592. Emma und die Außerirdischen

Emma und die Außerirdischen

Am Nachmittag kam die kleine Emma aus der Kindertagesstätte. Nachdem sie Mama und Papa begrüßt hatte, lief sie, wie an jedem Tag, in ihr Kinderzimmer, sammelte ihre Puppen zusammen und spielte mit ihnen.
»Du immer mit deinen langweiligen Puppen.«, sagte ihr großer Bruder Christian, der schon fünfzehn Jahre alt war. »Es gibt doch viel coolere Sachen, mit denen man spielen kann.
Nach einer Stunde kam Emma mit einer Hand voll Puppen ins Wohnzimmer. Dort saß Christian gerade vor dem Fernseher und sah sich etwas an.
»Kannst du das nicht leiser machen?«, fragte Emma. »Meine Puppen und ich wollen jetzt eine Teeparty machen.«
»Teeparty?«, fragte ihr Bruder ungläubig. »Warum spielst du das denn nicht in deinem Zimmer? Hast du da nicht genug Platz?«
Emma schüttelte den Kopf. »Mama hat mir doch verboten, etwas zu Essen oder zu Trinken mit in mein Zimmer zu nehmen, weil ich da schon so oft etwas verschüttet habe.«
Dann ging sie in die Küche und holte sich eine große Tasse Früchtetee, die Mama gerade gekocht hatte.
Emma platzierte ihre Puppen auf den Sesseln und Sofas. Jede von ihnen bekam eine leere Tasse. Dazu noch einen kleinen Teller.
»Es ist angerichtet, meine Damen. Ich hoffe, dass es euch schmeckt.«
Sie war mitten in ihrem Spiel, als sie von einem lauten Schrei gestört wurde.
»Mensch, Christian. Mach das doch mal leiser. Siehst du denn nicht, dass sich die Damen hier ganz dolle erschrocken haben?«
Emma schnappte sich die Fernbedienung und wollte einfach abschalten. Doch dann sah sie auf den Bildschirm.
»Was guckst du da eigentlich. Warum sehen die Menschen da so komisch aus?«
Christian verdrehte die Augen. »Die sehen nicht komisch aus, das sind Aliens – Außerirdische. Die kommen von einem anderen Planeten. Die sehen halt ganz anders aus, damit man sie von den Menschen unterscheiden kann. Sie greifen gerade die Erde an und wollen sie erobern. Und wenn dann jemand erschossen wird, dann wird auch schon mal geschrieen.«
»Aha.«, antwortete Emma nur. »Zu laut ist es trotzdem. Dein komischer Alienfilm ist doof.«
Dann packte sie ihre Puppen und ging mit ihnen nun doch zurück in ihr Zimmer.
Eine ganze Weile später kam Mama ins Wohnzimmer. Noch immer sah sich Christian Filme mit Außerirdischen an.
»Jetzt ist aber langsam genug.«, sagte Mama. Meine Serie fängt gleich an. Jetzt wird umgeschaltet.«
Sie sah sich um.
»Wo ist eigentlich Emma? Sie sollte ihre Teeparty hier im Wohnzimmer machen.«
Christian zuckte nur mit den Schultern und hoffte, noch ein paar Minuten vor dem Fernseher bleiben zu können.
»Los, steh auf und hilf mir suchen.«
Er seufzte, schaltete ab und stand auf. Lange suchen musste er nicht. Er fand seine kleine Schwester in ihrem Zimmer, aus dem er ihre Stimme hörte. Christian öffnete die Tür und sah hinein. Was er dahinter entdeckte, überraschte ihn. Emma hatte alle ihre Puppen im Gesicht bunt angemalt und manchen die Haare abgeschnitten.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte er überrascht. »Was hast du denn mit deinen Puppen angestellt. Da darf doch sonst niemand was mit machen.«
Emma drehte sich um und grinste.
»Das sind keine Puppen. Das sind Aliens. Und sie wollen nicht die Erde erobern. Sie sind nett und wollen mit mir eine Teeparty feiern. Ist das nicht cool? Aliens sind voll in Ordnung.«
Christian verdrehte die Augen und verließ Emmas Zimmer.
»Alles in Ordnung.«, rief er Mama zu. »Hab die Kurze gefunden.«
Emma spielte währenddessen weiter mit ihren Aliens.
»Eines Tages möchte ich mich mal mit echten Außerirdischen treffen und eine Tasse Tee mit ihnen trinken. Das wird bestimmt richtig cool.«

(c) 2016, Marco Wittler

590. Finns erstes Kommando

Finns erstes Kommando

Finn stand im Flur vor dem großen Kalender, den Mama an die Wand gehängt hatte. Lesen konnte er noch nicht, aber trotzdem wusste er ganz genau, was für den morgigen Tag eingetragen war: ‚Finns sechster Geburtstag‘.
»Mein sechster Geburtstag. Endlich.«
Der sechste Geburtstag. Das war etwas ganz Besonderes. Nicht so gewöhnlich, wie der Vierte oder Fünfte. Es war der Sechste. Schon bald würde er in die erste Klasse der Grundschule gehen dürfen. Dann würde er kein kleines Kindergartenkind mehr sein.
»Dann gehöre ich endlich zu den Großen.«
Er dachte nach.
»Dann werde ich auch keine Kinderspiele mehr machen. Ich bin ab Morgen ein großer Junge. Dann spiele ich auch nur noch Sachen, die die Großen gern machen.«
Was das sein sollte, wusste er selbst nicht. Aber er nahm sich vor, nie wieder im Sandkasten zu spielen.
Finn lief in sein Zimmer und sah sich um. »Aber was spielen große Jungs?«
Er sah nichts. Nur zu gern hätte er seine alten Spielzeuge aus den Regalen geräumt und Neue besorgt. Aber was bloß?
»Vielleicht fällt mir Morgen früh etwas ein. Denn jetzt bin ich ja noch klein.«
Er machte sich zum Schlafen fertig, ließ sich von Mama noch eine Gute Nacht Geschichte vorlesen und freute sich beim Einschlafen auf Morgen.

Am nächsten Morgen war Finn schon sehr früh wach. Als dann endlich der Wecker klingelte, sprang er sofort von seinem Bett in seine Klamotten und Schuhe.
»Ich bin wach! Ich bin wach!. Jetzt bin ich sechs. Ich bin ein großer Junge!«
Finn stellte sich vor den großen Spiegel im Flur, in dem sich Mama jeden Tag ihre schicken Kleider ansah.
»Ist ja seltsam.«, murmelte Finn enttäuscht. »Ich sehe gar nicht größer aus. Ist irgendwie alles wie gestern.«
Er zuckte mit dem Schultern. »Ich gehöre jetzt trotzdem zu den Großen.«
Als er später im Kindergarten war, überlegte er ziemlich lange, womit er sich die Zeit vertreiben sollte. Sein Freund Lukas lud ihn ein, gemeinsam eine Sandburg zu bauen.
»Sandburgen? Nicht mit mir.«, lehnte Finn ab. »Das ist was für Kleine. Als großer Junge macht man sowas nicht mehr.«
Lisa, ein Mädchen, mit dem er schon öfter gespielt hatte, kam mit einer anderen Idee auf ihn zu.
»Magst du mit mir Vater, Mutter, Kind spielen? Ich bin die Mama, du der Papa und meine Püppi ist unser Baby. Ist doch cool, oder?«
Finn verdrehte aber nur die Augen.
»Ich mache keine Kindergartenspiele mehr. Ich bin sechs Jahre als. Das ist nichts mehr für mich.«
So ging es den ganzen Tag weiter. Finn wollte nichts mit den anderen Kindern spielen. Er wusste auch nicht, was er als großer Junge spielen sollte. Niemand war da, um ihm einen Tipp zu geben. Leider gab es im Kindergarten keine anderen großen Jungs, denn Finn war der Älteste hier.
Unzufrieden verzog er sich in den Gruppenraum und setzte sich an einen der Tische. Er holte sich ein Blatt Papier, einen Buntstift und begann, etwas zu kritzeln.
»Was wird denn das?«, fragte Kindergartentante Fritzi.
»Ich schreibe.«, antwortete Finn genervt.
»Ich versuche jedenfalls zu schreiben. Ist gar nicht so einfach, wenn man die Buchstaben nicht kennt. Aber große Jungs müssen das können.«
Fritzi setzte sich lächelnd mit an den Tisch.
»Aber warum willst du unbedingt schreiben können? Das lernst du doch bald in der Schule.«
»Weil ich jetzt sechs Jahre alt bin. Ich bin ein großer Junge. Und große Jungs machen keine Kindergartenspiele mehr.«
»Hm.«, machte Fritzi.
»Ich glaube, ich habe da eine Idee. Als ich sechs wurde, wollte ich auch keine Kindergartenspiele mehr machen. Und meine Kindergartentante hat mir dann einen ganz tollen Tipp gegeben. Sie schlug mir ein ganz neues Spiel vor. Es heißt ‚Kindergarten.«
»Kindergarten?«, fragte Finn.
»Was soll das denn für ein komisches Spiel sein? Das hört sich aber gar nicht cool an.«
»Das ist es ja gerade. Es ist so cool, dass es die anderen gar nicht bemerken. Man tut so, als wäre man ein kleines Kindergartenkind. Aber weil man schon groß ist, kennt man bei allen Spielen die Regeln und ist meist besser als die anderen.«
Das leuchtete ein. Finn grinste und lief nach draußen.
»Danke, Fritzi. Ich gehe jetzt Kindergarten spielen.«

