591. Papa und der Regenmacher

Papa und der Regenmacher

Der Sommer war heiß. Zu heiß. Seit Wochen zeigte das Thermometer täglich mehr als dreißig Grad. Schon morgens begann man zu schwitzen, ohne sich zu bewegen.
Hannah hatte darauf keine Lust mehr. Sie wollte endlich Regen. Jetzt sofort. Wenigstens heute. Einmal nur. Danach durfte wieder die Sonne scheinen. Nur so heiß brauchte es nicht mehr werden.
Sie sah zum Himmel hinauf. Alles blau da oben. Keine einzige Wolke war zu sehen. Nicht einmal ganz weit hinten war eine zu entdecken. Es würde also wieder nicht regnen. Enttäuscht verzog sie den Mund und schmollte.
»Was ist denn los?«, fragte Papa neugierig.
»Mir ist so heiß. Ich will endlich Regen.«, antwortete Hannah.
»Hm.«, machte Papa und dachte nach. Er grübelte hin und her, bis er schließlich zu grinsen begann.
»Ich habe da eine Idee.«
Er ging in das kleine Gartenhaus, in dem sich seine Werkstatt befand. Dort suchte er sich ein langes Papprohr, eine große Schachtel mit Nägeln und ein paar alte Putzlappen.
»Was hast du denn damit vor?«, wollte Hannah wissen. »Damit bekomme ich auch keinen Regen.«
»Worum wollen wir wetten?«
Papa begann zu basteln. Nach und nach drückte er mit seinem Daumen die Nägel in die Röhre. Am Ende waren es bestimmt tausend Stück. Eines der offenen Enden verschloss er nun mit einem Lappen. Auf der anderen füllte er Reis, den Hannahs Bruder Tim inzwischen geholt hatte. Dann wurde auch diese Seite dicht gemacht.
»Was soll das sein?«, fragte Hannah.
»Das ist ein Regenmacher.«, antwortete Papa stolz. »Damit machen wir jetzt Regen.«
»Regen? Mit einem Papprohr? Das glaube ich dir nicht. Das kann nicht funktionieren.«
»Wollen wir wetten?«
Papa schob Hannah unter den großen Kirschbaum und setzte sie auf die Holzbank.
»Damit du nicht so nass wirst.«
Papa drehte den Regenmacher um. Der Reis prasselte nach unten. Es hörte sich tatsächlich wie Regen an. Nur Sekunden später begann es tatsächlich zu regnen. Hannah wurde pitschnass auf ihrer Bank.
»Hey!«, rief sie entsetzt und entdeckte Tim über sich auf einem Ast sitzend. Er hatte eine komplette Gießkanne über ihr ausgeleert.
» Toller Regenmacher. Wenigstens ist mir jetzt nicht mehr so warm.«, lachte Hannah begeistert.

(c) 2017, Marco Wittler

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Liked this post? Follow this blog to get more. 

Schlagwörter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.