531. Eine Geschichte für Klaus

Eine Geschichte für Klaus

Klaus saß im Wohnzimmer in seinem großen, gemütlichen Ledersessel und trank eine heiße Tasse Kakao, während er sich die Füße am Kamin wärmte.
»Kannst du mir eine Geschichte vorlesen?«, fragte Klaus seinen besten Freund.
Dieser verdrehte nur die Augen.
»Was? Noch eine Geschichte?«, fragte er genervt.
Klaus strahlte über das ganze Gesicht.
»Au ja. Bitte, bitte, bitte. Du kennst so tolle Geschichten. Die sind immer so spannend und schön und zum Lachen und zum Weinen und …«
Ihm fielen keine anderen Beschreibungen mehr ein.
»Sie sind einfach alles.«
Sein Freund seufzte. »Ich habe dir allein heute schon über zehn Geschichten erzählt. Meinst du nicht, dass das langsam reicht?«
Aber Klaus schüttelte energisch den Kopf. »Geschichten kann man nie genug hören. Außerdem habe ich heute frei und habe gestern ganz viel gearbeitet. Jetzt habe viel Zeit, um dir zuzuhören. Und genug Kakao habe ich auch noch.«
Er zeigte auf eine große Kanne, die noch fast voll war.
»Wenn ich suche, finde ich bestimmt auch noch ein paar Plätzchen, die wir uns teilen können.«
»Na gut.«, seufzte der Freund. Eine allerletzte Geschichte fällt mir bestimmt noch ein. Danach ist dann aber wirklich Schluss. Irgendwann muss ich auch mal wieder nach Hause. Ich hatte gestern auch einen anstrengenden Arbeitstag.«
Klaus ließ die Mundwinkel fallen.
»Eine Geschichte ist wenigstens besser als nichts. Lieber wäre es mir aber, du würdest mir den ganzen Abend welche erzählen.«
Er dachte kurz nach und grinste. »Du könntest aber auch noch mal von vorne anfangen.«
»Nein. Auf keinen Fall. Eine letzte Geschichte noch.«
»Schaaade.«
Klaus schob die Unterlippe vor und sein Freund begann zu erzählen.
»Es war einmal in einem fernen Land eine wunderschöne Prinzessin.«
»Und die verliebt sich in den Nikolaus?«, fragte Klaus begeistert.
»Nein. Wie kommst du darauf? In der Geschichte kommt der Nikolaus gar nicht vor.«
Klaus schmollte.
»Dann will ich die nicht hören. Ich will eine Geschichte mit Nikolaus hören.«
»Also gut.«, sagte sein Freund Rudolf. »Aber nur, weil du es bist. Es war einmal in einem fernen Land ein kugelrunder Nikolaus.«
Nun war Klaus, der Nikolaus, zufrieden. Endlich erzählte ihm sein Freund das Rentier eine seiner Lieblingsgeschichten. Darauf freute er sich jedes Jahr wie ein kleines Kind.

(c) 2015, Marco Wittler

530. Nikolaus, wer war in meinem Haus?

Nikolaus, wer war in meinem Haus?

Der Nikolaus war müde. In den letzten Stunden war er um die ganze Welt gereist, war mit seinem dicken Bauch durch unzählige Kamine geklettert und hatte noch mehr Geschenke an die braven Kinder der Erde verteilt. Dabei hatte er die ganze Zeit den Duft von Keksen, Schokolade und anderen Süßigkeiten in der Nase.
»Und dabei bin ich doch gerade auf Diät.«, seufzte er jedes Mal, wenn er etwas Süßes in die Socken an den Kaminen oder in den Stiefeln vor den Türen versteckte.
Trotzdem hatte er tapfer durchgehalten und hatte nicht ein einzige Mal an den Geschenken genascht.
Und nun stand er vor seinem eigenen Haus, gähnte so laut, dass er damit fast die Nachbarn aufweckte und steckte den Schlüssel in sein Türschloss.
»Nanu? Warum geht der denn nicht rein?«, wunderte sich sich der Nikolaus.
»Da stimmt doch was nicht.«
Er rüttelte und schüttelte am Schlüssel. Er bekam sogar Angst, dass dabei er ihn dabei abbrechen könnte und dann auf den Schlüsselnotdienst warten müsste.
»Hm, ganz ruhig bleiben.«
Er zog den Schlüssel wieder aus dem Schloss, steckte ihn langsam zurück und drehte in sanft im Kreis.
»Na also. Geht doch.«
Der Nikolaus gähnte wieder laut, hängte seinen warmen Mantel an die Garderobe und ging in die Küche.
»Jetzt noch eine leckere Tasse Tee und dann gemütlich im Sessel vor dem Kamin einschlafen.«
Darauf freute er sich jedes Jahr. Das wollte er sich auch dieses Jahr nicht nehmen lassen.
Der Tee war schnell gemacht und verbreitete nun seinen Duft durch das ganze Haus. Der Nikolaus schnappte sich die Kanne, eine Tasse und betrat nun das Wohnzimmer. Er ließ sich in den Sessel plumpsen, als er etwas roch.
»Was ist denn das?«
Er sah zu einem kleinen Tischchen, das neben ihm stand.
»Kekse? Schokolade? Süßigkeiten?«
Er wunderte sich.
»Wo kommen die denn her? Die habe ich aber nicht hier stehen lassen. Ich bin doch auf Diät.«
Verzweifelt streichelte er über seinen dicken Bauch. Dann sah er einen kleinen Brief neben dem Zuckerwerk.
»Als Dankeschön, weil du jedes Jahr an uns denkst und und beschenkst.«
Es war eine kleine Aufmerksamkeit der Nachbarskinder.
»Diese Schlingel.«, schmunzelte der Nikolaus. »Haben mir einfach meine Idee geklaut.«
Dann nahm er sich einen Keks, kaute genüsslich darauf herum und freute sich, dass jemand heute an ihn gedacht hatte.
»Das können die Kinder gern jedes Jahr machen. Mache ich meine Diät einfach später.«

(c) 2015, Marco Wittler