348. Fabio der kleine Frosch

Fabio, der kleine Frosch

Fabio, der kleine Frosch, war ein kleines, munteres Kerlchen. Den ganz Tag über tat er nichts anderes, als durch die Gegend zu hüpfen und lustige Lieder zu singen. Dabei war es ihm sogar egal, wenn er von jemandem gesehen oder gehört wurde, denn so ganz gerade konnte er nicht singen.
»Hüpf, hüpf, hüpf.«, murmelte er vor sich hin, als er von einem Seerosenblatt zum anderen sprang und so einen kleinen See überquerte.
»Hüpf, hüpf, hüpf.« rief er laut, als er das Gleiche in die andere Richtung machte.
»Ein kleiner Frosch zu sein ist das Schönste, was es gibt.«, jubelte er immer wieder.
»Ich will gar nichts anderes sein, als ein kleiner, grüner Frosch mit langen, kräftigen Beinen.«
Da er aber bei seinen vielen Sprüngen nicht richtig aufpasste, hüpfte er versehentlich in die falsche Richtung und landete in einem tiefen Loch.
Da saß er nun und kam nicht mehr heraus. Es halfen ihm auch seine kräftigen Beine nicht mehr. Das Loch war einfach zu tief.
»Hilfe!«, rief er laut.
»Hilfe!«
Aber niemand war da, der ihn hören konnte. Fabio drehte sich im Kreis und suchte nach einem Ausweg, fand aber keinen, bis er plötzlich zu grinsen begann.
»Ich bin ja richtig vergesslich.«, sagte er und klatschte sich mit der Hand vor die Stirn.
»Ich bin doch ein kleiner, schlauer Frosch und komme aus jedem Schlamassel heraus.«
Er öffnete sein Maul und ließ seine lange, klebrige Zunge hervor schnellen. Er wickelte sie um einen Ast, der über dem Loch lag und zog sich daran wieder nach oben. Schon konnte er wieder über die weite, grüne Wiese springen.
»Hüpf, hüpf, hüpf. Es gibt nichts Schöneres, als ein kleiner, grüner Frosch zu sein.«

(c) 2010, Marco Wittler

302. Das hüpfende Brötchen

Das hüpfende Brötchen

Timo saß am Frühstückstisch und belegte sich gerade sein Butterbrot mit einer Scheibe Salami.
»Ich glaube, ich hätte keine Minute länger schlafen können. Ich hab richtig großen Hunger.«
Dann biss er ein Stück ab und kaute darauf herum.
In diesem Moment kam seine Schwester in die Küche und setzte sich dazu, doch statt Salami strich sie sich Marmelade auf ihr Brot.
»Wie kannst du nur am frühen Morgen schon Wurst essen?«, maulte sie ihren Bruder an.
»Also das könnte ich gar nicht.«
Einen Augenblick später öffnete sich die Haustür und Papa kam herein. Er war gerade von der Nachtschicht zurück gekehrt und hatte spontan eine große Tüte Brötchen vom Bäcker mitgebracht. Nur leider hatte sie an einer Seite einen dunklen Fleck.
»Juhuu, es gibt Brötchen.«
Timo aß schnell den letzten Bissen seines Brotes und öffnete dann die Tüte.
»Ihr müsst aber aufpassen.«, warnte Papa.
Ich bin vor unserer Hecke in einer Pfütze ausgerutscht. Vielleicht ist das eine oder andere Brötchen nass geworden. Zwei von ihnen musste ich schon in den Müll werfen, weil sie raus gefallen sind.«
Timo zuckte nur mit den Schultern.
»Das ist mir egal. Die schmecken trotzdem.«
Gerade wollte er sich ein Brötchen aus der Tüte holen, als ihm schon eines entgegen sprang.
Alle bekamen einen verwirrten Blick. Damit hatte niemand gerechnet. Aber es kam noch schlimmer. Das Brötchen sprang weiter, landete auf dem Boden und verschwand unter der Eckbank.
»Was ist denn das?«, wunderte sich Papa.
Timo war bereits neugierig auf die Suche gegangen, während seine Schwester kreischend ihre Beine an sich zog.
»Das werdet ihr nicht glauben.«, rief Timo ganz erstaunt.
Er griff unter die Bank und holte das seltsame Brötchen hervor, das plötzlich aufgeregt quakte.
»Das ist ein Frosch.«
Papa sah sich das genauer an.
»Der muss wohl in die Tüte gehüpft sein, als sie mir auf den Boden gefallen ist.«
Lachend brachten sie das falsche Brötchen nach draußen und setzten ihr Frühstück mit Brotschnitten fort.

(c) 2010, Marco Wittler

290. Ein Schatten im Aquarium

Ein Schatten im Aquarium

Im Wohnzimmer wurde ein neuer Schrank aufgebaut. Doch dieses Mal räumte ihn Mama nicht mit ihrem Dekokram voll. Keine Vase, keine Blümchen, nichts. Der Schrank blieb leer.
Das wunderte Michelle natürlich sehr. Also fragte sie nach.
»Mama, warum machst du denn den neuen Schrank nicht schick? Stimmt was damit nicht?«
Mama grinste.
»Nein, damit ist alles in Ordnung. Aber Papa hat noch etwas damit vor.«
Michelle wurde noch neugieriger. Aber sie wusste auch, dass sie keine Antworten mehr bekommen würde. Also verzog sie sich in ihr Zimmer und wartete.

