479. Sternenhimmel

Sternenhimmel

Am späten Abend gingen Papa und Max zu Fuß durch die Straßen der Stadt. Sie waren gerade von Omas Geburtstagsfeier gekommen und waren auf dem Weg nach Hause. Papa blieb immer wieder stehen und sah zum dunklen Himmel hinauf, während sich Max mehre für die hell erleuchteten Schaufenster interessierte.
»Schau mal, da oben ist ein Stern.« rief Papa irgendwann.
»Ein Stern?« Max sah sich um und entdeckte nach längerem Suchen den unscheinbaren Punkt am Himmel.
»Sterne sind super langweilig. Die paar Leuchtpunkte da oben. Da gibt es doch viel coolere Sachen.«
Er drehte sich wieder einem Schaufenster zu und bestaunte die neuesten Handys in der Auslage.
»Nur ein paar Sterne? Pah. Du hast ja gar keine Ahnung.«
Papa stemmte die Fäuste in die Seiten.
»Du bist ja auch hier in der Großstadt aufgewachsen und weißt gar nicht, wie schön der Nachthimmel sein kann. Ich komme aber eigentlich vom Land. Da sieht der Himmel viel schöner aus.«
Max schüttelte den Kopf.
»Schöner? Das glaube ich dir nicht. Das musst du schon beweisen.«
»In Ordnung.« sagte Papa.
»Sobald wie zu Hause sind, setzen wir uns ins Auto und fahren los.«

Es dauerte nur ein paar Minuten. Sie bogen um zwei Ecken und stiegen dann in Papas Auto ein. Bevor er den Wagen startete, suchte er noch etwas.
»Irgendwo habe ich auch die passende Musik für heute Abend. Damit macht die Fahrt noch mehr Spaß.«
Er legte eine CD ein und drehte die Lautstärke auf die höchste Stufe.
›Einen Stern, der deinen Namen trägt.‹ sang er mit, so laut er nur konnte.
»Das ist vom DJ Ötzi.« erklärte er seinem Sohn begeistert, der sich aber verzweifelt die Finger die Ohren gesteckt hatte.

Nach einer halben Stunde waren sie am Ziel angekommen. Sie hielten auf einer schmalen Straße mitten zwischen riesigen Feldern. Weit und breit war kein einziges Haus zu sehen.
»Und wo sind jetzt deine tollen Sterne?« beschwerte sich Max.
»Ich sehe genau so viele wie vorher.«
Papa seufzte.
»Kurbel das Fenster runter und wirf einen Blick nach draußen.«
Max verdrehte die Augen, tat ihm aber trotzdem den Gefallen.
In diesem Moment schaltete Papa die Scheinwerfer seiner Autos ab. Sofort wurde es um sie herum stockdunkel. Von den Feldern oder der schmalen Straße war nichts mehr zu sehen.
»Schau nach oben, mein Sohn.«
Max sah hoch und wollte seinen Augen nicht trauen. Der Himmel war tatsächlich mit Milliarden Sternen übersät. So viele hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen.
»Wow. Wo kommen die denn her?« staunte er.
»Ist über dem Land ein anderer Himmel, als über der Stadt?«
Papa lachte und schüttelte unbemerkt in der Dunkelheit den Kopf.
»In der Stadt ist zu viel Licht. Es ist einfach zu hell. Das Licht der Sterne ist so schwach, dann man es zu Hause nicht sehen kann. Hier aber stört keine einzige Lampe. Deshalb sieht man am Himmel auch so viel.«
»Was ist denn das?«
Max hob den Zeigefinger zum Himmel und verfolgte mit ihm einen dünnen Leuchtstreifen, der nach wenigen Sekunden wieder verschwand.
»Das war eine Sternschnuppe.«
»Eine Sternschnuppe? Krass. Ich habe die immer für ein Märchen gehalten, weil ich noch nie eine gesehen habe.«
»Die sieht man auch nur dort, wo es dunkel genug ist.«
Max grinste vor sich hin. Die Fahrt hatte sich wirklich gelohnt.
»Schade, dass wir nicht auf dem Land leben. Die Sterne hier draußen sind doch richtig cool.«

(c) 2014, Marco Wittler

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