534. Die böse Gewitterwolke

Die böse Gewitterwolke

Es war wieder einmal ein traumhaft schöner Tag im sonnigen Königreich. So war das Wetter eigentlich immer, denn tagsüber schien die Sonne. Regen gab es nur in der Nacht, während die Menschen schliefen. Dadurch war das Königreich etwas ganz Besonderes. Denn so ein gutes Wetter gab es nur hier. Deswegen waren hier alle Menschen viel glücklicher als in anderen Ländern. Doch eines Tages ereignete sich etwas Sonderbares.
Zur Mittagsstunde stand ein junger Schafhirt auf der Weide und bewachte, zusammen mit seinem großen Hund, die Herde des Königs.
»Was ist denn das?«, wunderte er sich bei seinem Blick zu den fernen Bergen. »Was ist das dort hinten am Himmel?«
Und tatsächlich sollte sich schon bald etwas ereignen, dass die Menschen des sonnigen Königreichs noch nie zuvor erlebt hatten.
»Ich glaube, wir sollten uns das einmal näher anschauen.«, sagte der Schafhirte zu seinem Hund.
Schnell trieben sie die Schafe zusammen und sperrten sie hinter einem Gatter ein. Dann machten sie sich mit schnellen Schritten auf den Weg in Richtung der Berge.
Es sollte nicht lange dauern, bis sie eine Antwort bekamen, denn ihre Entdeckung kam ihnen entgegen.
»Ist das eine Wolke?«, fragte sich der Hirte und kratzte sich am Kopf. Und bei näherem Hinsehen wurde es dann schließlich klar: »Ja, es ist tatsächlich eine Wolke.«
Wirklich sonderbar, dachte er sich, denn zur Mittagsstunde hatte es noch nie Wolken am Himmel gegeben. Die tauchten sonst erst zum Sonnenuntergang am Abend auf.
»Da stimmt etwas nicht. Wir müssen sofort dem König Bescheid geben.«
Der Hirte nahm die Beine in die Hand und rannte zurück zur Schafherde und trieb die Tiere schnell zur Stadt zurück, wo er sie in ihren Stall sperrte. Dann machte er sich sofort auf den Weg zum nahen Schloss.

»Was willst du hier?«, fragte ihn ein grimmiger Soldat, der den Eingang zum Schloss versperrte.
»Ich muss dem König eine wichtige Nachricht überbringen.«, keuchte der Schafhirte. »Etwas stimmt nicht mit dem Wetter. Es zieht eine große, dunkle Wolke am Himmel auf.«
Der Soldat lachte und hielt sich den Bauch. »Eine Wolke? Zur Mittagszeit? Du hast wohl zu lange in der Sonne gestanden und einen Hitzschlag bekommen. Wolken gibt es erst heute Abend wieder. Geh nach Hause und nerv unseren König nicht mit deinen Märchen.«
Der Hirte seufzte. »Aber es stimmt wirklich. Ich habe sie gesehen. Sie kommt direkt auf unsere Stadt zu. Ich bin mir sicher, dass man sie auch vom höchsten Turm des Schlosses leicht bemerken kann. Lass mich bitte herein.«
Mittlerweile verstummte das Lachen des Soldaten. Sein Blick wurde noch grimmiger. Er zog sein Schwert hervor und hielt es bedrohlich vor sich.
»Entweder zu verschwindest jetzt endlich oder ich werde dich mit Gewalt von hier vertreiben.«
Der Hirte ließ seine Schultern hängen und trottete verzweifelt davon.

Kurz nach der Mittagsstunde wurde es still in der Stadt. Es war, als hätten nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch die Straßen und Häuser den Atem angehalten. Kein Laut war mehr zu hören, denn die große, dunkle Wolke hing mittlerweile über der Stadt und verschluckte fast jedes Licht.
»Was wird jetzt mit uns geschehen?«, fragte sich jeder. Der Soldat vor dem Schloss bibberte und zitterte am ganzen Körper und hatte ein schlechtes Gewissen, dass er dem jungen Schafhirten nicht geglaubt hatte. Doch dafür war es nun zu spät.
Im Innern des Schlosses stand der König am Fenster seines Thronsaals und sah besorgt nach draußen.
»Das hat es in der Geschichte des sonnigen Königreichs noch nie gegeben. Weder ich, noch einer meiner Vorväter hat jemals am Tag eine Wolke am Himmel entdeckt – weder über der Stadt, noch am fernsten Horizont. Ich hoffe, dass sie bald wieder verschwindet und uns nichts Schlimmeres passiert.«
Doch dann begann es zu regnen. Zuerst waren es nur wenige Tropfen, die aber schnell größer wurden. Es goss wie aus riesigen Eimern. Es brauchte nur wenige Augenblicke, um die Kleidung der Menschen auf den Straßen komplett zu durchnässen. Sofort verschwanden sie alle in ihren Häusern und kamen nicht mehr hervor.

Das Wetter änderte sich den ganzen Tag nicht mehr. Es regnete ohne Pause bis zum Abend. Es regnete die ganze und am nächsten Tag regnete es immer noch. Und selbst nach einer ganzen Woche hatte sich immer noch nichts verändert. Das Unwetter wollte nicht verschwinden.
Und wer genau hinhörte, konnte ein böses Lachen vom Himmel hören. Der Wolke machte es nämlich riesigen Spaß, die Menschen mit ihrem prasselndem Regen zu ärgern und zu quälen.
»Ich weiß mir keinen Rat.«, sagte der König zu seinen stärksten Rittern, die er in seinem Thronsaal versammelt hatte. »Die Wolke hat das Leben in unserer sonst so schönen Stadt zum Erliegen gebracht. Das Volk traut sich nicht mehr auf die Straßen. Die meisten von ihnen können nicht arbeiten. Wenn sich nicht bald etwas ändert, werden wir verhungern und unser sonniges Königreich wird verarmen. Das müssen wir irgendwie verhindern. Wer von euch hat eine Idee?«
Er sah in die Runde. Eine Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten, denn die Ritter waren die tapfersten Männer des Landes und stellten sich jedem Kampf.
»Wir müssen die Wolke angreifen und sie zu einem Duell herausfordern. Wir Rittersleut werden sie vertreiben.«
Und so sollte es geschehen. Die Ritter kleideten sich in ihre glänzenden Rüstungen, bewaffneten sich mit Schilden und Schwertern. Sie ließen ihre Pferde satteln und ritten aus der Stadt hinaus, um sie vom schlechten Wetter zu vertreiben.
Der junge Schafhirte sah aus seinem Fenster, als er zufällig das Getrappel von Pferdehufen hörte. Er sah die Ritter, wie sie sich auf den Weg machten. Und das erschreckte ihn sehr. Sofort lief er zum Palast, in den er dieses Mal eingelassen wurde.

