Captain Augenklappe geht angeln
Eine frostige Nacht im Eismeer neigte sich ihrem Ende zu, doch bis zum Sonnenaufgang sollte es noch etwas dauern. Auf dem alten Piratenschiff schlief die Mannschaft noch. Hier und da wurde leise oder etwas lauter geschnarcht, während andere tief in ihren Träumen hingen.
In dieser Stille öffnete sich die Tür der Kapitänskajüte, die sich unter der Brücke befand, auf der sich das Steuerrad befand. Captain Augenklappe schob seinen Kopf nach draußen und blickte sich vorsichtig um. Niemand war zu sehen. Er war allein. Er griff hinter sich, schnappte sich seine Angel und trat ins Freie.
»Wenn mich niemand sieht, kann auch niemand Fragen stellen.« Er schnappte sich ein altes Holzfass, rollte es an die Reling und nahm darauf Platz. Dann warf er seine Angelleine aus und wartete. Immer wieder zog er sich hoch, kontrollierte den Haken. Hin und wieder löste er einen Fisch, entschuldigte sich für die Schmerzen, die ihm verursacht wurden und warf ihn zurück ins Wasser.
Nach einer halben Stunde, holte der Captain die Angel ein letztes Mal ein. Am Haken hatte sich ein Eisklumpen verfangen, der sich von den nahen Eisbergen gelöst haben musste. Augenklappe grinste. »Na endlich. Wurde auch langsam Zeit.« Er schnappte sich das Eis und machte sich auf den Weg in seine Kajüte. Nachdem er die Tür sorgfältig hinter sich geschlossen hatte, nahm er an seinem Tisch Platz und ließ den Klumpen in eine vorbereitete Tasse fallen. »Wie habe ich das vermisst. Endlich mal wieder einen frischen Eiskaffee zum Frühstück. Der Umweg hierher hat sich jetzt schon bezahlt gemacht.«
(c) 2026, Marco Wittler
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