Am Abend kam Papa von der Arbeit. Finn zeigte ihm stolz seine vielen Geburtstagsgeschenke, die er am Nachmittag bekommen hatte. Danach erzählte er ihm von seinem großen Problem. Er hoffte darauf, dass Papa ihm zeigen konnte, was große Jungs gern spielen. Immerhin war Papa auch mal ein Junge.
»Hm.«, machte Papa. »Lass uns mal in dein Zimmer gehen. Wir schauen uns einfach um und finden was für dich.«
Während Papa sich alle Schränke und Regale ansah, blickte Finn gelangweilt aus dem Fenster und sah zum dunklen Himmel hinauf. Plötzlich hatte er einen Einfall.
»Jetzt weiß ich es.«, rief er. »Ich will Astronaut spielen und in den Weltraum fliegen. Das machen wirklich nur große Jungs.«
Wieder machte Papa »Hm. Ich kann aber nichts finden. Keine Spielzeugraumschiffe, keine Astronautenfiguren. Du hast auch keine Bücher über den Weltraum. Da wirst du noch etwas warten müssen.«
Finn schüttelte den Kopf.
»Keine Spielzeuge. Ich will richtig Astronaut spielen. Oder noch besser: Ich will ein Raumschiffkommandant sein. Dann kann ich auf meinem bequemen Kommandantensessel sitzen und meiner Mannschaft Befehle geben.«
Er dachte an eine Serie, die vor ein paar Tagen im Fernsehen lief. Darin war es auch so gewesen.
»Wir haben kein Raumschiff.«, entschuldigte sich Papa.
»Brauchen wir auch nicht.«
Finn verdrehte die Augen.
»Wir spielen doch nur. Können wir nicht aus unserem Auto ein Raumschiff machen? Mein Kindersitz ist der Kommandantensessel und du bist der Pilot. Gemeinsam fliegen wir dann von einem Planeten zum nächsten.
Papa schwieg und dachte wohl noch über diesen Vorschlag nach.
»Bitte, bitte, bitte.«, bettelte Finn.
»Na gut. Zieh dir deine Jacke an. Wir fliegen in ein paar Minuten ab.«

Kurze Zeit später saßen sie zu zweit im Auto.
»Maschinen starten.«, befahl Finn.
Papa drehte den Zündschlüssel um.
»Steuermann, bringen sie uns raus.«
Papa gab langsam Gas und fuhr den Wagen von der Garage auf die Straße.
»Wo soll es hingehen, Sir? Welche Richtung?«, fragte er nach hinten.
Finn dachte nach. Sollte es zum Mond gehen? Zur Sonne? Oder irgendwohin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war?
Schließlich erinnerte er sich an eines seiner Lieblingsbücher, das ihm Mama so oft vorgelesen hatte.
»Flieg einfach vorbei am zweiten Stern von rechtsund dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung.«
»Aye, Sir.«, antwortete Papa und fuhr los.
Finn setzte sich seinen Fahrradhelm auf, den er nun als Astronautenhelm benutze. Dabei grinste er von einem Ohr zum anderen.
»War gut, dass mir Mama immer wieder Peter Pan vorgelesen hat. Aber ab jetzt will ich nur noch Weltraumgeschichten vor dem Schlafen hören.«

(c) 2016, Marco Wittler

589. Nik und Nele und das Weltraummonster (Nik und Nele 12)

Nik und Nele und das Weltraummonster

Die Zwillinge Nik und Nele lagen in ihrem Etagenbett und sollten eigentlich schlafen. Zumindest hatte Mama darauf bestanden. Schlafen konnten die beiden aber trotzdem nicht. Zu groß war die Abenteuerlust. Sie wollten noch etwas unternehmen.
»Wohin fliegen wir heute Nacht?«, fragte Nik von der oberen Matratze.
»Ich schaue mal in mein Weltraumbuch.«, antwortete Nele von unten und begann sofort zu blättern.
Normalerweise wartete Nik geduldig darauf, dass seine Schwester etwas fand. Doch dieses Mal, hatte er selbst Lust, ein Flugziel zu suchen. Er kletterte aus dem Bett und ging zur Balkontür. Dort stand das Teleskop, mit dem die Kinder abends immer die Sterne am Himmel beobachteten.
Er richtete das Teleskop auf den Mond aus und warf einen Blick hindurch.
Verdutzt zog er sofort seinen Kopf zurück und sah verwirrt zu Nele. Dann schaute er noch einmal zum Mond hinauf.
»Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Wenn ich das richtig gesehen habe, wird der Mond von einem riesigen Weltraummonster angegriffen. Wir müssen sofort etwas unternehmen.«
Nele legte sofort ihr Buch zur Seite und sprang aus dem Bett.
»Kann doch gar nicht sein. Was soll das denn für ein Monster sein, das dem Mond gefährlich werden kann? Lass mich mal sehen.«
»Aber wenn ich es dir doch sage. Das Monster sieht unglaublich gefährlich aus uns ist sogar ein Stück größer als der Mond. Es wird ihn bestimmt fressen und dann die Erde angreifen.«
Nele schob Nik zur Seite und sah nun selbst durch das Teleskop in den Nachthimmel.
Sie begann zuerst zu grinsen, dann kicherte sie leise. Schließlich lachte sie fast so laut, dass Mama es hätte hören können.
»Du bist mir ja ein großer Angsthase. Du kannst eine Spinne nicht von einem Weltraummonster unterscheiden.«
Sie ging um das Teleskop herum und nahm eine kleine Spinne vom Objektiv auf. Das Tier war nur wenige Millimeter klein und krabbelte ängstlich auf Neles Hand hin und her.
»Die bringe ich mal lieber nach draußen, bevor sich dich noch auffrisst.«, neckte sie ihren Bruder.
»Ich glaube, wir bleiben heute Nacht zu Hause. Das Weltall ist eindeutig zu gefährlich für dich, Bruderherz.«
Sie öffnete die Balkontür, entließ die Spinne in die Freiheit und legte sich dann wieder ins Bett.

(c) 2017, Marco Wittler

585. Nik und Nele auf dem kleinen Mond (Nik und Nele 11)

Nik und Nele stehen in ihrer elften Geschichte Pate für eine ganz neue Serie. Unter dem Titel „Mein kleiner Mond und ich“ erscheinen regelmäßig neue Geschichten über ein kleines Mädchen, dass mit seinem kleinen Mond in den Weiten des Alls unterwegs ist und sich von den Wundern des Universums begeistern lässt. Diese neue Serie hat eine eigene Seite, die du am Ende der folgenden Geschichte findest.

Nik und Nele auf dem kleinen Mond

Die Zwillinge Nik und Nele hatten sich bereits ihre Klamotten für die Nacht angezogen. Nele saß in ihrem Nachthemd auf der unteren Matratze des Etagenbettes, ihr Bruder Nik in seinem bunten Weltraumschlafanzug darüber. Jeder von ihnen hatte noch ein Buch in der Hand, die beide viele Bilder von Sonnen, Planeten, Monden und weit entfernten Galaxien zeigten.
»Schon cool, was es alles im Weltall gibt.«, schwärmte Nik von oben. »Da draußen gibt es ja noch so unglaublich viel zu entdecken. Ob die Menschheit jemals jedes Geheimnis des Universums lösen wird?«
Nele lachte.
»Ganz bestimmt nicht. Dafür ist das Universum auch viel zu groß. Mit den Teleskopen, die heute benutzt werden, kann man eh nicht alles sehen. Dafür müsste man schon mit einem schnellen Raumschiff überall hinfliegen können. Aber davon gibt es auf der Erde nicht so viele.«
Da musste Nik ihr zustimmen. Ihm fiel nur ein einziges Raumschiff ein, dass in der Lage war, weit entfernte Planeten zu erreichen. Doch das gehörte nicht den Wissenschaftlern der Erde.
Nele blätterte in ihrem Buch weiter.
»Wow. Schau mal auf Seite 32. Da steht was über eine Supernova. Schaut irre aus.«
Sie dachte nach und grinste.
»Wäre das nicht eine coole Sache, wenn wir uns das mal anschauen, wie eine alte Sonne explodiert und stirbt? Das hat bestimmt noch kein Mensch aus der Nähe gesehen.«
In diesem Moment kam Mama ins Kinderzimmer und sammelte die Bücher ein.
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.«, sagte sie. »Es wird langsam Zeit zu schlafen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen wieder eure Nasen in eure Bücher stecken.«
Mama deckte ihre Zwillinge zu, gab ihnen einen Gute Nacht Kuss und wünschte ihnen eine gute Nacht.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Wir werden uns eine Supernova anschauen. In meinem Buch habe ich von einer Sonne gelesen, die schon sehr alt ist und nicht mehr lange leben wird. Wenn wir Glück haben, explodiert sie heute Nacht. Dann werden wir die ersten Menschen sein, die so etwas gesehen haben.«
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Supernova.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