»Ihr müsst die Ritter aufhalten. Sie können die Wolke nicht bekämpfen.«, rief er dem König schon von der großen Treppe zu, die zum Thronsaal führte.
»Wieso sollte ich sie aufhalten?«, fragte der König. »Meine tapferen Ritter werden die Wolke angreifen, bekämpfen und vertreiben. Sie werden siegreich zu uns zurückkehren und sich von uns gebührend empfangen lassen.«
»Aber schaut doch zum Himmel hinauf, euer Majestät.«, versuchte der Hirte zu erklären.
»Es ist eine gefährliche Gewitterwolke, die uns bedroht. Wenn die eisernen Rüstungen der Ritter von einem Blitz getroffen werden, wird Schlimmes geschehen.«
Der König sah nach draußen und dachte eine Weile nach.
»Papperlapapp.«, winkte er schließlich ab. »Die Wolke ist tatsächlich sehr dunkel. Aber sie regnet nun schon seit sieben Tagen auf uns herab. In der ganzen Zeit habe ich nicht einen Blitz gesehen und auch keinen Donner gehört. Sie ist keine Gewitterwolke.«
In diesem Moment durchzuckte ein helles Licht den düsteren Himmel, gefolgt von einem Ohren betäubenden Knall. Ein Blitz raste zur Erde hinab und traf den ersten Ritter in die glänzende Rüstung. Dieser fiel sofort um und bewegte sich nicht mehr.
Weitere Blitze folgten und streckten einen Ritter nach dem anderen nieder, bis die wenigen Verbliebenen voll Angst zurück in die Stadt flüchteten.
»Ich habe es euch gesagt, euer Majestät. Gewitterwolken sind zu gefährlich für Ritter.«
Der König zitterte am ganzen Körper, als er sah, dass selbst seine tapfersten Männer nichts gegen den Feind am Himmel ausrichten konnten. Stattdessen hörte er das höhnische Lachen der Wolke und blickte erstmals in ihre Augen, die böse auf ihn hinab blickten.
»Aber wie sollen wir die Wolke bekämpfen? Wie sollen wir jemals wieder die Sonne sehen? Ich weiß mir keinen Rat mehr.«
Der Schafhirte sah sich um. Er brauchte schnell eine zündende Idee. Da entdeckte er die Prinzessin, die neben sich einen kleinen Spiegel liegen hatte.
»Ich werde die Wolken verjagen.«, entschloss sich der Hirte, schnappte sich den Spiegel und lief damit nach draußen auf die Straße. Von einem der flüchtenden Ritter, die ihm entgegen kamen, nahm er sich ein Schwert. Mit diesen beiden Dingen stellte er sich vor den Mauern der Stadt auf und rief der Wolke entgegen.
»Eine ganze Armee tapferer Ritter kannst du leicht schlagen. Aber mit einem schlauen Schafhirten wirst du es niemals aufnehmen können, denn du bist nur ein dummes Monster am Himmel, das nicht viel im Kopf hat.«
Die Wolke hatte diese beleidigenden Worte natürlich gehört. Sofort wandte sie sich dem zitternden Mann unter sich zu. Ihre Augen blickten ihn so böse und von Hass erfüllt an, dass der Schafhirte nur zu gern sofort im Erdboden verschwunden wäre. Aber dafür war es nun zu spät. Langsam hob er das Schwert ab.
»Los, kämpf mit mir, wenn du dich traust!«
Das ließ sich die Wolke kein zweites Mal sagen. Sie ließ es donnern und jagte einen besonders großen und hellen Blitz dem Hirten entgegen.
Dieser ließ im gleichen Augenblick das Schwert fallen und hielt mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, den Spiegel vor sich.
Der Blitz traf auf den Spiegel und wurde von der glänzenden Oberfläche zurück in den Himmel geschickt. Nur einen Moment später traf er die Wolke, die vor Schmerzen aufschrie. Sie spürte, dass den Kampf verloren hatte. Sofort verzog sie sich hinter das ferne Gebirge, verschwand und ward nie wieder gesehen.
Der junge Schafhirte aber war zum größten Helden des Landes geworden. Patschnass kam er zum Schloss zurück und überreichte der Prinzessin dankbar ihren Spiegel.
Der König wollte ebenfalls seinen Dank zum Ausdruck bringen und bot dem Schafhirten seine Tochter zur Frau an, die er nur zu gern annahm.
Von diesem Tag schien wieder jeden Tag die Sonne im sonnigen Königreich. Der Regen fiel nur noch in den Nächten.

(c) 2016, Marco Wittler

510. Der kleine Ritter mit dem kleinen Schwert

Der kleine Ritter mit dem kleinen Schwert

Im Hof der großen Burg jubelten die Menschen dem schwarzen Ritter entgegen, der gerade mit dem abgeschlagenen Kopf eines Drachen über die Zugbrücke ritt.
»Mit meinem großen Schwert und meinen kräftigen Armen habe ich ihn stundenlang gejagt und bekämpft. Am Ende hat er verloren.« verkündete er und ließ sich feiern.
Auch der König war zufrieden. Schon bald würde es keine Drachen mehr geben, die sein Reich bedrohten. Nie wieder würden Häuser brennen, nie wieder Menschen sterben, nie wieder holde Jungfrauen entführt.
»So schön es auch ist, unseren Helden zu feiern.« erklärte der König vom Balkon aus seinen Untertanen. »Die Jagd muss weiter gehen, bis es keinen einzigen Drachen mehr auf dieser Welt gibt. Sie müssen ausgerottet werden.«
Er sah sich streng um und warf auf jeden seiner Ritter einen Blick.
»Es soll noch einen letzten Drachen geben. Es hat ihn noch niemand zu Gesicht bekommen. Aber die Spuren sind eindeutig. Er warf ein paar Mal seinen Schatten auf den nahen Wald. Außerdem wird sein lautes Brüllen regelmäßig in den Bergen gehört. Es muss in einer der Höhlen leben.«
Er gab den Befehl, den Drachen zu suchen und zu töten. Also zogen die Ritter am nächsten Morgen los. Sie steckten in ihren glänzenden Rüstungen und trugen ihre großen Schwerter und Schilde. So ausgerüstet ritten sie gemeinsam in die Berge und verteilten sich dann, weil jeder von ihnen den Drachen zuerst erlegen wollte. Nur einer von ihnen musste im Tal auf die Pferde aufpassen. Er war der Kleinste von ihnen, fast ein Zwerg und sollte auf die Pferde aufpassen.
»Du bist zu klein.« hatte er immer wieder auf dem Weg zu den Bergen gehört. »Die frisst der Drache mit einem Bissen und dann bist du weg. Außerdem kannst du mit deinem winzigen Schwert niemals eine Bestie erlegen.«

