629. Gute Vorsätze

Gute Vorsätze

Hannah saß in ihrem Zimmer auf dem Boden und war von unzähligen Spielzeugen umringt. Es war fast kein Platz mehr, um ungefährdet hindurch zu gehen. Irgendwann kam Mama herein.
»Du meine Güte. Hier sieht es aber aus. Ein Schlachtfeld ist nichts dagegen. Da muss dringend aufgeräumt werden.«
Hannah seufzte. »Aber ich habe doch schon letztes Jahr aufgeräumt.«
Mama bahnte sich vorsichtig einen Weg zum Bett und setzte sich. »Dann ist es ja ein guter Zeitpunkt, sich zum Jahresanfang einen guten Vorsatz zu machen.«
Hannah sah sie stirnrunzelnd an.
»Das macht man so. Man überlegt sich etwas, das man a dem Jahresanfang in seinem Leben besser machen möchte. Papa will weniger ungesundes Zeug essen, dein Bruder will mehr lernen, um seine Schulnoten zu verbessern und ich will endlich etwas abnehmen. Und du?«
Hannah seufzte und sah sich in ihrem Zimmer um.
»Na gut. Du hast ja Recht. Ich will in Zukunft mein Zimmer aufräumen.«
»Prima.«, freute sich Mama. »Dann fang am Besten gleich damit an.«

Ein paar Stunden später warf Mama wieder einen Blick in Hannahs Zimmer. Sie war sehr verwundert, denn das was sie da sah, hatte sie so nicht erwartet. Überall lag Spielzeug auf dem Boden, auf dem Bett und in jeder Ecke.
»Wolltest du nicht dein Zimmer aufräumen?«
Hannah strahlte über das ganze Gesicht.
»Ja, das wollte ich. Ich habe auf ganz fleißig alles aufgeräumt. So sauber hast du mein Zimmer noch nie gesehen.«
»Und was ist dann passiert?«
Hannah grinste.
»Dann habe ich ein wenig gespielt und schon war es alles wieder unordentlich.«

(c) 2017, Marco Wittler

628. Ein ganzer Tag ‚Prosit Neujahr‘

Ein ganzer Tag ‚Prosit Neujahr‘

Max war unglaublich aufgeregt. Er durfte dieses Silvester nicht nur in der Nacht das Feuerwerk anschauen, er durfte auch das erste Mal in seinem Leben bis in die Nacht wach bleiben. Er war mittlerweile ein großer Junge. Also hatte Mama entschieden, dass er keinen Mittagsschlaf machen oder abends vorschlafen musste.
»Ich kann es kaum noch bis Übermorgen aushalten. Silvester ist für mich der tollste Tag im ganzen Jahr.«, freute sich Max. »Na gut, nach meinem Geburtstag und Weihnachten. Ich liebe das Feuerwerk. Am Liebsten würde ich mir das den ganzen Tag anschauen. Zu blöd, dass es nach einer halben Stunde schon vorbei ist.
In diesem Moment kam Onkel Peter ins Wohnzimmer.
»Du kannst es dir wenigstens mit den anderen anschauen.«, seufzte er. »Ich muss dieses Jahr arbeiten und werde weit weg von Zuhause sein.«
Onkel Peter war Pilot. Ständig war er irgendwo in der Welt unterwegs und brachte Urlauber von einem Land in ein anderes.
»Dieses Jahr wird es besonders anstrengend. Ich fliege mit ein paar Kollegen in 24 Stunden einmal um die ganze Welt. Wir können also einmal pro Stunde ins neue Jahr feiern?«
»Wie geht denn das?«, wollte Max unbedingt wissen.
»Weißt du, die Erde ist eine runde Kugel und dreht sich in 24 Stunden einmal um sich selbst. Und weil es nicht in jedem Land die gleiche Uhrzeit haben kann, gibt es unterschiedliche Zeitzonen. Sonst würde es in Amerika mitten in der Nacht hell werden, wenn es bei uns früher Morgen ist. Und so schaffen wir dann 24 Feuerwerke und Neujahrsfeiern an einem Tag. Allerdings schauen wir uns das Ganze nur von oben an. Wenn wir jedes Mal landen würden, wäre die Zeit zu knapp.«
Max Augen begannen zu leuchten. Einen ganzen Tag lang ins neue Jahr feiern, immer und immer wieder. Eine echt coole Sache. Das wäre ein absoluter Traum.
»Darf ich mitfliegen? Ich muss das unbedingt sehen.«
Onkel Peter sah zu Max Eltern, die nur grinsten. Sie wussten genau, dass man Max seine Idee nicht ausreden konnte.
»Na gut. Ich nehme dich mit. Aber du musst immer auf mich hören und darfst im Flugzeug keine Knöpfe anfassen. Versprochen?«
»Versprochen.«
Kurz darauf flogen die beiden als Passagiere bis nach Neuseeland, auf der anderen Seite der Erde.
»Wir werden das erste Feuerwerk verpassen. Aber unser Flieger ist zu groß, um auf einer kleinen Insel im Pazifischen Ozean zu landen. Aber danach sehen wir uns alles an.«
Mitten in der Nacht ging es los. Onkel Peter und seine Kollegen steuerten das Flug über Australien nach Asien, Afrika und Europa. Es ging weiter nach Amerika und wieder zurück über den Ozean nach Neuseeland. Es war ein grandioses Spektakel, immer und immer wieder sehen zu können, wie die Menschen ins neue Jahr feierten.
Max feierte jedes Mal mit und stieß mit einem Saftglas mit Onkel Peter an.