Das Etagenbett raste nach wenigen Sekunden an der internationalen Raumstation ISS vorbei, passierte den Mond und verließ unser Sonnensystem. Das Ziel war eine weit entfernte Sonne, die zu Beginn der Reise nur als kleiner, weißer Punkt im All zu erkennen war. Doch mit jeder Minute wurde dieser Punkt größer.
»Wir sind bald da.«, erklärte Nele. »Opa hat am Wochenende ein paar Stunden an unserer Technik geschraubt und den Antrieb verbessert. Unser Bett jetzt fast doppelt so schnell wie vorher.«
Nik war begeistert. Er konnte sich an den vorbei flitzenden Sternen einfach nicht satt sehen.
»Eigentlich schade. Mir macht der Flug so viel Spaß, wir könnten uns die Supernova auch an einem anderen Tag anschauen.«
Nele knuffte ihn in die Seite.
»Zu spät, wir sind schon fast angekommen. Außerdem wird die Supernova nicht auf uns warten.«
Das fliegende Bett bremste und wurde langsamer. Vor sich sahen die Kinder eine rote Sonne um die sich ein paar Planeten drehten.
»Sie wird schwächer.«, erklärte Nele. »Ihr Licht war mal heller und auf den Planeten muss es deutlich wärmer gewesen sein.«
Das bestätigte sich bei einem Blick auf die Planeten. Ihre Oberflächen waren mit Eis und Schnee bedeckt.
»Wenn es hier mal Leben gegeben hat, ist es schon vor langer Zeit erfroren.«
Langsam näherten sie sich der Sonne, um sie aus der Bähe betrachten zu können. dann fiel ihnen etwas auf. Die Zwillinge entdeckten einen kleinen, dunklen Punkt.
»Was fliegt denn da so nah an der Sonne vorbei?«, wunderte sich Nik. »Für einen Planeten ist es zu klein. Das sollten wir uns genauer anschauen.«
Nele steuerte das Bett auf das unbekannte Objekt zu. als sie nah genug waren, stellte sie fest, dass sich ein kleiner Mond hierher verirrt hatte. Und dieser Mond war nicht allein. Auf ihm saß ein kleines Mädchen.
»Das glaub ich nicht. Das ist ja völlig verrückt.«, entfuhr es Nik.
»Etwa so verrückt, wie ein fliegendes Bett im Weltraum?«, fragte Nele und grinste schelmig.
»Hallo, kleines Mädchen!«, rief zu zum Mond hinüber. »Was machst du hier so ganz allein?«
Das Mädchen drehte sich um. Sie schien ihre Besucher erst in diesem Moment zu entdecken.
»Allein? Ich vin doch nicht allein. Ich habe meinen kleinen Mond und gemeinsam leisten wir Oma Sonne Gesellschaft.«
»Oma Sonne?«
Nele wollte gar nicht glauben, was sie da hörte. Wie konnte denn eine Sonne eine Oma sein?
Doch dann drehte sich die Sonne plötzlich um sich selbst. Auf ihr kam ein freundlich lächelndes Gesicht zum Vorschein.
»Hallo, ihr zwei. Ich bin Oma Sonne. Was führt euch zu uns?«
Unsicher lächelten Nik und Nele zurück. Mit so einer Überraschung hatten sie nicht gerechnet.
»Wir wollten uns eigentlich eine Supernova aus der Nähe anschauen.«, begann Nele.
»Oma? Was ist eine Supernova?«
Die alte Sonne sah verzweifelt von dem kleinen Mädchen zu den Zwillingen hinüber.
»Wenn eine sehr große Sonne alt geworden ist, dann bläht sie sich auf. Sie wird so groß, dass sie dabei einige ihrer Planeten verschluckt und anschließend explodiert. Aus ihr wird eine riesige Gas- und Staubwolke. Aus dieser entsteht dann irgendwann eine neue, junge Sonne mit neuen Planeten. Alles beginnt dann wieder von vorn.«
Das Mädchen bekam große, entsetzte Augen.
»Du wirst explodieren, Oma Sonne?«
Oma Sonne lächelte. Hätte sie einen Kopf besessen, würde sie diesen schütteln.
»Nein. Darum musst du dich nicht sorgen. Ich bin dafür nicht groß genug. Ich werde einfach nur alt. Ich werde schrumpfen, mein Licht wird schwächer und kälter. Bis ich dann vergehe, wird noch viel Zeit vergehen.«
Die Sonne schloss die Augen und seufzte.
»Mein Licht wird aber schon bald nicht mehr ausreichen, um dich und deinen kleinen Mond zu wärmen. Du wirst schon bald nicht mehr bei mir leben können.«
Der Blick des kleinen Mädchens wurde traurig.
»Ist mir deswegen in letzter Zeit immer so kalt?«
»Ja.«
Oma Sonne schluckte schwer.
»Du wirst dir schon bald einen neuen Platz zum Leben suchen müssen.«
»Aber wohin soll ich gehen? Ich kenne nichts anderes, als dich und deine Planeten.«
Nele räusperte sich leise aber hörbar.
»Wir können dir dabei helfen.«
Sie holte unter ihrem Kopfkissen das große Weltraumbuch hervor.
»Das Universum ist voller Sonnen und Welten. Jede von ihnen ist einzigartig und etwas ganz Besonderes. Wenn du es annehmen magst, würde ich dir mein Buch schenken. Darin wirst du erfahren, wo sich welche Welt befindet und wie du dort hin kommst.«
Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf.
»Ich kann aber hier nicht weg. Ich kann meinen kleinen Mond nicht allein lassen. Er ist mein bester Freund und hat schon viel mit mir zusammen erlebt.«
Auch der kleine Mond sah nun ganz traurig aus.
Nik grinste und zog das Bettlaken von Neles Matratze.
»Alles kein Problem. wir binden das Laken an deinem Mond fest. Dann könnt ihr es als Segel benutzen. Ihr fahrt dann mit den Sonnenwinden durch das weite Sternenmeer. Und wenn einmal eine Flaute herrscht, pustet dein Mond mit vollen Backen in das Segel. Du wirst schon sehen, dass das eine gute Idee ist.«
Das Mädchen schluckte. Noch einmal sah sie Oma Sonne an. Die Sonne lächelte herzlich warm.
»Du schaffst das schon, mein kleines, geliebtes Mädchen. Dein kleiner Mond wird schon auf dich aufpassen. Und ich werde in Gedanken und in deinem Herzen immer bei dir sein.«
Das kleine Mädchen nickte und lächelte zurück.
»Dann werde ich mich auf die Reise machen. Und ich werde dich dabei nie vergessen.«
Nik und Nele begannen nun, den kleinen Mond vorzubereiten. Sie knoteten das Bettlaken an ihm fest, erklärten ihm, wie ein Segel funktionierte und legten noch das Weltraumbuch bereit. Zum Schluss kletterte Nik auf sein Bett hoch, kramte unter der Decke herum und holte ein paar leere Trinkflaschen hervor.
»Die wirst du bestimmt gebrauchen können.«
Das kleine Mädchen sah die Flaschen verständnislos an.
»Das verstehe ich nicht. Was kann ich mit den Dingern anfangen?«
Nik lachte.
»Das ist mein Rezept gegen Heimweh. Du schreibst Oma Sonne einen Brief über deine Abenteuer und Erlebnisse. Den steckst du in eine der Flaschen und wirfst sie dann in das Sternenmeer. Die Strömung sie dann hierher. Oma Sonne wird deine Briefe lesen können und fühlt sich dann ganz nah bei dir.«
Die Augen des kleinen Mädchens begannen zu strahlen. Es hüpfte von ihrem Mond auf das Etagenbett und drückte die beiden Zwillinge an sich.
»Vielen Dank, Nik und Nele. Ihr habt mir sehr geholfen. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages wieder sehen werden.«
Dann verabschiedeten sie sich voneinander. Die beiden Geschwister flogen langsam mit ihrem Etagenbett nach Hause. Immer wieder blickten sie dabei zurück und sahen dem Abschied des kleinen Mädchens von Oma Sonne zu.
»Wir haben zwar keine Supernova gesehen, aber dafür war dieses unerwartete Treffen viel schöner.«, sagte Nele.
»Ich hoffe, dass das kleine Mädchen einen neuen Platz im Sternenmeer finden wird.«
Dem konnte Nik nur beipflichten.