Am späten Nachmittag kam dann endlich Papa nach Hause. Aus dem Kofferraum seines Wagens holte er ein paar schwere Pakete, die einzeln ins Wohnzimmer brachte.
»Was ist denn da drin?«, fragte Michelle.
Als Papa seinen Einkauf auspackte, war die Verwunderung groß. Da war ein Sack mit Sand, ein paar Geräte und ein großer Glaskasten.
»Was soll das denn werden? So was hab ich noch nie gesehen.«
Während Papa alles zusammen baute, erklärte er seiner Tochter, dass er ein Aquarium gekauft hatte. Er befüllte es mit Wasser und setzte Pflanzen in den sandigen Boden. Zum Schluss öffnete er noch eine Tüte und schüttete ein paar bunte Fische in das Becken.
»Jetzt können wir uns die Tierchen jeden Tag anschauen und füttern.«, erzählte Papa.
»Meine Eltern haben damals auch ein Aquarium gekauft, als ich so alt war wie du.«
Michelle staunte. Jetzt hatte sie ihre eigene Unterwasserwelt. Das musste sie unbedingt sofort ihren Freundinnen erzählen.

Am nächsten Tag saßen vier Mädchen vor dem Aquarium und bestaunten die Fische. Jeder von ihnen hatte bereits einen Namen bekommen. Michelle dachte sich mit ihren Freundinnen lustige Fischgeschichten aus, die sie sich gegenseitig erzählten.
»Und jetzt schaut mal was passiert, wenn ich Futter ins Wasser mache.«
Kaum hatte sie den Deckel geöffnet und ein paar Futterflocken ins Becken gestreut, wuselten die Fische ganz aufgeregt hin und her und fraßen, so viel sie erwischen konnten.
Doch plötzlich bewegte sich im Wasser etwas, das Michelle vorher noch nicht gesehen hatte.
Ein dunkler Schatten schnellte hervor, schnappte sich eine Futterflocke und verschwand sofort wieder hinter einem alten Stück Baumwurzel.
»Was war denn das?«, fragte Isabelle verwirrt. Auch Lena und Sarah hatten nicht erkennen können, was das für ein Tier gewesen war.
»Was lebt denn noch in deinem Aquadingsda?«
Doch Michelle wusste es selbst nicht. Bisher hatte sie immer nur ihre Fische gesehen.
Etwas ängstlich zogen sich die Mädchen zurück und kamen der geheimnisvollen Unterwasserwelt nicht mehr zu nahe.

Am Abend des nächsten Tages saß Papa vor dem Aquarium, als Michelle gerade ins Bett gehen wollte.
»Du sag mal, Kleines, hast du deine Fische heute schon gefüttert?«, fragte er mit ernster Miene.
Seine Tochter schüttelte traurig und ängstlich den Kopf.
»Ich mag sie nicht mehr füttern. Da ist was drin, was mir Angst macht.«
Papa sah neugierig in das Wasserbecken, konnte aber nichts entdecken.
»Was soll denn da drin sein? Da sind doch nur deine Fische.«
Also erzählte Michelle, was sie am Tag zuvor mit ihren Freundinnen beobachtet hatte.
»Ein dunkler Schatten? Das ist ja seltsam.«, murmelte Papa.
»Und er hat sich etwas zu Fressen geholt und ist dann sofort wieder verschwunden?«
Michelle nickte.
»Dann wollen wir dieses merkwürdige Wesen mal aus seinem Versteck locken.«
Papa öffnete den Deckel des Aquariums, nahm sich etwas Futter zwischen die Finger und streute es dann in das Wasser.
Sofort stürzten sich die Fische darauf und fraßen so viel sie konnten.
»Wo kam denn der Schatten her?«
Michelle zeigte auf die alte Wurzel.
In diesem Moment bewegte sich dort tatsächlich etwas. Es war klein und grau. Als es das Futter entdeckte, machte es einen Satz vorwärts und wollte sich gerade seine Mahlzeit schnappen. Doch da war Papa schneller.
Er holte ein Netz hinter seinem Rücken hervor und fing das seltsame Wesen ein.
»Dann wollen wir doch mal schauen, was du eigentlich bist.«
Vorsichtig sah er sich seinen Fund an. Michelle war ebenfalls neugierig.
»Das ist ja ein Frosch. Der ist aber süß.«
Da mussten beide lachen.
»Los, setz ihn wieder ins Wasser.«, sagte Michelle.
»Er hat viel zu viel Angst in deiner großen Hand.«
Papa gehorchte und setzte das Tierchen wieder zurück und sah dabei zu, wie es wieder in seinem Versteck verschwand.
»Und wir waren so dumm und hatten so viel Angst davor.«

Am nächsten Tag saßen wieder vier Mädchen vor der Unterwasserwelt. Von allen Seiten suchten sie nach den Frosch. Sie wollten ihn unbedingt sehen, denn das war doch wirklich etwas ganz Besonderes.

