Ninos Jahrmarktglück
Vor ein paar Tagen waren viele bunte Wagen in die Stadt gekommen. Auf einem großen Schotterplatz hatten sie sich verteilt, mehrere Buden und Karussells aufgebaut. Die Menschen durften sich auf eine schöne Zeit auf dem Jahrmarkt freuen.
Es waren aber nicht nur die Menschen, die sich auf dieses Ereignis freuten. Auch in der Tierwelt gab es den und die andere, die es kaum erwarten konnten, Zuckerwatte zu essen und mit hoher Geschwindigkeit im Kreis zu fahren.
Mittlerweile war der letzte Tag des Rummels angebrochen und nur ein einziger Besucher schaffte es erst jetzt, den Platz zu betreten. Nino hatte sich schon früh auf den Weg gemacht, brauchte aber wie immer etwas länger. Glücklicherweise konnte er unterwegs in seinem Wohnmobil übernachten. Er war nämlich eine Schnecke und schon deswegen sehr langsam. Doch kurz vor Mitternacht stand er endlich vor der großen Achterbahn und freute sich schon sehr, jeden Augenblick auf die wilde Fahrt zu gehen.
»Hey, Kleiner.«, blaffte ihn der Mann an der Kasse an. »Du kannst gleich wieder umdrehen. Dich lassen wir hier nicht mitfahren.« Mit der Hand zeigte er auf ein Schild. »Du bist zu klein. Eineinhalb Meter müssen es sein.«
Nino seufzte laut. Er hatte den langen und beschwerlichen Weg auf sich genommen und nun durfte er kein einziges Fahrgeschäft besuchen. »Das ist doch zum aus der Haut fahren. Was mache ich denn jetzt?« Traurig machte er sich auf den Heimweg und kroch langsam auf den Ausgang des Platzes zu. Da wäre er beinahe von einem Kind über den Haufen gelaufen worden.
»Mama!«, rief das Kind und begann zu weinen. »Mama, mein Jo-Jo ist kaputt.« Am Finger des Kindes baumelte ein leeres Band herab, während das Jo-Jo in einem Gullischlitz verschwand.
Nino begriff sofort, dass dies seine große Chance war, doch noch zu einer Karussellfahrt zu kommen. Er griff nach dem Band und zwinkerte dem Kind, dass zu grinsen begann.
»Alles wieder gut, Mama. Das Jo-Jo ist wieder heile.« Es rollte das Band um Ninos Schneckenhaus und begann zu spielen, während die Schnecke laut jubelnd hoch und runter flog.
(c) 2022, Marco Wittler
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