(c) 2017, Marco Wittler

Mehr Geschichten  vom kleinen Mädchen und ihrem kleinen Mond findest du in meinem neuen Projekt:
„Mein kleiner Mond und ich“

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584. Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe (Nik und Nele 09)

Nik und Nele reiten auf der Sternschnuppe

Die Zwillinge Nik und Nele saßen im Garten und beobachteten den Himmel, der langsam dunkel wurde. Der Mond hing als dünne Sichel über ihnen und verbreitete nur wenig Licht. Dafür erschienen nun die ersten Sterne.
»Gleich ist es so weit.« war Nele aufgeregt und ließ ihre Augen ständig hin und her wandern. »Hoffentlich sehe ich eine.«
Nik nickte. Er konnte es auch kaum noch erwarten, zum ersten Mal in seinem Leben eine Sternschnuppe zu sehen.
»Ich hoffe, dass es nicht nur eine wird. Ich will viele Sternschnuppen, damit ich mir ganz viel wünschen kann.«
Nele verdrehte die Augen. »Sternschnuppen erfüllen aber keine Wünsche. Sie sind nur Staub und kleine Gesteinsbrocken, die beim Eintritt in unsere Atmosphäre verbrennen.«
»Ist mir egal.« antwortete ihr Bruder. »Ich finde es trotzdem cool und werde mir jedes Mal was wünschen.«
In diesem Moment erschien ein heller Lichtpunkt über ihnen, der mit hoher Geschwindigkeit einen langen Strich über den Himmel und zog und nach einer knappen Sekunde wieder verschwand.
»Wow.« staunte Nele. »Das war unglaublich schön. Vielleicht wünsche ich mir auch etwas.«
»Ich weiß auch schon was.« schlug Nik vor. »Ich würde gerne mal auf einer Sternschnuppe durch den Himmel reiten. Das wäre eine richtig coole Sache.«
»Das verschieben wir aber auf einen anderen Tag.« hörten sie plötzlich Mamas Stimme, die sich vom Haus näherte. »Es wird langsam Zeit ins Bett zu gehen.«
Die Kinder seufzten. »Dabei wurde es gerade richtig schön.« waren sie enttäuscht.
»Ihr dürft Morgen Abend noch einmal schauen.« sagte Mama, während sie die Zwillinge ins Bett schickte.
Ein paar Minuten später lagen sie unter ihren Decken.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete Mama das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte Nele in die Dunkelheit hinein. »Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hältst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an und nickte grinsend.
»Du willst doch mal auf einer Sternschnuppe reiten. Also suchen wir uns eine und fragen, ob sie sich einen Sattel umschnallen lässt.
Sie legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Perseidenschwarm.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während die beiden mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

»Die Perseiden sind eine Staubspur, die ein Komet hinterlassen hat.« erklärte Nele, nachdem sie in ihr Weltraumbuch geschaut hatte.
»Jedes Jahr durchkreuzt die Erde zur gleichen Zeit diese Bahn. Dabei dringen die Staubteilchen in unsere Atmosphäre ein, verbrennen und es beginnt im Himmel zu leuchten.«
»Echt spannend.« fand Nik. »Hoffentlich können wir die Sternschnuppen aus der Nähe sehen.«
Der Flug war schon nach wenigen Minuten beendet und das Ziel erreicht. Das fliegende Etagenbett war an Rand der Atmosphäre angekommen.
Hier oben war die Aussicht grandios. Die Erde lag in der Dunkelheit der Nacht und es waren nur noch die Lichter der Städte zu sehen.
»Da sind sie! Da kommen sie!« Nele zeigte mit dem Finger nach oben.
Tatsächlich kamen gerade die Sternschnuppen auf sie zu. Zuerst sahen sie wir dunkle Steine aus. Dann aber stürzten sich Eine nach der anderen auf die Erde und begannen hell zu glühen. Überall waren grelle Lichter, die die Augen blendeten.
»Ein unglaublicher Anblick.« war Nik begeistert. »Außer uns werden das nur wenige Astronauten zu Gesicht bekommen.
In diesem Moment entdeckten die Zwillinge eine sehr kleine Sternschnuppe, die immer und immer wieder versuchte, in die Atmosphäre einzudringen und ein strahlenden Lichtstreif ins den Himmel zu zaubern. Aber sie blieb dunkel.
»Sie ist zu klein.« sagte Nele. »Allein wird sie es nicht schaffen. Sie braucht unsere Hilfe.«
Nik kratzte sich am Hinterkopf und dachte angestrengt nach. »Ich glaube, ich habe da eine Idee. Dafür müssen wir aber noch einmal nach Hause.«
Das ließ sich seine Schwester kein zweites Mal sagen. Sie steuerte das Bett zur Erde und hielt es vor dem Balkon des Kinderzimmers an.
Nik kletterte ins Haus, schlich sich in den Keller und besorgte eine Kiste. Damit kam er nach ein paar Minuten zurück und sprang wieder auf die Matratze. Nele gab sofort Gas und flog in den Himmel hinauf.
Sie brauchten nicht lange, um die kleine Sternschnuppe zu finden. Noch versuchte sie verzweifelt, ein Lichtstreif in der Dunkelheit zu werden. Noch immer klappte es nicht.
»Warte!« rief Nele. »Wir werden die helfen.«
Die Sternschnuppe blieb tatsächlich stehen und wartete ungeduldig ab. Nik öffnete seine Kiste und holte eine Feuerwerksrakete daraus hervor, die er der Sternschnuppe auf den Rücken schnallte.
»Damit wirst du ganz bestimmt leuchten.« erklärte er und zündete die Rakete an.
Die kleine Sternschnuppe nahm Anlauf und raste in die Atmosphäre der Erde. Im gleichen Augenblick begann die Rakete zu brennen und erzeugte einen so helles Licht, dass man es kaum ansehen konnte. Von der Erde aus musste es überwältigend aussehen.
»Das wird die größte Sternschnuppe aller Zeiten gewesen sein.« war Nele zufrieden.
Dann flog sie das Etagenbett zurück nach Hause und landete es im Kinderzimmer.
Noch eine Weile sahen die Zwillinge von ihren Matratzen aus in den Himmel hinauf, entdeckten immer wieder Sternschnuppen und wünschten sich, so viel sie nur konnten, bis sie langsam einschliefen.

(c) 2015, Marco Wittler

583. Nik und Nele machen eine Sonnenfinsternis (nik und Nele 08)

Nik und Nele machen eine Sonnenfinsternis

Es war Abend geworden. Die Zwillinge Nik und Nele saßen mit Papa vor dem Fernseher und sahen sich die Nachrichten an.
»Morgen Vormittag erwartet uns am Himmel ein ganz besonderes Ereignis.« erklärte der Sprecher. »In der Zeit zwischen halb zehn und zwölf Uhr wird der Mond zu einem großen Teil die Sonne verdecken. Es gibt eine Sonnenfinsternis.«
Die Kinder sahen sich begeistert an.
»Eine Sonnenfinsternis.« jubelte Nik. »Das wird richtig cool. Das müssen wir uns unbedingt ansehen. Das kommt hier in Deutschland nur ganz selten vor.«
»Aber leider wird die Sonne nicht komplett verdeckt. Das kann man nur im hohen Norden Europas sehen.« erklärte Papa.
»Woher weiß man eigentlich, wann und wo eine Sonnenfinsternis stattfindet?« wollte Nele wissen.
»Dafür gibt es Computerprogramme.« wusste Papa. »Schlaue Wissenschaftler haben es geschrieben und mit ganz vielen Daten gefüttert.«
»Das muss ich mir unbedingt mal genauer ansehen.« Nik wollte sich bereits seinen Tabletcomputer schnappen.
»Nichts da. Das kannst du Morgen noch machen. Jetzt ist es Zeit, ins Bett zu gehen.«
Mit deutlichem Murren zogen sich die Kinder in das gemeinsame Kinderzimmer zurück.
Ein paar Minuten später sah Mama noch einmal durch die Tür herein, wünschte den Beiden eine Gute Nacht und schaltete das Licht ab. Nur eine Sekunde später holte Nik den Tablet unter dem Kopfkissen hervor. Er tippte ein paar Mal auf den Bildschirm und suchte sich alle Informationen über die Sonnenfinsternis, die er finden konnte. Dann legte er die Stirn in Falten.
»Ist ja komisch.« murmelte er vor sich hin.
»Was ist denn?« wurde Nele neugierig und kletterte zu ihm auf die obere Hälfte ihres Etagenbetts.
»Was bedeuten die vielen Zahlen? Ich verstehe das nicht.«
»Mit diesen Formeln berechnet man die Bahnen von Erde und Mond. Am Ende sieht man dann, wann eine Sonnenfinsternis stattfindet.« erklärte Nik.
»Und was ist daran so komisch?«
»Ich hab die Formel von meinem Tablet aus Spaß nachrechnen lassen und komme immer wieder auf das selbe Ergebnis. Morgen findet keine Sonnenfinsternis statt. Irgendwer hat sich da verrechnet.«
Nele bekam große Augen. »Glaub ich nicht. Zeig mal her.«
Aber das Ergebnis blieb. Die Sonnenfinsternis würde nicht stattfinden.
»Das darf nicht passieren. Da bekommt sonst noch jemand Ärger. Außerdem werden sich alle Menschen sauer sein, die nur darauf warten. Wir müssen etwas unternehmen.« entschied sie.
Nik nickte. Sie kletterten vom oberen Bett herunter und setzten sich auf das Untere. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
Das ungewöhnliche Raumschiff flog in Richtung Himmel davon.