(c) 2009, Marco Wittler

101. Der Schatz im See oder „Papa, warum sind Frosch und Schnecke Freunde?“ (Ninas Briefe 18 / Papa erklärt die Welt 11 / Ninos Schneckengeschichten 7)

Der Schatz im See
oder »Papa, warum sind Frosch und Schnecke Freunde?«

Liebe Steffi.

Endlich haben die Ferien begonnen und ich kann es kaum erwarten, dir diesen Brief zu schreiben, denn sonst weiß ich nicht, was ich vor lauter Langeweile anstellen soll.
Mama und Papa sind in diesem Jahr seit zehn Jahren verheiratet. Aus diesem Grund wollten sie eine Woche lang ganz allein in den Urlaub fahren. Wir Kinder werden danach hinterher gebracht, um den Rest der Zeit mit ihnen gemeinsam zu verbringen.
Ich verstehe das gar nicht. Ohne mich ist den Beiden doch bestimmt richtig langweilig.
Oma und Opa schlugen vor, zuerst zu ihnen zu kommen. Mein Bruder Tommi war auch sofort begeistert und begann seinen Koffer zu packen – zwei Wochen bevor es los ging.
Ich wollte aber auf keinen Falle eine ganze Woche lang von ihm bei meinen Großeltern genervt werden. Also brachte mich Mama zu Tante Ina und Onkel Lutz.
Und nun sitze ich hier und langweile mich. Es gibt in der ganzen Gegend keine anderen Kinder in meinem Alter. Ich muss mir stattdessen die Zeit mit meiner kleinen Cousine Sofie vertreiben. Sie ist erst fünf und unglaublich neugierig. Zu allem muss sie ständig Fragen stellen.
Heute Vormittag war es dann wieder so weit. Nach dem Frühstück gingen wir zusammen in den Garten. Onkel Lutz wollte den Teich verschönern, Algen entfernen und neue Blümchen einpflanzen. Sofie saß natürlich ganz nah dabei und beobachtete alles sehr genau. Doch schon während der Vorbereitungen sah sie ein paar Tiere im Gras sitzen. Eines von ihnen quakte die ganze Zeit.
»Was ist das denn für ein lustiges Tier?«, fragte Sofie.
»Das ist doch nur ein ganz normaler, langweiliger Frosch.«, kam ich Onkel Lutz zuvor.
»Und was macht der in unserem Garten?«, setzte sie hartnäckig fort.
Ich sah mich schnell um, entdeckte noch ein anderes Tier und antwortete schnell mit einem weiteren dummen Spruch.
»Er trifft sich mit der Schnecke da drüben. Die sind dicke Kumpel.«
Sofie sah mich verwirrt an. Ich hatte sie tatsächlich herein legen können. Dann sie sie ihren Vater an und stellte ihm eine neue Frage.
»Papa, warum sind Frosch und Schnecke Freunde?«
Onkel Lutz hielt inne, kratzte sich am Kinn und dachte nach. Irgendwann schien ihm etwas einzufallen.
»Das ist eine gute Frage.«, sagte er schließlich.
»Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich erst kürzlich gehört habe. Sie handelt zufällig von einem kleinen Frosch und einer Schnecke. Und die werde ich euch jetzt erzählen.«
Sofie strahlte über das ganze Gesicht und ihre Augen begannen zu leuchten.
»Oh ja, eine Geschichte.«, rief sie laut.
»Und wie fängt eine Geschichte immer an?«, fragte Onkel Lutz.
Sofie lachte schon voller Vorfreude, aber ich war etwas schneller und antwortete gespielt gelangweilt.
»Ich weiß es. Sie beginnt mit den Worten ›Es war einmal‹.«
»Ja, das stimmt. Absolut richtig, Nina. Du kennst dich ja gut aus. Also, es war einmal …«

