566. Schneewittchen feiert Weihnachten

Schneewittchen feiert Weihnachten

Das Weihnachtsfest macht auch nicht vor dem Märchenland halt. In dieser ganz besonderen, sehr besinnlichen Zeit, dort vieles ganz anders, als wir es kennen.
Der Wolf macht Schneewittchen kleine Geschenke, die Ritter laden Feuer speiende Drachen zum Essen ein, Dornröschen feiert mit allen Feen, auch der Bösen, ein rauschendes Fest, die kleine Meerjungfrau schmückt ihren Weihnachtsbaum mit Seesternen und Rapunzel benutzt Teile ihres wirklich sehr langen Haars als Lametta.
Und auch Schneewittchen feiert Weihnachten. In diesem Jahr hat sie sich besonders viel Mühe gegeben. Jedem einzelnen ihrer sieben Zwerge hat sie ein paar wunderschöne Geschenke gemacht. Für den Kopf hat sie Mützen, Handschuhe für die Hände und Schals für die Hälse gestrickt, damit sie auf dem Weg zur Arbeit nicht frieren müssen.
Jedes Geschenk hat sie einzeln und liebevoll in buntes Geschenkpapier gewickelt und unter den Baum gelegt. Und dann ist es endlich so weit. Sie nimmt sich ein kleines Glückchen in die Hand, klingelt damit und lässt ihre sieben Zwerge herein.
Überglücklich stürmen sie herein. Sie bedanken sich bei Schneewittchen und drücken sie an sich. Dann schnappen sie sich ihre Geschenke, reißen das Papier auf und verteilen es überall im Raum.
Sieben Mützen werden ausgepackt, sieben Schals aus dem Geschenkpapier geholt und vierzehn Handschuhe überglücklich anprobiert.
Auch Schneewittchen hat Geschenke bekommen. Sieben Stück sind es an der Zahl. Von jedem ihrer Zwerge hat sie einen wunderschönen Edelstein geschenkt bekommen.
»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«, freut sie sich und will die Zwerge nur zu gern zum Dank an sich drücken, aber sie sind nicht mehr da.
»Nanu?«, wundert sich Schneewittchen. »Wo seid ihr denn?«
Sie sieht sich überall im Raum um, kann aber keinen einzigen der sieben Zwerge entdecken. Das einzige, was sie sieht, sind große Berge zerrissenes Geschenkpapier.
»Wir sind doch hier!«, hört sie plötzlich sieben Stimmen.
Schneewittchen kämpft sich durch das Papier und sucht. Es hat sich tatsächlich so viel Papier aufgetürmt, dass die Zwerge darunter verschwunden sind.
»Ihr seid mir ein paar Lümmel.«, sagt sie lachend, gräbt die sieben Zwerge einen nach dem anderen aus und drückt sie an sich.
»Frohe Weihnachten, Jungs.«

(c) 2016, Marco Wittler

451. Ampelmännchen

Ampelmännchen

Nils ging mit seinem Vater gemeinsam den Gehweg an der Hauptstraße entlang. Als sie an einer Kreuzung stehen blieben, fiel sein Blick auf die Fußgängerampel, auf der ein rotes Männchen zu sehen war.
„Hey, ihr das drinnen.“, rief Nils plötzlich so laut er nur konnte.
„Schaltet mal schnell auf Grün, wir haben gleich einen Termin beim Arzt.“
Papa sah seinen Sohn verwirrt an.
„Wem rufst du denn zu?“
Nils verdrehte die Augen.
„Weißt du denn gar nichts? Paul hat mir in der Schule erzählt, dass sein Papa gesagt hat, dass in der Ampel kleine Männchen leben. Sie schauen die ganze Zeit auf eine Uhr und passen auf, dass sie immer rechtzeitig die roten Lampen ausschalten, die grünen an und danach wieder umgekehrt. Nachts, wenn niemand sie sehen kann, kommen sie raus und putzen die Ampel von oben bis unten.“
Papa grinste.
„Glaubst du mir etwa nicht?“, beschwerte sich Nils und stemmte die Arme in die Seiten.
„Ich werd es dir beweisen.“
Er hob ein paar kleine Steinchen vom Boden und warf sie an die Rückseite der Ampel. Nach dem dritten Wurf öffnete sich tatsächlich eine Klappe und ein kleines Männchen kam zum Vorschein.
„Was soll denn das? Wer stört uns bei der Arbeit?“
Dann sah er Nils grimmig an und verschwand wieder im Innern der Ampel.
„Also das hätte ich jetzt nicht erwartet.“, sagte Papa erstaunt.
Nils war zufrieden. Er hatte Recht behalten und grinste nun von einem Ohr zum anderen.