In wenigen Minuten war das Etagenbett am Mond vorbei geflogen.
»Wo geht’s eigentlich hin?« wollte Nik wissen.
»Wir fliegen auf direktem Weg zum Mars. Dort kann man immer Raumschiffe antreffen. Sie machen dort Rast, wenn sie vom Asteroidengürtel kommen, wo sie wertvolle Metalle abbauen. Mit denen müssen wir uns treffen.«
In der Ferne war bereits ein roter Fleck zu erkennen, der rasch größer wurde. Der Mars zeigte sich in seiner ganzen Pracht. Auf der Rückseite, die man von der Erde aus nicht sehen konnte, befand sich ein großer Raumhafen, auf dem hunderte Raumschiffe gleichzeitig parken konnten. Allerdings war heute nicht sehr viel los.
»Die meisten sind wohl gerade unterwegs.« überlegte Nele. »Das ist gar nicht gut für unseren Plan.«
Sie landeten, verließen das Bett und betraten ein Schnellrestaurant mit dem wohl klingenden Namen ‚McGalaxy‘.
»Einen SpaceBurger bitte!« rief Nik aus Spaß.
»Kommt sofort!« kam die prompte Antwort von der Theke.
»Wir haben jetzt keine Zeit zum Essen.« ermahnte ihn Nele. »Wir müssen ein paar Raumfahrer finden, die für uns die Sonne verdunkeln. Sonst wird das nichts mehr mit der Finsternis.«
Mühsam kletterte sie auf einen Barhocker am Tresen und rief den essenden Leuten zu: »Wir sind auf der Suche nach ein paar Raumschiffen, die für uns eine Sonnenfinsternis nachstellen. Die Menschen auf der Erde haben schon lange keine mehr gesehen und würden sich darüber sehr freuen.«
Lächelnd sah sie von Tisch zu Tisch, aber dann wich das Lächeln einem enttäuschten Gesichtsausdruck. Niemand meldete sich.
»Irgendwie klappt das nicht. Wir brauchen einen neuen Plan.«
Der Meinung war Nik auch. »Das hat eh keinen Sinn. Es sind viel zu wenig Raumschiffe da draußen. Die könnten niemals die Sonne so stark verdunkeln, dass es echt aussieht.«
Sie setzten sich an einen Tisch, aßen SpaceBurger, tranken Venus Limonade und grübelten. Dabei schweifte Niks Blick immer wieder durch die Fenster nach draußen.
»Einige Raumschiffe fliegen ganz schön schnell hier durch. Das sieht ziemlich gefährlich aus.«
»Ich weiß.« antwortete Nele. »Das ist ganz schön leichtsinnig. Ich hab sogar mal gehört, dass immer wieder Schiffe gegeneinander antreten.«
»Moment mal!« rief Nik. »Das ist die Idee.«
Er nahm sich gar nicht erst die Zeit, zu erklären, was ihm eingefallen war. Er verließ das Restaurant, lief zum Bett und holte sich ein paar Buntstifte und Papier, die er immer unter seinem Kopfkissen versteckt hielt, falls ihm nachts mal langweilig werden würde.
Als er wieder am Tisch saß, schrieb und malte er, was das Zeug hielt. Nach ein paar Minuten war sein Plakat fertig. In bunten Buchstaben stand darauf:

MORGEN GROSSES RAUMSCHIFFRENNEN!!!

Als Startpunkt hatte er einen Platz zwischen Erde und Sonne gewählt. Ab halb zehn in der früh durften sich die teilnehmenden Schiffe an Ort und Stelle versammeln.

»Das klappt nie.« schüttelte Nele den Kopf. »Du glaubst doch nicht, dass die Raumfahrer darauf reinfallen.«
Aber Nik war anderer Meinung. Er heftete eines der Plakate an die Eingangstür und wartete ab. Schon ein paar Minuten später standen mehrere Männer davor und lasen mit Begeisterung, was darauf stand.
»Davon müssen wir sofort den anderen erzählen. Das wird großartig.« war immer wieder zu hören.
»Jetzt müssen wir nur noch nach Hause fliegen und abwarten.«
Dann nahm Nik seine Schwester an die Hand und führte sie zum Etagenbett zurück.

Am nächsten Morgen konnten es die Kinder kaum erwarten, die Sonnenfinsternis zu sehen. Mit besonders guten Fernrohren, deren Gläser mit Ruß geschwärzt waren, saßen sie am Fenster und sahen zur Sonne hinauf.
»Es geht los!« rief Nik. »Die ersten Raumschiffe kommen.«
Tatsächlich tauchten immer mehr von ihnen auf. Zuerst waren es nur wenige, aber von Minute zu Minute wurden es mehr. Es waren Hunderte, dann Tausende. Die Sonne verdunkelte immer mehr, bis schließlich kaum noch etwas von ihr zu sehen war.
Nele holte ein kleines Gerät aus dem Schreibtisch und schaltete es ein. »Mal hören, was im Funkverkehr los ist.«
Man hörte viele Stimmen aus den Raumschiffen. Die Kapitäne konnten es kaum erwarten, dass sie starten durften.
»Hallo, hallo!« sprach Nele in ein Mikrofon.
»Hier spricht die Rennleitung. Wegen eines unerwarteten Problems muss das Rennen abgesagt werden. Leider kann es heute nicht stattfinden. Bitte verlassen sie das Startfeld langsam und in geordneten Bahnen. Wir danken für ihre Aufmerksamkeit.«
Lautes Murren und Knurren war zu hören. Die Raumfahrer waren sauer. Aber sie taten, was die Kinder von ihnen verlangten. Nach und nach flogen die Raumschiffe davon. Die Sonne wurde wieder sichtbar. Die Sonnenfinsternis war vorbei.
»Prima.« war Nik stolz. »Alles perfekt im Zeitplan. Wir können stolz auf uns sein.«

Auf der anderen Seite der Erde saß ein junger Wissenschaftler über ein paar Papieren, zog die Stirn in Falten und wunderte sich sehr.
»Wie kann das sein? Das ist doch nicht möglich. Ich hab mich doch verrechnet. Ich sehe den Fehler genau vor mir. Die Sonnenfinsternis hätte gar nicht stattfinden dürfen. Aber warum war sie dann da?«
Er sollte nie eine Antwort auf seine Fragen finden. Aber weil es ihm zu peinlich war, seinen Fehler zuzugeben, knüllte er nach ein paar Stunden seine Papiere zusammen und warf sie in den Müll.

(c) 2015, Marco Wittler

577. Nik und Nele auf dem Planeten der Hunde (Nik und Nele 03)

Nik und Nele auf dem Planeten der Hunde

Es war ein schöner Oktoberabend gewesen. Nur leider wurde es mittlerweile schon viel zu früh dunkel. Die warme Sonne hatte sich hinter dem Horizont verkrochen und ihre warmen Strahlen gleich mitgenommen.
»Schon komisch, dass es jetzt so früh dunkel wird. Das ist im Sommer einfach schöner.« murmelte Nik in seinem Bett vor sich hin.
»Aber dafür schlaft ihr dann auch schneller ein.« sagte Mama, die gerade den Kopf ein letztes Mal durch die Tür des Kinderzimmers steckte.
»Schlaft gut und träumt schön, ihr zwei. Wir sehen uns Morgen früh.«
Dann schaltete sie das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
»Wir sollten noch etwas unternehmen.« sagte nun auch Niks Zwillingsschwester Nele in die Dunkelheit hinein.
»Ich bin noch gar nicht müde. Schlafen kann ich später auch noch. Was hälst du von einem Ausflug?«
Sie starrte nach oben, in der Hoffnung, dass ihr Bruder zustimmen würde. Der ließ sich nicht lange bitten, kletterte vom oberen Etagenbett nach unten und setzte sich neben Nele.
»Du hast dir doch bestimmt schon ein Ziel ausgesucht, oder?«
Nele knipste ihre Taschenlampe an, holte ihr dickes Weltraumbuch unter der Decke hervor und blätterte ein paar Sekunden darin herum.
»Der Planet Pluto. Der ist so weit weg von der Sonne. Da ist es bestimmt ganz einsam. Der braucht unbedingt einen Besuch.«
Nik grinste. »Du weißt aber schon, dass Pluto kein Planet mehr ist?«
Nele nickte und verdrehte die Augen. »Ja, ich weiß, dass Pluto seit 2006 kein Planet mehr ist. Er ist nur noch ein Kleinplanet. Aber du hast vielleicht noch nicht mitbekommen, dass man dieses Jahr darüber geredet hat, ihn wieder zu einem echten Planeten zu machen.«
Sie klappte das Buch zu, legte ihr Kopfkissen zur Seite und drückte auf den großen, roten Knopf, der darunter zum Vorschein kam. An den Seiten des unteren Betts schoben sich dicke Glasscheiben nach oben. Die Türen des Balkons öffneten sich und das Bett schwebte langsam darauf zu.
»Nächster Halt: Pluto. Intergalaktischer Raumflughafen.« Nele grinste und machte es sich gemütlich, während sie mit ihrem sehr ungewöhnlichen Raumschiff in Richtung Himmel flogen.

