228. Die Fliegenklatsche

Die Fliegenklatsche

Ein lautes Summen ertönte über der großen Wiese. Bernie Brummer, die dicke Fliege, brauste zwischen den Blumen durch.
»Ach, was ist das Leben schön. Es gibt doch nichts Schöneres, dass mit den Flügeln zu schlagen und durch die Luft zu sausen.«
Es ging hin und her, rauf und runter, an einer grünen und einer blauen Blume vorbei. Zwischendurch ließ er sich fallen und hüpfte von einem Blatt zum anderen.
»Huiuiui, jupiduu.«
Doch mit einem Mal machte er Halt und blieb in der Luft stehen.
»Was ist denn da los?«
Auf dem Boden, zwischen den Grashalmen war ein Weinen zu hören.
»Das muss ich mir unbedingt anschauen.«
Bernie sauste hin und landete neben einer kleinen Fliegengruppe. Sie alle saßen zusammen und weinten wie die Schlosshunde.
»Warum vergießt ihr denn so viele Tränen? Ist etwas passiert?«
Zuerst konnte der dicke Brummer nichts verstehen. Alle redeten durcheinander und weinten noch dazu. Es dauerte ein paar Minuten bis er eine richtige Antwort bekam.
»Mein Mann ist tot. Ein großer Mensch hat ihn mit der Fliegenklatsche erledigt. Dabei war er doch noch so jung.«
»Eine Fliegenklatsche?«, fragte Bernie ungläubig.
»So ein fieses Ding. Dagegen haben wir kleinen Insekten doch gar keine Chance.«
Die trauernde Witwe begann wieder zu weinen.
»Dieser Mensch kommt jeden Tag auf die Wiese gelaufen und verscheucht uns von den Blumen. Wir wissen gar nicht mehr, wo wir hin sollen. Wer erwischt wird, verschwindet für immer.«
Bernie überlegte hin und her. Schon sah er sich, wie er sich eine neue Heimat suchte.
»Wir können uns doch nicht einfach vertreiben lassen. Wir müssen etwas dagegen unternehmen.«
Schon schlug er wieder kräftig mit seinen Flügeln und hob vom Boden ab. Als er die Wiese unter sich gelassen hatte, sah er sich um. In weiter Ferne entdeckte er ein Haus.
»Da muss er leben. Das schaue ich mich aus der Nähe an.«
Der dicke Brummer sauste los.

Ein paar Stunden später war er an seinem Ziel angekommen. Er setzte sich vor ein Fenster und sah ins Haus. Da wurde er auch schon entdeckt.
»Verdammte Fliegen. Euch werde ich lehren, mich hier zu stören.«
Eine große Menschenhand schlug mit einer großen Fliegenklatsche gegen das Fenster. Zum Glück war noch eine Glasscheibe im Weg, sonst wäre es um Bernie geschehen gewesen.
»Ich werde euch alle verjagen oder zerdrücken.«, hörte er den Menschen rufen.
»Du meine Güte. Der ist ja wütend. Das muss doch einen Grund haben.«
Der Brummer sauste wieder los und umrundete ein paar Mal das Haus. Immer wieder warf er kurze Blicke durch die Fenster in das Innere. Es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis er fand, wonach er suchte.
»Schau mal einer an. Da stehen ganz viele Honiggläser auf dem Regal. Und wo Honig ist, da müssen auch Bienen sein.«
Mit dieser Vermutung lag er genau richtig. Ein paar Meter weiter standen mehrere Bienenstöcke. Um sie herum herrschte reges Treiben. Alle paar Sekunden flogen Bienen heran, die mit Pollen bepackt waren. Sie wurden abgelöst von anderen Bienen, die sich nun auf den Weg zu den vielen Blumen machten.
»Deswegen will uns der Mensch vertreiben. Er denkt wohl, dass wir Fliegen seinen Bienen den Blütenpollen stehlen. Er will den leckeren Honig wohl für sich behalten.«
Bernie überlegte bereits an einer Lösung, während er wieder nach Hause flog.