(c) 2013, Marco Wittler

390. Zwerg Frostbeule

Zwerg Frostbeule

Es war Winter geworden. Überall lag hoher Schnee und man konnte nur noch in dicken Winterschuhen über die Wege und Wiesen laufen. Ganz besonders schwierig war es für Kinder und kleine Leute vorwärts zu kommen. Ein paar von ihnen war eine Gruppe Zwerge.
»Wir müssen zur Arbeit in die Mine.«, sagte der Älteste von ihnen nach dem Frühstück.
»Die Arbeit ruft und duldet keinen Aufschub. Also zieht euch warm an, damit wir uns auf den Weg machen können.«
Sie schlüpften in ihre schweren Stiefel und in die dicken Wintermäntel und stapften nach draußen in die herrliche Winterlandschaft. Nur einer von ihnen saß in einem Sessel und versteckte sich unter einer dicken Decke.
»Brrr, mir ist so kalt. Geht ihr nur allein in die Mine. Wenn ich nach draußen gehe, werde ich bestimmt sofort zu einem Eiszapfen gefrieren.«
Seine Freunde wurden natürlich sofort sauer. Dieser eine wollte im warmen Haus sitzen bleiben und sie sollten arbeiten gehen? So gehörte sich das einfach nicht.
»Nichts da. Frostbeulen sind keine Ausrede. Du kommst mit zur Arbeit.«
Der frierende Zwerg wehrte sich mit Händen und Worten, aber er durfte nicht zu Hause bleiben.
»Wenn es dir wirklich so kalt ist, dann lass dir halt etwas einfallen. Zieh dir dicke Socken an, ein zweites Unterhemd und dann kommst du mit uns mit.«
Der Zwerg seufzte und ging mit gesenktem Kopf in das große Schlafzimmer. Er kramte in den Schränken und suchte nach warmen Sachen. Ein paar Minuten später kam er grinsend aus dem Haus und schloss sich den anderen Zwergen an.
»Alles in Ordnung. Wir können jetzt gehen. Ich friere jetzt nicht mehr.«
Seine Freunde wunderten sich.
»Warum ist dir denn jetzt so schnell warm geworden?«
Der Zwerg grinste und öffnete kurz seine Jacke, aus dem der kleine Hauskater heraus schaute.
»Ich nehm einfach die Katze mit. Die ist immer schön warm.

(c) 2012, Marco Wittler

212. Das Felsenmeer – Onkel Pauls verrückte Briefe aus Deilinghofen (1)

Das Felsenmeer

Hallo Niklas.

Als ich gestern Nachmittag einen Spaziergang machte und zwischen den Feldern unterwegs war, fiel mein Blick auf das kleine Wäldchen, das vor den Toren unseres schönen Dorfes liegt.
Vielleicht erinnerst du dich noch an deinen Besuch bei uns. Ich werde bestimmt nicht vergessen, dass du ganz traurig dein Schlauchboot zurück ins Auto gebracht hast, als wir dir sagen mussten, dass man auf dem Felsenmeer nicht paddeln kann. Du hattest an diesem Tag keine Lust mehr, es dir aus der Nähe anzusehen, aber lass dir versichern, es besteht auch weiterhin nur aus Felsen und Bäumen.
Mittlerweile habe ich auch mit sehr vielen Menschen im Dorf gesprochen. Die Ältesten Bewohner konnten mir einiges Zur Entstehung dieses seltsamen Waldes berichten. Ich habe extra alles für dich aufgeschrieben, damit du besser vorstellen kannst, was hier vor langer Zeit geschehen ist.