(c) 2017, Marco Wittler

627. Das erste Feuerwerk oder „Papa, warum machen wir eigentlich Feuerwerk?“ (Papa erklärt die Welt 43)

Das erste Feuerwerk
oder »Papa, warum machen wir eigentlich Feuerwerk?«

Es war Silvester. Das neue Jahr stand schon in den Startlöchern und wartete darauf, mit großem Getöse zu beginnen. Sofie stand am Fenster und sah nach draußen in die Nacht. Ständig sah sie auf die Uhr. Es waren nur noch fünf Minuten, bis das Feuerwerk los gehen würde.
»Ich freue mich schon riesig. Ich kann es kaum erwarten, bis das neue Jahr beginnt und der Himmel voller Licht ist.«
Papa gesellte sich zu ihr. »Das stimmt. Feuerwerk ist eine tolle Sache.«
Sofie sah ihn nachdenklich an. »Papa, warum machen wir eigentlich Feuerwerk?«
Papa hielt inne, kratzte sich am Kinn und dachte nach.
»Das ist eine gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig vom Feuerwerk. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal ein schlauer Erfinder, der noch spät am Abend über den Plänen einer neuen Erfindung grübelte. Draußen war es schon dunkel geworden, die Nacht hatte die Erde fest im Griff. Mit ein paar Kerzen hatte sich der Erfinder Licht gemacht, damit er noch eine Weile arbeiten konnte.
Leider war diese Weile nicht ganz so lang, wie er es sich erhofft hatte. Nach und nach wurde es in seiner Werkstatt dunkler. Eine Kerze nach der anderen war aufgebraucht und ihr Licht erlosch.
»Verdammt!«, regte sich der Erfinder auf. »Wie soll ich etwas erfinden, wenn ich nichts mehr sehen kann.«
Schnell warf er einen Blick aus dem Fenster und suchte verzweifelt nach dem Mond und den Sternen, von denen er sich noch ein wenig Licht erhoffte, denn er hatte vergessen, neue Kerzen zu kaufen.
Vom Himmel konnte er sich leider keine Hilfe erhoffen, denn der war von dicken Wolken bedeckt.
»Wie soll ich denn jetzt das Sternenlicht nutzen? Ich brauche ganz dringend ein paar künstliche Sterne.«
Schnell nahm sich der Erfinder Zettel und Bleistift und begann etwas neues zu erfinden. Kurz darauf begann er zu basteln. Er füllte eine alte Klorolle mit Schwarzpulver und Metallstaub und verschloss das Ganze.
»Hoffentlich klappt das.«
Er lief nach draußen, steckte seine Erfindung in den Boden und zündete sie über eine kleine Schnur an. Eine kleine Flamme fraß sich schnell zur Klorolle hinauf. Sekunden später raste die Rolle zum Himmel hinauf und explodierte. Über den ganzen Himmel verteilten sich leuchtende Sterne, die die Welt unter sich erhellten. Jetzt war es wieder hell genug, um neue Erfindungen aufs Papier zu bringen. Zufrieden ging der Erfinder zurück in sein Haus.

