588. Es soll wieder schneien

Es soll wieder schneien

Nick sah durch das Fenster nach draußen. Vor ein paar Minuten hatte es zu scheien begonnen. Dicke, fette Flocken fielen vom Himmel. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis die Erde unter einer weißen Schneedecke verschwunden war.
Nick jubelte. Dann lief er in den Hausflur, zog sich seine Winterschuhe, die dicke Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe an.
»Ich gehe raus in den Schnee!«, rief er laut durchs Haus, damit Mama und Papa ihn hören konnten. Nur Sekunden später stand er draußen auf dem Gehweg.
»Nanu.«, wunderte sich Nick und sah enttäuscht zum Himmel hinauf. »Wo ist denn der Schnee geblieben?«
Tatsächlich hatte es bereits wieder aufgehört zu schneien. Bis auf ein paar Flocken am Boden sah nichts nach einem ordentlichen Winter aus.
Nick ging wieder zurück ins Haus und warf seine Mütze quer durch den Flur.
»Das Wetter ist doof und blöd.«
Mama lachte. »Warum ist das Wetter doof und blöd?«
Nick verdrehte die Augen. »Weil das Wetter mich nicht leiden kann. Kaum bin ich draußen, schneit es schon nicht mehr. Das ist voll unfair.«
Er wollte sich gerade seine Winterklamotten ausziehen, als Papa aus dem Keller kam.
»Was hab ich da gehört? Der Winter kann dich nicht leiden? Das geht ja mal gar nicht. Ich glaube, ich muss mir da was einfallen lassen.«
Papa zog sich ebenfalls seine Wintersachen an und ging dann grinsend nach draußen in sein Gartenhäuschen. Er kramte ein paar Minuten lang in seinen vielen Geräten herum, bis er das Richtige fand. Zum Vorschein kam er dann mit einem großen Irgendwas.
»Was ist  denn das?«, wollte Nick wissen.
»Das ist mein Laubbläser. Damit puste ich normalerweise das Herbstlaub zu einem Haufen zusammen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man damit auch dem Winter auf die Sprünge helfen kann.«
Gemeinsam gingen sie wieder nach vorn auf den Gehweg. Papa schaltete den Laubbläser ein. Mit einem Ohren betäubenden Lärm pustete er ganz viel Luft aus dem großen Rohr und blies damit die gefallenen Schneeflocken wieder zurück in den Himmel, um erneut herab schneien zu können.
»Juhuu, es schneit wieder!«
Nick war begeistert und sprang immer wieder in den Schneeflocken herum.

(c) 2017, Marco Wittler

525. Weiße Weihnacht

Weiße Weihnacht

Der Himmel war grau verhangen. Dicke Wolken, egal wohin das Auge sah. Es regnete wie aus Eimern. Und das an Weihnachten. Schon wieder. Jedes Jahr das Gleiche.
Jonas war sauer. Zu Weihnachten gehörte eine dicke Schneedecke. Aber wieder nichts. Es gab immer nur Regen. Was für eine Enttäuschung.
»Soll ich jetzt etwa Konfetti auf den Rasen schmeißen?«

Zur gleichen Zeit saß eine kleine Schneeflocke in ihrer Wolke und sah zur Erde hinab. Sie hörte die vielen Kinder, die traurig waren und sich sich immer wieder beschwerten, dass keine weiße Weihnacht geben würde.
»Oh nein.«, sagte sich die kleine Schneeflocke. »Das darf doch einfach nicht sein. Die Kinder sind alle traurig, nur weil wir Schneeflocken in unseren Wolken sitzen und den Regen an unserer Stelle zur Erde fallen lassen. Daran muss man doch was ändern.«
Sofort rief sie die anderen Schneeflocken zu sich und erzählte ihnen von den traurigen Kindern. Sie hätte aber nicht damit gerechnet, dass ihre Artgenossen sauer sein würden.
»Wir haben auch Weihnachten.«, beschwerten sich die anderen Schneeflocken. »Wir haben uns auch einen freien Tag verdient. Wir werden bestimmt nicht zur Erde schneien. Wir wollen lieber feiern.«
Das war das Einzige, was die kleine Schneeflocke von ihnen zu hören bekam.
Ihr taten trotzdem die vielen Kinder auf der Erde leid.
»Ist mir egal, was ihr sagt. Ich werde jetzt schneien, auch wenn ich das ganz allein mache. Irgendwem kann ich damit ganz bestimmt eine kleine Freude machen.«
Und schon machte sie sich auf den Weg und fiel sanft aus den Wolken.
Nun bekamen die anderen Schneeflocken ein richtig schlechtes Gewissen. Sie seufzten laut und ließen sich schließlich ebenfalls aus den Wolken fallen. In großer Zahl schneiten sie zu Boden.