Es war einmal ein kleiner Frosch. Den ganzen Tag saß er in einem kleinen Teich und sah den Fliegen beim Spielen zu. Keine einzige von ihnen hatte Angst, gefressen zu werden, denn der beste Freund dieses Frosches war die kleine Fliege.
Erst wenn es am Abend dunkel oder das Wetter zu schlecht wurde, trieb es den kleinen Frosch in sein Häuschen, das im tiefen Gras versteckt war.
Dort saß er nun, aß eine leckere Suppe und las in der Zeitung.
»Schau an. In der Stadt hat der neue Einkaufsladen schon nach wenigen Tagen wieder schließen müssen, weil durch ihn zu viel Müll entstanden ist. Das ist doch eine gute Nachricht. Es gibt nichts Schlimmeres als Müll, der überall auf den Straßen und in der Natur liegt.«, murmelte er vor sich hin.
Ein paar Zeilen tiefer war zu lesen, wer in der Stadt wieder für Ordnung gesorgt hatte. Es war eine Schnecke gewesen.
»Das ist ja sensationell. Eine Schnecke sorgt in allen Straßen für Ordnung. Das muss ja ziemlich lange gedauert haben. Da wäre selbst eine Schildkröte schneller gewesen.«
Der kleine Frosch wusste allerdings nicht, welche Tricks diese Schnecke beherrschte.
Irgendwann wurde er müde, ging ins Bett und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen kletterte die Sonne schon sehr früh den Himmel hinauf. Sie schickte ihre Strahlen über die Erde. Einer von ihnen bahnte sich seinen Weg durch dichtes Gras und machte auch vor einem verschlossenen Fenster nicht halt. Er drang in das Zimmer ein und beleuchtete das Gesicht des kleinen Frosches. Dieser wurde dadurch natürlich wach. Er rieb sich die Augen und hätte sich gern die Decke über den Kopf gezogen, um noch ein wenig schlafen zu können. Aber er tat es dann doch nicht.
»Es ist ein so sonnig schöner Tag. Es wäre eine Schande, jetzt noch im Bett liegen zu bleiben.«
Also zog er sich an, frühstückte ausgiebig und machte sich noch im Bad fertig, bevor er das Haus verließ. Kurz darauf kam er am Badesee an.
Der kleine Frosch wollte sich gerade seine Badehose im Gebüsch anziehen, als er etwas Ungewöhnliches entdeckte.
»Was ist denn das?«
Es lag ein runder Stein auf dem kleinen Steg, den der Frosch immer für sein Sonnenbad benutzte.
»Wer hat den denn dort abgelegt?«
Es war niemand zu sehen.
Er ging näher heran und wollte dieses Ding ins Wasser werfen, musste dann aber feststellen, dass er gar keinen Stein vor sich hatte, sondern eine Schnecke.
»Huch, wer bist du denn?«
»Ich bin Nino.«, kam die Antwort der Schnecke.
»Ich sitze schon eine ganze Stunde hier und überlege, wie ich ein Problem lösen kann. Aber mir fällt einfach nichts ein. Aber vielleicht kannst du mir helfen.«
Der kleine Frosch überlegte, aber es viel ihm nicht ein, was für ein Problem dieser Seebesucher haben konnte. Die Antwort darauf kam aber von allein.
»Weißt du, kleiner Frosch, ich habe gestern Abend ein Buch gelesen. Darin stand, dass vor langer Zeit Piraten an diesem See gelebt haben. Eines Tages kam ein Sturm auf, während sie mit ihrem Schiff unterwegs waren. Ein Blitz schlug in den Masten ein und die Piraten versanken. Ihr Schatz soll noch heute am Grund des Sees liegen. Ich würde zu gern einmal schauen, ob das alles wirklich stimmt. Aber ich kann leider nicht tauchen. Ich bin doch eine Landschnecke.«
Der kleine Frosch hatte eine Idee.
»Kannst du dich denn in dein Haus zurück ziehen und es ganz dicht verschließen?«
Nino nickte.
»Dann sollte das alles kein Problem sein. Du kriechst in dein Haus und ich tauche mit dir zusammen an den Grund des Sees, damit wir uns das alles anschauen können. Ich ziehe dich hinab und schaust aus deinem Fenster heraus.«
Die Schnecke freute sich über diese unerwartete Hilfe und zog sich zurück. Der kleine Frosch nahm sich das Haus unter den Arm und sprang damit ins Wasser.
Es ging abwärts. Immer weiter tauchten sie, bis sie am Grund des Sees ankamen. Dort unten war es so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte. So würden sie den Schatz bestimmt nicht finden können. Aber Nino hatte eine Idee.
Er holte eine Lampe hervor, zündete sie an und stellte sie in das Fenster. Schon war der ganze See erleuchtet. Jede Pflanze, jeder Fisch und jeder Stein war nun zu sehen. Und siehe da, hinter einem Wald aus Schlingpflanzen war ein altes Schiffswrack. Es musste dort schon recht lange liegen, denn es war schon sehr verfallen und viele Algen wuchsen auf dem Holz.
Der kleine Frosch schwamm näher heran und begann zu suchen. Im Innern des Schiffs stand eine große Schatztruhe. Sofort machte er sich daran, sie zu öffnen, aber der Deckel blieb fest verschlossen.
Nino machte traurige Augen. Der Frosch zuckte aber nur mit den Schultern, nahm die Truhe an die linke Hand, das Schneckenhaus unter den rechten Arm und tauchte ein paar Sekunden später an der Oberfläche des Sees wieder auf. Dort stellte er die Schnecke vorsichtig auf den Steg zurück.
Nino kam sofort hervor und half, die schwere Truhe aus dem Wasser zu holen.
»Was machen wir denn jetzt? Wir bekommen den Deckel nicht auf. So finden wir nie heraus, was die Piraten darin versteckten.«, klagte der kleine Frosch.
Diesmal hatte Nino eine Idee. Er nahm sich einen festen Stock, steckte ihn durch das rostige Vorhängeschloss, rüttelte und schüttelte daran und brach es in zwei Teile. Nun konnten konnten sie den Deckel öffnen.
Vorsichtig sahen sie hinein, fanden aber zuerst nur ein paar alte Lumpen und Kleidungsstücke. Doch dann war da noch etwas anderes. In einer Ecke lag ein altes Buch. Es war groß, schwer und in teurem Leder eingebunden. Auf seinem Deckel stand:
Die schönsten Piratengeschichten.
»Ui!«, staunte der kleine Frosch.
»Da haben wir aber einen prima Fund gemacht. So ein Buch ist wirklich ein ganz besonderer Schatz.«
Nino war der gleichen Meinung.
Die beiden entschieden sich, den Rest des Tages im Haus des kleinen Frosches zu verbringen. Sie saßen vor dem knisternden Kamin und lasen sich gegenseitig spannende Geschichten vor und wurden dadurch zu dicken Freunden.

