793. Das letzte Geschenk

Das letzte Geschenk

Der Weihnachtsmann war erschöpft. Er hatte die ganze Nacht lang auf der ganzen Welt Geschenke verteilt und unter Weihnachtsbäume gelegt. Nun landete er auf dem letzten Dach. Das letzte Geschenk des Jahres würde nun auch seinen Platz und seinen zukünftigen Besitzer bekommen.
Er kletterte im Kamin hinab, schlich sich durch das Wohnzimmer und griff in den geöffneten Sack. Doch statt eines schick verpackten Geschenks, fand seine Hand nur noch gähnende Leere vor. Das letzte Geschenk war nicht da.
»Wie kann das sein? Das ist noch nie passiert.«
Sofort zog er sein Handy aus seiner Manteltasche und rief in der Elfenwerkstatt am Nordpol an.
»Wo ist das Geschenk für Alexander? Ich stehe hier in seinem Wohnzimmer und kann nichts unter den Baum legen. Könnt ihr euch vorstellen, wie peinlich mir das gerade ist?«
Es dauerte einen Moment, bis sich die Elfen umgesehen hatten. Aber dann kam die befürchtete Antwort.
»Das Geschenk ist noch hier. Es muss vom Fließband gefallen sein, während wir den Sack gepackt haben. Tut uns leid.«
Der Weihnachtsmann grummelte. Aber Fehler konnten halt passieren. Er selbst hatte auch schon öfter mal unterwegs Geschenke miteinander verwechselt.
»Ist in Ordnung. Ich lasse mir was einfallen.«
Er beendete das Gespräch und steckte das Handy wieder ein. Dann klopfte er an die Schlafzimmertür der Eltern und erzählte ihnen von seiner Idee. Kurz darauf klopfte er an Alexanders Zimmertür.
»Hallo? Jemand Zuhause? Hier ist der Weihnachtsmann. Bist du wach?«
Natürlich war Alexander wach. Er war vor Weihnachten so aufgeregt, dass er kaum schlafen konnte.
»Bist du es wirklich? Ich habe schon gedacht, dass ich dich niemals treffen würde.«
Der Weihnachtsmann grinste. »Zieh dir was Warmes an. Der Empfänger des letzten Geschenks bekommt jedes Jahr noch eine zusätzliche, große Überraschung.«
Das war zwar nicht die Wahrheit, aber der Weihnachtsmann wollte Alexander nicht erzählen, dass seinem Geschenk etwas passiert war.
Ein paar Minuten später standen sie auf dem Dach und sahen über die verschneite Stadt hinweg. Alexander war begeistert. Zum ersten Mal in seinem Leben durfte er die Rentiere des Weihnachtsmann sehen und streicheln.
»Na los, steig ein. Wir haben eine lange Reise vor uns.«
Beide nahmen im Schlitten Platz und flogen los. Das Ziel war der Nordpol.

Ein paar Stunden später landeten sie am Nordpol neben der Werkstatt der Weihnachtselfen. Alexander war schon vom Flug unglaublich begeistert gewesen. Jetzt aber die vielen Elfen direkt vor sich zu sehen, war das Beste überhaupt.
»Und nun, mein Lieber, bekommst du von mir persönlich dein Weihnachtsgeschenk.«
Die Elfen reichten dem Weihnachtsmann ein mit einer roten Schleife geschmücktes Paket, dass dieser an Alexander weiter reichte.
»Ich hoffe es wird dir gefallen. Meine Elfen haben es mit sehr viel Liebe gebaut und eingepackt.«
Alexander nahm das Paket an sich, stellte es aber direkt vor sich auf den Boden.
»Vielen Dank, lieber Weihnachtsmann. Aber das größte und Beste Geschenk war es, mit dir zusammen im Schlitten zu fliegen und einmal in meinem Leben deine Elfenwerkstatt sehen zu dürfen. Das kann kein anderes Geschenk übertreffen.«

(c) 2019, Marco Wittler

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