Nach ein paar Stunden stürmte der erste Ritter aus den Bergen hinab ins Tal. Sein edler Schild war vom Ruß geschwärzt, sein mächtiges Schwert hatte er irgendwo unterwegs verloren.
»Der Drache ist ein unglaubliches Ungetüm.« rief er verzweifelt und rannte an den Pferden vorbei. »Er wird uns alle töten. Er wird das Königreich in Schutt und Asche verwandeln.« Dann verschwand er zwischen den Bäumen und ward nie mehr gesehen.
Kurz darauf erschien der zweite Ritter. Er hatte die Hälfte seiner Rüstung verloren. Der Helm war verbeult und seine Waffen weg.
»Wir werden alle sterben. Wir sind dem Untergang geweiht.«
Auch er verschwand auf Nimmerwiedersehen.
Nur wenige Minuten kam auch der dritte Ritter von Furcht getrieben ins Tal. Sein Schild war zur Hälfte geschmolzen, sein Schwert zerbrochen und nie wieder benutzbar.
»Er hätte mich fast gefressen. Er hat fast meinen Arm erwischt. So einen grausamen Drachen habe ich noch nie erlebt. Den wird niemand jemals erlegen.« rief er verzweifelt und rannte verzweifelt in den Wald hinein, aus dem er nie wieder heraus kam.
Jetzt war der schwarze Ritter allein mit dem Drachen. Aber wenn er ihn nicht töten konnte, wer dann? Er hatte die meiste Erfahrung, hatte schon die gefährlichsten Monster zur Strecke gebracht. Er würde auch mit dieser Aufgabe fertig werden. Da war sich der kleine Ritter sicher.
Doch dann hörte er einen Schrei von einem der Berggipfel. Wenige Augenblicke später rollte ein dunkles Etwas einen Hang herunter, riss Büsche und Bäume um und blieb schließlich eine Hand breit vor den Pferden liegen.
»Seit ihr es? Schwarzer Ritter? Seit ihr es wirklich?«
Vom Glanz der schwarzen Rüstung war nichts mehr zu sehen. Ihre Farbe war stumpf und dreckig. Unzählige Beulen und Löcher verteilten sich von oben bis unten.
»Er ist nicht zu bezwingen. Er zu gewaltig.« brummte der schwarze Ritter erschöpft. »Ich habe ihn nicht einmal zu Gesicht bekommen. Er griff mich in einer Höhle von hinten an. Er trat mich, schlug mich, verbrannte mir mit seinen heißen Flammen die Rüstung. Ich konnte mich nicht wehren. Mein großes Schwert war für die schmalen Höhlengänge zu lang. Es blieb immer wieder an den Wänden hängen. Kein Mensch dieser Welt wird ihn jemals zur Strecke bringen. Er ist zu schlau für uns.«
Mit letzter Kraft stemmte er sich hoch und schwankte mit unsicherem Gang fort, um sich irgendwo bis zum Rest seines Lebens zu verstecken.
»Und nun?« Der kleine Ritter sah sich unsicher um. Nun war er mit fünf Pferden allein am Fuß der Berge. »Der König erwartet doch, dass jemand den Drachen zur Strecke bringt.«
Er sah an sich und seinem wirklich sehr kleinen Schwert hinab. »Aber wie soll ich das anstellen? Ich bin so klein und der Drache so gefährlich.«
Er schluckte laut. »Aber der König hat es uns befohlen. Einer von uns muss es tun.«
Er seufzte und schlich in kleinen, unsicheren Schritten hinauf ins Gebirge.

Nach einem langen, harten Aufstieg stand der kleine Ritter vor einem der vielen Höhleneingänge. Ängstlich sah er hinein.
»Hallo?« rief er zitternd.
»Ist hier ein Drache drin?«
»Nein, hier ist kein Drache drin.« kam eine lachende Antwort.
Der kleine Ritter war verwirrt. Kein Drache? Dann musste er weiter suchen.
Nach und nach suchte er die einzelnen Höhlen und Löcher in den Bergen auf. Überall rief er seine Frage hinein. »Hallo? Ist hier eine Drache drin?« Und jedes Mal kam die gleiche Antwort. »Nein, hier ist kein Drache drin.«
»Das wird mit jetzt aber zu dumm.« sagte er schließlich zu sich selbst. »Irgendwer will mich da veralbern und auf den Arm nehmen.«
Er zog sein kleines Schwert, versteckte sich hinter seinem kleinen Schild und betrat die Höhle vor sich. Nach jedem zweiten Meter blieb er stehen, sah sich um und fragte erneut. Doch nun gab es keine Antworten mehr.
Irgendwann gelangte er in einen riesigen Höhlenraum. Von dort aus gingen unzählige andere Gänge in alle Richtungen.
»Die Höhleneingänge sind miteinander verbunden. Deswegen gab es immer eine Antwort.« wurde dem kleinen Ritter nun klar.
»Du bist ja schlauer, als ich dachte.« rief nun eine Stimme hinter ihm. »Schön, dich endlich persönlich kennenzulernen.«
Der kleine Ritter drehte sich um. Er sah sich dem Drachen nun direkt gegenüber. Er spürte den heißen Atem des Ungeheuers in seinem Gesicht und erschrak.
»Wirst du mich jetzt verbrennen oder sogar auffressen?«
Der Drache, der so klein wie der kleine Ritter war, sah an seinem Gegner herab, schüttelte den Kopf und hob seine Arme über den Kopf.
»Nein, aber du wirst mir jetzt bestimmt den Kopf abschlagen. Das ist doch die Aufgabe eines tapferen Ritters. Und wenn ich dein kleines, scharfes Schwert sehe, weiß ich, dass ich keine Chance gegen dich habe.«
Sie sahen sich gegenseitig ernst an. Beide bekamen Schweißperlen auf der Stirn. Jeder wartete darauf, dass der andere den Kampf beginnen und damit einen Fehler begehen würde.
Und dann fingen sie gleichzeitig an zu lachen und fielen sich in die Arme.
»Ich kann gar nicht richtig kämpfen.« gestand der kleine Ritter. »Ich habe mein Schwert noch nie benutzt.«
»Und ich habe noch nie einen Menschen bedroht, nie einen gefressen. Ich habe noch nie etwas niedergebrannt. Für holde Jungfrauen hab ich auch nichts übrig. Ich lese lieber spannende Abenteuerbücher. Ich lebe einfach hier in meiner großen Höhle und möchte meine Ruhe haben.«
Der kleine Ritter kratzte sich am Kopf. »Aber was machen wir denn jetzt? Der König wird immer wieder Ritter schicken, bis einer von ihnen ihm deinen Kopf bringt.«
Der kleine Drache grinste plötzlich über das ganze Gesicht. »Ich glaube, ich habe da eine grandiose Idee.«

Einen Tag später ritt der kleine Ritter auf seinem kleinen Pferd unter den jubelnden Rufen der Menschen in den Hof der großen Burg. In der einen Hand hielt er sein kleines Schwert, in der anderen einen prall gefüllten Sack. Erst vor dem Balkon des Königs hielt er an.
»Die großen und tapferen Ritter haben alle versagt. Keiner von ihnen konnte die gestellte Aufgabe erfüllen und den gefürchteten, letzten Drachen zu Strecke bringen. Wegen dieser Schande haben sie sich in den Wäldern versteckt und werden nie wieder zurück kommen. Deswegen habe ich mich das Unmögliche möglich gemacht.«
Es wurde still auf dem Hof. Der König sah ungläubig von seinem Balkon hinab. »Dann zeige mir seinen Kopf.«
Der Ritter schüttelte stattdessen lachend seinen eigenen.
»Ich habe ihn nicht.«
Langsam öffnete er den Sack, den er bei sich trug. »Stattdessen habe ich mir die Mühe gemacht, dem Drachen mit meinem kleinen Schwert die Haut abzuziehen.«
Und tatsächlich holte er nun ein vollständige Drachenhaut hervor und zeigte voller Stolz jedem.
Der überraschte König erklärte sofort den kleinen Ritter zum tapfersten Mann des gesamten Reichs und beschenkte ihn mit so viel Gold, dass er für den Rest seines Lebens nicht mehr arbeiten musste.