Ein kräftiger Schneefall färbte ein paar Minuten später die Erde weiß ein und schufen eine dicke Schneedecke. Jonas saß mit großen Augen vor dem Fenster und konnte sich daran gar nicht satt sehen.
»Wahnsinn.«, sagte er immer wieder zu sich. »Es schneit an Weihnachten. Das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.«

(c) 2015, Marco Wittler

005. Erwin, der dicke Schneemann

Erwin, der dicke Schneemann

Der Winter kam langsam übers Land. Die Tage wurden kürzer, und die Kinder mussten zum Spielen ganz dicke Jacken anziehen, damit sie in der Kälte nicht froren. Eines Tages kam es dann auch, dass schwere dunkle Wolken sich vor den blauen Himmel schoben und es noch dunkler wurde. Und es dauerte nicht lange, da fielen auch schon die ersten Schneeflocken vom Himmel. Jetzt war der Winter wirklich gekommen. Alle Kinder saßen mit großen Augen vor den Fenstern und sahen dem bunten Treiben der Schneeflocken zu, wie sie umher tanzten und zu Boden fielen. Schnell wurde die ganze Stadt weiß. Selbst als es schon ganz spät war, und alle Kinder ins Bett gingen, hörte es nicht auf zu schneien.
Am nächsten Morgen wachten Tim und sein kleiner Bruder Christian auf, weil es überall in ihrem Zimmer es an den Wänden glitzerte. Sie standen auf, liefen zum Fenster und sahen hinaus. Eine dicke Schneedecke hatte sich auf die Erde gelegt, und die Sonne blitzte in jeder einzelnen Schneeflocke auf. Überall war Schnee gefallen, alles war weiß. Schnell zogen die beiden ihre Sachen an, wuschen sich im Bad und liefen zum Frühstückstisch, an dem schon ihre Eltern warteten.
Mama, dürfen wir nach draußen? Wir wollen im Schnee spielen.“, fragte Tim.
Aber ihr müsst vorher noch eure Brötchen aufessen, danach dürft ihr raus.“, sagte die Mutter.
So schnell waren Tim und Christian noch nie mit dem Frühstück fertig geworden, aber diesmal wollten sie ja auch ganz schnell in den Garten.
Nachdem die Brötchen verputzt waren, zogen die beiden Jungs ihre Winterjacken und dicke warme Stiefel an und gingen zusammen in den Garten. Hui, war es dort kalt, aber sie waren ja gut eingepackt. Sofort fingen sie an im Schnee herumzutoben. Da flogen die Schneebälle hin und her. Es machte riesig Spaß.
Aber im Schnee kann man noch viel mehr Sachen machen, wusste Tim, denn im letzten Jahr durfte er mit seinem Vater schon etwas anderes machen, was er nun Christian zeigen wollte. Er fing an einen sehr großen Schneeball zu bauen. Er machte ihn immer größer und größer. Schließlich war er dann so groß, dass Tim in über den anderen Schnee rollen musste, damit er noch größer und schwerer wurde.
Wen willst du denn damit bewerfen? Der ist doch viel zu schwer für eine Schneeballschlacht.“, wunderte sich Christian.
Der ist doch nicht zum werfen, damit macht man etwas ganz anderes. Warte einfach mal ab.“
Christian schaute ganz fasziniert zu. Denn Tim war nun mit der großen Kugel fertig und machte dann noch zwei weitere, die aber immer ein Stück kleiner waren. So etwas hatte er noch nie gesehen. So schwere Schneebälle konnte doch nur noch ein Riese werfen. Aber dann begann Tim die kleineren Kugeln zu heben, doch waren diese viel zu schwer für ihn.
Warte, ich helfe dir.“, sagte Christian und lief zu seinem Bruder. Zusammen stapelten sie die drei Kugeln aufeinander, die große nach ganz unten und die kleinste nach ganz oben. Als die beiden fertig waren kam ihre Mutter aus dem Haus mit einer kleinen Tüte in der Hand. „Na, der sieht doch schon ganz ordentlich aus, aber etwas fehlt ihm noch.“