Sofie machte noch immer große Augen. Ich hatte das Gefühl, dass sie diese ausgedachte Geschichte glauben würde. Sie ist ja auch erst fünf und glaubt wirklich alles. Doch dann fing sie an zu lachen.
»Papa, das hast du dir doch ganz bestimmt nur ausgedacht. Ich glaube dir kein einziges Wort davon. Aber schön war die Geschichte trotzdem.«
Mir ging es ähnlich. Das konnte sich Onkel Lutz wirklich nur ausgedacht haben. Doch als ich mich umdrehte und zum Gartenteich blickte, sah ich, wie die Schnecke und der Frosch zusammen am Ufer saßen.

Mein Bericht ist jetzt zu Ende, denn nun helfen wir Onkel Lutz im Garten. Ich bin ja mal gespannt, was in dieser Woche sonst noch alles geschieht.

Deine Nina.

P.S.: Schade, dass du nicht hier sein kannst, denn Onkel Lutz kennt unglaublich viele tolle Geschichten.

(c) 2008, Marco Wittler

08 - Schnecke und Frosch

013. Eine ungewöhnliche Freundschaft

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Am frühen Morgen machte sich der kleine Frosch auf den Weg zum Froschteich. Die Sonne schien und es war richtig warm, genau der richtige Tag, um Baden zu gehen. Er schmierte sich vorher noch ein paar leckere Brote und packte sie dann in seinen Rucksack. Die quietschgrüne Badehose durfte natürlich auch nicht fehlen. Und dann ging es los zum Wasser.
Am Teich waren bereits einige andere Tiere, die sich ebenfalls erfrischen wollten. Eine ganze Horde quakender Frösche sprang in hohem Bogen von einem niedrigen Ast in das kühle Nass, wodurch eine Gruppe junger Kaulquappen erschreckt wurde.
An einer anderen Stelle schwammen ein paar Entenküken ihrer Mutter hinterher. Und ein Tausendfüßler war auch da. Er war gerade dabei seine Wanderschuhe gegen Badelatschen zu tauschen. Auch wenn er dafür bis zum Nachmittag brauchen würde freute er sich schon sehr auf das Wasser.
Als der kleine Frosch ankam sah er sich nach einer ruhigen Ecke um wo er sich umziehen konnte und entdeckte einen Freund.
„Hallo, kleine Fliege.“, rief er laut.
„Hallo, kleiner Frosch.“, kam sofort die Antwort zurück.
Und dann fand der Frosch einen kleinen Schilfbusch, den sich bisher noch niemand ausgesucht hatte. Also verschwand er kurzerhand dahinter und holte seine Badesachen aus seinem Rucksack. Er sah sich noch einmal um, dass auch wirklich gerade niemand her sah und zog sich dann eilig seine grüne Latzhose aus und die Badehose an. Dann kann er wieder hervor und sprang ins Wasser.
Hui, was war das doch für ein Spaß. Das Wasser tat richtig gut und brachte eine herrliche Abkühlung. An einem warmen Sommertag konnte man nichts Schöneres unternehmen als Schwimmen zu gehen.
Der kleine Frosch schwamm ein paar Runden, bis ihm plötzlich auffiel, dass es um ihn herum ganz ruhig geworden war. Er sah sich um. Fast alle Tiere waren verschwunden.
Die kleinen Kaulquappen waren bis zum Grund des Teichs hinab getaucht. Die kleine Fliege war verschwunden und kein einziger Frosch war mehr zu sehen. Nur die Enten am anderen Ufer machten noch ihre Schwimmstunden.
Irgend etwas konnte da doch nicht stimmen. Dem kleinen Frosch war es nicht geheuer. Deshalb drehte er schnell um. Er wollte zurück ans Ufer, um aus einem sicheren Versteck zu schauen, was sich hier gerade tat.
Allerdings kam er nicht sehr weit. Als er sich umdrehte sah er am Ufer zwei neue Bäume stehen. Sie waren sehr schlank und ihre Rinde knallrot. Sie reichten weit in den Himmel hinauf und endeten beide in einer großen weißen Wolke. Eigentlich sahen sie gar nicht wie richtige Bäume aus.
Schnell wurde dem Frosch bewusst, dass es auch keine waren, denn plötzlich sauste etwas von der Wolke auf ihn herab. Nun wusste er, dass er am Ufer die Beine eines Storches gesehen hatte. Und was auf ihn zu kam war der lange und hungrige Schnabel desselben.
Da gab es auch keine Chance mehr sich zu verstecken und weg zu schwimmen. Er war gefangen.
Einen Augenblick später wurde er in die Luft gerissen und flog zuerst über den Froschteich und dann über den ganzen Wald hinweg.
Wäre er auf einer Reise gewesen hätte er das alles sehr schön gefunden, die Welt von oben zu sehen. Doch hatte er jetzt nur eines im Kopf. Nämlich, dass er bald im Nest des großen Vogels landen würde, wo dieser ihn zum Mittagessen verspeisen würde.