Eine Kleinigkeit behielt der kleine Ritter allerdings für sich. Er hatte in der Höhle erfahren, dass Drachen zu den Reptilien gehören, also mit Schlangen verwandt sind. Wenn sie wachsen, müssen sie regelmäßig ihre alte Haut abwerfen. Eine dieser gebrauchten Häute hatte der kleine Ritter dem König übergeben. So konnte der kleine Drache am Leben bleiben.
Regelmäßig trafen sich nun die beiden in den Bergen und lasen gemeinsam Abenteuerbücher.

(c) 2015, Marco Wittler

354. Hunger

Hunger

Die Tage waren merklich kürzer geworden und die Temperaturen stark gefallen. Die Bäume kahl geworden und die Sonne hatte sich schon seit ein paar Wochen nicht mehr blicken lassen. Der Winter hielt langsam Einzug in das kleine Königreich am Rande des großen Gebirges.  Die Menschen holten ihre dicken Mäntel aus den Schränken und heizten den Öfen ordentlich ein.
»Wie geht es dieser Tage dem Volke?«, fragte der König neugierig.
»Hat es sich gut auf die kalte Jahreszeit vorbereitet?«
Die Berater nickten eifrig mit den Köpfen. Es war ihre Aufgabe, sich um das Wohl der Menschen im Königreich zu kümmern.
»Oh ja, Eure Majestät. Dem Volke geht es gut. Die Speisekammern sind gefüllt, Holzscheite aufgehäuft und die Bäche satt und rund. Es ging unseren Bewohnern niemals besser.«
Der König lächelte, denn er war mit sich selbst sehr zufrieden.
»Dann haben also unsere Maßnahmen etwas gebracht. Es war die richtige Entscheidung, unsere Kornkammern zu öffnen und Lebensmittel an die Ärmsten der Armen zu verteilen.«
Abermals nickten die Berater eifrig und strichen dem König Honig ums Maul.
»Wie weise ihr doch gehandelt habt. Ihr seid der beste König, den sich unser Volk wünschen konnte.«
Während sie sich aus dem Thronsaal zurück zogen, warfen sie einen verstohlenen Blick aus dem Fenster. Ein Schauer lief ihnen den Rücken herunter. Was sie dort draußen sahen, gefiel ihnen ganz und gar nicht.
»Damit kommen wir niemals durch.«, flüsterte einer von ihnen.
»Halt bloß den Mund. Solange der König nichts erfährt, können wir so weiter machen.«, antwortete ein anderer.

Der Winter hatte begonnen. Die letzten Blätter waren von den Bäumen gefallen und es würde nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schneeflocken den Boden bedecken würden.
»Papa, mir ist so kalt.«, bibberte die kleine Elisabeth, die sich verzweifelt einen weiteren Pullover überzog und sich noch enger an den Ofen kuschelte.
»Ach, mein armes Kind.«, seufzte Papa.
»Der Ofen ist doch schon seit zwei Wochen nicht mehr beheizt. Wir haben kein Holz und kein Geld, um welches zu kaufen.«
Elisabeth verzog das Gesicht.
»Aber dafür haben wir noch uns.«
Papa stimmte ihr zu. Sie hatten immer noch sich. Doch davon wurde ihnen leider nicht wärmer und etwas Essbares hatten sie dadurch auch noch nicht.
»Wenn dieser fiese und gemeine König bloß mehr für sein Volk übrig hätte. Aber der interessiert sich doch gar nicht für uns.«, schimpfte er.
»Seine Kornkammern sind gut gefüllt. Ich habe es selbst gesehen, dass die Bauern ihr ganzes Getreide abgeben mussten. Und nun müssen wir alle hungern und leiden. Wenn ich den in die Finger kriege, dann …«
Er sprach den Satz nicht weiter, malte sich aber schlimme Dinge in seinem Kopf aus. Es gibt nur leider niemanden, der sich traut, ihm mal so richtig die Meinung zu sagen.«
Traurig zog er sich in sein Schlafzimmer zurück.
»Vielleicht finde ich im Schlaf meine Ruhe. Und du solltest auch langsam ins Bett gehen, Es ist schon spät.«
Elisabeth nickte. Bevor sie unter ihrer Decke verschwand, warf sie noch einen letzten Blick auf den Kalender.
›Heiligabend‹ stand dort. Die Nacht vor Weihnachten.
»Wenn nicht heute Zeit ist für ein Wunder, wann dann?«, murmelte sie.
Und plötzlich kam ihr eine Idee.

»Es ist Weihnachten.«, rief der König erfreut durch seinen Thronsaal.
Seine Berater tippten mit ihren Fingern auf den Kalender.
»Erst Morgen, Eure Majestät. Ihr müsst noch eine Nacht schlafen, bevor ihr Eure Geschenke öffnen dürft.«
Enttäuscht ließ der König seine Schultern sinken.
»Zu dumm. Aber dann bekommt ihr auch noch nichts von mir.«, entschied er und packte ein paar kleine Pakete zur Seite.
»Mein Volk beschenkt sich bestimmt jetzt schon. Da bin ich mir sicher. Die einfachen Menschen warten bestimmt nicht bis zum Morgen.«
Die Berater nickten nur, während ihr schlechtes Gewissen von innen an ihren Kopf klopfte.
»Gewiss, Eure Majestät. Das einfache Volk kennt keine Regeln und keinen guten Umgangston. Es macht sicherlich was es will. Bestimmt haben manche von ihnen auch schon gestern und vorgestern gefeiert.«
Der König strich sich über seinen Bart und setzte eine nachdenkliche Miene auf.
»So wird es sein. Dennoch mache ich mir Gedanken darüber.«

Es war spät in der Nacht, als der König ein leises Klopfen vernahm. Er öffnete die Augen und schlug die Decke zur Seite.
»Wer ist da und stört meinen Schlaf. Er soll sprechen.«
Eine Antwort gab es nicht, stattdessen klopfte es wieder.
»Welcher Unhold wagt es, meinen Schlaf zu stören?«
Doch wieder meldete sich niemand. Dann erkannte der König, dass das Klopfen von der anderen Seite des Fensters kam. Er stand auf und ging langsam näher. Vorsichtig spähte er durch das Fenster, auf dem sich bereits einige Eisblumen gebildet hatten. Zu seiner Überraschung entdeckte er das Gesicht eines kleinen Mädchens. Sofort öffnete er das Fenster.
»Nanu. Wer bist denn du und was machst du zu so später Stunde vor meinen Gemächern?«
Das Mädchen setzte eine ernste Miene auf, wie es der König selbst schon ein paar Stunden zuvor getan hatte.
»Ich bin die Elisabeth und ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit dir reden.«
Der König grinste. So etwas hatte er nun wirklich nicht erwartet.
»Du weißt wohl, dass du mit deinem König redest und ich dich für deine unverschämten Worte einsperren lassen könnte.«
Elisabeth nickte und begann dann sofort davon zu berichten, wie schlecht es dem Volk in diesem Winter erging.
Der König wurde mit jedem Satz, den er hörte, bleicher im Gesicht.
»Du meine Güte. Davon habe ich nichts gewusst. Wie konnte so etwas nur geschehen. Ich kann eigentlich nur hoffen, dass du mich belügst.«
Aber Elisabeth schüttelte nur mit dem Kopf. Sie nahm den König an die Hand und wollte ihn durch das Fenster ziehen.
»Los, komm mit, dann zeige ich es dir.«

