541. Halloween im Weltall

Halloween im Weltall

Die kleine Leonie stand vor dem großen Kalender im Flur und sah sich an, was in den nächsten Tagen alles eingetragen war. Am letzten Tag im Oktober stand ein Wort, dass sie noch nie zuvor gesehen oder gehört hatte: Halloween.
»Was ist denn Halloween?«, fragte sie sich laut.
Ihr großer Bruder Tim hörte sie und kam aus dem Wohnzimmer in den Flur.
»Was? Du kennst Halloween nicht? Das kann ich gar nicht glauben. Halloween kennt doch eigentlich jeder.«
Leonie zuckte mit den Schultern. »Ist nicht meine Schuld. Mir hat halt noch niemand davon erzählt.«
Tim grinste.
»Dann komm mal mit. Wir gehen in mein Zimmer, setzen uns auf mein Sofa und ich erzähle dir, was Halloween ist.«
Die beiden Geschwister gingen die Treppe nach oben und setzten sich in Tims Zimmer. Dort begann dann der große Bruder zu erzählen.
»Schau mal nach draußen. Was siehst du da?«
Leonie sah durch das Fenster.
»Es ist dunkel draußen. Ich sehe gar nichts. Irgendwo da unten steht unser Apfelbaum, aber sehen kann ich ihn nicht.«
»Dann schau doch mal nach oben.«
Leonie legte ihren Kopf in den Nacken und sah nach oben.
»Nein. Du sollst nicht zur Zimmerdecke sehen. Schau nach draußen in den Himmel.«
Leonie lachte und sah dann nach draußen.
»Da sind ein paar Sterne. Die funkeln. Aber das ist ja nichts Besonderes. Das machen sie jede Nacht. Das hat doch nichts mit Halloween zu tun.«
»Das nicht.«, erklärte Tim. »Aber da oben am Himmel gibt es einen ganz besonderen Stern. Er heißt Lich und um ihn herum bewegen sich drei Planeten. Einer von ihnen heißt Poltergeist. Er ist der berühmte Halloweenplanet. Dort wurde das Fest erfunden. Die Außerirdischen feiern es dort das ganze Jahr. Wir nur an einem einzigen Tag.«
»Und was macht man an Halloween?«
»Das ist ganz einfach. Man verkleidet sich als Geist, Gespenst, Vampir, Monster oder etwas anderem, wovor man sonst Angst hat.«
Leonie verdrehte die Augen. »Du willst mich nur auf den Arm nehmen. Das glaube ich dir nicht. Woher willst du das denn wissen? Du bist doch noch nie auf einem anderen Planeten gewesen.«
Tim lachte. »Da stimmt. Ich bin noch nie dort gewesen. Aber ich hab es gesehen.«
Er öffnete seinen Kleiderschrank und holte ein großes Teleskop daraus hervor.
»Damit kann man sich Sterne und Planeten anschauen. Damit habe ich die Außerirdischen von Poltergeist mit ihren Verkleidungen gesehen.
Leonie bekam große Augen. »Du veräppelst mich wirklich nicht? Das ist die Wahrheit?«
Tim nickte.
»Dann will ich das jetzt auch sehen.«
»Na gut.« Tim stellte das Teleskop ans Fenster, richtete es aus und drehte eine Weile an ein paar kleinen Rädchen.
»Jetzt ist es richtig eingestellt. Wenn du jetzt durch schaust, kannst du sie sehen.«
Das ließ sich Leonie kein zweites Mal sagen. Sie drückte ihr Auge auf das kleine Guckloch und sah sich alles ganz genau an. Doch dann war sie ganz enttäuscht.
»Aber wo sind denn die Außerirdischen? Ich sehe nur ganz normale Menschen.«
Tim nickte. »Ist alles richtig.«
»Aber ich denke, die würden sich alle verkleiden.«
»Du hast mir nicht richtig zugehört. An Halloween verkleidet man sich als etwas Schreckliches, als etwas, vor dem man riesig große Angst hat.«
Leonie war noch immer enttäuscht. »Ja, ich weiß. Hast du mir gesagt. Aber ich sehe da keine Verkleidungen. Die sehen alle wie ganz normale Menschen aus.«
Tim lachte ein weiteres Mal. »Ja was dachtest du denn? Auf diesem Planeten leben Außerirdische. Die sehen in Wirklichkeit ganz anders aus als wir und fürchten sich am meisten vor uns Menschen. Deswegen haben sie sich auch so verkleidet.«
Leonie verdrehte die Augen und sah sich das Teleskop noch einmal genauer an. Dabei fiel ihr auf, dass es nicht zu Himmel hinauf zeigte, sondern zur Stadt.
»Du hast mich doch auf den Arm genommen. Und ich hätte es dir fast geglaubt.«
Beleidigt verließ sie das Zimmer. Als sie durch die Tür trat, drehte sie sich noch einmal um.
»Dann muss ich halt irgendwann mit einem Raumschiff zum Poltergeist fliegen. Dann schaue ich selbst nach, wie die Außerirdischen dort aussehen.«

(c) 2016, Marco Wittler