427. Weihnachtsmann oder Christkind?

Weihnachtsmann oder Christkind?

„Mama?“, fragte Sofie ihre Mutter.
„Wer bringt mir eigentlich meine Weihnachtsgeschenke?“
Sie hielt noch ihren Wunschzettel in der Hand und wusste nicht genau, an wen sie ihn schicken sollte.
„Du hast mir gesagt, dass der Weihnachtsmann zu uns kommt, aber Opa hat mir gestern erzählt, dass ich mir etwas vom Christkind wünschen soll. Wer von euch beiden hat denn nun Recht?“
Mama wusste zuerst gar nicht, was sie sagen sollte. Dann antwortete sie aber doch.
„Ach, Mäuschen, das kann ich dir jetzt auch nicht so genau sagen, weil niemand die Beiden bisher gesehen hat. Wir schlafen doch in der Nacht immer. Am Besten schreibst du beiden deinen Wunschzettel.“
Und so schrieb die kleine Sofie zwei Briefe. Einen schickte sie an den Weihnachtsmann, den anderen an das Christkind. In Beiden hatte sie sich die selben Geschenke gewünscht.
Ein paar Tage später war es dann so weit. Weihnachten stand vor der Tür. Der geschmückte Baum leuchtete im Wohnzimmer und wartete nur noch darauf, dass die Geschenke unter ihn gelegt wurden. Doch das sollte noch eine Weile dauern, denn auf dem Dach des Hauses gab es einen unerwarteten Streit.
„Nein, ich bin dieses Jahr dran.“, beschwerte sich der Weihnachtsmann.
„Ich habe Sofies Wunschzettel bekommen. Also bekommt sie meine Geschenke.“
„Nichts da.“, drängelte sich das Christkind vor und sprang in den Kamin.
„Ich habe ihren Wunschzettel zuerst bekommen.“, und legte die Geschenke unter den Weihnachtsbaum.
Der Weihnachtsmann seufzte.
„Jedes Jahr der gleiche Streit. Können sich die Eltern und Großeltern nicht endlich mal darauf einigen, wem von uns beiden die Kinder ihre Wunschzettel schreiben sollen? Das wäre dann viel einfacher. Ich bin mal gespannt, auf wie viel Dächern ich dieses Jahr noch auf das Christkind treffe.“
Dann stieg er in seinen Schlitten und flog weiter.

(c) 2012, Marco Wittler

408. Ein Geschenk für einen besonderen Menschen

Ein Geschenk für einen besonderen Menschen

Klaus saß in seinem Sessel und warf einen Blick auf seinen Kalender. Es war der 23. Dezember. Nur noch einen Tag bis Weihnachten.
»Ob ich dieses Jahr artig genug war, um ein Geschenk zu bekommen?«, fragte er sich.
Doch dann fiel ihm ein, dass er etwas ganz Wichtiges vergessen hatte.
»Oh, nein, wie konnte mir das bloß passieren? Warum bin ich aber auch so vergesslich?«
Sofort stand er auf, flitzte zum Schreibtisch und holte Papier und Stift hervor. In seiner schönsten Sonntagsschrift brachte er die Wörter auf seinen Brief.
»Was ich mir zu Weihnachten wünsche.«, murmelte Klaus vor sich hin.
»Ich hätte gerne einen dicken, kuscheligen Teddybär zum Kuscheln, wenn ich mal alleine bin. Dann wünsche ich mir ein neues Spielzeugfeuerwehrauto zum Durst löschen. Zuletzt brauche ich noch eine neue, große Wärmflasche, damit ich im Bett nicht immer so kalte Füße habe. Das war es auch schon. Ganz liebe Grüße von deinem Klaus.«
Klaus faltete den Brief sorgfältig und steckte ihn in einen Briefumschlag. Dann zog er sich warm an und ging nach draußen. Es schneite so sehr, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte.
»Bei dem Wetter wird der Postmann bestimmt keine Briefkästen mehr leeren. Jetzt muss ich doch tatsächlich meinen Wunschzettel selbst am Nordpol  beim Weihnachtsmann abgeben. Hoffentlich schaffe ich es noch rechtzeitig.«
Klaus stapfte los. Zum Glück war der Weg einfach zu finden. Er musste einfach nur Richtung Norden gehen, bis er nach etwa zehn Minuten vor den Eingangstoren der Weihnachtszentrale stand. Er klingelte, wartete ein paar Sekunden, bis sich die Tür öffnete und trat dann ein.
»Ich hab hier noch einen Wunschzettel. Hoffentlich bin ich noch rechtzeitig gekommen, um meine Geschenke Morgen unter meinem Weihnachtsbaum zu finden.«
Sofort kamen ein paar Weihnachtselfen herbei gestürmt und nahmen ihm den Brief ab.
»Aber klar doch, Chef. Für dich machen wir das gerne. Wir haben auch schon den Schlitten für dich vorbereitet, damit du heute Abend pünktlich zu deiner Tour aufbrechen kannst. Wenn du wieder zurück bist, bekommst du deine Geschenke.«
Klaus atmete erleichert auf. Als Weihnachtsmann hatte er zum Fest so viel zu tun, dass er jedes Jahr so spät dran war. Zufrieden betrat er sein großes Büro und holte seinen roten Mantel aus dem Schrank. Es wurde Zeit, die artigen Kinder der ganzen Welt zu beschenken.

(c) 2012, Marco Wittler