum muss es denn jetzt schon so spät sein?« Nik sah auf die große Uhr an der Wand und seufzte laut. »Ich mag noch gar nicht schlafen.«
»Irgendwann muss der Tag mal vorbei sein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich. Genau in diesem Augenblick blitzte ein Lichtschein am dunklen Herbsthimmel auf und verschwand gleich wieder. Sekunden später leuchtete wieder etwas auf und wieder und wieder.
»Was ist das?« Nik kletterte neugierig aus seiner oberen Hälfte des Etagenbetts.
Seine Zwillingsschwester Nele folgte ihm zum Fenster. Gemeinsam sahen sie nach draußen. »Siehst du das? Die Lichter kommen von unten und fliegen ins Weltall hinaus. Das Es können also keine Sternschnuppen sein.«
Nik grübelte. »Aber sehen wir denn dann?«
»Das müssen Ufos sein.«
»Eine Invasion? Greifen uns Außerirdische an, wie ich es gestern in einem Film gesehen habe? Aber dann würden sie doch landen und nicht heimlich in der Dunkelheit verschwinden.«
Nele dachte nach. »Das ist keine Invasion. Wir werden nicht angegriffen. Sie flüchten. Sie haben vor irgendetwas Angst. Große Angst.«
So schien es wirklich zu sein, denn immer mehr Lichtpunkte starteten zu den Sternen hinauf.
»Wir sollten ihnen folgen und heraus finden, was da los ist.«
Sie liefen zurück zum Bett und setzten sich darauf. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu. Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

»Wo sind sie?« fragte sich Nele.
Nik fand die Raumschiffe. Sie waren überall. Egal, in welche Richtung er sah, entdeckte er die Flüchtlinge.
»Hoffentlich können wir sie auch verfolgen. Die scheinen es ganz schön eilig zu haben. Ich bin gespannt, wo es hin geht.«
Die kleinen, rasenden Lichtpunkte hatten alle das gleiche Ziel: Die dunkle Seite des Mondes.
»Ob sie sich dort verstecken wollen, weil ihre Invasion nicht geklappt hat?« wagte Nele eine Vermutung. »Dort kann man sie jedenfalls von der Erde aus nicht entdecken.«
Die Zwillinge folgten den Raumschiffen und landeten schließlich in der Mondnacht.
»Wahnsinn.« war Nik begeistert. »Das sind so viele Raumschiffe, dass ich sie gar nicht zählen kann.«
Die Kinder stiegen aus, näherten sich langsam einem der Raumschiffe und warteten. Als sich nichts tat, öffneten sie die Eingangstür.
Im Innern fanden sie fünf Astronauten, die ihre Raumanzüge angelegt hatten. Die fünf erschreckten sich, als sie die Kinder entdeckten.
»Hilfe! Menschenkinder!« riefen sie entsetzt. »Tut uns bitte nichts.«
Nele lächelte freundlich. »Wir sind nicht gekommen, um euch etwas anzutun. Wir sind nur neugierig, warum ihr in so großer Zahl die Erde verlassen habt. Was ist los?«
Die Astronauten setzten ihre Helme ab. Zur Überraschung der Zwillinge kamen darunter keine normalen Köpfe zum Vorschein. Es waren orange Kürbisköpfe.
»Ihr seid Kürbisse?«
Die Kürbisse nickten.
»Warum seid ihr zum Mond geflogen? Hier oben gibt es nichts als Steine und Felsen.«
»Hier oben sind wir aber in Sicherheit.«
Nik grinste, als er verstand, worum es ging. Er knuffte seine Schwester in die Seite.
»Nächste Woche ist Halloween. Sie wollen nicht gegessen und auch nicht mit Messern zu gruseligen Fratzen verschnitzt werden.«
Wieder nickten die Kürbisse. »Wir wollen diese grausame Fest einfach nur überleben. Außerdem erschrecken wir uns immer vor den vielen Gespenstern, Monstern und Geistern, die in der Nacht unterwegs sind und um Süßigkeiten betteln.«
Dafür hatten die Kinder Verständnis. Sie wünschten den Flüchtlingen alles Gute und verabschiedeten sich wieder. »Wir werden niemandem euer Versteck verraten.«
Dann setzten sie sich wieder in ihr fliegendes Bett und machten sich auf den Heimweg.
»Ich glaube, ich muss Morgen früh mit Papa reden.« dachte Nele nach. »Er wollte mir einen Kürbis zum Schnitzen kaufen. Den möchte ich jetzt doch nicht mehr haben.«