»Das war aber ein kluger Erfinder.«, freute sich Sofie jetzt noch mehr über das Feuerwerk. »Das war die bestimmt die beste Erfindung aller Zeiten.
Dann sah sie wieder nach draußen. Die ersten Knaller und Raketen wurden gezündet und flogen in den Himmel.
»Ich wünsche dir ein frohes, neues Jahr Papa.«, sagte Sofie.
»Das wünsche ich dir auch.«, antwortete Papa.
»Und trotzdem glaube ich dir von deiner Geschichte kein einziges Wort.«, flüsterte sie grinsend.

(c) 2017, Marco Wittler

573. Silvesterraketen

Silvesterraketen

Tom stand an seinem Fenster und sah in die Dunkelheit des Abends hinaus. Alle paar Minuten stieg eine kleine Rakete in den Himmel, explodierte dort und erhellte damit für kurze Zeit die Straßen der Stadt.
»Kommst du nicht zu uns?«, fragte Papa, als er den Kopf durch die Tür ins Kinderzimmer steckte.
»Nee!«, antwortete Tom. »Hier ist es viel interessanter. Ich will keine einzige Silvesterrakete verpassen. Die Leute da draußen zünden immer wieder welche an.«
Papa sah auf seine Armbanduhr und kratzte sich am Kopf.
»Ist ja komisch. Es ist doch noch gar nicht Mitternacht. Noch ist es zu früh zum Knallen.«
Tom seufzte, als wieder eine Rakete nach oben sauste.
»Ach, ist das schön. Wie gern würde ich auch mal da oben sein und mir das Feuerwerk vom Himmel anschauen. Das wäre bestimmt ein unglaublicher Anblick.«
»Wir können ja nachher die Straße rauf gehen. Dann sind wir etwas höher und haben einen guten Ausblick auf die Stadt. Ist das was?«
Tom schüttelte den Kopf.
»Nee. Das ist nicht das selbe. Ich will über den Raketen und Knallern fliegen. Ich will sie richtig von oben sehen können.«
»Ok.«, antwortete Papa. »Dann gehen wir nachher nur vor’s Haus.«

Zwei Stunden später war es beinahe so weit. Nur noch wenige Sekunden trennten die Welt vom neuen Jahr. Die ganze Familie stand vor dem Fernseher und zählte mit dem Moderator der Silvestershow die Sekunden herunter. Selbst Tom war mittlerweile aus seinem Zimmer gekommen.
»Fünf … vier … drei … zwei … eins … Prost Neujahr!«
Sie stießen an. Die Erwachsenen mit Sekt, die Kinder mit Prickelbrause. Dann zogen sie alle ihre Jacken an und gingen nach daußen.
Überall wurde nun geknallt. Hier machte es Bumm, dort gab es einen kräftigen Rumms. Unzählige Raketen flogen nun in den dunklen Nachthimmel.
»Tom, komm mit. Schnell, wir gehen in den Garten!«
Papa nahm seinen Sohn an die Hand und zog ihn hinter sich her.
»Warum gehen wir denn in den Garten? Da sehen wir doch gar nichts vom Feuerwerk. Was sollen wir denn da?«
»Ich habe für uns eine Überraschung vorbereitet.«
Widerwillig ging Tom mit. Als sie schließlich auf der Wiese standen, bekam er vor Staunen riesige Augen.
»Was ist denn das?«
»Du wolltest das Feuerwerk von oben sehen. Damit möchte ich deinen Wunsch erfüllen.«
Rund um das kleine Gartenhaus, das seit einer Ewigkeit auf dem Rasen stand, waren Silvesterraketen angebunden. Es mussten einige Hundert sein.
»Los! Einsteigen! Wir müssen uns beeilen, bevor alles vorbei ist.«
Papa schob Tom durch die kleine Tür und schloss sie dann hinter sich. Durch das Seitenfenster zündete er eine lange Zündschnur an.
Es zischte. Es rauchte. Das kleine Feuer kam den Raketen immer näher.
»Drei … zwei … eins … null … Zündung!«
Die Raketen brannten. Das Gartenhaus erzitterte ein paar Sekunden lang. Dann hob es tatsächlich langsam ab. Zentimeter für Zentimeter bewegte es sich nach oben. Dann wurde es plötzlich schneller und schneller. Es flog hoch hinauf in die Lüfte, überholte alle anderen Raketen, bis es schließlich fast die Wolken erreichte.
»Wow! Das ist unglaublich.«
Tom und Papa konnten die gesamte Stadt von oben sehen. Sie war von einem riesigen Lichtermeer umgeben. Überall blitzten Knaller auf. Aus jeder Straßen erhoben sich Raketen in die Luft.
»So oft hab ich mir das schon gewünscht. Jetzt endlich geht mein Traum in Erfüllung. Danke Papa.«
Tom drückte Papa an sich. Dann sah er wieder aus dem Fenster.
Langsam erloschen die Raketen am Gartenhaus. Für einen kurzen Augenblick schien es in der Luft still zu stehen. Dann bewegte es sich wieder nach unten.
»Werden wir jetzt auf den Boden knallen?«
Papa grinste.
»Nein. Für unsere sichere Landung habe ich gesorgt.«
Er zog an einer Leine. Über dem Gartenhaus spannte sich ein großer Fallschirm auf, den Mama aus alten Tischdecken und Bettlaken genäht hatte.
Ganz sanft sank das Häuschen nach unten und landete wieder im Garten auf der Wiese.
»Das war das coolste und schönste Silvester aller Zeiten. Papa, du bist der Allerbeste.«, bedankte sich Tom noch einmal.

