523. Muuuh, Määäh und I-Aaah

Määäh, Muuuh und I-Aaah

»Muuuh!« erklang ein lautes Geräusch aus dem Stall.
»Muuuh!« hörte sogar der Bauer in seinem Haus und auch die anderen Tiere auf der Weide.
»Muuuh?« wunderte sich das wollig weiche Schaf und sah sich um. »Hier stimmt doch etwas nicht. Aber was ist es nur?«
Das Schaf öffnete den Mund, rief laut und machte dabei »Määäh!«
Es nickte zufrieden. »Ich mache Määäh. Ich bin also das Schaf«.
Und es war gut, dass es das Schaf war, denn auf dem Bauernhof gab es nur eines von ihm.
»Jetzt bist du dran.« sagte das Schaf nun zum Tier, dass vor ihm stand.
»Muuuh!« machte es laut.
»Du machst Muuuh! Also musst du der Ochse sein.«
Der Ochse nickte zufrieden. Er war schließlich schon immer ein Ochse gewesen. Und von ihm gab es auch nur einen auf dem Bauernhof.
»Muuuh!« hörten die Beiden nun wieder aus der Scheune.
»Muuuh?« fragte wieder das Schaf.
»Wenn du bei mir bist, Ochse, wer steht denn dann in der Scheune und muuuht? Es gibt doch keinen zweiten Ochsen auf dem Bauernhof. Das sollten wir uns unbedingt anschauen.«
Schnell machten sie sich auf den Weg und liefen schnell in die Scheune.
»Muuuh!« ertönte es schon wieder.
Das Geräusch kam aus der hintersten Ecke.
»Muuuh!« machte dort ein großes, graues Tier mit langen Ohren.
»Muuuh?« fragte noch einmal das Schaf.
»Warum machst du ständig Muuuh? Du bist doch nicht der Ochse.«
»Was?« fragte das graue Tier. »Ich bin nicht der Ochse?«
Das Schaf schüttelte den Kopf und lachte.
»Nein, du bist nicht der Ochse, denn der steht neben mir. Du bist der Esel.«
»Achso!« antwortete der Esel. »Das habe ich ja völlig vergessen.«
Der Esel grinste und hörte auf, ständig Muuuh zu rufen. Nun machte er das, was er am Besten konnte. Er rief ganz laut: »I-Aaaah!«

(c) 2015, Marco Wittler

260. Wolle Wollknäuel

Wolle Wollknäuel

»Wolle Wollknäuel.«, rief die Schäfersfrau über die große Weide hinweg.
»Los, kleines Schaf, komm schnell her.«
Wolle sah auf. Er hatte gerade ein Grasbüschel zwischen den Zähnen, kaute gemütlich darauf herum und schluckte es herunter. Erst dann begann er sich zu bewegen. Neugierig näherte er sich der Stimme, die ihn gerufen hatte.
Gab es vielleicht etwas besonders Leckeres zu Fressen? Denn es war noch keine Zeit, um sich im Stall schlafen zu legen.
Die Schäfersfrau öffnete ihre Tasche und holte eine große Schere daraus hervor.
»Es wird Zeit, dir dein Fell zu scheren.«
Wolle konnte sich nicht vorstellen, was die Frau mit ihm machen wollte. Er war noch jung und hatte noch nicht viel erlebt.
Da wurde er schon von einer kräftigen Hand gepackt. Die Schere sauste nieder und schnitt in wenigen Minuten das komplette Fell von seiner Haut.
Das kleine Schaf war erschrocken. Es sah sich seinen nackten Körper an.
»Du meine Güte. So kann ich mich doch nirgendwo sehen lassen.«
Wolle wurde rot im Gesicht und verkroch sich hinter dem Stall.

Ein paar Wochen begann der Winter. Die Temperaturen fielen und unzählige Schneeflocken bedeckten die Erde.
Wolle trottete traurig über die Weide und zitterte. In dieser Kälte fehlte ihm sein wärmendes Fell.
»Wolle Wollknäuel.«, rief die Schäfersfrau, als sie aus dem Haus kam.
»Kleines Schaf, komm her zu mir.«
Wolle sah sich um. Noch immer traute er ihr nicht über den Weg. Aber was sollte ihm denn noch passieren? Sein Fell hatte er bereits verloren. Also schlich er zu ihr hin.
»Frierst du nicht bei diesem Wetter?«, fragte die Frau.
»Ich glaube, da habe ich etwas für dich.«
Mit leuchtenden Augen öffnete sich ihre Tasche und holte einen großen Pullover hervor.
»Den habe ich für dich aus deinem Fell gestrickt. Der wird dich im Winter wärmen.«
Und schon streifte sie den Pullover über das kleine Schaf.
Pullover? Ein wirklich geniale Idee. Wolle war glücklich, denn kaum hatte er dieses Kleidungsstück am Körper, wurde es richtig mollig warm.
Ganz vergnügt hüpfte er über die verschneite Weide zurück zu seinen Freunden.

(c) 2009, Marco Wittler