»Die Umlaufbahn Plutos ist sehr ungewöhnlich. Er ist mal näher und mal weiter weg von der Sonne als sein Nachbar Neptun. Ihre Bahnen kreuzen sich immer wieder. Hoffentlich stoßen sie dabei nie zusammen.« dachte Nele über ihr Ziel nach.
»Wird schon gut gehen.« warf Nik ein. »Auch im Weltall gilt Rechts vor Links.«
»Wusstest du, dass man annimmt, dass Pluto mal ein Mond Neptuns war?« fragte Nele weiter.
»Neptun hat vor langer Zeit den Mond Triton eingefangen. Dadurch wurden Pluto und sein Mond Charon weggeschleudert. Nun drehen sie sich jeweils umeinander.«
In diesem Moment kamen sie an Charon vorbei, der nur ein kalter, grauer Felsbrocken war.
»Neben ihm gibt es noch vier weitere Monde. Nix, Hydra, Kerberos und Styx.«
Nik lachte laut. »Auf Nix ist bestimmt nix los.«
»Deswegen landen wir auch in wenigen Augenblicken auf der Oberfläche des Pluto.«

Die Landung war problemlos gewesen. Sanft hatte das Etagenbett seine Beine in den Staub der Plutooberfläche gesetzt und dann die schützenden Glasscheiben gesenkt.
»Wuff!« machte es plötzlich von einer Seite.
»Wuff!« kam es dann von der anderen Seite.
Von überall her stürmten Hunde heran. Kleine und Große, Dicke und Dünne, mit kurzem und langem Fell und tropfenden Sabbermäulern.
»Wo sind wir denn hier gelandet?« fragte sich Nik verwirrt. »Ich dachte, Pluto wäre unser Ziel gewesen und kein Hundetrainingsplatz.«
Nele schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. »Mensch. Denk doch mal nach. Der Planet heißt Pluto, wie der Hund von Micky Maus. Einer seiner Monde ist Kerberos. Das ist der Höllenhund bei den alten Griechen. Wir sind hier auf einem Hundeplaneten.«
»Hundezwergplanet!« verbesserte Nik grinsend.
Nun waren die Hunde heran. Sie setzten sich schwanzwedelnd vor das Bett und sahen die beiden Menschen erwartungsvoll an.
»Spazieren gehen?« fragte einer von ihnen.
»Werft mir ein Stöckchen! Werft mir ein Stöckchen.« ein anderer.
»Habt ihr Leckerlis dabei? Ihr habt doch bestimmt ganz tolle Leckerlis.«
»Ich will Gassi gehen. Ich habe extra meine Leine mitgebracht.«
In diesem Moment kam eine große Dogge anmarschiert. Sie war mindestens zwei Köpfe größer als alle anderen Hunde, die sich bereits versammelt hatten. Etwas scheu machte man ihr Platz.
»Sitz!« rief die Dogge. Alle Hunde setzten sich und wurden still.
»Ich bin hier der Leithund.« sagte die Dogge mit kräftiger Stimme.
»Ihr seid  ohne meine Erlaubnis auf unserem Planeten gelandet. Nach unseren Gesetzen steht darauf eine hohe Strafe.«
Die Zwillinge sahen sich ängstlich an.
»Auf das Betreten unseres Reviers stehen drei Jahre sozialer Dienst. Das bedeutet, ihr müsst nun jeden Tag mit uns Gassi gehen, uns Leckerlis geben, Stöckchen werfen und mir ganz persönlich den Bauch kraulen.«
Die Dogge legte sich auf den Rücken und machte einen Herz erweichenden Hundeblick.
»Bitte, bitte, bitte krault mich.«
Nele verdrehte die Augen und drückte entschlossen auf den roten Startknopf des Bettes.
»Das ist uns zu anstrengend. Aber wir schicken euch gerne mal  ein paar Schickimickidamen vorbei. Die tragen euch bestimmt gern den ganzen Tag in ihren großen Handtaschen durch die Gegend.«
Die Schutzgläser des Bettes hatten sich geschlossen. Nik und Nele flogen zurück zur Erde.
»Verrückte Planeten gibt es.« lachte Nele. Dann schlug sie ihr Weltraumbuch auf und suchte bereits nach dem nächsten Flugziel für eine andere Nacht.

(c) 2014, Marco Wittler

575. Nik und Nele in den Wolken (Nik und Nele 02)

Nik und Nele in den Wolken

Ein langweiliger Tag neigte sich dem Ende zu. Schon am frühen Morgen versteckte sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke und kam bis zum Abend auch nicht dahinter hervor.
»Hab ich dir schon mal gesagt, dass ich den Herbst nicht leiden kann?« beschwerte sich Nele bei ihrem Zwillingsbruder Nik.
»Geht mir aber auch so. Nur der Sommer ist richtig cool. Da ist es schön warm, die Sonne scheint und man kann die ganze Zeit draußen spielen.«
Nik sah durch das Fenster nach draußen und seufzte. »Wenn wir bloß was Tolles unternehmen könnten.«
In diesem Moment steckte Mama ein letztes Mal ihren Kopf durch die Tür ins Zimmer.
»Seit ihr schon fertig für’s Bett? Es ist schon nach acht Uhr. Jetzt wird geschlafen.«
Nik seufzte ein zweites Mal und kletterte am Etagenbett nach oben.
»Schlaft gut, meine Süßen.«
Mama pustete ihren beiden Kindern einen Luftkuss entgegen, knipste das Licht aus und schloss die Tür hinter sich.
Nele grinste in der Dunkelheit vor sich hin. »Warum besuchen wir nicht einfach einen Ort, an dem das Wetter vielleicht etwas besser ist?«
Sie hüpfte leise aus dem unteren Bett und schaltete das Licht wieder an. Dann holte sie ein großes Weltraumlexikon aus dem Regal und blätterte durch die Seiten, bis sie schließlich ihren Zeigefinger auf ein Foto drückte.
»Titan.« sagte sie.
Nik legte seine Stirn in Falten.
»Weißt du denn gar nichts?« fragte Nele und verdrehte die Augen.
»Titan ist ein Mond, der seine Bahnen um den Planeten Saturn zieht. Ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass es dort Meere geben soll. Und an Meeren gibt es normalerweise auch Sonnenschein.«
Sie grinste wieder. »Stell dir das doch nur mal vor. Wir liegen dort am Strand, lassen die Füße ins Wasser baumeln und über uns glitzern die Ringe des Saturns im Sonnenlicht. Klingt das nicht romantisch?«
Nun war es an Nik, die Augen zu verdrehen. Immer diese Mädchen mit ihrem Romantikkram. Das brauchte doch nun wirklich kein Mensch.
»So ein Blödsinn. Das ist voll langweilig. Ich will Sandburgen bauen, plantschen und mich im Strand eingraben lassen, bis nur noch der Kopf raus guckt. Das macht viel mehr Spaß.«
»Also fliegen wir hin?« wollte Nele ungeduldig wissen.
»Jaaa.«
Sie setzten sich gemeinsam auf das untere Bett. Nele legte ihr Kopfkissen zur Seite. Zum Vorschein kam ein großer, roter Knopf, den sie kräftig drückte.
»Fliegen wir zum Titan.«
An den Seiten des Etagenbettes hoben sich durchsichtige Scheiben empor umd schlossen die beiden Kinder in sich ein. Die Türen des Balkons schwangen auf, während sich das Bett langsam vom Boden erhob und nach draußen schwebte. Nik und Nele flogen zum Himmel hinauf, durchbrachen die Wolkendecke und verschwanden zwischen den unzähligen Sternen.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasten die Zwillinge in ihrem fliegenden Bett durch das All. Es ging vorbei an großen Planeten und kleinen Asteroiden, bis schließlich der Saturn in Sichtweite kam und schnell größer zu werden schien.
»Schau mal.« rief Nik lachend. »Der Saturn hat einen Ring. Er ist verheiratet. Würde mich mal interessieren, wer seine Frau ist, die kann ich nämlich nirgendwo entdecken.«
In diesem Moment schob sich ein kleiner, runder Schatten vor den riesigen Planeten.
»Das ist Titan.« erklärte Nele. »Wir werden in ein paar Minuten landen.«
Tatsächlich kam das fliegende Etagenbett dem Schatten, der sich bald als ein Mond zu erkennen gab, immer näher, drang in dessen Atmosphäre ein und landete schließlich am Ufer eines Meeres. Die schützenden Glasscheiben verschwanden und die beiden Kinder stiegen aus.
»Ein Strand! Ein Strand!« rief Neele begeistert und sah zum Himmel hinauf.
»Und da sind die Saturnringe. Das ist sooo romantisch. Wenn doch jetzt nur der Jonas hier wäre.«
Sie seufzte, während sie an den hübschen Jungen aus ihrer Klasse dachte.
In diesem Moment wurde es dunkel und laut über dem Meer. Der Saturn verschwand hinter einem riesigen …
»Was ist das denn für ein Ding?« wollte Nik wissen.
»Sieht wie ein Raumschiff aus.« rief ihm Nele zu.
»Das ist aber riesig.«
Es setzte zur Landung an. Doch statt auf dem Land nieder zu gehen, tauchte es zur Hälfte ins Wasser ein. Ein lautes Zischen war zu hören und ein Teil des Wasser verdampfte innerhalb weniger Sekunden.
»Der heiße Antrieb des Raumschiffs verwandelt das Wasser in Dampf.« war Nele enttäuscht. Denn aus dem Dampf bildete sich eine riesige Wolke, die Daturn und Sonne komplett verdeckte.
»Schon wieder schlechtes Wetter.« war Nik enttäuscht. »Das ist ja wie zu Hause.«
Das Raumschiff öffnete sich. Unzählige Außerirdische stiegen eine lange Rampe hinab. Die Männer hatten Digitalkameras in den Händen, die Frauen waren mit Sonnenschirmchen geschmückt.
»Wir sollten hier verschwinden.« entschied Nele enttäuscht.
»Das ist ein großes Touristenraumschiff. In ein paar Minuten wird der Strand so voll sein, dass wir hier keinen Platz für uns finden werden.«
Also setzten sie sich wieder in ihr Bett und flogen zurück zur Erde.