Ein paar Minuten später waren sie gemeinsam unterwegs in den Straßen des nächsten Dorfes. Um nicht sofort aufzufallen, hatte sich der König verkleidet. Nun sah er aus, wie ein ganz normaler Mensch aus dem Volke. Er besah sich alles ganz genau und erschrak immer wieder aufs Neue.
Die Schornsteine der Häuser rauchten nicht, Nirgendwo war Holz aufgestapelt. Und wenn er Blicke in Küchen und Speisekammern werfen konnte, entdeckte er nur gähnende Leere.
»Aber wie konnte das nur geschehen?«, wunderte er sich.
»Ich habe meine Berater bereits im Herbst aufgefordert, sich um das gesamte Volk zu kümmern. Jeder Bedürftige sollte genug Getreide bekommen, um satt und zufrieden durch den Winter zu kommen.«
Elisabeth senkte ihren Blick.
»Davon ist nie etwas bei uns angekommen. Stattdessen frieren und hungern wir.«
Der König war erbost. Sein Kopf lief rot an.
»Ich weiß, wer daran Schuld ist und ich werde mich darum kümmern. Aber dafür brauche ich deine Hilfe.«
Er zog Elisabeth nahe an sich heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr, bevor er sich wieder auf den Weg ins Schloss machte.

Am nächsten Morgen wachten die Berater des Königs früher als gewöhnlich auf. Ein ungewohnter Lärm hatte sie geweckt.
»Was ist denn da draußen bloß los?«, fragten sie sich, während sie ihre prachtvollen Gewänder anzogen.
So schnell wir möglich machten sie sich auf den Weg in den Thronsaal, um nach dem Rechten zu schauen. Dort staunten sie nicht schlecht. Der Raum war voller Menschen und Möbel. Auf Tischen standen die leckersten Gerichte, während sich auf den Stühlen das einfache Volk tummelte. Es schien, als wären alle Menschen der umliegenden Dörfer hier herein gekommen.
»Zum Teufel, was ist denn hier los?«, riefen die Berater erbost.
»Wachen! Befreit uns von diesem Pöbel. Werft sie alle raus und sorgt für Ruhe.«
Doch dazu sollte es nicht kommen, denn in diesem Moment trat der König von hinten an seine Berater heran.
»Das ist eine gute Idee.«
Es wurde still im Saal. Die Menschen hörten auf zu essen und zu reden. Sie beobachteten den König und warteten darauf, was nun passieren würde.
»Wachen, verhaftet meine Berater. Sie haben meinem Volk viel Unrecht angetan. Sie haben es verdient, eingesperrt zu werden.«
Großer Jubel ging durch das Volk. Doch dann spürte der König, wie jemand an seinen Gewändern zupfte. Es war die kleine Elisabeth.
»Bitte nicht. Du bist so ein lieber König und hast uns alle zum Essen eingeladen. Es ist doch Weihnachten und da sollte niemand im Gefängnis landen. Sei gnädig mit ihnen.«
Der König dachte kurz nach, bevor er eine Entscheidung traf.
»Liebes Volk, ihr habt es gehört. Meine neue Freundin, die Elisabeth, hat mein Herz berührt und mich gebeten, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Ihr werde ihrer Bitte entsprechen. Heute wird niemand mehr eingesperrt. Wir wollen lieber gemeinsam Weihnachten feiern.«
Das Volk jubelte ein weiteres Mal, während die Berater aufatmeten.
»Allerdings habe ich von nun an eine neue Aufgabe für meine Berater.«, sprach der König weiter.
»Vom heutigen Tage an, sollen sie dem Volke dienen.«
Er drehte sich zu seinen Beratern um.
»Worauf wartet ihr noch? Schnappt euch die Weinkrüge und schenkt nach. Das Volk hat Durst.«
Nun war auch Elisabeth zufrieden. Schöner konnte Weihnachten nicht mehr werden.

(c) 2010, Marco Wittler

110. Der König und die kleine Fliege oder „Papa, warum fliegen Insekten zum Licht?“ (Papa erklärt die Welt 14)

Der König und die kleine Fliege
oder »Papa, warum fliegen Insekten zum Licht?«

Der Abend war lang geworden. Die Sonne war bereits verschwunden und der Himmel hatte sich schwarz verfärbt. Die Nacht war herein gebrochen, der Tag hatte sich verabschiedet und das Licht mit sich nach Hause genommen, um noch ein wenig heimlich im Bett lesen zu können.
Sofie saß im Garten und sah verträumt zu den Sternen hinauf, während Papa seinen besten Freund an der Haustür verabschiedete. Als er schließlich wieder nach draußen kam, sah er seine kleine Tochter unter einer Lampe stehen.
»Was treibst du denn da? Die alte Lampe kennst du doch. Da ist nichts Neues dran.«
Er kam näher, setzte sich auf den Boden und versuchte heraus zu bekommen, was so interessant an dieser Leuchte sein konnte.
»Schau doch mal genauer hin, dann siehst du es auch.«
Papa ging mit dem Kopf noch etwas näher, aber noch immer kam er nicht auf die Lösung des Rätsels.
»Tut mir leid, mein Schatz. Aber ich weiß es nicht.«
Sofie verdrehte die Augen.
»Ach, Papa. Dabei ist es doch genau vor deiner Nase. Also sag mir, was du hier siehst.«
»Da ist nichts weiter. Das ist unsere Gartenlampe, darin steckt eine Glühbirne und jede Menge Fliegen, Motten und andere Insekten, die davon angezogen werden. Also alles, wie es immer ist.«
Doch dann erhellten sich sein Blick.
»Denkst du etwa an das Gleiche wie ich?«
Sofie hob den Zeigefinger und wedelte damit hin und her.
»Du glaubst doch etwa nicht, dass ich auf diesen alten Trick herein falle. Du willst doch nur hören, was ich denke, damit du mir vorgaukelst, dass es bei dir dasselbe ist. Aber ich lasse mich nicht von dir veräppeln.«
»Na gut. Ich gebe auf. An was denkst du gerade.«
Sofie verwies ihn wieder auf die Lampe.
»Die vielen Fliegetiere kleben alle wie verrückt an der Lampe und ich weiß einfach nicht, warum sie das machen. Papa, warum fliegen Insekten im Dunkeln immer zum Licht?«
Papa hielt inne, kratzte sich am Kinn und dachte nach.
»Das ist eine gute Frage. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig von einer kleinen Fliege, die ein Abenteuer mit dem Licht erlebt hat. Und die werde ich dir jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht.
»Oh ja, eine Geschichte.«
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Papa.
Sofie lachte schon voller Vorfreude und antwortete: »Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig. Also, es war einmal …«