(c) 2016, Marco Wittler

470. Gute Vorsätze für das neue Jahr

Gute Vorsätze für das neue Jahr

Die Silvesterparty und die darauf folgende Nacht waren vorbei. Nach einem langen und tiefen Schlaf war Mia aufgewacht und hatte sich zu ihrer Familie ab den Frühstückstisch gesetzt. Vor ihr standen aufgebackene Brötchen, Wurst und Käse, ein paar Gläser Marmelade, Cornflakes und Müsli und natürlich eine riesige Tasse Milchkaffee für Mama.
»Habt ihr euch denn schon ein paar gute Vorsätze für das neue Jahr gemacht?« fragte Papa schmatzend seine Familie.
»Also ich möchte mehr Zeit mit euch verbringen und endlich mal die Wand im Wohnzimmer tapezieren. Das will ich schon seit Monaten machen.«
»Außerdem solltest du dir noch vornehmen, beim Essen nicht mehr so oft mit vollem Mund zu reden« schlug Mama lachend vor.
»Ich möchte dieses Jahr mehr Sport machen, etwas abnehmen und einen flacheren Bauch bekommen, damit ich im Sommerurlaub einen Bikini tragen kann.« erzählte Mama.
Patrick, Mias großer Bruder, legte sein Salamibrötchen auf sein Frühstücksbrett und räusperte sich verlegen.
»Ich möchte mir dieses Jahr mehr Mühe in der Schule und beim Lernen geben, damit ich nicht sitzen bleibe. Meine Noten müssen unbedingt besser werden.«
Mama nickte zustimmend.
»Und was ist mit dir Mäuschen?«
Mia richtete sich auf und legte ihren Löffel in die  Müslischale.
»Ich habe mir auch was Tolles vorgenommen. Ich werde jetzt jeden Tag mein Zimmer aufräumen. Wenn ich abends ins Bett gehe, wird alles ordentlich sein.«
»Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.« lachte Mama.

Am Abend war Mama richtig neugierig. Sie konnte es kaum erwarten, einen Blick in Mias Kinderzimmer zu werfen. Nach dem Essen ging sie Treppe hinauf, klopfte an Mias Tür und ging hinein.
Tatsächlich war alles perfekt aufgeräumt. Nirgendwo lag Spielzeug.
»Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen könnte.«
Mama war begeistert. Sie holte ein Märchenbuch aus dem Regal und setzte sich auf den Bettrand.
»Moment mal. Was ist denn das?« wunderte sie sich.
Die Bettdecke sah mehr als seltsam aus. Überall waren große und kleine Beulen.
»Was ist denn das?« fragte Mama verwirrt und hob die Decke an.
Um Mia herum lagen unzählige Spielzeuge. Das ganze Bett war voll. Die Matratze war nicht mehr zu sehen.
»Wolltest du dein Zimmer nicht ordentlich aufräumen? Wie war das noch mit deinem guten Vorsatz für das neue Jahr?«
Mia grinste von einem Ohr zum anderen.
»Mein Zimmer ist doch aufgeräumt. Alles sauber. Ich hab ja nicht gesagt, wo ich meine Sachen hinräume. Ins Bett ging halt besonders schnell.«
Mama musste lachen.
»Deine Idee ist toll. Aber so kann man leider nicht schlafen. Ich helfe dir, die Sachen auf den Boden zu legen und dann wird geschlafen. Ab Morgen wird dann richtig aufgeräumt, in Ordnung?«
Mia war einverstanden.

