374. Wenn es blitzt und donnert

Wenn es blitzt und donnert

Donner!
Blitz!
Helles Licht!
Rumms bumms!

Das Wetter spielte schon eine ganze Weile verrückt. Während des Abends waren dicke Wolken heran gezogen, die den Himmel grau färbten. Als es dann langsam dunkler wurde, begannen die ersten Tropfen zur Erde zu fallen. Mittlerweile herrschte strömender Regen. Blitz und Donner störten alle paar Sekunden die schwarze Nacht. An Schlaf war nun nicht mehr zu denken.
»Warum muss das denn so laut und hell sein? Das macht mir richtig Angst. Hoffentlich passiert nichts.«
Ben lag zitternd im Bett und hielt sich die Augen zu. Er wollte das da draußen nicht hören und nicht sehen. Aber irgendwie funktioniert das nicht. Die Blitze waren viel zu hell und die Donnerschläge viel zu laut.
Aus dem Nachbarbett meldete sich seine Schwester Sofie und versuchte ihn zu trösten.
»Das Gewitter tut dir nichts. Hier im Haus sind wir doch sicher. Wir haben ein Dach über dem Kopf und nichts kann zu uns herein kommen.«
Aber das reichte Ben einfach nicht.
»Ich will das nicht. Es soll aufhören. Warum gibt es überhaupt Gewitter? Wer braucht das schon? Ich jedenfalls nicht.«
Er kauerte sich im Bett zusammen und versteckte seinen Kopf unter dem Kissen.
»Weißt du denn wirklich nicht, warum es vom Himmel aus ständig blitzt? Hat dir das denn niemand erzählt?«, fragte Sofie verwundert.
Ben kam wieder unter dem Kissen hervor und schüttelte den Kopf.
»Nein. Ich weiß von nichts.«
Sofie seufzte und schlich sich zu ihrem Bruder herüber.
»Als der Uropa vor zwei Wochen gestorben ist, wo ist er dann hin gekommen?«
Ben musste nicht lange überlegen. Die Antwort wusste er sofort.
»Er ist im Himmel und sitzt dort auf einer großen weichen Wolke.«
Sofie nickte.
»Richtig. Da sitzt er und schaut immer zu uns herab. Aber er will sich ja nicht nur sehen, was wir gerade machen, sondern will hin und wieder ein paar Sachen von uns in Erinnerung behalten. Also schnappt er sich seinen großen Himmelsfotoapparat und macht jede Menge Bilder von uns, die er sich dann in sein Fotoalbum klebt.«
Ben bekam große Augen.
»Ehrlich? Er macht Fotos von uns wenn es blitzt?«
Sofie nickte.
»Das ist ja richtig cool. Dann darf ich aber nicht mehr weinen.«
Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und stand auf.
»Los, wir müssen gut aussehen.«
Dann flitzte Ben zum Fenster und setzte sich lächelnd davor.
»Hallo, Uropa. Hier bin ich.«

(c) 2011, Marco Wittler

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