Es war einmal ein König im Land der Mitte, der eine große Last mit einem seiner Kollegen hatte. Ständig musste er sein Reich verteidigen, weil seine Nachbarn neidvoll auf die saftigen Weiden und Felder sahen, während es in den anderen Ländern sehr oft trocken im Sommer war.
»Eure Majestät.«, rief ein Minister, während er in den Thronsaal gelaufen kam.
»Kommt erst einmal zur Ruhe, guter Mann. Ihr seid ja völlig aus der Puste. Setzt euch zu mir, atmet ein paar Mal in Ruhe durch und erzählt, was ihr mir für Neuigkeiten zu berichten habt.«
Der Minister tat, wie ihm befohlen wurde. Nachdem es ihm besser ging, holte er eine Schriftrolle hervor, öffnete sie und las vor, was darauf stand.
»Es ist unglaublich. Der König des Westlandes plant einen neuen Krieg gegen uns. Er will uns mit seiner Armee überrennen und alles an sich nehmen was euch gehört. Unsere Spione haben mich darüber informiert. Wir haben nicht mehr viel Zeit, angemessen darauf zu reagieren und uns zu verteidigen.«
Der König setzte eine ernste Miene auf und dachte nach. Er wusste nur zu genau, dass seine Untergebenen eine Entscheidungen erwarteten. Den Krieg durften sie auf keinen Fall verlieren, denn dann würde hier bald ein neuer Mann herrschen und das Volk unterdrücken. Niemandem würde es mehr gut gehen.
»Macht die Truppen bereit.«, entschied er schließlich.
»Die Soldaten sollen sich aber zurück halten. Es soll niemand unnötig zu Schaden kommen, egal auf welcher Seite. Mir wäre es lieber, wenn wir eine friedliche Lösung finden könnten.«

Zur gleichen Zeit saß der König des Westlandes in seinem eigenen Schloss und sprach mit seinen Beratern.
»Und ihr wisst ganz genau, dass unsere Gegner noch nicht auf einen Angriff vorbereitet sind? Wir werden siegreich aus der Schlacht hervor gehen?«
»Nur, wenn wir bis spätestens in drei Tagen die Truppen in den Krieg schicken, eure Majestät.«
Der König des Westlandes rieb sich die Hände. Er sah es schon vor sich. Er würde bald über zwei Länder herrschen können. Sein Reichtum würde ins Unermessliche steigen. Dennoch hatte er Bedenken, dass seine Berater falsche Informationen bekommen haben könnten.
»Aber wie wollt ihr sicher sein, dass ihr Recht habt. Wie kommt ihr an eure Informationen. Ich dachte, die Grenze könne niemand übertreten. Wie schaffen es dann eure Spione?«
Einer der Berater begann zu grinsen und holte er kleines Kästchen hervor. Als er es öffnete, flog eine kleine Fliege daraus hervor.
»Dies hier ist unser Spion. Diese kleine Fliege hört und sieht alles. Sie selber wiederum ist so unauffällig, dass niemand darauf kommen würde, sie zu verdächtigen.«
Der König nickte anerkennend. Auf so eine brillante Idee wäre er nie gekommen.
»Jeden Abend fliegt sie hin und her. Eine Laterne weißt ihr dabei den Weg. Sie ist darauf dressiert worden, dem Lichterschein zu folgen.«

Im Königreich der Mitte machten sich die Menschen große Sorgen. Sie hatten große Angst vor dem Krieg, denn die Soldaten waren noch lange nicht auf ihren Positionen verteilt.
Der König saß mit seinen Ministern zusammen. Sie überlegten, wie sie einen Angriff abwehren sollten. Ideen hatten sie aber nicht sehr viele.
Einer der Minister war nicht sehr aufmerksam. Er war noch jung und hatte keine eigenen Einfälle mitbringen können. Er saß einfach nur am Tisch und beobachtete seine Kollegen, um von ihnen zu lernen.
Nach einer Weile fiel ihm etwas Seltsames auf. Im Raum befand sich eine kleine Fliege. Jedes Mal, wenn jemand etwas sagte, flog sie zu dieser Person und setzte sich davor auf den Tisch. Es schien, als würde sie allen hier zuhören.
Der junge Minister dachte eine Weile darüber nach, wusste aber nicht, was er davon halten sollte. Als es dann langsam dunkel wurde, zog er einen Kerzenständer zu sich und entzündete das Licht.
Die Fliege sah das Licht und flog sofort darauf zu. Sie setzte sich vor den jungen Mann und flüsterte ihm zu, was sie noch vor ein paar Minuten gehört hatte.
Der Minister war schockiert. Er hatte soeben einen Spion entdeckt.
»Eure Majestät, ich habe euch etwas Schreckliches mitzuteilen.«
Es wurde still im Raum. Alle hörten ihm zu. Ein paar Sekunden später wurden sie alle bleich. Nur der König blieb ruhig.
Er stand auf, ging um den Tisch herum, nahm die kleine Fliege vorsichtig auf einen Finger und setzte sich gemütlich mit ihr vor das Fenster. Er flüsterte ihr etwas zu und entließ sie dann in die Freiheit.
»Aber eure Majestät, sie wird jetzt sofort nach Hause fliegen und alle unsere Geheimnisse verraten. Wir sind verloren.«
Der König winkte ab.
»Macht euch keine Sorgen. Es wird keinen Krieg geben. Die Truppen des Westlandes werden noch heute Nacht abgezogen. Ihr könnt also in Ruhe in eure Betten gehen und schlafen.«
Niemand wusste, was er damit meinte, aber sie gehorchten ihm trotzdem.

Während die kleine Fliege in den Westen flog wiederholte sie noch einmal ganz genau, was ihr der König aufgetragen hatte. Er hatte ihr erklärt, wie sinnlos Kriege seien und es dabei nie einen Gewinner gab. Es würden Menschen sterben und viel Unheil über beide Länder kommen. Daher gab es nur eine ordentliche Lösung für das Problem.
Kurze Zeit später landete sie in ihrer Heimat auf einem Fensterbrett. Die Berater und der König des Westlandes warteten schon gespannt auf ihren kleinen Spion. Allerdings waren sie völlig überrascht, was sie nun zu hören bekamen.
»Der König des Landes der Mitte lässt euch grüßen, eure Majestät. Er möchte nur ungern gegen euch Krieg führen, denn es wird nur das Volk darunter zu leiden haben. Er macht euch dafür einen Vorschlag. Er möchte mit euch Handel treiben und euch so alles für euer eigenes Volk zukommen lassen, was es braucht.«
Der König war so überrascht, dass er sofort auf diesen Vorschlag einging und die kleine Fliege mit dieser Neuigkeit zurück in das Land der Mitte schickte.
Schon bald kehrte Frieden zwischen allen Ländern ein und die verschiedenen Könige taten nur noch das Beste für ihre Völker.

