899. Blut

Blut

Es war mitten in der Nacht. Die Wohnung lag in völliger Dunkelheit, als es einen lauten Knall gab.
Mama, die bis zu diesem Zeitpunkt tief und fest geschlafen hatte, wurde sofort wach und schreckte hoch.
In ihren Gedanken malte sie sich die wildesten Fantasien aus. Sie dachte an einen Einbrecher, vielleicht aber auch an Vandalen, die ihr die Fenster einschlugen. In jedem Fall rechnete sie mit einer gefährlichen Situation.
Mama wollte nach ihrem Handy greifen, sich damit im Kleiderschrank verstecken und die Polizei rufen. Doch dann fiel ihr ein, dass es im Wohnzimmer lag. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als aufzustehen.
Sie horchte in die Nacht hinein. In der Wohnung war es wieder still geworden. Nichts regte sich.
Mama atmete auf, dann schlich sie ins Wohnzimmer und sah sich um. Die Fenster waren in Ordnung. Also ging sie weiter in die Küche, wo sie sich nicht lange auf den Füßen halten konnte. Der Boden war glitschig und brachte sie zum Sturz.
Sie mühte sich wieder hoch, schlug auf den nahen Lichtschalter und sah, worin sie ausgerutscht war. Unter ihren Füßen war eine rote Pfütze, deren Flüssigkeit sich nun zum Teil in ihrem Nachthemd befand.
Mama wusste sofort, dass es sich hierbei nur um eines handeln konnte: Blut!
Sie begann laut zu schreien, bekam Angst und rechnete damit, das sich etwas wirklich Gefährliches auf sie stürzen würde.
Doch dann hörte sie ein genervtes Stöhnen hinter sich.
»Mensch, Mama. Mach doch hier nicht so eine Welle.«, erklang die Stimme ihres Sohnes. »Mir ist das Einmachglas mit der Marmelade runter gefallen und dann ausgelaufen. Geh wieder ins Bett und lass mich das hier aufwischen.«

(c) 2020, Marco Wittler

Bild: OpenClipart-Vectors auf Pixabay

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