621. Ein Weihnachtsbaum im Kinderzimmer

Ein Weihnachtsbaum im Kinderzimmer

Emma sah Papa begeistert dabei zu, wie er den Weihnachtsbaum im Wohnzimmer aufstellte. Zur gleichen Zeit brachte Mama mehrere Kisten herein, die mit bunten Kugeln, Sternen, Figürchen und Lametta gefüllt waren.
„Kannst du mir auch einen Weihnachtsbaum aufstellen?“, fragte Emma irgendwann.
„Der Baum ist doch für uns alle da.“, erklärte Papa.
„Aber ich möchte einen eigenen Weihnachtsbaum in meinem Kinderzimmer haben.“, bat Emma weiter.
Papa setzte sich mit seiner Totchter auf das Sofa. Dann versuchte er es erneut.
„Weißt du, mein kleine Prinzessin, so ein Weihnachtsbaum ist ziemlich groß. Dafür ist in deinem Zimmer nicht genug Platz. Außerdem hat nicht jeder seinen eigenen Baum. Deswegen steht er hier im Wohnzimmer. Dann können wir uns gemeinsam an ihm erfreuen. Stell mir mal vor, ich würde noch einen im Schlafzimmer aufstellen. Wenn die Mama dann in der Nacht zur Toilette muss und in die herab gefallenen Nadeln tritt, bekomme ich ganz viel Ärger.“
Emma lachte, als sie sich das in ihrem Kopf vorstellte.
„Trotzdem wäre ein Weihnachtsbaum nur für mich super toll.“
Dann sprang sie auf und flitzte in ihr Kinderzimmer, aus dem sie eine ganze Weile nicht mehr heraus kam.

Etwa eine Stunde später, die Lichterkette hing mittlerweile im Weihnachtsbaum und Mama hatte gerade mit dem Verteilen des restlichen Baumschmucks begonnen, stand Emma wieder grinsend im Wohnzimmer.
„Wie? Ihr seid mit eurem Baum immer noch nicht fertig? Ich mit meinem schon.“
Mama und Papa sahen das Mädchen verwirrt an.
„Fertig? Mit deinem Baum? Aber woher…?“
Sie ließen sich von Emma ins Kinderzimmer führen, wo sie ganz stolz ihren ersten, eigenen Weihnachtsbaum präsentierte.
„Ich hab meine alten Fingerfarben aus dem Schrank geholt und so lange grün angemalte Hände auf das Fenster gepatscht, bis mein Baum fertig war.“
„Das hast du prima gemacht.“, lobte Mama. „So nimmt er auch keinen Platz weg.“
„Und wenn das Christkind kommt, kann es meine Geschenke direkt darunter auf meinen Schreibtisch legen. Dann kann ich sie noch in der Nacht auspacken.“, freute sich Emma wie ein Honigkuchenpferd.

(c) 2017, Marco Wittler

429. Ufos im Garten (Hallo Oma Fanny 2)

Ufos im Garten

Hallo Oma Fanny.

Ich bin es, der Noah. Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut. Sofort nach der Schule habe ich den Umschlag aufgerissen und alles gelesen, was du mir geschrieben hast.
Am Wochenende ist etwas Komisches bei uns passiert. Davon muss ich dir unbedingt berichten.
Ich habe Freitag Abend mit Papa einen Weltraumfilm geschaut. Da flogen ganz viele Ufos und Raumschiffe durch den Himmel und haben gegeneinander gekämpft. Das war richtig aufregend. Ich habe darüber noch lange nachgedacht und mir gewünscht, auch einmal in den Weltraum fliegen zu können. Dann könnte ich ein paar verrückte Außerirdische kennenlernen und mal schauen, ob ihre spitzen Ohren echt sind.
Am Samstag saß ich dann an meinem Schreibtisch. Ich musste noch Hausaufgaben machen. Und nun rate mal, was ich plötzlich durch mein Fenster gesehen habe. Richtig. Ein echtes Ufo flog über unseren Garten. Es blieb aber nicht dabei, denn es kam immer wieder bei uns vorbei. Mal flog es von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts.
Ich habe sofort jubelnd meinen Rucksack gepackt, weil ich dachte, die Außerirdischen wollen mich mit ins Weltall nehmen, damit ich die Erde mal von oben anschauen kann. Doch als ich dann im Garten stand, war ich enttäuscht. Nirgendwo war ein Raumschiff zu entdecken. Da waren nur Papa und meine große Schwester. Sie spielten mit einer Frisbeescheibe, die sie sich immer wieder zuwarfen. Da habe ich das Ding tatsächlich mit einem Ufo verwechselt.
Ich habe den beiden nichts davon erzählt und bin dann wieder an meinen Schreibtisch zurück, um meine Hausaufgaben fertig zu machen.
Liebe Oma Fanny, ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief. Bis bald.

Dein Noah.

(c) 2012, Marco Wittler