»Das war aber eine wirklich schöne Geschichte.«
Sofie war zufrieden und gähnte einmal ganz laut. Papa nahm sie hoch auf seine Arme und brachte sie ins Bett. Doch als er sie zudeckte hörte er noch ein paar letzte Worte von seiner kleinen Tochter, bevor sie endgültig einschlief.
»Aber trotzdem glaube ich dir kein Wort davon.«

(c) 2008, Marco Wittler

018. Es war einmal …

Es war einmal…

Es war einmal, vor langer Zeit, ein Königreich. Dort lebten viele glückliche Menschen, denn niemand war arm und musste hungern. Das lag daran, dass der König seinem Volk befohlen hatte, dass jeder sich einen Bienenstock anschaffen sollte. Die darin lebenden Bienen sammelten nun Jahr für Jahr köstlichen Blütennektar und machten diesen zu Honig.
Es sollte auch nicht lange dauern, bis man, in jedem Lande der bekannten Welt, davon gehört hatte. Jeder wollte sich einen Topf dieses leckeren Honigs gönnen und kam in das Königreich gefahren. So kam viel Geld ins Land und allen Bewohnern ging es gut, denn sie wurden von Tag zu Tag wohlhabender. Ein schöneres Leben konnte man sich gar nicht vorstellen.
Doch leider gab es auch andere Leute, die sehr neidisch auf das Glück sind und denen es nur dann gut geht, wenn großes Unglück über das Land kommt. Dazu gehörten auch die Hexen, denen es erst dann gut ging, wenn sie jemandem das Leben so richtig vermiesen konnten.
Eine von ihnen war Morala. Sie hatte schon oft von den Reichtümern im Königreich gehört und ärgerte sich jedes Mal darüber. Deswegen hatte sie sich auf den Weg gemacht, um dort für Unfrieden, Streit und Unglück zu sorgen. Sie hatte sich auch schon sehr genau überlegt, wie sie das anstellen konnte.
Etwa zur gleichen Zeit gab es im Schloss eine große Besprechung zwischen dem König und den Imkern des Landes. Denn in diesem Jahr würde die Honigernte sehr schlecht ausfallen. Die Blüten auf den Wiesen wurden von Wespen, Hummeln und anderen Insekten so schnell geplündert, dass für die Bienenvölker nicht mehr viel übrig blieb.
Nun suchte man nach Lösungen, doch niemand wusste Rat. Aber es musste trotzdem schnell gehen, denn sonst wäre nicht genug Honig zum Verkaufen da, und es käme kein Geld mehr ins Land.
In diesem Moment klopfte es an den Schlosstoren und eine alte Frau bat darum, vor den König treten zu dürfen. Da es noch immer keine Aussicht auf Ideen gab, willigte der König ein.
Er setzte sich in den Thronsaal und empfing die Unbekannte. Er war es satt, ständig nur über Wespen und Hummeln zu hören. Daher erhoffte er sich nun etwas Ablenkung.
Die alte Frau wurde ihm als Morala, die weise Zauberin, vorgestellt, die alle Länder bereiste und jedem Herrscher ihre Dienste anbot.
Dem König leuchteten die Augen, als er das hörte und erklärte ihr sofort das Problem, womit sein Land gerade zu kämpfen hatte. Und er versprach ihr, alles zu tun, was sie verlangte, um diese Plage loszuwerden.
„Dann nennt mir euren Wunsch, Majestät, und ich werde ihn euch erfüllen.“, sagte Morala.
Der König überlegte nicht lange.
„Ich wünsche mir, dass endlich alle Insekten hier verschwinden und wir wieder unsere Ruhe haben.“
„Ich gewähre euch diesen Wunsch. Doch als Bezahlung verlange ich eure Tochter. Ich werde sie mit mir in mein Reich nehmen und nach meiner Lebensart erziehen und lehren.“
Dem König wurde heiß unter seiner Krone. Aber er hatte keine andere Wahl. Denn sonst würde man in seinem Land nie wieder Honig ernten können. Er schickte also seinen Diener los, der die kleine Prinzessin holte und übergab sie voller Trauer der Zauberin.
Morala drehte sich um und verlies den Thronsaal.
„Wenn ihr Morgen aufwacht wird es kein einziges Insekt mehr in eurem Königreich geben. Nie wieder. Seit euch dessen gewiss.“
So schnell, wie die alte Frau gekommen war, verschwand sie auch wieder. Und niemand wusste wohin sie ging und mit ihr die Tochter des Königs.

 In der folgenden Nacht wuchsen überall im Land riesige Wassermelonen aus dem Boden. Die Insekten wurden von ihrem süßen Duft angelockt und dann in das Innere der Früchte gesaugt. Kurz nach Sonnenaufgang summte kein Tier mehr durch die Luft. Mit einem lauten Knall verschwanden kurz darauf alle Melonen und das Königreich war die Plage los.
Die Imker freuten sich sehr. Überall wurde gefeiert. Auf dem Marktplatz der Hauptstadt, vor den Toren des Schlosses, spielte eine Musikkapelle Lieder über Bienen und leckeren Honig. Es wurden Spanferkel gegrillt und große Fässer Wein leer getrunken.
Doch schon einen weiteren Tag später war die gute Laune verflogen. Denn die Bienen waren nicht mehr da. Alle Bienenkörbe waren leer, nirgendwo flog eine von ihnen durch die Luft.
Zuerst wusste niemand was passiert war. Doch dann fiel es dem König wieder ein. Leichtsinnig und gutgläubig hatte er sich gewünscht, dass alle Insekten des Landes verschwinden sollten. Doch zu seinem Pech gehörten auch die Bienen dazu.
Nun hatte er alles verloren, seine kleine Tochter, die Bienen seiner Imker und das viele Geld, das aus anderen Ländern für den Honig bezahlt wurde. Denn ohne Honig konnte auch nichts mehr gekauft werden.
Da sich sein ganzes Volk auf diesen Handel spezialisiert hatte konnte niemand im ganzen Land einen anderen Beruf ausüben. Und so verarmte das Königreich sehr schnell über die nächsten Jahre und keiner war mehr glücklich.

 So verging eine lange Zeit, in der sich nichts an dieser Situation änderte. Jeder Versuch, neue Bienen anzusiedeln schlug fehl, denn sie wurden immer von einer über Nacht wachsenden Melone verschluckt und verschwanden dann mit ihr im Nichts.
Im ganzen Märchenland machte man sich mittlerweile Sorgen, denn es gab sonst nirgendwo so guten Honig. Dafür fanden sich aber immer mehr mutige Helden, die dem Spuk ein Ende bereiten wollten. Die einen versuchten in der Nacht die Melonen zu zerstören. Doch dann wuchs umso schneller eine neue an einer anderen Stelle.
Andere begaben sich auf die Suche nach der Hexe und des Königs Tochter. Der letzte, der es wagte, war ein kleiner Kater in tapferen Lederstiefeln, die ihn überall hin brachten. Doch auch er hatte keine Spur von den beiden entdecken können.
Der König hatte sogar eine Belohnung versprochen. Wer die Prinzessin und die Bienen befreien und die Hexe gefangen nehmen würde, bekäme seine Tochter zur Frau, das halbe Königreich in Besitz und eine große Schatztruhe, angefüllt mit dem letzten Gold des Landes.

 Eines Tages kam ein junger Mann in die Hauptstadt. Er sah sofort das Elend der Menschen und war sehr traurig darüber. Er hatte bereits von dem großen Unglück gehört, es sich aber nicht so schlimm vorgestellt. Daher lies er sich zum König führen, um ihm seine Dienste anzubieten.
Er stellte sich als Prinz Marco, aus edlem Hause, vor. Er hatte den königlichen Hof seines eigenen Landes verlassen, auf der Suche nach Abenteuern und einer hübschen Prinzessin, die ihn eines Tages heiraten würde.
Der König selber war es leid, immer wieder einem neuen Helden die gleichen Dinge zu erzählen und dann loszuschicken, nur um anschließend wieder enttäuscht zu werden. Daher kam er nicht selber, sondern lies sich durch einen Minister vertreten.
Dieser stattete den jungen Mann kurz darauf mit allem aus, was er für seine Suche brauchte. Nur ein Pferd konnten sie ihm nicht mehr bieten. Das letzte hatte der gestiefelte Kater bekommen und war nie damit zurück gekehrt.. Alles was sie ihm bieten konnten war ein Esel, den der Prinz aber nur zu gern annahm. Und so machten sich die beiden auf den langen Weg zu ihrem unbekannten Ziel.