(c) 2014, Marco Wittler

469. Die Silvesterrakete

Die Silvesterrakete

Tim sah auf den Kalender. Nur noch einen Tag bis Silvester. Er bekam ein flaues Gefühl im Magen.
»Kann ich nicht einfach im Bett bleiben und bis ins neue Jahr durchschlafen?«
Er hasste Silvester. Er konnte es nicht leiden. Er erinnerte sich noch sehr gut daran, dass ihm sein großer Bruder vor ein paar Jahren einen kleinen Knaller auf den Kopf geworfen hatte. Dort war dieser dann auch explodiert. Es hatte zwar nur ein wenig geschmerzt, aber der Schreck war dafür umso größer gewesen.
»Ich will nicht mit nach draußen. Ich mag es auch nicht knallen hören. Das ist doch alles richtig doof.«
Mama und Papa seufzten. Die ganze Familie war bei Onkel Markus zum Feiern eingeladen. Das konnten sie so kurzfristig nicht mehr absagen.
»Willst du es dir nicht vielleicht einfach vom Fenster aus ansehen? Du kannst dann im Wohnzimmer sitzen bleiben.« schlug Mama vor. Aber auch damit war Tim nicht einverstanden.
»Ich will überhaupt kein Silvester. Wenn es nach mir gehen würde, müsste man es abschaffen. Das wäre das ein Tag wie jeder andere auch.«
»Wir müssen uns wohl etwas einfallen lassen.« flüsterte Mama leise zu Papa.

Von Stunde zu Stunde wurde Tim nervöser, auch wenn es noch einen ganzen Tag dauern sollte. Er konnte bis zur Feier sogar noch einmal schlafen. Aber er konnte sich nicht beruhigen, denn Papa war mit Onkel Markus in den Baumarkt gefahren, um irgendwas einzukaufen. Wer sollte ihn denn jetzt trösten? Mama stand nämlich in der Küche und bereitete das Essen vor.

Am Silvesterabend konnte sich Tim kaum auf seinem Stuhl halten. Er war so nervös, dass er die ganze Zeit hin und her rutschte und immer wieder zur Toilette laufen musste. Alle paar Minuten sah er ängstlich zur Uhr hinauf.
Pünktlich um Mitternacht begannen alle außer Tim zu jubeln. Er sah sich stattdessen nach einem passenden Versteck um, im dem er die nächste halbe Stunde überleben konnte.
»Lasst uns die große Rakete in den Himmel schießen.« rief Papa und stürmte in den Flur. Ein paar Augenblicke später kam er zurück und hielt eine große, dicke Rakete in den Armen. Sie schien so schwer zu sein, dass er sie kaum tragen konnte.
Tim bekam große Augen. Die Panik war ihm richtig anzusehen.
»Was … was … was wollt ihr damit hier drinnen? Wir werden bestimmt alle sterben.« stotterte er.
»Hier stirbt niemand.« beruhigte ihn Onkel Markus.
»Die haben wir speziell für die gebaut. Sie rast nicht in den Himmel, sie explodiert nicht und macht auch keinen Krach. Das ist die Tim-Spezial-Silvester-Rakete, die niemandem Angst macht.«
Genau in diesem Moment drückte Papa auf einen Knopf und brachte damit unzählige bunte Lämpchen zum Leuchten.
»Hier ist aber noch ein zweiter Knopf.« erklärte er.
»Der ist für unseren Tim reserviert. Würdest du ihn bitte drücken?«
Tim spürte, wie er rote Ohren bekam. Jetzt war die Angst wieder da. Warum sollte er sich dem Ding nähern? War das vielleicht ein Trick?
»Keine Angst. Dir wird wirklich nichts passieren. Stattdessen haben wir eine ganz große Überraschung für dich.«
Vorsichtig, ganz langsam, näherte er sich der Rakete. Mit geschlossenen Augen streckte er seinen Finger aus, wartete kurz ab und drückte schließlich auf den Knopf.
Es klickte im Innern, dann öffnete sich die Rakete und aus ihrem Inneren fielen ganz viele Bonbons auf den Fußboden.
»Frohes neues Jahr.« wünschten sie dem grinsenden Tim und jeder wollte ihn unbedingt einmal drücken.

(c) 2014, Marco Wittler