Vor langer Zeit lag vor den Toren Deilinghofens ein kleines Wäldchen inmitten unzähliger Felder. Die Menschen des Dorfes fürchteten sich vor diesem Ort, denn es hieß, dass dort Geister und schlimmere Geschöpfe ihr Unwesen treiben würden. Daher hatte es bisher niemand gewagt, den Bäumen zu nahe zu kommen.
Für dieses Gerücht gab es auch einen guten Grund. Noch nie waren im Wald Geister, Gespenster oder Monster gesehen worden. Diese Geschichte hatten sich ein paar Zwerge ausgedacht, um unentdeckt leben zu können. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte ein Mensch sie zu Gesicht bekommen.
»Die Menschen nehmen uns unsere Schätze weg, die wir in mühevoller Arbeit aus unseren Minen holen.«, wiederholte der oberste Zwerg in regelmäßigen Abständen und hinderte damit sein kleines Völkchen ins Dorf zu gehen.
Über viele Jahrhunderte ging dieses Leben gut. Doch eines Tages kündigte sich ein Unheil an.
Bär, einer der Zwerge, kam von einer Handelsreise zurück. Er war der Furchtloseste und besuchte regelmäßig andere Zwergenvölker.
»Ihr werdet es nicht glauben.«, rief er schon vom Waldrand aus.
»Eine große Gefahr kommt auf uns zu. Schon mehrere Siedlungen sind ihnen zum Opfer gefallen.«
Sofort kamen alle Zwerge zusammen. Angst machte sich breit.
»Aber was ist denn geschehen? Wir sollten erst einmal zuhören, bevor wir voreilige Schlüsse ziehen.«, fragte der große Zwerg und versuchte, die Menge zu beruhigen.
Bär setzte sich und begann zu berichten.
»Es ist entsetzlich. Im Norden waren unsere Freunde unvorsichtig. Sie offenbarten sich den Menschen, wollten mit ihnen Freundschaft schließen. Aber ein habgieriger Fürst dachte nur daran seinen Reichtum mit unseren Edelsteinen zu vergrößern. Er ließ alle Zwerge vertreiben und raubte, was er in die Finger bekommen konnte. Das hat er nun schon mit mehreren Zwergenvölkern getan. Seine Spione sind überall und suchen nach uns. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie bei uns ankommen.«
Absolute Stille. Niemand sagte ein Wort. Doch dann durchbrach die Stimme eines kleinen Jungen die Ruhe.
»Aber wir können doch nicht einfach darauf warten, dass sie zu uns kommen. Wir müssen uns vorbereiten und uns wehren.«
Und schon hagelte es Gegenargumente.
»Wir sind doch viel kleiner als die Menschen.«
»Gegen unzählige Soldaten können wir wenigen Zwerge nichts ausrichten.«
»Was sollen wir denn schon machen? Wir sind gar nicht zum Kämpfen ausgebildet.«
Selbst der kleine Junge verzweifelte schnell wieder.
»Groß müsste man sein.«, seufzte er.
Der große Zwerg dachte nach.
»Groß? Das ist vielleicht die richtige Idee. Ich glaube, mir ist soeben etwas eingefallen.«
Er flitzte nach Hause, zog sich eine Jacke an und hängte sich einen Proviantbeutel über die Schulter.
»Ich werde mich auf die Suche nach Hilfe machen. In wenigen Tagen bin ich zurück.«
Und so verschwand er zwischen den Bäumen und ließ sein kleines Völkchen fragend zurück.

Ein paar Tage später war von Ferne ein Donnern zu hören.
»Ein Gewitter zieht auf.«, rief Bär.
»Geht in eure Wohnungen und wartet, bis es vorbei ist.«
Doch in diesem Moment tauchte der große Zwerg auf dem Dorfplatz auf.
»Keine Sorge. Das Wetter bleibt heute sonnig. Das Donnergrollen ist etwas anderes.«
Plötzlich schoben sich zwei große Hände zwischen die Bäume und drückten sie zur Seite. Zum Vorschein kam ein Riese.
»Das ist mein alter Freund Oliver. Wir sind zur gleichen Schule gegangen. Er hat sich sofort bereit erklärt, uns zu helfen.«
Bär verdrehte die Augen. Es war schon schwer genug, ein Zwergenvolk vor den Menschen zu verstecken. Und nun sollten sie sich auch noch um einen Riesen kümmern? Da konnte man den Soldaten doch sofort mit einem Hinweisschild den richtigen Weg weisen. Es war zum Verzweifeln.