 Ein paar Minuten später, dem kleinen Frosch kam es wie eine Ewigkeit vor, landeten sie im Vogelnest.
Doch statt den Frosch zu fressen flog der Storch wieder davon. Er hatte vor, noch mehr kleine Tiere zum Fressen zu fangen.
Der kleine Frosch atmete ein paar Mal tief durch. Bis jetzt hatte er noch viel Glück gehabt, denn er war noch am Leben.
Er sah sich um und bemerkte, dass er nicht alleine war. Hinter ihm saß noch jemand, aber es war kein Beutetier wie er.
„Hallo, kleiner Frosch. Ich bin der kleine Storch.“
Der kleine Frosch zuckte zusammen. Denn jetzt wusste er, dass er von einer Storchenmama gefangen wurde, die ihr Kind füttern wollte.
„Hallo“, sagte er ganz zaghaft und zittrig.
„Hast du Angst vor mir? Das musst du gar nicht. Ich bin ein Storch und du bist ein Frosch. Ich habe Hunger und du bist mein Mittagessen. Das wird ganz schnell gehen und tut auch gar nicht weh. Also komm her, dann ist es vorbei bevor du Quack sagen kannst.“
Der kleine Frosch musste schlucken. Denn er wollte nicht gefressen werden. Allerdings fiel ihm nichts ein, was er nun unternehmen konnte. Er war so klein und winzig und der Storch so groß. Außerdem war das Nest hoch oben auf dem Schornstein eines Bauernhauses. Er konnte nicht weg laufen.
Der Storch kam ihm gefährlich näher. Der lange Schnabel kam herab und öffnete sich.
Der Frosch fing an zu zittern und zu weinen. Er fühlte sich zu jung zum sterben.
„Hast du wirklich soviel Angst vor mir?“
Der Storch sah ihn verwundert an. Der kleine Frosch konnte nicht antworten, nicht einmal mit dem Kopf nicken.
Der kleine Storch setzte sich vor den Frosch und sah ihn mit großen Augen an. Sonst tat er nichts.
„Warum frisst du mich nicht auf?“
„Ich weiß es nicht. Du bist so anders. Alle Frösche, die ich bisher gefressen habe hatten nicht soviel Angst wie du. Sie haben sich immer damit abgefunden, dass sie von hier nicht mehr weg kommen und haben nicht soviel gezittert und geweint wie du. Vielleicht schaue ich dich noch ein wenig an und überlege mir was du wohl für einer bist, bevor ich dich auffresse.“
Der kleine Frosch war verdutzt. So einen komischen Storch hatte er noch nie erlebt. Allerdings musste er sich eingestehen, dass er bisher noch nie einen von ihnen gesehen hatte. Aber er hatte sich aus Erzählungen von älteren Fröschen wenigstens vorstellen können, wie ein Storch sein würde.
Doch dann lächelte der kleine Storch etwas verlegen.
„Sag mal, hast du eigentlich Freunde?“
Jetzt war der Frosch wirklich verwirrt. Alles hatte er erwartet, nur das nicht.
„Ja, ich habe Freunde, jede Menge sogar. Die meisten sind Frösche, aber mein bester Freund ist die kleine Fliege.“
Der Storch sah nun trauriger aus.
„Ich habe gar keine Freunde. Den ganzen Tag sitze ich hier oben alleine im Nest. Meine Mama fliegt immer hin und her und bringt mir etwas zu Essen. Und sonst sehe ich hier nie jemanden. Niemand kommt mich besuchen, um mit mir zu reden und mit mir zu spielen.“
Der kleine Frosch dachte kurz nach, bevor er sprach.
„Warum suchst du dir denn dann keine Freunde? Du bist doch ein Vogel und kannst überall hin fliegen wo du nur willst.“
„Das ist ja das Problem. Ich bin noch nicht so alt und kann noch gar nicht fliegen. Meine Mama sagt immer, dass ich noch keine Flugfedern habe und sofort auf den Boden fallen würde. Und weil ich mir nicht wehtun will bleib ich die ganze Zeit hier oben und langweile mich.“
Jetzt schaute der Frosch den kleinen Storch traurig an.
„Das tut mir richtig leid. Das wusste ich gar nicht, dass es in einem Vogelnest so hoch oben unter dem Himmel so einsam ist. Dabei ist die Aussicht hier richtig wunderschön.“
Der Vogel sah ihn auf einmal mit großen Augen an.
„Möchtest du vielleicht mein Freund sein, kleiner Frosch?“
Der kleine Frosch schaute verdutzt. Aber das war ihm viel lieber als gefressen zu werden.
„Ich wäre sehr gerne dein Freund. Ich finde, jeder sollte einen Freund haben. Ohne ist man ja auch viel zu allein und einsam.“
Jetzt konnte der Storch sogar lächeln.
„Jetzt freue ich mich aber. Du bist nicht nur ein Freund, sondern auch ein richtig kluger Frosch.“
Der Storch stand auf und rief ganz laut in den Himmel: „Ich habe endlich einen Freund.“
Dann setzte er sich wieder hin. Er wollte gerade den kleinen Frosch an sich drücken, als er ein Geräusch hörte.
„Oh je, da kommt meine Mama zurück. Schnell, versteck dich unter meinem Flügel.“
Der Frosch tat es zögerlich. Dann erschien auch schon der große Storch, legte einen Wurm in das Nest und verschwand wieder.
Der kleine Storch verputzte den Wurm und entließ den Frosch wieder in die Freiheit.
„Was machen wir denn nun?“, fragte der kleine Frosch. „Irgendwann muss ich auch mal wieder nach Hause.“
„Leider kann ich dich nicht nach Hause bringen, weil ich ja nicht fliegen kann. Aber wir können viel zusammen spielen und miteinander reden. Du bist doch bestimmt ein wenig herum gekommen und kennst viele andere Tiere. Du kannst mir davon erzählen, wenn du willst.“
Der kleine Frosch willigte ein. Denn das hörte sich wirklich gut an.