Ein paar Tage später saßen die Zwillinge mit Papa vor dem Fernseher. Es wurde gerade darüber berichtet, dass die amerikanische Weltraumbehörde NASA aufregende Fotos vom Saturnmond Titan gemacht hatte.
»In den letzten Jahren hat die Raumsonde Cassini immer wieder Fotos von Titan geschossen.« erklärte der Nachrichtensprecher. »Wie sie deutlich sehen können, befindet sich derzeit ein großer weißer Fleck darüber. Ältere Fotos zeigen diesen mal gar nicht und mal in anderer Form und Größe. Um was es sich dabei genau handelt weiß im Moment noch niemand. Aber das ist es, so ein NASA-Sprecher, worauf es in der Raumfahrt und der Beobachtung des Weltalls ankommt: Die Entdeckung und Erforschung neuer Geheimnisse.«
Nik und Nele grinsten sich gegenseitig an. Sie wussten genau, was dieser Fleck war und warum er immer wieder auftauchte.

© 2014, Marco Wittler

Info:
Der Planet Saturn ist 1.43 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das ist fast zehn Mal so weit, wie die Erde. Er besitzt nicht nur einen, sondern ganze 62 Monde. Einer von ihnen ist Titan, auf dessen Oberfläche Meere und Seen entdeckt wurden. Baden kann man darin nicht, denn dafür ist es dort zu kalt und atmen kann man auf dem Mond auch nicht. Seine Luft ist für uns giftig.
Vor ein paar Jahren hat die Raumsonde Cassini begonnen, Fotos vom Saturn und seinen Monden zu machen. Darauf ist tatsächlich ein weißer Fleck zu sehen. In den letzten sieben Jahren wurden drei Bilder gemacht. Mal ist der Fleck da, mal nicht. Wenn er zu sehen ist, hat er verschiedene Formen.
Was dieser Fleck ist und wie er entsteht, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Es könnte eine Wolke sein, aber auch einfaches Leben, zum Beispiel kleine Bakterien, die in großer Zahl an dieser Stelle leben. Es könnte aber auch etwas ganz anderes sein.

574. Nik und Nele erobern den Mond (Nik und Nele 01)

Nik und Nele erobern den Mond

Es war Abend geworden. Die Sonne war vor ein paar Minuten hinter dem Horizont verschwunden. Die zehn Jahre alten Zwillingsgeschwister Nik und Nele lagen seit ein paar Minuten im Bett und sollten eigentlich bald schlafen. Die tägliche Gute Nacht Geschichte hatten sie bereits von Mama vorgelesen bekommen.
»Ob die beiden schon vor dem Fernseher sitzen?« fragte Nele flüsternd in die Dunkelheit hinein.
Nik sah auf seinen leuchtenden Wecker. »Ist jetzt viertel nach acht. Die schauen jetzt ihre Lieblingsserie. Währenddessen gehen sie nicht mal zur Toilette.«
Er richtete sich im Bett auf und sah in das zweite Bett unter sich. »Hast du noch was vor oder warum hast du gefragt?«
Nele grinste, was ihr Bruder im dunklen Zimmer natürlich nicht sehen konnte.
»Ich will einmal zum Mond und zurück. Papa hat doch letzte Woche erzählt, dass da oben alles aus Käse gemacht ist.«
»Und das glaubst du natürlich nicht.«
Nele schüttelte den Kopf. »Papa erzählt so viel Blödsinn, dass ich das meiste davon gar nicht glauben mag. Also will ich selbst nachschauen, ob er Recht hat oder nicht.«
Nik seufzte und ließ sich zurück auf sein Kopfkissen fallen.
»Wie willst du das denn anstellen? Du bist keine Astronautin. Die werden dich niemals mit einer Rakete ins All schicken.«
Nele zuckte mit den Schultern. »Raketen interessieren mich eh nicht. Viel zu langsam und uncool. Opa hat mir geholfen, was besseres zu bauen.«
Jetzt musste Nik lachen. »Du hast mit Opa ein Raumschiff gebaut? Alles klar. Jetzt verstehe ich. Dann gehst du also Morgen in den Garten und spielst deine Reise zum Mond.«
»Nein.« antwortete seine Schwester entschlossen. »Mein Raumschiff ist echt. Und ich werde damit heute Nacht noch ins All starten. Ich werd es dir schon zeigen.«
Sie knipste ihre Nachttischlampe an und gab ihrem Bruder zu verstehen, dass er nach unten kommen sollte.
»Nimm Decke und Kopfkissen mit und vergiss da oben deine Kuscheltiere nicht.«
Nik war verwirrt. Was hatte das alles nur mit einem Flug ins All zu tun? Aber weil er seiner Schwester nicht den Spaß verderben wollte, machte er erstmal mit.
Nele schob nun ihr eigenes Kopfkissen zur Seite. Darunter war ein großer, roter Knopf versteckt gewesen.
»Es geht los.« flüsterte sie und drückte mit ihrer Hand kräftig darauf.
Wie von Geisterhand geführt, öffneten sich plötzlich die beiden Türen zum Balkon. Wenige Sekunden später schoben sich auf allen vier Seiten des Etagenbetts Glasscheiben nach oben und schlossen die Kinder ein.
»Damit wir im All nicht ersticken. Da oben gibt es nämlich keine Luft.« klärte Nele ihren Bruder auf.
Das Bett begann leicht zu vibrieren, später zitterte es an jedem einzelnen Brett, bevor es sich sanft erhob und durch die offenen Balkontüren nach draußen schwebte und Richtung Mond verschwand.
»Das ist ja völlig irre.« rief Nik begeistert und konnte sich an der schnell kleiner werdenden Erde unter sich kaum satt sehen.
»Wir fliegen wirklich und das auch noch komplett ohne Raumschiff und Raketen. Das wird mir niemand glauben. Hätte ich bloß meine Digitalkamera mitgenommen.«
Sie rasten an der Raumstation vorbei, die seit einigen Jahren ihre Kreise um die Erde zog. Zu gern hätten sie den Astronauten zugewunken, aber dafür war das Bett einfach zu schnell.
»Wir sind gleich da.« Nele zeigte mit dem Finger nach vorn, wo immer mehr Krater der Mondoberfläche erkennbar wurden. »Wir brauchen nur noch einen guten Landeplatz.«
Sie suchten sich eine weite Ebene aus, in der es keine Berge und Hügel gab. Dann landete das Etagenbett zum ersten Mal auf dem Boden des Mondes.
»Los! Aussteigen!« rief Nele begeistert. Sie drückte wieder den roten Knopf und ließ damit die Schutzscheiben um sie herum verschwinden.
Sie sprang nach draußen und landete mehrere Meter vom Bett entfernt.
»Hui.« war sie begeistert. »Auf dem Mond bin ich viel leichter. Ich komme mir vor wie eine Feder.«
Sie setzte sich hin und kramte in der Tasche ihrer Schlafanzugshose, aus der sie ein kleines Taschenmesser hervor holte.
»Wird Zeit für einen Test.«
Vorsichtig schnitt sie in den Mondboden und nahm ein Stück davon zwischen die Finger. Sie roch ein paar Mal daran und steckte es sich schließlich in den Mund.
»Mh, voll lecker. Papa hatte von Anfang an Recht, hättest du das gedacht?«
Nik, der noch immer im Bett saß und das alles um sich herum nicht wirklich begreifen konnte, machte nur ein verwirrtes Gesicht?
»Der Mond besteht tatsächlich aus Käse. Hast du etwa Papas Geschichte schon wieder vergessen?« Nele lachte, schnitt ein weiteres Stück zurecht und warf es ihrem Bruder zu, der nur zögerlich daran nagte.
»Wow. Das stimmt wirklich. Und ich habe immer gedacht, hier oben wäre alles aus Stein und Staub. Das habe ich nämlich mal im Fernsehen gehört.«
Langsam kam Nele zurück und setzte sich wieder auf ihre Matratze.
»Wird Zeit, dass wir nach Hause fliegen.«
Da wurde der vorsichtige Nik traurig.
»Muss das jetzt schon sein? Ich würde gerne noch eine Weile bleiben. Vielleicht entdecken wir auf dem Mond noch mehr Dinge, von denen niemand etwas weiß.«
Aber Nele ließ sich nicht erweichen. »Morgen ist Schule. Wir brauchen unseren Schlaf, sonst können wir uns nicht auf den Unterricht konzentrieren.«
Das Mädchen hatte natürlich Recht. Nik ließ es sich dafür nicht nehmen, selbst für den Start zu sorgen. Er drückte den roten Knopf, lehnte sich zurück und sah der Erde zu, wie während des Rückflugs wieder näher kam.
»Wir werden aber bald wieder ins All aufbrechen.« versprach Nele und schob sich ein letztes Stück Käse in den Mund.