»Ich weiß es.«, rief der Brummer.
»Mir ist eingefallen, wie wir uns vor dem fiesen Menschen schützen können.«
Die anderen Insekten wollten ihren Ohren nicht glauben. Wie sollte eine kleine dicke Fliege den Kampf gegen einen so großen Feind gewinnen?
Kurz bevor Bernie landete, ließ er sich im Sturzflug in eine Blüte fallen. Als er wieder zum Vorschein kam, klebten an seinem ganzen Körper Pollen. Ein paar davon wischte er wieder fort.
»Bernie, du siehst auf einmal wie eine Biene aus.«
Der Brummer strahlte über das ganze Gesicht.
»Wenn wir uns alle so verkleiden, wird uns der Mensch nicht mehr erkennen. Er wird denken, dass wir zu seinen Bienen gehören und uns dann in Ruhe lassen.«
Großer Jubel war nun zwischen den Gräsern der großen Blumenwiese zu hören. Von diesem Tag an wurde die gefährliche Fliegenklatsche nie wieder gesehen.

(c) 2009, Marco Wittler

216. Der letzte Drache

Der letzte Drache

Dimitri saß vor seiner kleinen Höhle und sah mit glasigem Blick traurig in die Ferne. Die Zeit der Drachen war lange vorbei. Seit einer Ewigkeit hatte er keinen seiner Artgenossen zu Gesicht bekommen.
»Ich muss der letzte Drache auf dieser Welt sein.«
Eine Träne drückte sich aus seinem Augenwinkel und kullerte die Wange herab.
Diese Trauer machte Dimitri wütend. Er stand auf und spuckte mit seinem Maul eine kleine Flamme in die Luft.
»Ich darf mich nicht mehr in dieser Höhle verstecken. Sonst wird meine Art irgendwann vergessen sein. Das darf nicht passieren. Ich werde in die Welt hinaus ziehen.«
Ein fest entschlossenes Feuer entrann seiner Kehle. Dann machte sich der Drache auf den Weg.

Schon ein paar Tage später kam er in einem Menschendorf an.
»Hier gefällt es mir.«, sagte er zu sich selbst.
»Hier werde ich mein Leben von nun an verbringen.«
Doch sollte er diesen Entschluss schnell bereuen. Er stellte fest, dass es alles andere als einfach war, unter Menschen zu sein, denn schon am nächsten Tag quälte ihn großer Hunger.
»Ich brauche etwas zu essen.«, bat er jeden, der ihm über den Weg lief.
Aber es wollte ihm niemand helfen. Er wurde sogar noch beschimpft.
»Geh arbeiten!«, riefen die einen.
»Für’s Faulsein gibt es auch kein Essen.« sagten die anderen.
Mit so viel Unfreundlichkeiten hatte er gar nicht gerechnet. Das machte ihn so traurig, dass sogar seine Flamme darunter litt und ganz klein wurde.
»Wenn du für mich arbeitest, bekommst du von mir ein Dach über den Kopf und genug zu Essen.«, flüsterte ein Mann aus einer schattigen Tür heraus.
Dimitri kam dieser Mann sehr seltsam vor, trotzdem wurde er neugierig und ging langsam in das Haus hinein.
Er stand im Innern einer großen Schmiede. Hier wurden Schilde, Schwerter und Hufeisen geschmiedet.
»Für meine Arbeit brauche ich ein richtig heißes Feuer. Allerdings sind gute Kohlen teuer geworden. Heize mit deiner Drachenflamme das Eisen an, dann werde ich dich gut entlohnen.«, versprach der Schmied.
Der kleine Drache freute sich sehr. Nun musste er doch nicht hungern. Spontan spie er eine Feuerkugel zur Decke.
»Vorsicht«, warnte der Schmied. »Brenn mir nicht das Haus ab.«