Ein paar Tage später ritt eine bewaffnete Armee auf Deilinghofen zu.
»Hier muss es sein, mein Herr.«, wusste der Kommandant zu berichten.
»Vor den Toren des Dorfes liegt ein kleines Wäldchen. Niemand traut sich hinein. Angeblich soll es dort Geister und Monster geben. Aber solche Gerüchte gab es über jede Zwergensiedlung. Wir werden also erneut fette Beute machen.«
Der Fürst nickte zufrieden und befahl seinen Männern den Angriff.
Sofort ritten die Soldaten auf den Wald zu. Doch schon hinter den ersten Bäumen blieben ihre Pferde erschreckt stehen.
»Was ist denn hier geschehen?« wunderten sich die Männer.
Tiefe Schluchten taten sich vor ihnen auf. Riesige Felsen lagen aufeinander getürmt. Ein solches Trümmerfeld hatten sie noch nie zu Gesicht bekommen. Es sah aus, als wären hier unzählige Kanonenkugeln eingeschlagen.
»Was auch immer hier passiert ist, es muss schrecklich gewesen sein.«, sagte der Fürst.
In diesem Moment bogen sich die Bäume zur Seite und ein Riese kam zum Vorschein. In seiner Hand hielt er einen toten Zwerg.
»Verschwindet aus meinem Wald. Für euch gibt es nichts mehr zu holen.«, rief er so laut, dass sich die Menschen die Ohren zuhalten mussten.
»Die Schätze, die ich hier gefunden habe gehören mir ganz allein. Solltet ihr gekommen sein, um mich zu bestehlen, wird es euch nicht besser ergehen als diesen miesen Zwergen. Verschwindet von hier.«
Das ließen sich die Soldaten nicht zweimal sagen. Sofort ritten sie davon. Aber der Schnellste von ihnen war der Fürst. Er hatte so viel Angst bekommen, dass er sich fast in die Hosen gemacht hätte.
»Du kannst mich jetzt wieder runter lassen.«, bat Bär den Riesen Oliver.
Der angeblich tote Zwerg hatte bereits seine Augen wieder geöffnet und lachte nun so laut, dass er sich seinen dicken Bauch festhalten musste. Er dachte nur zu gern an die letzten Tage zurück, in denen der Riese mit seiner Kraft Felsen aufgetürmt und tiefe Löcher in den Boden gegraben hatte. Mit dieser Überraschungen hatte der gierige Fürst wohl nicht gerechnet.

So, mein Junge. Nun weißt du Bescheid. Die Geschichte über den grausamen Riesen hat sich natürlich in Windeseile im ganzen Land verbreitet. Nun fürchteten sich die Dorfbewohner noch mehr vor dem Wald, den sie nun erfürchtig Felsenmeer nannten. Nur die wenigsten von ihnen wussten, was wirklich geschehen war und erzählten dies von Generation zu Generation weiter, bis ich es für dich aufschreiben konnte.

Und nun freue ich mich schon darauf, dass du mir einen Brief schreibst.

Dein Onkel Paul.

(c) 2009, Marco Wittler

195. Der Zwergenaufstand – Beim Barte des Piraten

Der Zwergenaufstand – Beim Barte des Piraten

Die Sonne schien in das große Schlafzimmer hinein. Großer Zwerg, der wegen seiner geringen Körpergröße nur GZ genannt wurde, war sofort wach. Gut gelaunt stand er auf und weckte die anderen Zwerge. Brummel und Bär kamen nur widerwillig unter der Decke hervor, Goldlöckchen stimmte sofort ein Freudenlied an, während Hasenfuß sich sofort wieder versteckte. Ihn plagte die Angst, dass die Nacht sich nur als heller Tag ausgab. Faulpelz dachte sofort an das anstehende Frühstück. Sein Magen knurrte schon sehr.
Der einzige, der sich gar nicht rührte war Puck.
»Puck? Ich koche uns gleich Kaffee. Willst du denn nicht aufstehen?«, fragte GZ.
Nichts geschah.
»Ich werde ihn von der Matratze schubsen.«, entschied Bär und zeigte allen seine Muskeln.
Doch dann nahm er Pucks Decke hoch und sah nur einen Haufen Kissen.
»Er ist verschwunden.«
In diesem Moment hörten sie einen Schrei aus der Küche. Sofort rannten sie die Treppe hinab und entdeckten Goldlöckchen, der einen Brief in seiner zittrigen Hand hielt. Er las den anderen vor, was dort geschrieben stand.
»Ich habe einen von eurer verdammten Truppe entführt. Ich gebe euch Zeit bis die Sonne     untergegangen ist. Sollte ich bis dahin mein Eigentum nicht zurück bekommen haben, werdet ihr euren Freund nie wieder sehen. Dann werde ich ihn als Arbeitssklaven in ein     fremdes Land verkaufen.«
Unterschrieben war der Brief von einem Piraten.
»Wir müssen sofort etwas unternehmen.«, entschied GZ.
Also setzten sich die Zwerge zusammen und schmiedeten einen Plan.