 Sehr weit kamen sie herum, viele Länder durchreisten sie, und überall befragten sie die Menschen, die sie trafen, nach der Hexe und erhielten mal mehr und mal weniger hilfreiche Antworten.
Viele von ihnen kannten Morala, aber die meisten hatten zu viel Angst etwas zu sagen. Sie fürchteten sich vor einer grausamen Strafe.
Doch nach und nach hatte Marco eine Vorstellung davon, wo sich die Hexe aufhalten musste. Er ritt auf seinem Esel Richtung Norden in das Land des ewigen Schnees, wo es immer kalt war und schneite.
Es dauerte auch nicht lange, bis sie die ersten Schneeflocken sahen. Von nun an mussten sie sehr vorsichtig sein, um nicht sofort von Morala entdeckt zu werden. Der Prinz nutzte eine Herde Rentiere als Versteck, die zufällig in die gleiche Richtung wanderte. Dadurch kamen sie zwar langsamer, dafür aber sicherer, an ihr Ziel.

 Ein paar Tage später standen sie vor einem großen Schloss. Im Gegensatz zur eisigen Landschaft, die sie durchquert hatten, war es von grünen Wiesen und Wäldern umgeben. Es war sogar so warm wie an einem schönen Frühlingstag. Jetzt waren sie endlich angekommen. Marco band den Esel an einem Baum fest und schlich leise über die Zugbrücke in das große Gebäude.
Er war noch nicht sehr weit gekommen, als ihn jemand ansprach und er selber vor Schreck zusammen zuckte.
Auf einer kleinen Bank im Schatten saß eine hübsche junge Frau. Sie hatte lange schwarze Haare, rehbraune Augen und trug ein Kleid aus den edelsten und teuersten Stoffen. Wenn sich der Prinz nicht sicher gewesen wäre, dass hier eine Hexe hausen würde, hätte er sie fast für eine Prinzessin gehalten.
„Nun?“, sagte sie. „Willst du nicht antworten, weißt du nicht wer du bist oder bist du etwa stumm?“
„Ich … ich …“
Der Prinz bekam kein Wort heraus. Jetzt war er so lange und weit gereist, nur um sofort entdeckt zu werden. Er hielt sich für unendlich dumm. Er dachte sich, dass er nur mit einer wirklich guten Idee noch eine Chance haben würde zu überleben. Da ihm aber keine einfiel musste er Zeit schinden.
„Sagt mir erst einmal, wer ihr seid.“
Die Frau lächelte ihn an. Es war ein Lächeln, welches das Herz eines jeden Menschen erwärmt hätte.
„Ihr seid zwar sehr unhöflich, da ihr der Gast seid und nicht ich, aber ich werde eurem Wunsch trotzdem entsprechen. Ich bin die Herrin dieses Schlosses, Königin des Eisigen Landes, Zauberin des Nordens und Hüterin der Bienen.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Und ich bin ganz alleine.“
Nun sah sie sehr traurig aus.
Marco wusste nicht sofort, was er sagen sollte. „Aber du bist doch die Hexe Morala. Du hast so viele Länder und Menschen unglücklich gemacht. Wunderst du dich da über deine Einsamkeit?“
„Wenn ich Morala wäre, dann hätte ich dich nicht unbescholten über die Zugbrücke kommen lassen, sondern hätte dich von einem Windstoß in den Wassergraben wehen lassen, wie sie es mit vielen anderen vor dir getan hat. Niemand war schnell genug wieder dort heraus. Sie wurden alle von den Krokodilen gefressen.
Aber nun ist meine Stiefmutter tot. Ich bin hier alleine und kann nicht fort, weil ich die vielen Bienenvölker behüten muss. Das ist die Aufgabe, die sie mir gegeben hat. Ständig werden es mehr. Ich weiß nicht woher und weswegen sie kommen. Aber ich bin trotzdem für sie verantwortlich. Außerdem wüsste ich nicht, wo ich hingehen könnte. Dies ist mein Heim, und ich habe sonst niemanden mehr.“
Langsam begriff der Prinz, wen er vor sich hatte. Es war die entführte Prinzessin, die er gesucht hatte. Nun hatte er sie endlich gefunden.
Er nahm sie an die Hand, setzte sich mit ihr zusammen auf eine Bank unter einem großen Baum und erzählte ihr, woher sie selber kam und weswegen er gekommen war. Er berichtete ihr von den Bienen, dem guten Honig und wie schlecht es den Menschen ihres Volkes ging.
Das alles machte die Prinzessin sehr traurig. Sie hatte nie gewusst wie viel Unheil ihre Stiefmutter über die Menschen gebracht hatte. In ihrer Gegenwart war sie immer sehr nett und zuvorkommend gewesen und hatte alles nur erdenkliche gemacht, um sie glücklich zu machen.
Aber nun hatte die Prinzessin eine Idee. Sie entschloss sich mit dem Prinzen zurück zu reisen in das Land ihres Vaters. In den vielen Jahren im Land des Ewigen Schnees hatte sie von Morala alles gelernt, was eine richtige Zauberin wissen musste. Doch war sie stets ein guter Mensch geblieben und hatte nie etwas von der Verbittertheit der alten Hexe mitbekommen.
Nun hatte sie die Möglichkeit, die bösen Taten rückgängig zu machen.
Die beiden sattelten den Esel und machten sich auf den Weg zurück in die Heimat.

Als sie ankamen, ging die Prinzessin sofort an die Arbeit. Sie vertrieb die Samen der räuberischen Wassermelonen aus dem Boden des Landes und zauberte alle Bienenvölker hierher zurück. Nun konnten die Imker sie wieder ansiedeln. Die Bienen produzierten sogar noch besseren Honig als jemals zuvor, da sie in den vielen Jahren sehr gut gepflegt und behütet wurden.
Das Königreich erstrahlte sehr schnell wieder im alten Reichtum und Glanz und das Glück kehrte wieder zurück.
Der König hingegen hielt sein Versprechen. Nachdem er die freudige Nachricht erhalten hatte, dass der Prinz mit seiner befreiten Tochter zurück gekehrt war, lies er beide empfangen. Er richtete ein großes Bankett aus und veranstaltete ein Festmahl, an das man sich noch in vielen Jahren zufrieden erinnern würde.
Marco bekam, was man ihm versprochen hatte. Die Hälfte des Königreiches wurde ihm geschenkt. Er erhielt die große Schatztruhe, mit deren Inhalt er sich ein eigenes prunkvolles Schloss bauen konnte.
Einige Tage später heiratete er auch die Prinzessin, die überglücklich war, einen so tapferen Mann bekommen zu haben.
Sie selber sorgte mit ihrer Zauberkraft von da an, dass es ihrem Volk gut ging und keinen weiteren Schaden von bösen Hexen zu befürchten hatte.

 Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sich noch immer glücklich zusammen und umsorgen ihre zahlreichen Bienenvölker.

(c) 2004, Marco Wittler

18 Es war einmal