In den nächsten Wochen und Monaten arbeitete Dimitri so hart, wie es nur ging. Durch die Drachenflamme schuf der Schmied Waffen, die mit keinen anderen vergleichbar waren. Aus dem ganzen Land kamen Bestellungen und die Auftragsbücher füllten sich immer mehr.
Der Schmied wurde täglich reicher, doch für Dimitri gab es immer nur ein kleines Stückchen Brot.
»Das muss für dich reichen. Mehr hast du nicht verdient. Du arbeitest einfach nicht hart genug.«, bekam er immer wieder zu hören.
Der kleine Drache tat, was er nur konnte. Immer wieder spuckte er seine Flamme auf Schwerter und Schilde. Doch der Schmied war nie zufrieden.
»Ich brauche mehr Feuer. Los, noch eine Flamme. Mach schon.«
Und wieder kam eine brennende Wolke aus dem Drachenmaul.
»Wie soll ich denn gute Arbeit abliefern, wenn du nicht machst, was ich dir sage?«
Der Schmied schlug wütend mit seinem großen Hammer donnernd auf den Amboss.
»Ich brauche Feuer.«
Dimitri spuckte es auf das Eisen.«
»Mehr, ich brauche mehr.«
Immer und immer wieder ließ der Drache seine Flamme auf die Schwerter nieder gehen. Das war so anstrengend, dass ihm immer öfters der Bauch weh tat.
»Ach, wäre ich doch bloß in meiner Höhle geblieben. Dort würde ich mich wenigstens wohl fühlen.«
In diesem Moment öffnete sich die Tür und mehrere Personen kamen herein. Sie waren alle in dunkle Umhänge mit großen Kapuzen gekleidet.
»Lass den Drachen gehen. Er hat genug bei dir gelitten. Lass ihn ziehen, sonst wird es dir Leid tun.«, befahl die Stimme einer Frau.
Der Schmied lachte nur und hielt sich dabei den Bauch.
»Er ist mein Drache.«, sagte er schließlich.
»Er wird mir für immer helfen, meine Eisen zu schmieden. Ich werde ihn nie ziehen lassen.«
In diesem Moment zogen die Verkleideten ihre Kapuzen zurück. Darunter kamen die Köpfe von Drachen zum Vorschein.
»Du lässt ihn gehen.«, befahl die Drachenfrau ein weiteres Mal. »Wenn du nicht auf uns hörst, werden wir dein Haus niederbrennen.«
Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, spuckte sie eine kleine Flamme auf einen an der Wand hängenden Mantel, der innerhalb weniger Sekunden spurlos verbrannte.
Der Schmied bekam es mit der Angst zu tun. Er ließ seinen Hammer fallen und flüchtete, so schnell er konnte, durch den Hinterausgang und wurde von da an nie wieder gesehen.
Dimitri konnte sein Glück noch gar nicht glauben. Er war doch nicht der letzte Drache der Welt.
»Du kannst jetzt mit uns kommen.«
Die Drachenfrau reichte ihm die Hand und führte ihn nach draußen auf die Straße. Dort warteten bereits eine große Menge Drachen auf ihn.
»Wir sind auf dem Weg in ein neues Land, in dem wir unter uns sein werden. Nach und nach holen wir alle Drachen zusammen und befreien sie aus ihrer Gefangenschaft bei den Menschen.«
Dimitri war froh, dass sein Leben nun endlich erfüllt sein würde. Zur Feier des Tages spie er die größte Flamme seines Lebens gen Himmel und die anderen Drachen taten es ihm gleich.

(c) 2009, Marco Wittler

Die erste Geschichte von Dimitri befindet sich hier. Eine Weitere findest du auf dieser Seite.