In der Zwischenzeit wachte Puck an einem dunklen Ort auf. Er konnte nichts sehen, stieß sich aber den Kopf an einer sehr tiefen Decke. Die vier Wände um ihn herum waren sehr nah. Er war in einer alten Eichentruhe gefangen. Während er nach seinen Kameraden rief, hörte er eine Stimme. Es war der Pirat.
»Du wirst dort nicht heraus kommen, bevor ich nicht bekommen habe, was ihr mir gestohlen habt. Deine Freunde werden dich nicht befreien können. Wir Piraten sind unbesiegbar. Das ist ein Naturgesetz.«
Er lachte laut und verschwand in seiner Kajüte.

Die sechs Zwerge hatten sich auf eine lange Wanderung gemacht. Viele Stunden waren sie durch die Berge unterwegs, bis sie am Hafen ankamen. Sie mussten sich zuerst umsehen, entdeckten dann aber ein Schiff mit einer schwarzen Flagge am Masten. Darauf waren ein Totenschädel und zwei gekreuzte Knochen zu sehen.
»Das muss der Kahn des Piraten sein.«, war sich Brummel sicher.
»Dann gehe ich mal an Bord und werde ihm den Hintern versohlen, bis ihm Hören und Sehen vergeht.«, knurrte Bär.
Doch GZ hielt sie alle zurück.
»Wir können doch nicht so einfach auf das Schiff gehen. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit wir nicht auch noch gefangen genommen werden.«
Doch solche Argumente wollten Brummel und Bär nicht gelten lassen.
»Wir sind Zwerge. Wir sind unbesiegbar.«
Und schon stürmten sie an Bord. Der Pirat hörte den Lärm und kam mit seinem Schwert an Deck. Er war drängte die Zwerge zusammen und drohte ihnen, sie alle zu bekämpfen. Doch dann stolperte er über Hasenfuß, der sich vor Angst flach auf den Boden gelegt hatte.
Der Pirat stürzte und ließ seine Waffe fallen. Das Schwert rutschte über den Boden und fiel über Bord. Nun konnte er sich nicht mehr wehren. Die Zwerge hatten den Kampf friedlich gewonnen. Sie befreiten Puck.
»Warum hast du ihn überhaupt entführt?«, fragte GZ.
»Wir wissen noch immer nicht, was wir dir gestohlen haben sollen.«
Da erklärte der Pirat, dass er vor ein paar Tagen am frühen Morgen beim Zähneputzen aufgefallen war, dass ihm jemand den Bart gestohlen hatte.
»Ohne Bart bin ich doch kein richtiger Pirat.«
Nun mussten die Zwerge lachen. Sie forderten auf, dass der Pirat sie richtig anschauen sollte.
»Wir sind moderne Zwerge. Wir rasieren uns täglich.«
Doch wer sollte dann die Bärte gestohlen haben?
Plötzlich kam eine kleine Person aus dem Schatten heraus. Es war eine Hexe.
»Du verdammter Pirat.«, fluchte sie.
»Ich hatte gehofft, dass du für mich die Zwerge aus dem Weg räumst. Aber du bist ja zu nichts zu gebrauchen. Ich kann Schneewittchen nicht vergiften, so lange es diese Zwerge gibt.«
Vor Wut drehte sie sich im Kreis. Diese Chance nutze Hasenfuß aus, der nun neuen Mut gefasst hatte. Er stand auf und stieß die Hexe über Bord. Bevor sie fiel rutschte ihr ein Bart aus der Tasche.
»Da ist ja mein Bart.«
Der Pirat jubelte. Nun waren alle wieder glücklich. Die Zwerge hatten an diesem Tag einen neuen Freund gewonnen.

(c) 2009, Marco Wittler

Auf der zweiten Seite (Bitte den Button dazu anklicken) befindet sich diese Geschichte noch einmal in der textlichen Hörspielfassung.

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