371. Wenn sich Piraten fürchten

Wenn sich Piraten fürchten

Die Angst ging im Dorf um. In der kleinen Gemeinde am Meer war es still geworden. Alle Piratenschiffe lagen ungenutzt im Hafen. An diesem Tag traute sich keiner der Freibeuter aus dem Haus. Es war viel zu gefährlich, sich auf der Straße sehen zu lassen. Nur das leise Zirpen einer kleinen Grille war zu hören.
Doch dann wurde die Stille gestört. Das laute Läuten der Kirchenglocke ertönte hoch über den weiß verschneiten Straßen.
»Oh nein. Könnt ihr es hören?«, bibberten die Piraten in ihrem Versteck.
»Gleich ist es so weit. Sie werden kommen und uns holen.«
Ein leises Zähneklappern war zu hören. Sie wussten, dass sich das Verstecken nicht lohnte. Jedes Jahr hatten sie es versucht und jedes Jahr waren sie am Ende doch noch entdeckt worden.
»Oh je, da kommen sie.«
In den Straßen war plötzlich eine große Gruppe Frauen zu sehen. Sie hatten sich mit Fackeln bewaffnet und leuchteten in jedes Haus hinein.
»Kommt schon. Wir wissen, dass ihr da seid. Wir erwischen euch ja doch.«
Ganz still waren nun die Piraten. Dicht kuschelten sie sich aneinander und suchten bei den anderen Schutz. Doch dann öffnete sich die Tür zu ihrem Versteck und eine grimmige Frau trat herein.
»Ach Jungs. Was soll das denn? Warum hockt ihr denn jedes Jahr im gleichen Versteck? Außerdem ist es doch gar nicht so schlimm.«
Dann nahmen sie die zitternden Piraten an den Händen und führten sie hinaus. Jeder wurde in sein Haus gebracht, wo sie ängstlich schrien.
Nun fragst du dich sicher, wovor so ein mutiger Pirat Angst hat. Ich will es dir erzählen.
Jedes Jahr am Abend vor Weihnachten wird es Zeit, dass sich die Piraten baden. Der Dreck und Gestank von einem ganzen Jahr klebt an ihrer Haut und es ist dringend Zeit, dass sie mal wieder richtig sauber geschrubbt werden. Die Frauen möchten nämlich zur Feier beim Christbaum einen sauberen Mann am Tisch sitzen haben.
Und so müssen auch heute noch jedes Jahr zu den Feiertagen die Piraten unter lauten Protesten und Angstgeschrei in die Badewanne steigen.

(c) 2011, Marco Wittler

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