(c) 2014, Marco Wittler

382. Kampf im All

Kampf im All

Captain Tommi zog sich langsam seinen Raumanzug an. Es sollte nur noch wenige Minuten dauern, bis er die Sicherheit seines Raumschiffs verlassen sollte. Dann würde er in der Unendlichkeit des Weltalls, weit weg von Planeten und Sternen durch die Schwerelosigkeit schweben.
Noch ein letztes Mal überprüfte er seine Ausrüstung, bevor er den Helm aufsetzte.
»Alles an seinem Platz.«, murmelte er zufrieden und schnallte sich seinen Rucksack um.
Mit schweren Schritten stapfte er die Gänge entlang und betrat schließlich die Luftschleuse. Die erste Tür schloss sich hinter ihm. Mit einem leisen Zischen wurde die Luft aus dem kleinen Raum heraus gesaugt. Dann öffnete sich die zweite Tür und gab den Blick auf das wunderschöne Sternenmeer frei. Es sah aus, als hätte jemand mit kleinen Nadeln Löcher in ein Zelt gestochen.
Captain Tommi stieß sich ab und schwebte hinaus. Zur gleichen Zeit kamen ihm weitere Astronauten aus anderen Raumschiffen entgegen. Er und zehn weitere trugen weiße Raumanzüge. Sie versammelten sich und sahen sich nun elf Gegnern gegenüber, die rot gekleidet waren.
»Also Leute.«, sprach Tommi über sein Funkgerät.
»Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Wir werden sie fertig machen. Wir lassen keine Gnade walten. Selbst wenn sie darum betteln, dass wir sie verschonen sollen, machen wir weiter bis zum Schluss.«
Sie waren sich einig und setzten grimmige Gesichter auf, während der Captain seinen Rucksack öffnete und eine Kugel daraus hervor holte.
»Wir greifen an.«, rief er. Dann gab er seinem Fußball einen Tritt und schwebte ihm sofort nach.
Die rote Mannschaft setzte sich nun auch in Bewegung. Sie schalteten ihre Raketenrucksäcke ein und stürzten sich auf den Ball. In den unzähligen Raumschiffen, die am Rande des Spielfeldes schwebten, sahen viele Zuschauer zu und feuerten ihre Teams begeistert an.
Hin und her ging der Ball, mal nach links und mal nach rechts. Wenn ein Spieler nicht richtig aufpasste, konnte er sogar nach oben und unten weg.
Zuerst sah es sehr gut für die Roten aus. Sie kamen dem Tor immer näher. Sie schossen eine Attacke nach der anderen, aber der Torwart konnte sie immer im letzten Augenblick abwehren. Doch dann schnappte sich Captain Tommi den Ball. Er stürmte unerwartet schnell auf seine Gegner zu, umspielte sie mit Leichtigkeit und schoss das entscheidende Tor in allerletzter Sekunde, bevor der Schiedsrichter das Spiel abpfiff.
»Wir haben gewonnen.«, freuten sich die weißen Astronauten.
Zufrieden schwebten sie zurück in ihre Raumschiffe und flogen mit ihnen nach Hause in die große Spielzeugkiste.
Der kleine Tommi grinste zufrieden. So viel Spaß hatte er mit seinen neuen Legofiguren noch nie gehabt. Das wollte er unbedingt beim nächsten Mal mit seinem besten Freund wiederholen.

(c) 2012, Marco Wittler