073. Das Leben im Dschungel

Das Leben im Dschungel

Bubu kletterte schnell den Baum hinauf zur Spitze. Von dort aus hatte er einen sehr guten Überblick. Er konnte den Dschungel von einem bis zum anderen Ende sehen. Jedenfalls dachte er das. Dich in Wahrheit war der Dschungel so riesig, dass seine Enden in jeder Richtung hinter dem Horizont verschwanden.
Zu sehen war hier oben aber nicht sehr viel außer dem riesigen grünen Blätterdach.
»Also hier oben ist nichts zu sehen.«, rief er nach unten.
»Vielleicht hast du dich auch verhört.«
Nana stemmte die Arme in die Hüfte und sah erbost nach oben.
»Ich habe mich nicht verhört. Ich habe sehr gute Ohren und weiß genau, wann ich mich irre und wann nicht. Das Fauchen des Panthers kam eindeutig von oben. Er muss dort irgendwo sein. Wenn wir nicht aufpassen, wird er uns noch alle fressen, bevor wir es mitbekommen.«
Bubu kletterte wieder nach unten und zuckte mit den Schultern. Gesehen hatte er nichts.
»Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ein Panther so weit klettern könnte. Dafür ist er viel zu schwer. Wir Affen purzeln schließlich auch schon mal von den dünneren Ästen herab.«
Nana überlegte und nickte schließlich.
»Ach, du hast ja Recht. Aber trotzdem habe ich ein Geräusch gehört. Aber nun ist es weg.«
Zusammen kletterten sie weiter nach unten und schlossen sich wieder der großen Affenfamilie an, die etwa zehn Meter über dem Urwaldboden die Bäume bewohnte. Sie hatten es sich hier oben sehr gemütlich gemacht und kleine Hütten gebaut, um sich vor Angriffen von Raubtieren schützen zu können, die ab und zu vom Boden aus herauf kletterten.
Und dann war da wieder ein Geräusch. Nana sah sich sofort besorgt um. Es war ein Brummen, dass aus der Luft kam. Diesmal hörte es Bubu auch. Er kletterte erneut nach oben und sah sich um. Im Himmel flog ein großer silberner Vogel, der während seines Fluges etwas verloren hatte. Es sah aus wie ein großes eckiges Ei, das nun langsam zu Boden schwebte.
Bubu bekam Angst. Er kehrte schnell nach Hause zurück, um den anderen erzählen zu können, was er gesehen hatte.
Einige der Affen wollten ihm nicht glauben. Sie waren der Meinung, dass Eier immer rund wären. Außerdem würden sie nicht schweben, sondern wie ein Stein zu Boden fallen und dort kaputt gehen. Zum Beweis holte einer von ihnen ein Ei aus seinem Vorratsschrank und warf es weg. Und tatsächlich fiel es wie ein Stein.
Allerdings achtete niemand mehr darauf, wie es in der Tiefe kaputt ging, denn plötzlich hörten sie ein lautes Krachen und Knacken über ihren Köpfen.
Die Kinder versteckten sich sofort unter ihren Betten, während die Größeren verstört nach oben sahen. Irgendetwas tat sich in den Baumkronen, und es kam schnell näher.
Dann war es da. Es raste heran und vorbei, bis es auf dem Boden aufschlug. Es war das eckige Ei, das Bubu gesehen hatte.
»Das ist es. Das ist das Ding, das der silberne Vogel verloren hat. Es hing vorhin noch an einer großen roten Feder, von der es sanft herab getragen wurde. Offenbar ist sie verloren gegangen, sonst wäre das Ding nicht so schnell an uns vorbei gefallen. Was mag es wohl sein?«
Bubu und Nana kletterten zum Boden. Die anderen achteten darauf, dass sich nicht von irgendwo ein Raubtier näherte.
Bubu streckte vorsichtig eine Hand aus und berührte das Ding. Er zog sie schnell zurück und sprang hinter einen Baumstumpf. Aber es geschah nicht.
Erneut ging er auf das Ding und fasste es nun fester an.
»Es ist aus Holz gemacht. Es ist gar kein Ei. Und gefährlich scheint es auch nicht zu sein.«
Erleichterung ging durch die Affenfamilie. Offenbar war es nur eine große Kiste, die nun unter ihnen lag. Doch wozu sollte sie gut sein?
Die Antwort auf diese Frage erhielten sie drei Tage später, als es wieder seltsame Geräusche gab. Diesmal kamen sie vom Boden. Irgendetwas kam langsam näher und zerbrach Äste und fällte Bäume. Ein lautes Krachen und Knacken war zu hören. Und dann waren da Stimmen von Tieren, die noch kein Affe zuvor jemals gehört hatte.
Alle bekamen es mit der Angst zu tun. Um welche Wesen handelte es sich? Waren sie friedlich oder würden sie die Affen fressen wollen?
Schließlich fiel ein letzter Baum und eine kleine Horde unbekannter Wesen kam auf die kleine Lichtung unterhalb der Affensiedlung.
Bubu war neugierig und kletterte leise näher, um sich alles anzusehen.