Christian wusste jetzt gar nicht mehr worum es ging und über wen sie sprach. Aber Tim war schon wieder an der Arbeit und packte die Tüte aus. Darin waren eine Mütze, ein Schal, eine Mohrrübe und ein paar kleine Stücke Kohle. Diese Sachen verteilte er überall an den Kugeln und schon war zu sehen, was er die ganze Zeit gebaut hatte. Es war ein großer, dicker Schneemann. Jetzt hatte er ein Gesicht, Augen, einen Mund und eine rote Nase. Und damit er nicht frieren musste, bekam er die Mütze und den Schal. Christian fand, dass er ein toller Schneemann geworden war. Jetzt fehlte ihm nur noch ein passender Name.
Erwin heißt er.“, hörten sie eine Stimme sagen. Der Nachbar kam hinter einer Tanne hervor und betrachtete den Schneemann. „Ich finde, er sieht wie ein Erwin aus.“
Und so bekam der Schneemann seinen Namen. Aber Tim war mit seiner Arbeit an dem Schneemann noch nicht so richtig zufrieden. Jeden Tag, wenn er in den Garten ging machte er ihn immer ein Stückchen schöner. Er knetete ihm ein Paar Ohren an den Kopf, damit er etwas hören konnte und Füße bekam er auch. Immer wieder hatten die beiden Jungs neue Ideen.
Ein paar Tage später riss die dicke Wolkendecke auf. Die Sonne schien endlich mal wieder auf die Erde nieder. Und da sah Christian etwas ganz schreckliches. Er lief sofort in die Küche zu Tim und seiner Mutter. „Mama, Tim, kommt schnell mit nach draußen, der Schneemann weint ganz doll. Er ist bestimmt traurig.“
Alle zogen sich ihre dicken Winterjacken an und liefen schnell in den Garten. Und tatsächlich. Dicke große Tränen kullerten Erwins Gesicht herab. Aber nicht nur dort. Über tropfte es an ihm. Er weinte gar nicht. Denn die warmen Strahlen der Sonne waren an den Tropfen schuld. Denn wenn die warme Sonne auf den Schnee scheint, fängt der Schnee an zu schmelzen und wird zu Wasser. Jetzt musste ganz schnell was passieren, denn der Schneemann würde sonst zu Wasser und wäre dann verschwunden und das wollten Tim und Christian nicht.
Zur gleichen Zeit kam gerade der Nachbar aus seinem Haus und hörte die Jungs weinen. Er fragte, was den los wäre. Da erzählten sie ihm traurig, dass ihr schöner Erwin bald nicht mehr da sein würde. Der Nachbar überlegte kurz und schickte die Jungs mit ihrer Mutter ins Haus. Er sagte ihnen noch, dass bestimmt etwas passieren würde, damit der Schneemann weiterleben konnte.
Und am nächsten Tag, als Tim und Christian aus dem Haus kamen, lag kein Schnee mehr im Garten. Alles war weggetaut. Und Erwin, der dicke Schneemann war auch nicht mehr da. Dafür lag ein Brief auf dem Boden, der an Tim und Christian adressiert war.
Tim öffnete ihn vorsichtig und nahm einen Zettel aus dem Umschlag. Der Brief war von Erwin. Er schrieb, dass es ihm hier im Garten zu warm geworden war in der stechenden Sonne. Also hatte er sich in der kalten Nacht aufgemacht und war zu Flughafen gelaufen, mit den beiden Füßen, die Tim ihm gebaut hatte. Von dort hatte er sich ein Flugzeug genommen und war zum Nordpol geflogen, wo es immer kalt ist. Dort wollte er die Zeit verbringen, bis im Garten wieder Schnee lag und es wieder kalt genug war.
Und als es einige Tage später in der Nacht geschneit hatte, stand Erwin wieder mitten auf der weißen Wiese, als wäre er nie weg gewesen.

(c) 2000, Marco Wittler

05 Der dicke Schneemann