 In den nächsten Tagen verbrachten sie viel Zeit zusammen. Der kleine Frosch erzählte dem kleinen Storch von seinen Abenteuern und von seinen Erlebnissen. Er erzählte ihm sogar von den Froschzahnschmerzen, die er einmal gehabt hatte, die verschwanden, als er die kleine Fliege kennen gelernt hatte.
Wenn die Storchenmama kam versteckte er sich unter den Flügeln seines neuen Freundes oder zwischen den dicken Ästen des Nestes. Danach teilten sie sich beide jeden Regenwurm. Frösche gab es nun keine mehr zum Essen, denn der kleine Storch sagte seiner Mama, dass ihm Frösche nicht schmecken würden.

 Eines Tages saß der kleine Frosch alleine im Nest, denn sein Freund fing mit seinen Flugstunden an. Mit jedem Tag konnte er besser fliegen.
Bis zu dem Tag, als er seine ersten großen Runden über den Wald drehen konnte.
Und dann war es auch Zeit, dass er den kleinen Frosch zurück nach Hause bringen konnte. Er stellte sich an den Rand des Nestes und der kleine Frosch kletterte auf seinen Rücken.
Der kleine Storch, der nun ein großer geworden war stieß sich mit beiden Beinen ab und flog in den weiten Himmel hinaus.
Für den kleinen Frosch war es das herrlichste Erlebnis seines Lebens. Und es war so schön den Wald und den Froschteich mit seinem neuen Freund von oben sehen zu können.

 Von da an flogen die beiden immer wieder zusammen und sahen sich immer neue Teile der Welt an. Ab und zu wurden sie sogar von der kleinen Fliege begleitet.

(c) 2004, Marco Wittler

13 Eine ungewöhnliche Freundschaft

002. Das Märchen von den Froschzahnschmerzen

Das Märchen von den Froschzahnschmerzen

 