(c) 2014, Marco Wittler

571. Der Besuch vom Mars

Der Besuch vom Mars

Die Sommerferien waren vorbei. Während nun die Tage langsam wieder kürzer und die Temperaturen kühler wurden, hatte Alex seine erste Woche in der Grundschule verbracht. Für ihn war alles noch ganz neu und aufregend gewesen. Endlich würde er Lesen, Schreiben, Rechnen und vieles mehr lernen. Dann würde er seiner großen Schwester, die schon in die fünfte Klasse ging, zeigen können, dass er kein dummes, kleines Kind war, wie sie immer sagte.
In den ersten zwei Schultagen hatten sie noch nichs gelernt. Die Klassenlehrerin hatte wichtige Informationszettel für die Eltern verteilt, schwere Bücher an jedes Kind gegeben, die Benimmregeln erklärt und allen Schülern die Schule gezeigt. Erst am dritten Tag hatte es richtigen Unterricht gegeben.
‚Sachunterricht‘ stand dick und fett im Stundenplan. Alex hatte sich schon vom ersten Tag an gefragt, was man dort wohl lernen würde. Es gab sehr, sehr viele Sachen auf der Erde.
Doch dann musste er feststellen, dass es gar nichts mit Sachen von der Erde zu tun hatte. Es ging nämlich um Sterne, Planeten und den Weltraum.
Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. So hießen die acht Planeten aus der Nachbarschaft. Die einen groß, die anderen eher klein. Die Großen bestanden nur aus Gas, die kleinen waren so fest, wie die Erde. Leben gab es aber nur auf einem von ihnen: Auf der Erde. Woanders gab es dafür keine Chance. Der Merkur hatte keine Atmosphäre, also keine Luft. Die der Venus war zu giftig und auch auf dem Mars hätte niemand atmen können. Trotzdem, erklärte die Lehrerin, hatten Wissenschaftler immer die Vermutung, Spuren von Leben auf dem Mars finden zu können.
Da waren die Schreiber und Erfinder von Weltraumbücher, Marsgeschichten und Filmen mit Außerirdischen schon viel weiter. Darin wimmelte es nur so vor lauter Lebewesen.
»So ein Blödsinn.«, hatte sich Alex immer wieder gedacht. »Warum sollte es denn so weit von der Erde entfernt Marsmenschen geben? Wie sollten die denn da hin gekommen sein?«
Das hatte er auch immer wieder zu Hause erzählt. »Spannend war das auf jeden Fall. Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es auf dem Mars jemanden gibt.«
Er holte sein Sachbuch hervor, blätterte hin und her, bis er schließlich ein Bild des roten Planeten fand.
»Da sieht man doch, dass es da kein Wasser gibt, keine Pflanzen und auch keine Städte. Da lebt nichts und niemand.«
»Na, wenn du dich da mal nicht täuschst.«, hatte Papa grinsend geantwortet. »Ich habe ganz viele Filme gesehen, in denen die Menschen das Gleiche dachten. Am Ende kamen dann doch die Marsianer auf die Erde und haben für Angst und Panik gesorgt.«
Nun grinste Alex auch.
»Ich habe bestimmt keine Angst vor Marsmenschen. Wenn mir einer begegnet und er mir Angst machen will, dann trete ich ihm in den Hintern, stopfe ihn zurück in seine Rakete und schieße ihn auf den Mond. Dann werden wir ja sehen, wer mehr Angst hat.«
Er lachte laut und musste sich dabei sogar den Bauch halten.

Am Abend saß die Familie noch lange draußen im Garten. Während ein paar Würstchen auf dem Grill brutzelten sahen sie dem Sonnenuntergang und den auftauchenden Sternen zu, als Alex plötzlich sah, wie einer von ihnen zur Erde stürzte.
»Papa, hast du das gesehen? Ein Stern ist grad vom Himmel gefallen. Der muss irgendwo in der Nähe eingeschlagen sein.«
Aufgeregt sprang er von seinem Gartenstuhl auf und versuchte über die Hecke zu sehen.
»Mach dir da mal keine Sorgen.«, beruhigte ihn Papa. »Sterne fallen nicht vom Himmel. Das war nur eine Sternschnuppe, ein kleiner Stein oder Staub, der in der Atmosphäre verbrennt. Es passiert nur ganz selten, dass davon etwas am Boden ankommt.«
Er machte eine kurze Denkpause und überlegte, bevor er grinsend weiter sprach.
»Es könnte aber auch das Raumschiff eines Außerirdischen gewesen sein, dass irgendwo dort hinten gelandet ist.«
»Das glaubt dir doch eh keiner.«, antwortete Alex. Trotzdem ließ ihn der Gedanke nicht los, dass da vielleicht doch ein Besucher von einem anderen Planeten angekommen war.

Wenig später lag Alex im Bett. Das Schlafen fiel ihm allerdings schwer. Ständig dachte er daran, dass ein Alien auf der Erde gelandet war und nun unentdeckt sein Unwesen hier trieb.
Sobald er die Augen schloss, sah er in seinen Gedanken Raumschiffe, die durch die Luft flogen und mit ihren Laserstrahlern Häuser zerstörten.
»Warum muss Papa auch so einen Blödsinn erzählen. Der ist Schuld, wenn ich nicht schlafen kann.«
Kurz dachte er darüber nach, ob er hinunter ins Wohnzimmer gehen und sich beschweren wollte, traute es sich aber nicht, weil er kein Angsthase sein wollte.
In diesem Moment klopfte es leise an der Tür. Alex hielt vor Aufregung den Atem an. Die Tür öffnete sich und eine unbekannte Person trat ein. Zuerst konnte Alex nicht viel erkennen. Aber dann sah er einen silberfarbenen Raumanzug, grüne Haut um Gesicht und lange Fühler auf dem Kopf. Auf der Nase saß eine große, verspiegelte Brille. Es war der Außerirdische und er stand mitten in Alex Zimmer.
Am Liebsten hätte Alex geschrien. Aber er bekam keinen Laut aus seinem Mund. Der Alien hingegen lächelte freundlich, legte einen seiner sechs Finger auf seine Lippen und gab dem Jungen zu verstehen, dass er leise sein sollte.
Alex nickte vorsichtig und sagte nichts.
Der Außerirdische griff langsam in seine Anzugtasche und holte ein kleines Holzkästchen heraus. Dieses legte er auf Alex Schreibtisch. Dann winkte er noch einmal zum Bett hinüber und verließ das Zimmer.
»Boah. War das aufregend.«, flüsterte Alex.
Er schlich zur Tür und sah hinaus. Der Alien war verschwunden. Also schlich Alex zum Schreibtisch und sah in das Kästchen. Darin lag ein kleiner, roter Stein und ein Zettel. Mit zitternden Händen las Alex die wenigen Worte, die darauf geschrieben waren.
‚Ein kleiner Stein von meiner Heimatwelt, dem Mars. Dieses Geschenk soll dich immer daran erinnern, dass wir uns in dieser Nacht getroffen haben. Erzähle aber bitte niemandem davon.‘
Dieses Versprechen hätte Alex nur zu gern gemacht, wurde dann aber abgelenkt, als sich seine Schranktür öffnete.
Der Junge fuhr herum und erschrak. Zwischen den vielen Jacken und Hemden, die gerade zur Seite geschoben wurden, kam ein kleiner, grauer Kerl hervor. Er war kleiner als Alex, viel dünner als irgendein Mensch nur hätte sein können. Dafür war der Kopf umso größer. Das Wesen hatte riesige Augen und einen schmalen Mund. Eine Nase fehlte dafür völlig. Es hatte eine Haut so grau wie das Fell einer Maus. Kleidung trug es keine.
»Puh, war das knapp.«, sagte es.
»Ich wollte schon vor ein paar Minuten aus meinem Versteck kommen. Aber dann hätte mich dein Vater in seiner komischen Verkleidung erwischt. Was für ein Glück.«
Er kam auf Alex zu, nahm dessen Hand in seine und schüttelte diese kräftig.
»Ich bin Mapul, ein Astronaut vom Planeten Mars. Eigentlich hatte ich vor, dass mich niemand sieht, aber da mein Raumschiff abgestürzt ist und ich ein Ersatzteil brauche, habe ich mich in euer Haus geschlichen.«
Er hielt eine kleine Schraube in die Höhe, die er wohl aus dem Schrank geholt haben musste.
»Dein Schrank wird auch ohne halten. Und vielen Dank dafür. Damit werde ich bald wieder nach Hause fliegen können.«
Er klopfte Alex auf die Schulter, winkte kurz und wurde langsam durchsichtiger. Bevor er ganz verschwunden war, hatte er noch eine Bitte.
»Verrate bitte niemandem, dass ich hier gewesen bin.«
Alex nickte nur. Sagen konnte er vor lauter Überraschung gar nichts mehr.

Am nächsten Morgen saßen Alex und Papa am Frühstückstisch und grinsten sich gegenseitig an.
»Und wie war deine Nacht. Etwas Besonderes erlebt oder geträumt?«
Alex nickte. »Ich hatte Besuch von einem Außerirdischen.«
Papa nickte grinsend. »Das war bestimmt richtig aufregend. Du glaubst jetzt also, dass es Aliens gibt?«
»Ja, klar. Er hat mir nämlich auch bewiesen dass er echt war.«
Papa lachte laut. Sein Plan hatte also funktioniert. Dass Alex in der letzten Nacht Besuch von einem zweiten Außerirdischen hatte, der tatsächlich vom Mars gekommen war, wusste er nicht.

(c) 2016, Marco Wittler