»Das ist ja unglaublich. Sie sehen fast aus wie wir, nur das sie fast kein Fell haben. Ob sie Nacktaffen sind?«
Der kleine Affe wusste gar nicht, was er da vor sich hatte. Und er wusste auch nicht, welche Gefahr ihm und seiner Familie nun drohte.
Die Nacktaffen, wie er die Wesen nannte, waren Menschen. Sie waren gekommen, um Affen für einen Zoo zu fangen. In der großen Holzkiste versteckte sich ein großer Käfig, der später von einem Hubschrauber abholt werden sollte.
Die Menschen hatte lange silberne Stöcke dabei, die sie nun in die Luft hielten und sich damit genau umsahen.
Auch die Affen sahen sich nun alles genau an. Sie waren so neugierig geworden, dass sie ihre Hütten verließen und immer näher an die Menschen heran kamen. Bis schließlich ein lauter Knall ertönte und Nana zum Boden fiel.
Bubu war entsetzt. Was er gerade gesehen hatte, erschreckte ihn so sehr, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Was war da bloß geschehen?
Erneut knallte es und dann immer wieder. Mit jedem neuen Knall fiel ein weiterer Affe von einem Ast.
Die Familie geriet in Panik und alle versuchten sich zu verstecken, doch die silbernen Stöcke waren schneller.
Schließlich lagen zwanzig Affen auf dem Boden und rührten sich nicht mehr.
Bubu hatte Glück gehabt. In seinem Versteck hatte ihn niemand gesehen. Und so überlegte er, was nun zu tun sei. Gegen die silbernen Stöcke hatten sie keine Chance, also wollte er so schnell wie möglich mit der restlichen Familie fliehen und eine neue Siedlung aufbauen. Aber dazu mussten die Nacktaffen erst einmal verschwinden oder Schlafen.
In der Zwischenzeit hatten die Menschen die Holzkiste geöffnet und trugen die Affen in den Käfig. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis Nana und die anderen aus einem tiefen Schlaf erwachten und sich verwundert umsahen. Sie waren nun nicht mehr in den Bäumen sondern von metallenen Stangen umgeben.
»Hilfe, bitte helft uns.«
Doch das Betteln und Flehen wurde nicht erhört. Die Affen in Freiheit hatten viel zu viel Angst. Sogar Bubu wusste nicht, wie er die Gefangenen befreien sollte. Vielleicht würde die Nacht eine Antwort bringen.
Als es dunkel wurde, zogen sich die Menschen in eine kleine Behausung zurück. Es war eine Hütte, die nur aus Stöcken und einem dünnen Fell bestand. Nur einer von ihnen blieb zurück und entzündete ein Feuer.
Bubu erkannte seine Chance und schlich sich von hinten an ihn heran und klaute den Käfigschlüssel. Er öffnete das Gefängnis und lies die Affen frei.
Die Freude war riesig. Aber dennoch blieben alle still. Sie hatten Angst erwischt zu werden. Schließlich beratschlagten die Affen, was nun zu tun sei. Würden sie die Menschen nicht vertreiben können, würden diese schon am nächsten Morgen erneut mit den Silberstöcken eine Jagd veranstalten.
»Ich habe da eine geniale Idee.«
Bubu kletterte zum Boden hinab, legte sich allein in den Käfig und wartete darauf, entdeckt zu werden.
Es dauerte auch nur ein paar Minuten, bis der Mann am Lagerfeuer herüber sah und erschreckt feststellen musste, dass die Affen fast alle verschwunden waren. Er weckte schnell die anderen und kam schließlich mit ihnen langsam in den Käfig, um den letzten verbliebenen Affen anzusehen.
Auf diesen Moment hatte Bubu nur gewartet. Er sprang kreischend auf, kletterte an den Käfigstangen empor, über die Köpfe der Menschen hinweg und nach draußen. Er warf die Käfigtür zu und hörte, die das Schloss einschnappte.
Nun waren die Nacktaffen ihre eigenen Gefangenen geworden und hatten keine Chance auf eine Flucht. Sie mussten darauf warten, befreit zu werden.
Die Affen jubelten und feierten Bubu als ihren großen Retter und Helden. Die Menschen hingegen bettelten und heulten. Aber es sollte ihnen nichts nützen.
Zwei Tage später war erneut ein Geräusch am Himmel zu hören. Die Affen versteckten sich sofort in ihren Hütten. Nur Bubu beobachtete, was sich nun tat.
Aus dem Himmel kam ein langes Seil herab, welches bis zum Käfig herab reichte. Die gefangenen Menschen befestigten es daran und wurden kurz darauf nach oben gezogen und verschwanden für immer.
Von nun an konnten die Affen wieder in Ruhe in ihrem Dschungel leben und mussten sich nie wieder vor den Menschen fürchten. Und wenn es doch einmal Probleme gab, dann hatte Bubu meistens eine Lösung zur Hand.

(c) 2008, Marco Wittler