Es war ein schöner, sonniger Tag. Es war keine Wolke am Himmel zu sehen, die Vögel zwitscherten und die Blumen blühten in allen Farben.
An diesem Nachmittag war die kleine Fliege unterwegs zu ihrer Oma. Sie summte ein kleines Liedchen und flog eine Kurve nach der anderen.
Nach einer Weile wurden ihre kleinen Flügelchen müde. Am Ufer eines Teichs wollte sie eine kurze Pause machen und setzte zur Landung an.
Doch dann bekam sie einen riesigen Schrecken, denn mitten im Wasser saß ein Frosch. Die Angst war so groß, dass die kleine Fliege vergaß, sich zu retten. Und schon saß sie direkt neben dem grünen Fliegenfresser.
»Bitte verschling mich nicht. Ich mache nicht einmal richtig satt, so klein bin ich.«, bettelte sie.
Der Frosch blieb still sitzen und bewegte sich nicht.
»Willst du mich denn gar nicht Fressen? Du bist doch ein Frosch. Stimmt da etwas nicht mit dir?«
Der Frosch atmete schwer ein und seufzte.
»Ich habe Froschzahnschmerzen. Da tut unheimlich weh.«
Nun viel es der Fliege auf, dass sich der Frosch die Wange hielt.
»Ich habe eine Idee.«, sagte sie.
»Ich werde mich sofort auf den Weg machen und für dich ein Heilmittel suchen. Du musst einfach nur hier auf mich warten.«
Sie schlug kräftig mit den Flügeln und sauste davon.
Der kleine Frosch sah ihr verzweifelt nach und hoffte, dass er bald von den schlimmen Schmerzen erlöst würde.
Ein paar Minuten später war ein Geräusch zu hören. Es klang wie ein gespanntes Gummiband. Ein paar Augenblicke landete ein Grashüpfer am Ufer.
»Hallo, kleiner grüner Freund.«, rief dieser voller Lebenslust.
»Was sitzt du so gelangweilt im Wasser? Erfreue dich des Lebens und springe durch die Gegend. Denn es ist Sommer. Das ist die schönste Zeit des Jahres.«
Der kleine Frosch seufzte und zeigte mich den Fingern auf seine gerötete Wange.
Der Grashüpfer kam näher und sah in den Mund des Frosches.
»Du meine Güte. Der Zahn sieht ja gar nicht gut aus. Du musst ja unglaubliche Schmerzen haben.«
Ein Nicken bestätigte diese Vermutung.
»Aber ich glaube, ich weiß da ein gutes Rezept. Damit wird es dir sofort besser gehen. Erfreue dich einfach des Lebens und hüpfe wild herum. Du wirst sehen, deine Schmerzen werden verschwunden sein, bevor du bis drei zählen kannst. Mach es mir einfach nach.«
Und schon sauste der Grashüpfer mit riesigen Sprüngen davon. Der kleine Frosch sah sich verzweifelt um. Sollte er es wirklich probieren?
Zaghaft machte er einen kleinen Hüpfer, dann einen weiteren. Er zählte sogar bis drei. Besser wurde es aber nicht. Die Schmerzen wurde sogar noch schlimmer.
»Autsch!«, rief er laut.
»Wer schreit denn da? So eine Unverschämtheit. Ich halte gerade meinen Mittagsschlaf.«
Eine fremde Stimme ertönte aus dem hohen Gras.
»Entschuldigung.«, sagte der Frosch klein laut.
Es raschelte, die Grashalme bogen sich zur Seite und eine große alte Schildkröte kam zum Vorschein.
»Was ist denn los, dass du so laut schreist?«
Der kleine Frosch seufzte und zeigte auf seine Wange.
»Ich habe Froschzahnschmerzen. Das tut wahnsinnig weh. Ich weiß nicht, was ich dagegen machen kann.«
Die Schildkröte war alt und weise und wusste sofort, was zu tun war.
»Du musst dir einen Tee aus Löwenzahnblättern kochen. Das stärkt deine Zähne und sie werden nie wieder schmerzen.«
Dann drehte sie sich herum und verschwand wieder hinter den hohen Gräsern.
»Und bitte schreie nicht wieder so laut. Ich würde gerne noch ein wenig schlafen.«
Sofort riss der Frosch ein großes Stück aus einem Löwenzahnblatt heraus. Er kochte es in heißem Wasser und trank sich den entstandenen Tee. Aber die Schmerzen blieben. Er versuchte sogar auf dem Blatt zu kauen. Doch das war nicht viel besser. Er begann wieder zu wimmern und weinen.
In diesem Moment pfiff ein kalter Windhauch über den Teich.
»Was ist mit dir los?«, flüsterte dieser.
»Ach, lieber Wind, ich leide unter entsetzlichen Froschzahnschmerzen. Ich weiß nicht, was ich dagegen machen soll.«
»Ich werde ihn fort blasen.«, entschied der Wind.
»Denn es gibt nichts, was ich nicht hinweg fegen könnte.«
Er brauste auf, wurde größer und stärker. Er entwickelte sich zu einem Wirbelsturm und raste nun um den kleinen Frosch herum. Das Wasser des Teichs spritze wild. Die Grashalme rissen aus dem Boden und flogen davon. Bis der Wind wieder ruhiger wurde.
»Die Schmerzen sind immer noch da.«, sagte der Frosch traurig.
»Es hat nichts genutzt.«
Der Wind entschuldigte sich, dass seine Idee nicht funktioniert hatte und sauste leise davon.
Auf einmal summte etwas in der Luft. Es schien aus mehreren Richtungen zu kommen. Es war aber nichts zu sehen. Plötzlich sauste eine alte Fliege im Sturzflug heran und erschreckte den Frosch mit einem lauten Buh.
Der kleine Frosch erschreckte sich, riss den Mund auf und schrie. Da kam die kleine Fliege von hinten, landete auf seiner Zunge und riss mit ihren Ärmchen den kranken Zahn heraus.
»Huch, was war denn das?«, fragte der Frosch erstaunt.
Die kleine Fliege zeigte stolz den Zahn vor.
»Das war die Idee meiner Oma. Jetzt werden die Schmerzen ganz schnell verschwunden sein.«
Und sie hatte tatsächlich Recht. Die Wange schwoll ab und es tat nicht mehr so sehr weh.
Da freute sich der kleine Frosch sehr und drückte die kleine Fliege vorsichtig an sich. Er war ihr so dankbar, dass er versprach, nie wieder eine Fliege zu fressen.
So wurden die beiden dicke Freunde.

(c) 2009, Marco Wittler

02 Das Märchen von den Froschzahnschmerzen